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Entwicklung, Probleme und Tendenzen eines gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Schönheit

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wandelung des Schönheitsideals in der Geschichte
2.1 Definition des Schönheitsbegriffes
2.2 Veränderung des Schönheitsideals in der Gesellschaft

3. Moderner Schönheitswahn und seine extremen Auswirkungen
3.1 Schönheit und Macht
3.2 Schönheitswahn und seine Folgen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, so sagt es der Volksmund. Doch im Laufe der Geschichte veränderte sich der Blick dieses Betrachters zusehends. In den letzten Jahrzehnten gipfelten diese Veränderungen in immer abstrusere Erscheinungen, die mit dem Begriff der Schönheit belegt werden. In der TV-Landschaft wurden Frauen bei ihren Schönheitsoperationen begleitet und ein Bild von künstlicher Schönheit erzeugt, die das Maß aller Dinge zu sein schien. Auch wenn dieses Format nicht mehr existent ist, scheinen die Sehnsucht nach einem perfekten Körper und makelloser Schönheit unseren Alltag zu bestimmen. Doch was ist Schönheit überhaupt? Auch wenn sie sprichwörtlich im Auge des Betrachters liegt, gibt es gesellschaftlich festgelegte Normen und Vorstellungen von einem Schönheitsideal. Dieses wird teilweise mit erschreckender Vehemenz verfolgt. Dabei kommt es leider immer wieder zu erschreckenden Auswirkungen. Die häufigste Folge des sogenannten Schönheitswahns sind steigende Zahlen in den Statistiken über Essstörungen. Die bekanntesten Essstörungen der heutigen Gesellschaft sind die Magersucht (Anorexia Nervosa) und die Ess-Brech-Sucht (Bulimia Nervosa). Allerdings sollten auch Störungen wie Esssucht (Binge-Eating-Disorder) und die Übergewichtigkeit allgemein (Adipositas) nicht außer Acht gelassen werden, auch wenn diese nicht in direktem Zusammenhang mit dem gesellschaftlich postulierten Schönheitsideal liegen.

Diese Arbeit kann auf ein breites Repertoire an Literatur zum Thema Schönheit und Ästhetik zurückgreifen. Besonders zu letzteren Themenkomplex liefern ebenso Zeitschriften und Tageszeitungen neue Ansichten aus der Forschung. Weiterhin ist das Krankheitsbild der Essstörungen sehr detailliert untersucht und bietet eine breite Masse an grundlegender wissenschaftlicher Arbeit.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, zunächst den Begriff der Schönheit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Anschließend soll der Wandel der Schönheitsidealvorstellungen skizziert und das aktuelle Schönheitsideal vorgestellt werden. Daran schließt sich eine Analyse der Zusammenhänge modernen Schönheitswahns an. Dabei wird die Verbindung von Schönheit mit Macht in vielfacher Hinsicht und deren Auswirkungen hergestellt. Hierbei soll besonders auf Essstörungen eingegangen werden, die in möglicher direkter Verbindung zum Streben nach Schönheit stehen. Abschließend folgen eine Zusammenfassung und ein Ausblick auf eventuell folgende Aspekte. Die grundlegende Frage, die in dieser Arbeit betrachtet werden soll, ob der aktuelle Schönheitswahn ernstzunehmende Risiken aufweist und wie die generelle Entwicklung zu bewerten ist.

2. Die Wandelung des Schönheitsideals in der Geschichte

In diesem Kapitel soll zunächst der Schönheitsbegriff genauer definiert werden, um eine semantische Basis zu schaffen. Anschließend soll die Entwicklung des Schönheitsdeals von der Antike bis heute kurz beleuchtet werden, um so einen Wandel nachzuweisen und gegebenenfalls einen Ausblick geben zu können.

2.1 Definition des Schönheitsbegriffes

Die Definition des Begriffes ist relativ komplex. Jeder Mensch weiß etwas mit diesem Begriff anzufangen und verbindet etwas anderes mit Schönheit. Sie gilt als Gegensatz oder Gegenspieler zum Terminus Hässlichkeit, mit dem etwas Abstoßendes belegt wird. Im Gegensatz dazu ist der Schönheitsbegriff allerdings mit einer positiven Konnotation versehen, welche je nach persönlicher Prägung variiert. Somit wird meist eine Situation, ein Gegenstand oder eine Person mit dem Adjektiv schön versehen, wenn der verbleibende Eindruck positiv für die Person ist. Eine etwas abstraktere Definition liefern Kamper und Wulf, indem sie sagen: „Das Schöne fasziniert, verzaubert, weckt das Begehren; in der Lust des Schauens und Hörens verspricht es Momente gesteigerten Lebens. […] Das Schöne ist nicht real, läßt sich nicht eindeutig machen; es hat keinen festgelegten Sinn, ist scheinhaft, flüchtig, unwiderstehlich und unvergleichlich. […] Das Schöne ist Schein und als Schein Spiegelung in sich selbst. Es bildet eine nicht auf anderes reduzierbare Welt, ist ohne Nutzen und spielt mit den erotischen Wünschen am Rande des Chaos in der Hoffnung auf Unvergänglichkeit.“[1] Es geht aus diesem Zitat deutlich hervor, dass Schönheit kein einfach zu fassender Begriff ist. Der klassische Schönheitsbegriff geht aus der Ästhetik hervor, wo es bei Koppe heißt, dass schön ist, was in seiner Umgebung einen entsprechenden Zweck erfüllt.[2] Allerdings beruht die Bewertung der Zweckerfüllung auf die Wahrnehmung des Einzelnen in der entsprechenden Situation. Jeder Mensch bewertet eine Situation anders und zieht daraus unterschiedliche Erfahrungen, auch unterschiedliche ästhetische Erfahrungen, wie sie bei Seel beschrieben werden.[3] Dazu zählen beispielsweise Eindrücke von Kunstwerken, Literatur oder Personen. Allerdings muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass Schönheit nicht mit Ästhetik gleichzusetzen ist. Etwas Ästhetisches kann schön sein, aber etwas Schönes muss nicht zwingend ästhetischen Anforderungen entsprechen.

In dieser Arbeit soll es vorrangig um die Schönheit des menschlichen Körpers gehen. Diese besteht laut Augustinus in dem richtigen Verhältnis der Teile zueinander und deren Verbindung mit einer gewissen Lieblichkeit der Farben.[4] In der heutigen Zeit geht die Wissenschaft bereits so weit, dass sie eine Formel präsentiert, mit der der Grad an weiblicher Schönheit bestimmt werden kann. Vorrangig geht es dabei um das Verhältnis von Gewicht, Beinlänge, Taillen- und Hüftumfang und Größe der Oberweite.[5] Alpermann würde diese Formel dann noch durch die Parameter Symmetrie, Durchschnittlichkeit und das Kindchen-Schema erweitern und schon ergäbe sich mit einer komplexen Formel eine Antwort auf die Frage nach körperlicher Schönheit, allerdings nur auf das weibliche Geschlecht gemünzt.[6] Allerdings fehlt dieser Formel ein entscheidender Faktor. Es fehlt die subjektive Wahrnehmung durch den Betrachter und die Abgrenzung im Vergleich zu anderen. Denn nur die Abgrenzung oder Unterscheidung zu nicht Schönem, macht das Schöne aus.[7]

Der ästhetischen Bewertung von Schönheit liegt allerdings noch ein weiterer Fakt zu Grunde. Das vorherrschende Schönheitsideal ist ausschlaggebend für die Empfindung von Schönheit und unterliegt einem ständigen Wandel. In dieser Arbeit wird als Definition von Schönheit die Ansicht von Kamper und Wulf zu Grunde gelegt, dass Schönheit ein nicht greifbares Produkt aus dem Spiegel unseres Selbst ist.

2.2 Veränderung des Schönheitsideals in der Gesellschaft

Der Wandel des geltenden Schönheitsideals wird bedingt durch das Grundbedürfnis des Menschen nach Schönheit zu streben.[8]

Der Wandel wird anhand eines Beispiels sehr deutlich. Bereits 25.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung gab es geltende Schönheitsideale. Das damalige wird durch die Venus von Willendorf plastisch dargestellt. Dabei handelt es sich um die Steinfigur einer Frau. Sie weist korpulente Formen und üppige Rundungen auf. Diese galten damals als schön, weil die Fettreserven von der Fähigkeit zeugten, sich angemessen um den Nachwuchs zu kümmern. Mehrere tausend Jahre später im ägyptischen Reich galten besonders schlanke Personen mit einer sehr reinen Haut als sinnlich. Cleopatra wird teilweise heute noch als schönste Frau der Welt angesehen. Dieses Ideal wurde auch in der Antike übernommen. Ausgewogene Proportionen mit einem gesunden Teint waren die Idealvorstellung. Besonders die Römer legten zusätzlich noch sehr hohen Wert auf ein gepflegtes Äußeres und betrieben intensive Körperhygiene in den eigens errichteten Badehäusern.[9]

Mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen änderten sich auch die Vorstellungen vom Schönheitsideal im Mittelalter. Frauen sollten ansehnlich aber gleichzeitig schmucklos sein. Neben gerundeten Schultern und einer schlanken Taille sollte ein anschwellender Bauch zu sehen sein. Außerdem sollten die Lippen möglichst rot und die Haare gelockt und blond sein. Letzteres galt im Übrigen auch für die Männer. Sonst waren aber eine geschwellte Brust und breite Schultern bei gleichzeitig schmaler Taille als ideales Bild der Männlichkeit angesetzt.[10]

Während in der Klassik nicht nur architektonisch das Ideal aus der Antike galt, war die Idealvorstellung der schönen Frau im Barock zweigeteilt. War sie nackt, durfte sie ruhig etwas üppiger sein, doch angezogen galt es die gewünschten Pfunde gekonnt zu kaschieren, wobei die Korsage als Hilfsmittel herangezogen wurde. Die Kleidung wirkte daher bei den Damen oftmals überdimensioniert. Im folgenden 19. Jahrhundert war dann wieder Zweckdienlichkeit und Schlichtheit die Hauptkriterien der Kleiderwahl.[11]

[...]


[1] In: Kamper / Wulf 1989, S. 9.

[2] Vgl. Koppe 1983, S. 157.

[3] Vgl. Seel 1985, S. 170-179.

[4] Vgl. Eco 1993, S. 49.

[5] Vgl. Arnu 2007 [online].

[6] Vgl. Alpermann 2007, S. 18.

[7] Vgl. Guggenberger 1995, S. 28.

[8] Vgl. Richter 1999, S. 10.

[9] Vgl. Alpermann 2007 [online].

[10] Vgl. Hollander 1993, S. 97-100.

[11] Vgl. Alpermann 2007 [online].

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656432012
ISBN (Buch)
9783656435334
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215170
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Schönheit Gesellschaft Wahn Bedürfnis Schönheitswahn Philosophie Kulturphilosophie Entwicklung Probleme Tendenzen

Autor

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