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Interindividuelle Determinanten von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit

Soziodemografische Faktoren und Persönlichkeitseigenschaften

Bachelorarbeit 2012 40 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit
2.1 Definition von Vertrauen
2.2 Definition von Vertrauenswurdigkeit

3. Messmethoden
3.1 Messmethoden von V ertrauen
3.1.1 Trust Survey
3.1.2 Trust Game
3.2 Messmethoden und Vertrauenswurdigkeit
3.2.1 Machiavellismus Skala

4. Soziodemografische Faktoren
4.1 Geschlecht und V ertrauen
4.2 Geschlecht und Vertrauenswurdigkeit
4.3 Alter und Vertrauen
4.4 Alter und Vertrauenswurdigkeit
4.5 Geburtenreihenfolge und Vertrauen
4.6 Geburtenreihenfolge und Vertrauenswurdigkeit

5. Personlichkeitseigenschaften
5.1 Big Five und V ertrauen
5.2 Big Five und Vertrauenswurdigkeit

6. Diskussion

7. Literaturverzeichnis

Abstract

Der vorliegende Text ist eine Zusammenfassung augenblicklicher Erkenntnisse der Forschung zu Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit. Es werden Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit definiert, ihre Facetten beleuchtet und dabei die wichtigsten Testmethoden wie Trust Surveys, die Machiavellismus Skala sowie vor allem das Trust Game beschrieben und kurz ihre Starken und Schwachen bestimmt. Zudem werden die Soziodemografische Determinanten wie das Geschlecht, Alter und Geburtenreihenfolge von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit bestimmt sowie ihre Zusammenhange erlautert. Weiterhin wird die Rolle von Personlichkeitseigenschaften im Bezug auf das Big Five Modell, auf Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit untersucht. In der Diskussion werden alle beschriebenen Ergebnisse zusammengefasst und ein Resumee der Determinanten von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit formuliert.

Keywords: Vertrauen, Vertrauenswurdigkeit, Trust Game, Trust Surveys, Soziodemografische Faktoren, Personlichkeit

1.Einleitung

Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit sind wichtige und alltagliche Bestandteile in der Entwicklung sowie in der Aufrechterhaltung unseres personlichen und sozialen Lebens (Bicchierie, Xiao, & Muldoon, 2011; Kiyonari, Yamagishi, Cook, & Cheshire 2006; Sutter, & Kocher, 2007). Kramer (1998) zeigte zudem, dass Vertrauen wichtig fur die Gesundheit, Harmonie sowie das Wachstum von Organisationen ist. Ebenso zeigten weitere Studien (Arrow, Fukuyama, Putnam zit. nach Johnson & Mislin 2011, S.865), dass sich Vertrauen positiv auf das wirtschaftliche Wachstum von Staaten auswirkt. Zudem funktionierten Gerichtssysteme besser, es gab weniger Korruption und allgemein besser funktionierende Regierungen (La Porta, Lopez-de-Silanes, Shleifer, & Vishny, 1997). Wie wichtig Vertrauen in Institutionen oder Staaten sein kann, sehen wir in Zeiten der Wirtschaftskrise jeden Tag. Soll der griechischen Regierung Vertrauen in Bezug auf die Losung ihrer Finanzprobleme entgegengebracht werden oder soll man das Vertrauen entziehen und damit den Staat Bankrott gehen lassen? Oder allgemein formuliert: Wie viel Vertrauen besitzen die Europaer in ihre Wahrung? Diese Fragen werden jeden Tag auf poltischer, wirtschaftlicher aber auch auf sozialer Ebene besprochen. Ebenso bei der Einstufung der Staaten durch die Ratingagenturen handelt es sich im Prinzip um eine Vertrauensfrage, da eingeschatzt wird, wie grofi das Vertrauen ist, das ein Staat seine Schulden zuruckzahlen kann. Durch die Einschatzung der Agenturen werden schliefilich, wesentlich die vom Staat zu zahlenden Zinsen bestimmt. Dabei werden nicht nur wirtschaftliche Zahlen in die Uberlegung mit einbezogen, sondern auch politische Entscheidungen und das Vertrauen in die Fahigkeiten, mit dieser Krise umgehen zu konnen. Daher wundert es auch nicht, dass neben der Soziologie, die Vertrauen in Institutionen oder Gesellschaften untersucht, vor allem die Verhaltenspsychologie oder Verhaltensokonomie, sich auf individueller Ebene mit der Frage nach dem Vertrauen und der Vertrauenswurdigkeit beschaftigt. So ist auch das meistangewandte Verhaltensspiel in der Psychologie bezogen auf Vertrauen, das Investment Game (Berg, Dickhaut, & McCabe, 1995). Bereits der Titel des Spieles verweist auf seinen okonomischen Hintergrund. Doch gerade diese okonomische Sichtweise eignet sich im besonderen Mafie, um Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit abzufragen. Denn schliefilich bestehen Vertrage oder auch Abmachungen auf der Grundlage von Vertrauen, dass der Handelspartner sich an die getroffenen Vereinbarungen halt (Johnson, & Mislin, 2011). Doch warum vertrauen Menschen und warum handeln Menschen vertrauenswurdig? Somit welche Determinanten beeinflussen unser Mafi an Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit? Noch immer sind die Mechanismen nicht eindeutig geklart (Sturgis et al., 2010). Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, die sich mit der Frage beschaftigen, durch welche Determinanten Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit bestimmt werden.

