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Der Einfluss sozialer Unterstützung auf die Selbstwertschätzung

Wissenschaftliche Studie 2011 20 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung
Zielsetzung und Hypothesen

Methode
Rekrutierung und Stichprobenbeschreibung
Durchführung und experimentelles Design
TSST-G
Verwendete Instrumente

Ergebnisse
Reliabilitäts- und Itemanalyse
Unterschiede in der Zustands-Selbstwertschätzung zwischen KSU und SU
Zusammenhang zwischen wahrgenommener Nützlichkeit der SU und der Zustands-Selbstwertschätzung

Diskussion

Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Introduction: Recent findings indicate that evaluation situations, such as a self-presentation in front of others, in which we perceive the social-self as threatened, lead to stress and psychological stress responses such as a lowered self-esteem (Gruenewald, Kemeny, Azid & Fahey, 2004). According to a study by Ditzen et al. (2008), social support can buffer the negative subjective effects of a standardized psychosocial stressor. The aim of the present study was to investigate the effectiveness of social support in a stressful situation on self-esteem. Methods: 127 subjects were confronted with the Trier Social Stress Test for Groups (TSST-G) (von Dawans, Kirschbaum & Heinrichs, 2010). While preparing for the stressful situation, half of the subjects were randomly assigned to either receive social support or not. Self-esteem was measured using a German version of the State Self-Esteem Scale (Rudolph, Schütz, & Schröder-Abé, 2008). Results: Social support increased overall self-esteem and the two self-esteem subaspects performance and social self-perception. No correlations between how helpful and calming the social support was perceived and the self-esteem were found, but a significant negative correlation between how confusing the social support was perceived and self-esteem emerged. Discussion: Results indicate that, in comparison to handle a stressful situation alone, social support buffers the social threat apperception and secures one`s self-esteem perceptions. Several limitations of this study are discussed.

Key words

Self-esteem, Social stress, Social Stress Test (TSST-G), Social support

Einleitung

Das Selbst ist ein dynamisches, informationsverarbeitendes und verhaltensregulierendes System (Mischel & Morf, 2003), das sich aus den Komponenten Selbstkonzept und Selbstwert zusammensetzt. Schütz (2003) definiert das Selbstkonzept als eine subjektive Theorie über die eigene Person und als Gesamtheit aller selbstbezogenen Wahrnehmungen. Nimmt das Individuum eine subjektive Bewertung von Inhalten dieser Theorie vor, spricht man vom Selbstwert. Ob das Selbst innerhalb des Wertungsprozesses bestätigt, abgewertet oder erhöht wird, ist abhängig von den Erfahrungen im sozialen Umfeld und der eigenen Wahrnehmung zu sich selbst. In der englischen Forschungsliteratur wird in diesem Zusammenhang vor allem der Begriff self-esteem verwendet, worunter im Deutschen oft der Selbstwert oder das Selbstwertgefühl verstanden wird. In der vorliegenden Studie wird mit der fortlaufenden Übersetzung von self-esteem als Selbstwertschätzung der Tatsache Rechnung getragen, dass die positiven und negativen Bewertungen der eigenen Person kein Gefühl im engeren Sinne darstellen (Schütz & Sellin, 2006).

Die Selbstwertschätzung ist situativ beeinflussbar und kann sich im Verlauf der Entwicklung eines Individuums verändern, wobei sie besonders im Erwachsenenalter, als verhältnismäßig stabil angesehen werden kann (Kernis, 2005). In diesem Zusammenhang spricht man von globaler Selbstwertschätzung (englisch state self-esteem), die dadurch gekennzeichnet ist, dass Menschen eher aktiv nach Informationen suchen, die ihr Selbstkonzept bestätigen, und Informationen ablehnen, die ihre allgemeine Sicht über sich selbst bedrohen (Greenwald, 1980; Swann, 1985, 1987; zitiert nach Heatherton & Polivy, 1991). Erleben Personen aufgrund situationaler Faktoren eine kurzfristige Schwankung in ihrer Selbstwertschätzung, so bezieht sich diese nur auf die Selbstwertschätzung als Zustand (englisch state self-esteem), also darauf, wie sich die Person momentan einschätzt und nicht auf die sonst übliche Wertung der eigenen Person.

