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Der Kampf um Aufmerksamkeit in der heutigen Gesellschaft

Hausarbeit 2013 24 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufmerksamkeitsforschung in der Soziologie
2.1 Semantische Deutung des Begriffes
2.2 Soziologie und Aufmerksamkeit

3. Der Kampf um Aufmerksamkeit in der heutigen Gesellschaft
3.1 Ökonomie und Aufmerksamkeit am Beispiel von Werbung
3.2 Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken und der digitalen Welt
3.3 Fernsehen unter dem Gesichtspunkt der Aufmerksamkeitsforschung
3.4. Risiken im Kampf um Aufmerksamkeit

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Immer mehr, immer schneller, alles zugleich…“[1], so leitet ein Artikel der ZEIT ein, dessen Schwerpunkt in der Betrachtung von Aufmerksamkeit und Konzentration in der heutigen Gesellschaft liegt. Die Frage wird aufgeworfen, wie es bei einer permanenten Einwirkung von Nachrichten, Werbung und anderen Dingen heutzutage möglich ist, die Konzentration für den Alltag aufrecht zu erhalten. Jede Minute des Tages prasseln hunderte von Dingen auf uns ein, die unsere Aufmerksamkeit fordern und miteinander um eben diese buhlen: Das Handy klingelt in der Hosentasche, eine animierte Werbefigur spricht uns durch Zufall an, ohne dabei uns persönlich zu meinen oder eine Plakatreihe in Neonfarben zieht unsere Blicke auf sich. Gleichzeitig wollen wir an ein bestimmtes Ziel kommen, hören Musik, unterhalten uns und beobachten andere Leute. Immer mehr Dinge fordern unsere Aufmerksamkeit und lassen uns an den Rand unserer Multitasking-Fähigkeit gelangen. Einmal abschalten und alles um sich herum ausblenden fällt dagegen den meisten sehr schwer. In der folgenden Ausarbeitung soll daher ein genauerer Blick auf den Aspekt der Aufmerksamkeit in der Gesellschaft gelegt werden.

Schwerpunkt der Untersuchung ist, wie sich der Kampf um Aufmerksamkeit in der heutigen Gesellschaft gestaltet und welche konkreten Möglichkeiten es gibt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dazu erfolgt eine Analyse der aktuell häufig genutzten Formen von Aufmerksamkeitsgenerierung. Gleichzeitig wird geschaut, ob es möglich ist sich diesen Mechanismen zu entziehen. Abschließend soll dann herausgestellt werden, wie die vorherigen Ergebnisse zu bewerten sind und welche Prognose für die Zukunft gegeben werden kann. Ziel dieser Arbeit ist es, den Kampf um Aufmerksamkeit in der heutigen Gesellschaft umfassend darzustellen und herauszufinden, welche Auswirkungen er für die Gesellschaft hat.

Grundlage für die Betrachtung innerhalb dieser Arbeit soll Türckes Theorie der erregten Gesellschaft und Francks Abhandlung zur Ökonomie der Aufmerksamkeit bilden.[2] Jedoch zeigt auch der aktuelle Forschungsdiskurs, dass eine soziologische Auseinandersetzung mit dem Thema Aufmerksamkeit unumgänglich ist. Als Beispiel sei dafür Prof. Markus Schroer von der Philipps Universität Marburg zu nennen, der seinen aktuellen Forschungsschwerpunkt auf die Soziologie von Aufmerksamkeit legt. Ziel seiner Forschung soll es sein neben einer genaueren Begriffsbestimmung einen systematischen Zugang zur Thematik zu erarbeiten.[3] Eine Veröffentlichung seiner Forschung lag bis zum Abschluss dieser Arbeit jedoch nicht vor. Weiterhin werden spezielle Schwerpunkte in Hinblick auf aktuelle Gesellschaftsentwicklungen im Zusammenspiel mit technologischem Fortschritt gelegt, auf die im Verlauf der Untersuchung genauer eingegangen werden soll. Gleichzeitig macht es die Aktualität einzelner Themenschwerpunkte notwendig, sich auf aktuelle Aussagen und Diskursen in Printmedien zu beziehen.

