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Kognitive Semantik. Möglichkeiten der Kategorisierung

Seminararbeit 2013 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kognitive Semantik
2.1 Die Anfänge der Kognitiven Semantik
2.2 Grundannahmen der Kognitiven Semantik

3. Möglichkeiten der Kategorisierung
3.1 Prototypen und Familienähnlichkeit
3.2 Schemata
3.3 Metapher und Metonymie

4. Chancen und Grenzen der Kognitiven Semantik

5. (K)eine Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Kognitive Semantik ist eine junge wissenschaftliche Disziplin der Kognitiven Linguistik. Sie wurde in den letzten Jahren kontrovers diskutiert, da sie einerseits Innovationen, anderseits Widersprüche befördert. Die Intention der vorliegenden Arbeit liegt daher in der Darstellung der Kognitiven Semantik im Allgemeinen und speziell hinsichtlich ihrer Arten der Kategorisierung. Abschließend sollen die Chancen und Grenzen der Kognitiven Semantik untersucht und die sprachwissenschaftliche Disziplin der Kognitiven Semantik auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse bewertet werden.

Zunächst erfolgt zu diesem Zweck eine knappe Einordnung der Disziplin im Hinblick auf ihre Anfänge und Grundannahmen. Dabei fungiert die Kategorisierung als zentraler Aspekt der Kognitiven Semantik. Die Betrachtung von Möglichkeiten zur Kategorisierung erfolgt zielgerichtet in Bezug auf den Prototypenbegriff in Korrelation mit der Familienähnlichkeit sowie der Organisationseinheit der Schemata. Von besonderer Bedeutung ist dafür die Auseinandersetzung mit Skripts und Szenen sowie Frames und semantischen Netzen. Daran schließt sich ein kurzer Exkurs zu Metaphern und Metonymie.

Basisschaffend für die gewonnenen Erkenntnisse waren vor allem die Arbeiten von Monika Schwarz „Einführung in die Kognitive Linguistik“ (2008) und „Semantik“ (2007) beide erschienen in Tübingen, sowie die Arbeiten von Holger Becker „Systematische und lexikalische Aspekte der mathematischen Fachsprache des 19. Jahrhunderts“ (2005) in Oldenburg erschienen und Reinhard Blutner „Prototypen und Kognitive Semantik“ (2002).

2. Die Kognitive Semantik

„Die Semantik wird im Bereich der Linguistik traditionell als diejenige wissenschaftliche Disziplin verstanden, die sich mit den Bedeutungen sprachlicher Einheiten und Strukturen beschäftigt.“[1] Innerhalb der Kognitiven Semantik werden Bedeutungen als geistige Repräsentationseinheiten erläutert, welche an sprachliche Formen gebunden sind. Diese enthalten kommunikationsrelevante Informationen und ermöglichen die sprachliche Bezugnahme auf die Welt. Somit beinhaltet die Bedeutungskonstruktion zwei Aspekte: zum einen intern die Sicherung von Bedeutungen im Langzeitgedächtnis und zum anderen den Bezug auf die äußere Welt. Für die menschliche Sprachfähigkeit sind die semantischen Komponenten zentral.[2]

Das nachfolgende Kapitel umfasst zunächst eine knappe Betrachtung der Anfänge der Kognitiven Semantik. Daran knüpfen sich die Darstellung der Kognitiven Semantik zugrundeliegender Annahmen.

2.1 Die Anfänge der Kognitiven Semantik

Die Anfänge der Kognitiven Semantik gehen bereits auf antike Schriften von Platon und Aristoteles zurück und sind über den Universalienstreit im Mittelalter bis hin zur Erkenntnistheorie der Neuzeit verknüpft,[3] dennoch soll eine detaillierte Betrachtung der historischen Semantikforschung zugunsten der thematischen Ausrichtung der Arbeit unterbleiben. Daher konzentriert sich die Auseinandersetzung auf die 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit fanden die Ideen der Psychologen Rosch, Mervis, Medin und Smith innerhalb der lexikalischen Grammatik zunehmend Zustimmung.[4] Dabei vereint der Begriff verschiedene Theorien aus der Philosophie (Wittgenstein 1969), der Experimental- oder Gestaltpsychologie (Rosch 1975-78) und der philologisch orientierten Forschung (Paul und Erdmann).[5] Die Kognitive Semantik eint folglich vielfältige Aspekte aus Philosophie, Philologie und Psychologie.