In der psychologischen Forschung wurde bereits 1976 von Shavelson, Hubner und Stanton mithilfe des hierarchischen Mehr-Facettenmodells darauf hingewiesen, dass die globale Selbstwertschätzung der eigenen Person in verschiedene Facetten differenzierbar ist. Im Zuge der Entwicklung von Messinstrumenten zur Erfassung des Selbstwertes, konnten anhand von Faktorenanalysen mehrere Bereiche identifiziert werden, wobei die in der vorliegenden Analyse verwendete Skala zur Zustands-Selbstwertschätzung der Autoren Rudolph, Schütz & Schröder-Abé (2008) zwischen leistungsbezogener- (Überzeugungen bezüglich fachlicher und beruflicher Fähigkeiten), sozialer- (Sicherheit im Kontakt zu anderen Menschen) und physischer Attraktivitäts-Selbstwertschätzung (Einstellungen einer Person zu ihrer Attraktivität) unterscheidet. Inwiefern die verschiedenen Aspekte bei der Bewertung der eigenen Person intersubjektiv gewichtet werden und für einige Individuen eine größere Bedeutung besitzen, bleibt in der Forschung bisher ungeklärt (Schütz & Selin, 2006).

Die Selbstwertschätzung kann durch Beobachtung von Verhaltensänderungen oder durch Selbstbeobachtung des eigenen Verhalten und Erlebens erfasst werden (Heatherton & Polivy, 1991). Die Zustandsmessung unterscheidet sich jedoch von der Erfassung der Selbstwertschätzung als Persönlichkeitseigenschaft durch eine andere Zeitperspektive und fragt, wie eine Person sich momentan in einer bestimmten Situation bewertet (Schütz & Selin, 2006).

Wie in vielen Studien belegt werden konnte, geht eine hohe Selbstwertschätzung oft mit einer größeren Lebenszufriedenheit einher und stellt einen wichtigen Faktor der psychischen Gesundheit dar (Schütz & Selin, 2006). Diese Erkenntnisse lassen auch das stetige Streben der Gesellschaft nach einer Steigerung des Selbstwertniveaus nachvollziehen, was unter anderem an den unzählig erschienenen Selbstwertratgebern oder Seminaren zur Selbstwertsteigerung deutlich wird. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich jedoch auch Hinweise darauf, dass eine zu hohe Selbstwertschätzung auch negative Aspekte in sich birgt, wie beispielsweise die starke Fokussierung auf die eigenen Stärken, wodurch wichtiges soziales Feedback weniger Beachtung findet (Schütz & Sellin, 2006).

Situative Veränderungen der Zustands-Selbstwertschätzung lassen sich nur unvollständig unter dem Aspekt des allgemeinen Selbstwertniveaus erklären, womit die Fokussierung psychologischer Untersuchungen auf die Klassifizierung der Selbstwertschätzung in hoch oder niedrig als eine zu einseitige Betrachtung erachtet werden kann. In diesem Zusammenhang wird die Frage bedeutsam, welche situativen Faktoren die Selbstwertschätzung bedrohen und wie sie die Zustands-Selbstwertschätzung verändern. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass insbesondere Situationen in denen das soziale Selbst (Überzeugung zu den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen), durch die Bewertung anderer Personen potenziell abgewertet werden könnte, als bedrohlich empfunden werden (Gruenewald, Kemeny, Aziz & Fahey, 2004). Durch die Überzeugung der Person, nicht über die notwendigen psychologischen Ressourcen wie Selbstwirksamkeit und Kompetenz zu verfügen, um die Belastungssituation effizient bewältigen zu können (O'Leary, 1992), wird die Situation als stressig erlebt und geht mit der Initiierung physiologischer und psychologischer Stressreaktionen einher. In diesem Zusammenhang konnten Leary, Tambor, Terdal & Downs (1995) feststellen, dass allein die Wahrnehmung einer möglichen sozialen Ablehnung durch andere Personen, die gesamte Zustands-Selbstwertschätzung reduziert. Bewertungssituationen, wie beispielsweise eine Präsentation in der Universität oder eine Selbstdarstellung vor anderen Personen, werden auch daher als bedrohlich erlebt, weil wir Menschen das primäre Interesse verfolgen möglichst positive Informationen aus der sozialen Umwelt, zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbst, zu erhalten. Dieses Bestreben ist evolutionär bedingt (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2007) und geht mit der Motivation einher von anderen akzeptiert zu werden (Bowlby, 1988; Baumeister & Leary, 1995).