Zunächst wird sich dem Begriff Aufmerksamkeit auf einer semantischen Ebene genähert, um somit die Basis für die weitere Betrachtung zu legen. Anschließend soll eine Betrachtung auf drei verschiedenen Ebenen erfolgen. Zum einen werden ökonomische Aspekte in Verbindung mit Aufmerksamkeit beleuchtet. Den Schwerpunkt bildet hierbei der Faktor Werbung. Zum anderen soll aufgrund der Aktualität und Popularität ein Blick auf soziale Netzwerke geworfen werden, wobei auch dem Smartphone an sich eine eigene Erwähnung zukommt. Als letzte Ebene werden TV-Shows und Fernsehformate allgemein begutachtet und in Beziehung zu den Aufmerksamkeitstheorien analysiert werden. Abschließend wird noch einmal auf Risiken und Folgen eingegangen, die in Hinblick auf den Kampf um Aufmerksamkeit zu beachten sind.

2. Aufmerksamkeitsforschung in der Soziologie

Wie bereits erwähnt wurde, soll das Ziel dieser Arbeit sein, sich näher mit der Beziehung von Aufmerksamkeit im Kontext gesellschaftlichen Handelns auseinander zu setzen. Um diese Betrachtung entsprechend adäquat durchführen zu können, muss zunächst der Terminus Aufmerksamkeit genauer eingeordnet und erklärt werden. Daher wird einleitend eine semantische Deutung des Begriffes vorgenommen. Anschließend soll das Verhältnis von Aufmerksamkeit zum Individuum und zur Gesellschaft auf einer eher theoretisch-abstrakten Ebene beleuchtet werden. Daraus ergibt sich die Grundlage für die weitere Analyse im Rahmen der Ebenenbetrachtung.

2.1 Semantische Deutung des Begriffes

In diesem Abschnitt wird eine genaue semantische Einordnung des Begriffes Aufmerksamkeit vorgenommen. Das dient der exakten Fassung des Terminus außerhalb des täglichen Sprachgebrauchs. Daher soll zunächst der lateinische Ursprung untersucht werden. Im Lateinischen lautet die exakte Übersetzung für den Begriff Aufmerksamkeit „animi attentio“ und setzt sich somit aus den Wörtern „animus“ für Geist, Seele, Gefühl oder auch Leben und „attentio“ im Sinne von Spannung zusammen und kann umgekehrt als eine Art Geistesspannung verstanden werden. Bereits aus diesem Zusammenhang wird deutlich, dass Aufmerksamkeit keineswegs ein flüchtiger Moment ist, sondern Gefühle auslöst und gleichzeitig ein hohes Maß an Konzentration im Sinne der Geistesspannung fordert. Daraus wird weiterhin die Ebene deutlich, in der Aufmerksamkeit agiert, beziehungsweise stattfindet. Eine reine physische Anwesenheit oder Zuwendung reicht nicht aus, um aufmerksam zu sein, denn es wird eine Fokussierung des Geistes gefordert. Somit kann sie zwar durch körperliche Aktivitäten suggeriert werden, indem beispielsweise der Blick zu einem Gegenstand oder einer Person gewandt wird, doch sie wird erst auf der geistigen Ebene entsprechend wirksam, wenn dieser Blickkontakt zu weiterreichenden Gefühlen führt, die uns nicht sofort wieder abwenden lassen.

Aufmerksamkeit ist nicht einfach da, sondern sie wird, jedenfalls dem deutschen Sprachgebrauch nach, erregt. Dies geschieht durch Reizen, die ständig auf das Individuum einwirken und von jedem anders verarbeitet werden. Dabei ist jedoch die Verarbeitung dieser Informationen aus organischer Sicht bereits begrenzt. Jedoch ist die Vielfalt an Informationen nicht durch deren Nutzen, sondern durch ihre nicht mehr zu bewältigende Masse gekennzeichnet. Nur besondere Reize, die durch ihren Neuigkeitswert gekennzeichnet sind, erregen die Aufmerksamkeit und führen zu einer veränderten Reaktion.[4] Diese zeichnet sich durch eine Fokussierung auf den Gegenstand der Information aus und geht mit bestimmten Empfindungen einher. Ein Beispiel für solche Reize sind sogenannte Sensationen. Vom lateinischen Wortursprung sind dies große Dinge, die andere überstrahlen.[5] Türcke versteht darunter etwas, dass die Wahrnehmung stark anzieht, beziehungsweise viel Aufmerksamkeit erregt.[6]