Eine Ubersicht uber augenblickliche Ergebnisse und Annahmen wird im Folgenden gegeben. Dabei werden zuerst die komplexen Konstrukte, Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit definiert und voneinander begrifflich spezifiziert. Daraufhin werden die gangigen Messmethoden, allen voran das Trust Game, beschrieben und auf die Starken und Schwachen eingegangen um anschliefiend die soziodemographischen Faktoren des Alters, der Geburtenreihenfolge und des Geschlecht im Zusammenhang mit Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit zu behandeln. Aufierdem werden die Personlichkeitseigenschaften, vor allem im Zusammenhang mit dem Big Five Modell beleuchtet. Abschliefiend wird in der Diskussion einen Gesamtuberblick uber den augenblicklichen Stand der Forschung gegeben und dabei mogliche Ideen fur zukunftige Studien eingebracht. Nicht weiter ausgefuhrt wird der Einfluss der Kultur in diesem Zusammenhang, obwohl er durchaus relevant scheint. So zeigten Studien, dass Kultur einen Einfluss auf das Mafi des generellen Vertrauens einer Bevolkerung hat (Buchan, Croson, & Dawes, 2002). Diese Ergebnisse sind aus unterschiedlichen Grunden jedoch schwierig zu deuten. So sind Gesellschaften selten homogen und somit schwierig als Ganzes zu betrachten (Bohnet, & Zeckhauser, 2004). Auch die Unterschiede zwischen den Gesellschaften sind trotz der Hofstede Kulturdimension nicht immer eindeutig. Zudem kommen noch weitere Einflusse wie Diskriminierungen ganzer Bevolkerungsgruppen (Terrel & Barret; Alesina & LaFarrara; Glaeser et al zit. nach Buchan, Croson, & Solnick 2008, S.466) hinzu, die den Einfluss von Kulturen zu differenzieren erschweren. Aus diesen Grunden wird der Aspekt der Kultur in dieser Zusammenfassung weitgehend ausgelassen.