Die bisherigen Studien in denen die Veränderung der akuten Selbstwertschätzung in sozialen Bedrohungssituationen untersucht wird, vernachlässigen die Auswirkung von Stress auf die einzelnen Facetten der Selbstwertschätzung. An diesem Punkt möchte die vorliegende Untersuchung anknüpfen, da wir vermuten, dass sich Stress auch nur auf einzelne Facetten der Selbstwertschätzung auswirken kann.

Im Kontext der heutigen Stressbewältigungsforschung sowie der Gesundheitspsychologie gilt besonders soziale Unterstützung als wichtige Bewältigungsressource bei der Verarbeitung von Stresssituationen und dient somit der Förderung des psychischen Wohlbefindens und seelischer Gesundheit (Fydrich & Sommer, 2003; Buddenberg 2004). Intuitiv wird unter sozialer Unterstützung, die gegenseitige Hilfe von Menschen innerhalb eines sozialen Umfeldes verstanden, die dazu dient kritische und bedrohliche Lebensereignisse effektiver zu bewältigen. Cobb (1976) definierte den Begriff erstmals als die Information darüber, von anderen geschätzt und anerkannt zu werden und deutete auf einen positiven Zusammenhang mit der individuellen Selbstwertschätzung in akuten Stress- und Belastungssituationen. Eine Erklärung für diese positive Funktion ist die Pufferhypothese (Cohen & Wills, 1985), die davon ausgeht, dass physiologische und psychische Stressreaktionen, wie beispielsweise eine erniedrigte Selbstwertschätzung, durch soziale Unterstützung abgepuffert und dadurch weniger intensiv erlebt werden (Pennix et al., 1997; Kienle, Knoll & Renneberg, 2006).

Eine Bestätigung für dieses Konzept zeigte die Studie von Ditzen et al. (2008), worin soziale Unterstützung das Angstempfinden innerhalb einer psychosozialen Stresssituation, im Vergleich zu nicht vorhandener Unterstützung, signifikant minderte. Der Effekt trat jedoch nur in Abhängigkeit zu einem sicheren Bindungsverhalten der Hilfeempfänger auf. Diese Einschränkung weist darauf hin, dass die Effektivität von sozialer Unterstützung von bestimmten Faktoren beeinflusst wird. Die Ergebnisse einer Studie von Galliker-Schrott, Egger, Müller, Fabian & Drillinger (2009), identifizierten die empfundene Nützlichkeit als entscheidenden Faktor dafür, ob sich soziale Unterstützung durch schulische Sozialberater positiv auf den Selbstwert bei Schülern auswirkt oder nicht. Neben den positiven Aspekten der sozialen Unterstützung werden in der Literatur auch negative Aspekte diskutiert, was wiederum Bezug auf die empfundene Qualität der sozialen Unterstützung darstellt. Inadäquate Unterstützung kann beim Hilfeempfänger, dazu führen, dass er sich allein gelassen oder nicht ernst genommen fühlt, was sich negativ auf auswirken und zu Selbstwerteinbußen führen kann (Laireiter & Lettner, 1993).

Zielsetzung und Hypothesen

Bis heute wurde in der psychologischen Stressforschung keine Studie durchgeführt, in der mithilfe eines Stressprovokationsverfahrens, die Ausprägung der Selbstwertschätzung als psychische Stressreaktion, in Abhängigkeit zum Vorhandensein oder Fehlen sozialer Unterstützung untersucht wird. Die vorliegende Untersuchung möchte die Schlussfolgerungen der genannten Analysen experimentell validieren und die Hypothese überprüfen, dass die Zustands-Selbstwertschätzung in Bedrohungssituationen durch soziale Unterstützung beeinflusst wird. Wir testen daher, ob soziale Unterstützung in einer sozial bedrohlichen Situation eher zu einer positiveren Selbstwertschätzung führt, als eine Bedrohungssituation in der keine soziale Unterstützung gegeben wird.

Weiterhin möchten wir in Anlehnung an das hierarchische Strukturmodell der Selbstwertschätzung von Shavelson et al. (1976), die Beeinflussung der Zustands-Selbstwert-schätzung durch soziale Unterstützung genauer differenzieren. Wir erwarten, dass insbesondere die soziale- (aufgrund der wahrgenommenen Bedrohung) und leistungsbezogene Selbstwertschätzung (aufgrund des Glaubens nicht über die notwendigen Fähigkeiten zur Stressbewältigung zu verfügen), im Gegensatz zur physischen Attraktivitäts-Selbstwertschätzung, positiv durch soziale Unterstützung beeinflusst werden. Zudem weisen aktuelle Befunde auf die subjektiv wahrgenommene Nützlichkeit der sozialen Unterstützung, als möglichen Prädiktor für die Entfaltung der Schutzfunktion sozialer Unterstützung hin.