Im Englischen lässt sich Aufmerksamkeit noch einmal anders analysieren. Aufmerksames Verhalten gegenüber etwas wird mit „to pay attention“ übersetzt. In der wörtlichen Übersetzung wird dabei mit Aufmerksamkeit etwas bezahlt, obgleich es keine Währung ist. Dennoch bemerkt Franck, dass es sich bei Aufmerksamkeit um eine immer knapper werdende Ressource handle. Dabei sei Knappheit nicht als Mangel zu verstehen, da sie auch durch eine vervielfältigte Einsatzmöglichkeit einer Sache entstehen kann. Somit führt das stetige Wachstum der Informationsflut zur Notwendigkeit mit Aufmerksamkeit sparsam umzugehen, da wir sie nicht auf jede Information gleich verteilen können. Dadurch nähert sich Aufmerksamkeit stetig dem Status des Geldes, doch wird es nie als wichtigstes Rationierungsmittel ablösen.[7]

Dieser Abschnitt zeigt, dass sich hinter dem Komplex der Aufmerksamkeit weit mehr verbirgt, als es im ersten Moment scheint und daher eine genaue Begriffsbestimmung unumgänglich macht. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich hinter dem Terminus ein Zusammenspiel aus physischen und psychischen Prozessen verbirgt, das als. Reaktion gegenüber Reizen und Informationen geäußert werden kann, doch nicht unbegrenzt zur Verfügung haben. Genauer gesagt wird damit eine Fähigkeit beschrieben, die es ermöglicht den Fokus der Wahrnehmung auf wichtige Aspekte zu legen und Unwichtiges auszublenden. Vor diesem Hintergrund soll der Begriff im weiteren Verlauf der Arbeit betrachtet werden. Dabei soll eine klare Trennung von einer möglicherweise typischen Definition aus psychologischer oder medizinischer Sicht eingehalten werden, da es weniger um den Prozess der Aufnahme von Reizen und Informationen geht, sondern der Fokus auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge gelegt wird.

2.2 Soziologie und Aufmerksamkeit

Bereits bei der Recherche für diese Arbeit stellte sich heraus, dass der Komplex der Aufmerksamkeit aus soziologischer Sicht sehr schwer genau zu fassen ist. Dies kann beispielsweise daran belegt werden, dass der Begriff im Lexikon zur Soziologie gar nicht aufgeführt ist.[8] Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass dieser Themenstrang gänzlich unbeachtet bleibt und keine soziologische Würdigung erfährt. Wie bereits erwähnt wird aktuell durch Markus Schroer Forschungsarbeit auf diesem Gebiet geleistet und damit eine direkte Verknüpfung von Soziologie und Aufmerksamkeit hergestellt.