2. Definition von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit

Nach Evans und Revelle (2008) sind Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit unterschiedliche Konstrukte mit einer gemeinsamen Assoziation. Dohmen, Fulk, Hoffman und Sunde (2008) beschreiben diesen Zusammenhang folgendermafien:,, people who trust are not necessarily those who are trustworthy” (S.85). Evans und Revelle (2008) zeigten in ihrer Studie weiterhin, dass Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit nur leicht mit r=0.21 (p<0.012) beziehungsweise r=0.16 (p<0.012) korrelieren. Dennoch scheint es aufgrund der gemeinsamen Assoziation logisch, beide Konstrukte in einer Untersuchung zu messen oder in eine Fragestellung mit einzubeziehen. Fur sich selbst genommen, sind beide Konstrukte dennoch nicht einfach zu erklaren und reprasentieren komplexe Sachverhalte, da sie viele unterschiedliche Facetten enthalten und im Zusammenhang mit anderen Begriffen stehen (Johnson, & Mislin, 2011). So wird in einem ersten Schritt der Begriff, Vertrauen im weitesten Sinne definiert, anschliefiend von, Vertrauenswurdigkeit getrennt und daraufhin als zweiter Schritt ebenso mit Vertrauenswurdigkeit verfahren.

2.1 Definition Vertrauen

Eine oft zitierte Definition von Vertrauen ist die von Mayer, Davis und Schoorman. aus dem Jahr 1995. Darin heifit es „the willingness of a party to be vulnerable to the actions of another party based on the expectation that the other will perform a particular action important to the truster, irrespective of the ability to monitor or control that other party” (S.712). Diese Definition schliefit die Definition der neoklassischen Okonomen aus, die davon ausgehen, dass man nur jemandem Vertrauen sollte, wenn es im eigenen materiellen Interesse ist (Fetchenhauer, & Dunning, 2009). Nach der Uberzeugung mehrerer Autoren (Rotter, 1980; Hardin, 2002; Ashraf, Bohnet, & Piankov, 2006) ist Vertrauen dennoch durchaus kalkuliert, da es auf der Erwartung beruht nicht ausgenutzt zu werden. Biccheri et al (2011) kam daher zu der Erkenntnis, dass Menschen vertrauen, weil sie erwarten dass sich der Mitspieler an die Norm der Reziprozitat halt. Die Studie von Fetchenhauer und Dunning (in press.) zeigt jedoch, dass selbst vertraut wird in der Annahme, dass das gezeigte Vertrauen ausgenutzt wird, da es von Menschen fur unangenehm empfunden wird, jemand anderem nicht zu Vertrauen und diese Handlung zu zeigen. Zudem beruht Vertrauen nach den Erkenntnissen von Ashraf et al. (2006) auch auf einer „unconditionial kindness“ (bedingungslosen Gute). Der Begriff des unconditional kindness“ beschreibt hierbei den Zustand, den eine Person empfindet, wenn sie durch ihre Handlung, freundlich zu jemanden zu sein, eine personliche Befriedigung empfindet Ein anderer Begriff, der oft im Zusammenhang mit Vertrauen gebracht wird, ist die sogenannte Risikoaversion. Dabei handelt es sich um das Mafi an Risiko, das ein Mensch bereit ist einzugehen. Houser, Schunk und Winter (2010) zeigten, dass Risikoeinstellungen zwar in Risikospielen gute Pradiktoren fur das Verhalten sind, jedoch hangen sie in Trust Games nicht eng mit den auf Vertrauen beruhenden Entscheidungen zusammen. In Risikospielen sind anders als in Trust Games nicht Menschen die Gegen- oder Mitspieler, sondern es findet eine Lotterie und damit eine zufallige Entscheidung uber den Gewinn oder Verlust statt. Es scheint jedoch so, dass die Risikoaversion durchaus im Zusammenhang mit Vertrauen steht, jedoch in einem weit komplexeren Zusammenhang als bisher nachgewiesen (Eckel, & Wilson, 2004). Es liegt nahe, dass Entscheidungen, die auf der Grundlage von Vertrauen beruhen, einem Risikospiel ahneln, da sie ebenfalls von einer Erwartung und nicht von der Gewissheit des positiven Ausgangs einer Entscheidung ausgehen. Daher sind viele Autoren (Fetchenhauer, & Dunning, 2009; Eckel, & Wilson, 2004; Sutter, & Kocher 2007) der Uberzeugung, dass ein Zusammenhang besteht.