Daher testen wir in der Analyse, ob sich ein Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung sozialer Unterstützung als hilfreich oder beruhigend und einer erhöhten Selbstwertschätzung nachweisen lässt. Um die Hypothesen zu untersuchen, erfolgte bei allen Teilnehmern eine psychosoziale Stressindizierung mithilfe des Trier Sozial Stress Test für Gruppen (TSST-G) (von Dawans, Kirschbaum & Heinrichs, 2010). Dieses Paradigma basiert auf dem Trier Sozial Stress Test (TSST) (Kirschbaum, Pirke & Hellhammer, 1993) für Einzelpersonen und eignet sich laut von Dawans et al. (2010) besonders im Rahmen großer Stichprobenuntersuchungen um hohe finanzielle und personelle Kosten zu vermeiden. Der manipulierte Faktor war das Vorhandensein oder Fehlen von sozialer Unterstützung. Eine Hälfte der Teilnehmer führte die Vorbereitung auf die Stressaktivitäten (freie Rede und mentales Subtrahieren) allein durch, die anderen Teilnehmer erhielten soziale Unterstützung durch eine weibliche Begleitperson. Diese wurden vom Versuchsleiter gebeten, ihren Partner während der 10-minütigen Vorbereitungsphase so gut wie möglich zu unterstützen.

Methode

Rekrutierung und Stichprobenbeschreibung

Die Probanden wurden über Werbung in Institutionen der Universität (z.B. Vorlesungen, Studentenwerk und Wohnheimen) sowie in Sportvereinen rekrutiert. Die Ausschlusskriterien wurden nach Erstkontakt anhand eines standardisierten Telefon-Screenings kontrolliert. An der Studie nahmen lediglich gesunde, männliche Teilnehmer ohne übermäßigen Medikamenten-, Rauschmittel- und Drogenkonsum teil, an denen bisher keine psychologische Stresstestung durchgeführt wurde. Studieninteressenten welche von vornherein die Möglichkeit eine weibliche Begleitung zum Versuch mitzubringen verneinten, wurden ebenfalls ausgeschlossen. Zum Ende des Telefongesprächs wurden die Interessenten randomisiert gebeten, entweder allein am Experiment teilzunehmen (68 Teilnehmer, KSU = keine soziale Unterstützung) oder eine Begleitperson mitzubringen, zu der Sie ein gutes Verhältnis haben (59 Teilnehmer, SU = soziale Unterstützung). Vor der Teilnahme unterzeichneten alle Probanden eine schriftliche Einwilligungserklärung und wurden über ihr Recht informiert, die Teilnahme jederzeit beenden zu können. Als Aufwandsentschädigung wurden 25 Euro gezahlt.

Insgesamt nahmen 201 Versuchspersonen an dem Experiment teil. Da bisher nicht alle Daten vollständig zur Verfügung standen, bezieht sich die folgende Darstellung nur auf 138 Teilnehmer. Von 13 dieser Personen fehlten die demographischen Angaben. Die verbleibenden Teilnehmer (94.8% Studenten) waren zwischen 19 und 32 Jahre alt (M = 22.9, SD = 2.9) und hatten alle Abitur oder Fachhochschulreife. Ein Teilnehmer wurde aufgrund eines hohen Drogenkonsums (Cannabis und Alkohol) in den letzten 24 Stunden vor der Experimentdurchführung von der Analyse ausgeschlossen. Für weitere 10 Teilnehmer war Deutsch nicht die Muttersprache. Da die vorliegende Untersuchung, im Gegensatz zu psychobiologischen Analysen die sich vor allem auf physiologische Marker beziehen, ein einwandfreies Verständnis der verwendeten Instrumente voraussetzt (insbesondere des deutschen State Self-Esteem Fragebogens von Rudolph, Schütz und Schröder-Abé, 2008), wurden diese ebenfalls von der Analyse ausgeschlossen. Die untersuchte Stichprobe bestand somit insgesamt aus 127 Versuchspersonen.

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Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656431886
ISBN (Buch)
9783656437826
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215281
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1.0
Schlagworte
einfluss unterstützung selbstwertschätzung

Autor

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Titel: Der Einfluss sozialer Unterstützung auf die Selbstwertschätzung