Aufgrund der teilweise sehr speziell durchgeführten Forschung zum Thema Aufmerksamkeit, wie sie mitunter durch Georg Franck zur Ökonomie von Aufmerksamkeit geleistet wurde, fällt es schwer, allgemeine Aussagen über das Zusammenspiel mit der Gesellschaft zu treffen. Ein Problem dabei ist, dass keine genaue Festlegung auf eine Gesellschaftsform in Deutschland, Europa oder Amerika gegeben werden kann. Bereits Durkheim hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannt, dass die Gesellschaft immer mehr durch Vereinheitlichung und eine wachsende Konzentration charakterisiert wird, die gleichzeitig mit einer Vielzahl von Möglichkeiten einhergeht, verschiedene Teilbereiche des sozialen Lebens zu verbinden.[9] Bereits damals schien ihm klar zu sein, dass die trennscharfe Definition einer Gesellschaft in Zukunft nicht mehr möglich sein würde. Heutzutage ist es nicht möglich eine Unterscheidung für die Gesellschaft vorzunehmen in der wir uns gegenwärtig befinden. Wir sind gleichzeitig Industrie-, Kommunikations-, Wissens-, Casting- und Informationsgesellschaft. Dennoch ist es wichtig eine gewisse Einordnung der eigenen Person in einem Gesellschaftstypus zu gewährleisten. Die Begründung dafür ist bereits bei Marx zu suchen, der verdeutlicht, dass das gesellschaftliche Bewusstsein das menschliche Sein bestimmt.[10] Demnach hat die Gesellschaft, egal welcher Ausprägung einen hohen Stellenwert für die Entwicklung des Menschen, da sich aus der sozialen Verortung das gesellschaftliche Bewusstsein ergibt. Somit ist im Sinne Luhmanns die Gesellschaft als ein umfassendes soziales System zu verstehen, wobei die Kommunikation als autopoietischer Prozess ihrer Entstehung zugrunde liegt.[11] Die Kommunikation bildet die Basis der gesellschaftlichen Prozesse. Gleichzeitig kann der Prozess der Aufmerksamkeit nur direkt auf einen Akt der Kommunikation folgen. Dabei ist unabhängig wie dieser wahrgenommen wird, denn grundlegend wird Kommunikation als Prozess der Informationsübertragung gesehen. Demnach stellt bereits die Übermittlung von Informationen auf einem Werbeplakat in Richtung des Konsumenten eine Art der Kommunikation dar und ist in der Lage dessen Aufmerksamkeit zu erregen. Die Voraussetzung dabei ist, dass die Informationen entsprechend aufgenommen werden können.[12] Die Problematik dabei in der heutigen Gesellschaft ist jedoch, dass das Individuum nicht in der Lage ist, alle auftreffenden Informationen gleichzeitig zu analysieren beziehungsweise sie mit gleicher Aufmerksamkeit wahrzunehmen. Generell ist die menschliche Wahrnehmung sehr stark belastet. Wie Hoffmann-Axthelm zu Recht bemerkt, fängt man bereits beim Aufwachen an die gesellschaftliche Welt wahrzunehmen.[13] Dabei gilt es stets eintreffende Informationen zu bewerten und auf diese zu reagieren. Nur wie ist es möglich bei einer Vielzahl an Informationen, nicht dem Versuch zu erliegen auf alle gleichzeitig und mit gleicher Anstrengung zu reagieren? Die Gesellschaft befindet sich in einem allgemeinen Zustand der Unruhe und der Erregtheit aufgrund des Umstandes, dass eine Vielzahl flüchtiger Reize ständig auf sie einwirkt. Aus der Flut an Informationen, stechen jene heraus, die von uns als Sensationen wahrgenommen werden. Ihnen schenken wir unsere Aufmerksamkeit. Dabei fallen allgemeine Dinge unter den Tisch und besonders das Ungewöhnliche erregt unsere Aufmerksamkeit. Türcke bezeichnet unsere heutige Gesellschaft daher auch als Sensationsgesellschaft. Er macht dies daran deutlich, dass sich das komplette Leben an einer Flut medialer Reize orientiert, die miteinander konkurrieren eine Sensation auszumachen.[14] Sie sind es, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen und durch die wir im Umkehrschluss Aufmerksamkeit produzieren. Smartphones und mobiles Internet, soziale Netzwerke und Werbung bewirken eine Beschleunigung der Informationsflut auf die Gesellschaft und das einzelne Individuum. Daher spricht Rosa von einer sozialen Beschleunigung, die sich an gesellschaftlichen Erfindungen wie Fast Food und Speed-Dating festmachen lässt.[15] Durch die zunehmende Beschleunigung eröffnet sich jedoch ein Problem. Im Zuge der Informationsflut und der Notwendigkeit den sensationellsten Reizen seine Aufmerksamkeit zu schenken, wird bewusstes Handeln womöglich ausgeblendet. Demnach könnte das gesellschaftliche Handeln nur noch eine reflexartige Reaktion auf die eintreffenden Reize werden. Nach Durkheims Vorstellung wäre dies das Anzeichen eines fehlenden Bewusstseins.[16] Damit könnte eine Steigerung der Krisen- und Problemanfälligkeit in der Gesellschaft korrelieren, da über die Auswirkungen von Taten nicht nachgedacht wird und somit beispielsweise politische Reibungen entstehen können. Dies würde bedeuten, dass die gesellschaftliche Entwicklung rückläufig wäre und das Recht des Stärkeren wieder mehr Gewicht bekommen könnte.

Werden nun die eben angesprochenen Teilaspekte zusammengeführt, zeichnet sich ein etwas klareres Bild von Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit der Gesellschaft ab. Ziel sollte es sein, den Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Aufmerksamkeit darzustellen. Es kann dabei festgehalten werden, dass die Sensationsgesellschaft, wie sie von Türcke postuliert wird, auf Aufmerksamkeit basiert. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll nun geklärt werden, wie der Kampf um Aufmerksamkeit gestaltet wird und welche Probleme damit einhergehen können.