Kosfelds, Heinrichs, Zaks, Fischbachers und Fehrs (2005) Studie zeigte, dass Vertrauen von Faktoren beeinflusst wird, die nicht Risikoeinstellungen beeinflussen. So wurde durch die Beeinflussung mit dem Hormon Oxytozin zwar die Bereitschaft erhoht Vertrauen einzugehen, jedoch veranderten sich die Risikoeinstellungen nicht. Weiterhin zeigten Ben­Ner und Halldorsson (2010), dass der gesendete Betrag im Trust Game nur zu unconditional kindness“ korreliert und nicht zu den Risikoeinstellungen.

Nach Fetchenhauer und Dunning (in press.) hat die „Betrayal Aversion“, also die Angst verraten zu werden, einen Einfluss darauf, ob Menschen vertrauen oder nicht. Wenn sie die Wahl haben, versuchen Menschen eine Situation zu vermeiden, in der sie vertrauen mussen. So gehen Menschen in Situationen mit einer unbekannten Person weniger Risiko ein, als wenn sie eine Lotterie spielen wurden. Trotz der Angst verraten zu werden zeigen Menschen Vertrauen, weil sie sich mehr davor furchten, offen zu signalisieren, dass sie einer anderen Person nicht vertrauen (Fetchenhauer, & Dunning, in press.).

Unabhangig von den unterschiedlichen Facetten von Vertrauen kann die Einstellung der Versuchsperson, abhangig davon, ob sie ein hohes Level an generellem Vertrauen besitzt, dazu fuhren, dass das Trust Game als ein reziproker Tausch oder als Wettkampf wahrgenommen wird (Burnham et al. zit. nach Evans & Revelle 2008, S. 1592). Dies hat Einfluss auf die gesendeten Betrage. Ebenso kann der Versuchsleiter durch die Definition der Versuchsbedingungen, Einfluss auf die Wahmehmung des Trust Games durch die Probanden haben, inwieweit sie das Trust Game als Wettkampf wahrnehmen oder als einen reziproken Tausch (Evans, & Revelle, 2008). Wie wichtig es ist, den Begriff Vertrauen fur seine Untersuchung zu definieren und zu spezifizieren, zeigt die Studie von Schwieren und Sutter (2008). So bringen die Autoren, dass generelle Vertrauen der Probanden in Zusammenhang mit den gesendeten Betragen und andererseits das Vertrauen in Zusammenhang mit bestimmten Fahigkeiten von Personen und dem gesendeten Betrag. Dies kann das Ergebnis der Studie, wie das Beispiel von Schwieren und Sutter (2008) zeigt, in besonderem Mafie beeinflussen. Aus dem Grund wird vorher definiert welche Facetten von Vertrauen untersucht werden.

