Lade Inhalt...

Sprachentwicklungsstörungen

von Diane Schmidt (Autor) Heiko Wulschner (Autor)

Seminararbeit 2002 22 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Sprachentwicklungsstörungen?

2. Ursachen und Arten der Sprachentwicklungsstörungen
2.1. Ursachen
2.2. Arten der Sprachentwicklungsstörung
2.2.1. Familiäre Sprachentwicklungsstörung
2.2.2. Mangel an sprachlicher Anregung (Deprivationssyndrom)
2.2.3. Die Überfürsorge (Overprotection)
2.2.4. Mehrsprachigkeit
2.2.5. Die Hörschädigung
2.2.6. Erkrankung der peripheren Sprechwerkzeuge
2.2.7. Allgemeine (körperliche) Entwicklungsverzögerung
2.2.8. Erkrankungen des zentralen Nervensystems

3. Beispiele Dysgrammatismus/ Dyslalie
3.1. Dysgrammatismus
3.1.1. Definition
3.1.2. Fünf- Phasen Modell (Clahsen)
3.1.3. Ursachen und Symptome des Dysgrammatismus
3.1.4. Behandlung
3.2. Dyslalie
3.2.1. Definition
3.2.2. Einteilung von Dyslalien nach Lautausfällen/- fehlbildungen
3.2.3 Ursachen
3.2.4 Diagnose
3.2.5. Therapie/ Behandlungsmöglichkeiten
3.2.6. Darstellung einiger Sprachtherapieansätze

4. Glossar

5. Literaturverzeichnis

1. Was sind Sprachentwicklungsstörungen?

Eine Sprachentwicklungsstörung gründet meist auf Veränderung des Spracherwerbs im Sprachsystem. Daraus entsteht in Folge ein verlangsamtes Einsetzen der kindlichen Sprache.

Jeder hat schon einmal von Kindern gehört beziehungsweise mit einigen zu tun gehabt, die sich nicht richtig ausdrücken konnten und denen auch im Gespräch die gängigsten Begriffe fehlten. Diese Kinder wirken oft begriffsstutzig oder sie zeigen einen „ armen“ Wortschatz, jedoch besitzen sie trotz allem meistens ein umfangreiches Sprachverständnis.

G. Knura beschreibt Sprachstörungen als „die individuell unterschiedlich verursachte und ausgeprägte Unfähigkeit zum regelhaften, der Altersnorm entsprechenden Gebrauch der Muttersprache. Sie kann sich auf eine, mehrere, oder alle Strukturebenen und Teilfunktionen des Sprachsystems erstrecken, vorrübergehend, langdauernd oder bleibend sein.“[1]

Seit Beginn der Neunziger Jahre beobachten man eine starke Zunahme von Sprachentwicklungsstörungen. Gestützt wird diese Beobachtung durch zwei Pilotstudien:

Screening- Untersuchungen in Kindergärten ergaben bei 34 % der deutschen Kinder Sprachentwicklungsverzögerungen.[2]

Eine weitere Studie belegt eine gravierende Zunahme von sprachgestörten Kindern an Schulen für Sprachbehinderte. 80 % dieser Kinder wiesen Sprachentwicklungsstörungen auf.[3]

Wie die Studien zeigen, gibt es nicht nur viele betroffene Kinder, es gibt auch eine Vielzahl von Sprachentwicklungsstörungen. Diese Hausarbeit soll einige der häufigsten Störungsarten aufzeigen, ihre Ursachen benennen und deren Behandlungsmöglichkeiten beschreiben.

2. Ursachen und Arten der Sprachentwicklungsstörungen

2.1. Ursachen

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Störungen der Sprachentwicklung keineswegs immer durch periphere oder zentrale krankhafte Veränderung allein verursacht werden, sondern auch durch intellektuelle Fehlleistungen oder ganz allgemeine Entwicklungsrückstände erklärt werden können. Im Folgenden werden die Arten der Sprachentwicklungsstörungen aufgezeigt und anschließend näher erläutert.

- Familiäre Sprachentwicklungsstörung
- Mangel an sprachlicher Anregung (Deprivationssyndrom)
- Überfürsorge (Overprotection)
- Mehrsprachigkeit
- Hörschädigung
- Erkrankungen der peripheren Sprechwerkzeuge
- Allgemeine (körperliche) Entwicklungsverzögerung
- Erkrankungen des zentralen Nervensystems
- Mutismus, Autismus

Die Ursachendiskussion steht nur dann im Vordergrund, wenn das sprachgestörte Kind in einer klinischen Einrichtung beurteilt wurde. Dies tritt dagegen dann in den Hintergrund, wenn die Beurteilung der sprach- und sprechgestörten Kinder außerhalb einer klinischen Einrichtung stattfand.

Damit die unterschiedlichen Darstellungen und Schwerpunkte aus medizinischer, logopädischer beziehungsweise sprachheilpädagogischer Sicht besser verstanden werden können, sind diese Überlegungen zu beachten. In der alltäglichen Praxis überwiegen Sprachentwicklungsstörungen, bei denen keine medizinischen Befunde erhoben werden können, da diese Störungen wie schon genannt nicht immer beziehungsweise kaum krankhafter Natur sind. Hierbei sind die Untersucher und Therapeuten dazu verpflichtet, medizinische Befunde auszuschließen.