3. Der Kampf um Aufmerksamkeit in der heutigen Gesellschaft

Die heutige Gesellschaft ist geprägt durch Sensationen und einen gewissen Grad der Erregung, der durch ein stetiges inneres Umpflügen gegeben ist und gleichzeitig ein hohes Maß an Unbeständigkeit produziert.[17] „Jedes Neue verdampft, bevor wir es gespürt und begriffen hätten, und immer mehr Ressourcen verschlingt der Heißhunger nach augenblicks schon Vergangenem…“ lautet von Thaddens Beschreibung der aktuellen Zustände.[18] Was heute neu ist, ist morgen überholt und übermorgen bereits antik. Die Sensationsgesellschaft ist schnelllebig und charakterisiert durch eine Fülle an Informationen und Reizen, die ständig auf uns einwirken und die sich ständig erneuern und verändern. Dieses Prinzip hat in vielen Bereichen des täglichen Lebens Einzug gehalten. Es umfasst die Werbung, soziale Netzwerke und generell alle verfügbaren Medien, die es ermöglichen schnell und bequem an Informationen zu gelangen. „Jeden Morgen und jeden Abend senkt sich unausweichlich das Netz der Nachrichten auf die Erde nieder und legt fest, was gewesen ist und was zu gewärtigen hat.“, beschreibt Luhmann treffend die Informationsflut im Bereich der Medien.[19] Gleichzeitig verdeutlicht er dabei bereits einen Grad der Selektion der damit verbunden ist. Es sind die Themen und Informationen, die einen sensationellen Charakter haben und dadurch unsere Aufmerksamkeit erregen. Das Beispiel des Konklave zeigt, wie eine Sensation alle Bereiche der Informationsweitergabe bestimmen kann, auch wenn dadurch viele Nichtgläubige erreicht werden: Die Welt blickt gebannt auf einen Schornstein im Vatikan und verfolgt in Livestreams, welchen Rauch er wohl aussenden wird. Eine Aufmerksamkeit die Schornsteinen in ganz Rom nie zuteil wird, ist durch den sensationellen Charakter der damit verbundenen Information produziert worden. Selbst der Versuch sich dem zu entziehen misslingt, da es das beherrschende Thema in den Massenmedien Zeitung, Internet und Fernsehen ist. Bezogen auf Luhmanns Aussage, lässt sich damit feststellen, dass die durch die Medien selektierten und verbreiteten Informationen einen wichtigen Stellenwert für die Gesellschaft haben müssen. Da es sich wie angesprochen um Massenmedien handelt, wird mit ihnen auch die Masse der Bevölkerung erreicht und somit selektieren und diktieren sie der Gesellschaft gewisse Informationen, die dadurch als relevant gelten. Sie fokussieren demnach unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ereignis. Doch die Aufmerksamkeit des Großteils der Bevölkerung ist bereits einen Tag nach Beendigung des Konklaves am neuen Papst erloschen, da sie beispielsweise nicht gläubig sind. Das könnte bedeuten, dass eben dieser Teil der Gesellschaft ohne massenmediale Aufbereitung diesem Prozess von Beginn an keine Beachtung schenken würde. Eine Stufe weitergedacht bedeutet dieser Gedanke zunehmend, dass alles, was nicht aufsehenerregend ist, demnach in der Masse an Nachrichten und Informationen untergeht, nicht wahrgenommen wird. Somit bricht ein Kampf um diese Aufmerksamkeit aus, in dem laut Türcke das ausschließliche Wahrnehmen des Extremen zum Normalfall wird.[20]

[...]


[1] In: Schnabel 2011 [online].

[2] Vgl. Türcke 2002 und Franck 1998.

[3] Vgl. Schroer 2013 [online].

[4] Vgl. Franck 1998, S. 49.

[5] Übersetzung gemäß PONS Online-Wörterbuch Deutsch-Latein: Sensation – res magnae famae [online unter: http://de.pons.eu/dict/search/results/?q=sensation&l=dela&ie=%E2%98%A0 – Letzter Zugriff: 28.03.2013].

[6] Vgl. Türcke 2002, S. 7.

[7] Vgl. Franck 1998, S. 50f.

[8] Vgl. Fuchs-Heinritzu.a. 2007.

[9] Vgl. Durkheim 1996, S.118.

[10] Vgl. Marx 2004, S. 696.

[11] Vgl. Luhmann 1997, S. 80.

[12] Vgl. Rammstedt 2007, S. 343.

[13] Vgl. Hoffmann-Axthelm 1984, S.13.

[14] Vgl. Türcke 2002, S. 7f.

[15] Vgl. Rosa 2005, S. 112f.

[16] Vgl. Durkheim 1996, S. 47.

[17] Vgl. Türcke 2002, S. 7.

[18] In: von Thadden 2011 [online].

[19] In: Luhmann 1997, S. 1097.

[20] Vgl. Türcke 2002, S. 18.

Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656430919
ISBN (Buch)
9783656437109
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215173
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
AUfmerksamkeit Gesellschaft Kampf Soziologie Zerstreuung Erregte Gesellschaft

Autor

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