2.2 Grundannahmen der Kognitiven Semantik

Sprache ist als komplexes System im Langzeitgedächtnis gespeichert und kann bei Bedarf ins Kurzzeitgedächtnis transferiert werden. Das mentale Lexikon ist dabei der Teil des Langzeitgedächtnisses, welcher das sprachliche Wissen abbildet. Die Kognitive Semantik ist ein Subsystem der menschlichen Kognition, welche als ein mentales im Langzeitgedächtnis gespeichertes Kenntnissystem fungiert. Dabei handelt es sich um eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, wobei Kernfragen zur Organisation und Repräsentation semantischen Wissens im Gedächtnis und deren Aktivierung in bestimmten Situationen gestellt werden. Es sind nicht nur die informelle Komponenten unserer semantischen Kompetenz, sondern auch die Art und Weise der mentalen Speicherung semantischer Kenntnisse und deren Aktivierung in Sprachverarbeitungsprozessen zentral.[6]

“Die semantische Kompetenz umfaßt ein Kenntnissystem, das unser Bedeutungswissen repräsentiert, und ein System, von Prozeduren (…), die dieses Bedeutungswissen aktivieren können. Unsere semantische Kompetenz ermöglicht also das Verstehen und Produzieren von sinnvollen Äußerungen, aber auch das Erkennen und Einordnen von Bedeutungsrelationen, die sprachliche Bezugnahme auf die Welt und die Fähigkeit, Sätze nach ihrem Sinn und Wahrheitsgehalt zu beurteilen.”[7]

Somit ermöglicht unsere semantische Kompetenz durch das Lesen beispielsweise dieser Seminararbeit die Zuordnung von Bedeutungen. Die Bedeutungszuordnung verläuft dabei unterbewusst, vergleichbar mit einem Reflex. Demnach ist es einem sprachkundigen Menschen nicht möglich, die Aufforderung „VERSTEHEN SIE DIESEN SATZ BITTE NICHT!“ zu erfüllen.[8]

Zunächst verstehen wir Laute, welche zu Wörtern und schließlich Sätzen verknüpft werden. Diese Sätze sind dann Träger der Bedeutung.[9] „Die Semantik wird allgemein definiert als die Wissenschaft, die sich mit sprachlichen Ausdrücken beschäftigt. Schlüsselbegriff aller Semantiktheorien ist also die Bedeutung.“[10] So ist auch die grundlegende Frage der Kognitiven Semantik nach Schwarz zum einen, wie Bedeutungen im mentalen Lexikon gespeichert und dort in Verarbeitungsprozessen abgerufen werden und zum anderen, wie die außersprachliche Welt geschildert wird und welchen Einfluss Kontext, Weltwissen sowie situative Faktoren auf die Prozesse der Bedeutungsaktivierung bzw. -konstruktion haben?[11]

[...]


[1] Schwarz, M.: Kognitive Semantiktheorie und neuropsychologische Realität. Tübingen 1992. S. 5.

[2] Vgl. Schwarz, M.: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen 2008. S. 59.

[3] Vgl. Schwarz, M.: Kognitive Semantiktheorie und neuropsychologische Realität. Tübingen 1992. S. 5.

[4] Vgl. Blutner, R.: Prototypen und Kognitive Semantik. 2002. S. 1.

[5] Vgl. Becker, H.: Dissertation. Semantische und lexikalische Aspekte der mathematischen Fachsprache

im 19. Jahrundert. Oldenburg 2005. S. 15f.

[6] Vgl. Schwarz, M. / Chur, J.: Semantik. Ein Arbeitsbuch. Tübingen 2007. S. 13f.

[7] Ebd. S. 7.

[8] Vgl. ebd. S. 17ff.

[9] Vgl. ebd. S. 13.

[10] Ebd. S. 15.

[11] Vgl. Schwarz, M.: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen 2008. S. 59f.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656431541
ISBN (Buch)
9783656437710
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215301
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Deutsch
Note
1,7
Schlagworte
kognitive semantik möglichkeiten kategorisierung

Autor

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Titel: Kognitive Semantik. Möglichkeiten der Kategorisierung