2.2 Definition Vertrauenswurdigkeit.

Vertrauenswurdigkeit kann nach Tullberg (2008) als Wille definiert werden, sich gegenuber einer anderen Person vorteilhaft zu verhalten. Im Kontext vom Trust Game bedeutet dies keinen Nutzen aus der Verwundbarkeit der anderen Versuchsperson zu ziehen, die einem Vertrauen entgegenbringt. Kiyonari et al. (2006) sind der Uberzeugung, dass Vertrauenswurdigkeit der Glaube ist, dass andere sich altruistisch oder fair verhalten und somit reziprok handeln. Hierbei wird angenommen, dass Vertrauenswurdigkeit im Zusammenhang von Reziprozitat steht. So zeigten Schwieren und Sutter (2008) in ihrer Studie, dass der gesendete Betrag, das Mafi an Vertrauen, mit dem zuruckgesendete Betrag, also der reziproken Handlung, stark mit r= 0.76 (p<0.001) korrelieren. Auch Evans und Revelle (2008) zeigten in ihrer Studie, dass der gesendete Betrag positiv mit dem zuruckgesendeten Betrag r(30) = 0.41 (p < 0.05) korreliert. Da die Zurucksendung eines Betrages als Handlung verstanden wird die von einer vertrauenswurdigen Person zeugt, ist der Begriff der Vertrauenswurdigkeit schwer vom Begriff der Reziprozitat zu trennen. So wird in den meisten Untersuchungen hauptsachlich von den Begriffspaaren Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit ausgegangen oder von Vertrauen und Reziprozitat. Wahrend Vertrauen als Eigenschaft und gleichzeitig als eine Handlung angesehen werden kann, ist Vertrauenswurdigkeit eine Eigenschaft, deren Handlung die Reziprozitat ist. Wenn wir nun Reziprozitat und Vertrauenswurdigkeit gleichsetzen und beide Begriffe als Synonyme verwenden, sollte trotz alldem die Trennung zwischen positiver Reziprozitat und negativer Reziprozitat vorgenomen werden (Dohmen et al., 2008; Cox, 2004). So ist die positive Reziprozitat eine freundliche Antwort auf ein freundliches Verhalten und die negative Reziprozitat eine negative Antwort auf ein negatives Verhalten. In den meisten behandelten Studien, wird der Focus auf die positive Reziprozitat gelegt, was jedoch auch durch die Art des Spiels, im Trust Game, determiniert ist. Der Spieler B, der reagieren muss, kann den anderen Spieler A nur insofern bestrafen, als dass er ihm nichts zurucksendet. Da die genauen Motive von Spieler B nicht bekannt sind, muss davon ausgegangen werden, dass er ein nicht vertrauenswurdiges Handeln zeigt und nicht wie womoglich denkbar die Intention hat den Spieler A zu bestrafen. Es kann aber sein, dass der Spieler B, bedingt durch den geringeren Betrag, den Spieler A ihm zusendet, das Gefuhl von Mistrauen empfindet. Das wiederum konnte zur Folge haben, dass Spieler B durch das Nicht-Zurucksenden eines Betrages Spieler A bestrafen und sich nicht zwangslaufig am Gewinn bereichern mochte (Dohmen et al., 2008). Somit kann die negative Reziprozitat, also die Intention jemand anderen zu bestrafen, wenn dieser sich nicht vertrauensvoll verhalt, nicht getestet werden, ohne die Versuchsperson nach der Intentionen des zuruckgesendeten Betrags zu fragen. Passend zur Gleichstellung von Vertrauenswurdigkeit und Reziprozitat, konnen die Annahmen von Hardin (2002) und Bicchieri et al. (2011) genannt werden, das es sich im Gegensatz zum Vertrauen bei der Vertrauenswurdigkeit um eine soziale Norm handelt. So wurden 53 % (p < 0.01).der Menschen keine Bestrafung erwarten, wenn sie im Trust Game keinen Betrag senden und somit kein Vertrauen zeigen; wobei 17 % (p < 0.01). keine Bestrafung erwarten wurden, wenn sie keinen Betrag zurucksenden und somit keine Vertrauenswurdigkeit zeigen (Biccheri et al., 2011, S.177). Somit erwarten Menschen von anderen, dass sie reziprok handeln, nicht jedoch das sie zuerst Vertrauen zeigen. Dadurch kann erklart werden, warum Menschen anderen in einem One-Shot-Game, also in einem nur einmal durchgefuhrten Spiel und ohne die Moglichkeit von der reziproken Handlung einen Nutzen zu ziehen, Vertrauen zeigen. Der mogliche Grund besteht also in der Annahme, dass man nicht betrogen wird und der Mitspieler reziprok handeln wird.