2.2. Arten der Sprachentwicklungsstörung

2.2.1. Familiäre Sprachentwicklungsstörung

Bei über 20 % aller Fälle einer Sprachentwicklungsstörung kann eine familiäre Ursache erkannt werden. Hierbei führen genetische Läsionen des Zentralnervensystems zu Sprach- und Sprechstörungen. Gerade bei Geschwistern eines betroffenen Kindes ist ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Sprachentwicklungsstörung zu erkennen.[4] Diese verbale Minderbegabung kann Syndromcharakter annehmen. Es beginnt meist mit einem verspäteten Sprechbeginn, einer verzögerten Sprach- und Sprechentwicklung oder einer Sprachentwicklungsstörung (ohne Verzögerung) und setzt sich fort bis hin zu einem hartnäckigen Stammeln oder einem Dysgrammatismus. In den meisten Fällen entwickelt sich daraus ein Stottern oder Poltern Diese Kinder sind oft auch sehr unmusikalisch (Amusie), manchmal liegt sogar eine Lateralitätsstörung (Linkshändigkeit) vor. In seltenen Fällen tritt eine Entwicklungsdyslexie auf. Abschließend wäre zu sagen, dass die familiäre Sprachentwicklungsstörung noch nicht in allen Einzelheiten von den Experten ausdiskutiert wurde und daher auch keine endgültige Definition möglich ist. Manche Autoren lehnen die Existenz einer genetischen Sprachentwicklungsstörung sogar gänzlich ab.

2.2.2. Mangel an sprachlicher Anregung (Deprivationssyndrom)

Wenn zwischen einem Kind und dessen Bezugsperson eine mangelnde beziehungsweise gar keine Interaktion stattfindet, kann es zu gestörten intellektuellen, motorischen, sensorischen, verbalen und/ oder sozialen Entwicklungen kommen. Für die physiologische Sprach- und Sprechentwicklung spielen die durch die Bezugsperson gegebenen sprachlichen Vorbilder eine sehr bedeutende Rolle. Ein Kind benötigt ständig auditive, visuelle und taktile Anregungen, um das zu entnehmen, was seiner Entwicklungsphase entspricht. Infantile Mütter reagieren oft ungenügend, sogar verständnislos auf die ersten verbalen Interaktionen ihres Kindes. Dadurch wird die Entwicklung der verbalen Ausdrucksfähigkeit des Kindes enorm beeinträchtigt. Auffällig sind vor allem Kinder, denen der Kontakt zu Gleichaltrigen fehlt oder die von ihren Großeltern erzogen wurden, auch bei Gehörlosen beziehungsweise Kindern von Schwerhörigen ist eine Sprachentwicklungsstörung nachweisbar. Als weiterer Grund ist eine jahrelange soziale Isolation oder längere Heim- bzw. Klinikaufenthalte zu nennen. Im Gegensatz zur Familiären Sprachentwicklungsstörung sind die auslösenden Ursachen grundsätzlich zu korrigieren, da schon ein neues verbales Vorbild und eine Sprechmotivation günstige Bedingungen für einen weiteren Lernprozess schaffen. Bei Bedarf wird eine Entwicklungstherapie empfohlen. Hilfreich sind logopädische und sprachheilpädagogische Maßnahmen, beispielsweise eine Elterntherapie, die den Sprach- und Sprecherwerb beschleunigen sollen. Aus Erfahrung verbessert sich spontan durch das korrigierte Sprachverständnis die Sprechmotorik und Sprechgeschicklichkeit.

2.2.3. Die Überfürsorge (Overprotection)

Aus der Vielfalt der Ursachen der Überfürsorge ergeben sich zwei häufig auftretende Beispiele:

Das erste Beispiel wäre die Kommunikation mit nichtkindgerechter Erwachsenensprache. Hierbei werden dem Kind komplizierte Sätze, Fremdwörter und sogar semantisch schwer zu deutende Begriffe dargeboten. Dies hat zur Folge, dass sich zwangsläufig die physiologische Sprach- und Sprechentwicklung in eine nichtkindgerechte Kommunikationsform entwickelt. Es bildet sich ein verbales Kommunikationsprofil aus, welches versucht, die Erwachsenensprache zu imitieren.

Als zweites Beispiel wäre eine durch Fernsehen hervorgerufene Sprach-entwicklungsstörung zu nennen. Diese entsteht durch das fehlende Zustandekommen eines Zwiegesprächs bei vermehrtem Fernsehgenuss. Aber für die störungsfreie Entwicklung des Kindes ist das Hin und Her eines Zwiegesprächs mit den Eltern unersetzlich. Man kann das Fernsehen auch als eine „Einbahnstrasse“[5] bezeichnen, da sich vom bloßen Zuhören keine physiologische Sprach- und Sprechentwicklung einstellt. Die positiven und negativen Reaktionen der Eltern sind von entscheidender Bedeutung für diesen Zusammenhang.

[...]


[1] Knura, G.: Sonderpädagogische Grundfragen. In: Knura, G./ Neumann, B.: Pädagogik der Sprachbehinderten. Handbuch der Sonderpädagogik, Bd. 7. Marhold, Berlin (1992), S. 3-64

[2] Heinemann, M./ Höpfner, C.: Screening-Verfahren zur Erfassung von Sprachentwicklungsverzögerungen (SEV). Der Kinderarzt 23 (1992) 10, S. 1635-1638

[3] Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter: Resolution : Besorgniserregende Zunahme von Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern erfordert rasches Handeln. Rehabilitation 34 (1995) S. 47

[4] Tomblin, J.B.: Familial concentration of developmental language impairment. J.Speech Hearing Disorders, 54 (1989), S. 287-295

[5] Böhme, Gerhard: Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen, Bd. 1: Klinik, 3. Auflage, Gustav Fischer Verlag, (1997), S. 32

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638250948
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21482
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Erziehunhswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Sprachentwicklungsstörungen Aphasien Sprachstörungen

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Sprachentwicklungsstörungen