3. Messmethoden

Um diese komplexen psychologischen Konstrukte von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit zu messen, wurden unterschiedliche Methoden zur Erfassung der verschiedenen Aspekte und Facetten entwickelt. Die Methoden werden im Folgenden, wenn moglich, nach der Erfassung von Vertrauen und Vertrauenswurdigkeit unterschieden. Hierbei werden unterschiedliche Trust Surveys, Trust Games und die Machiavellismus Skala kurz in ihren Funktionen erlautert und auf deren Schwachen und Starken eingegangen. Vor allem die Methode des Trust Game ist von Bedeutung, da sie eine Verhaltensbeobachtung erfasst und die Schwachen von Umfragen und Befragungen uberwindet. So weisen Ben-Ner und Halldorson (2010) in ihrer Studie darauf hin, dass zwischen einem gezeigten Verhalten und den Ergebnissen einer Umfrage weniger Konsistenz besteht als erwartet.

3.1 Messmethoden und Vertrauen

Zur Erfassung allgemeinen Vertrauens hat sich vor allem das Trust Survey als einfache und schnelle Methode erwiesen. Hierbei wird die Entwicklung der Trust Surveys durch Rotter im Jahr 1967 herausgestellt, sowie die Weiterentwicklungen der Trust Surveys bis zum Propensity to Trust Survey, dass die Messung der Vertrauenswurdigkeit ermoglicht; Sowie ebenso das von Berg et. al. im Jahr 1995 entwickelte Trust Game, beziehungsweise Investment Game mit seinen unterschiedlichen Weiterentwicklungen und Variationen. Im Folgenden werden das Trust Game sowie das Investment Game unter den Begriff des Trust Games zusammengefasst.

3.1.1 Trust Survey.

Das Erste Survey zur Messung interpersonellen Vertrauens entwickelte Rotter bereits 1967. Er definiert Vertrauen als „ generalized expectation that the verbal statements of others can be relied upon“(S.653). Es ist auch weiterhin die am weitesten verbreitete Methode um generelles Vertrauen zu messen (Evans, & Revelle, 2008). Rotter entwickelte zur Messung von Vertrauen eine Likert-Skala mit 25 Items (Rotter, 1967). Die Items fragen einmal das Vertrauen im Generellen zu sozialen Objekten wie Freunden, Lehrern oder dem Nationalstaat sowie im Speziellen, nach dem „generellen Optimismus“ in der Gesellschaft ab (Rotter, 1967, S653). Yamagishi und Yamagiashi (zit. nach Evans & Revelle 2008, S. 1516) reduzierten die Anzahl der Items auf sechs und bildeten dadurch eine reduzierte generelle Vertrauensskala. Auch diese Skala misst vor allem die generellen Erwartungen anderer. Oft wird zur Messung auch noch eine geringere Anzahl von Items benutzt, die aus dem „General Social Survey“ oder dem „World Values Survey“ entnommen werden (Ben-Ner, & Halldorsson, 2010). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass vor allem die Fragen aus Rotters Arbeiten aus dem Jahr 1967 und 1980 grundlegend sind (Evans, & Revelle, 2008). Eine Ausnahme ist hierbei das „Propensity to Trust Survey“ deren Items aus dem international Personality Item Pool“ gezogen worden sind, welches 2400 Personlichkeitsitems aus uber 200 Skalen erfasst (Evans, & Revelle, 2008, S.1587). Evans und Revelle nutzten dabei 40 Items, mit denen sie Vertrauen (a =0.73) sowie Vertrauenswurdigkeit (a =0.80) gemessen haben. Die Vertrauens Items basieren auf der Messung der Akzeptanz von „Verletzlichkeit“ und den Erwartungen anderer, was mit den wichtigsten Punkten der allgemeinen Definition von Mayer et al.(1995) übereinstimmt.

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Details

Seiten
40
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656523352
ISBN (Buch)
9783656524908
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215003
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Wirtschafts- und Sozialpsychologie
Note
1,7
Schlagworte
interindividuelle determinanten vertrauen vertrauenswürdigkeit soziodemografische faktoren persönlichkeitseigenschaften

Autor

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Titel: Interindividuelle Determinanten von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit