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Rückkehr zum Goldstandard – eine gute Idee?

Währungssicherung des Euro in der EU

Essay 2012 16 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Thematische Einführung

2 Grundprinzipien des Goldstandards

3 Geschichtliche Hintergründe

4 Steigerung des Weltmarktpreises für Gold

5 Ziele der EZB vs. Goldstandard

6 Einführung der Goldwährung innerhalb des Euroraums

7 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anlage 1

1 Thematische Einführung

Das Thema Währungsstabilität findet in den Medien immer wieder Beachtung. Als jüngstes Beispiel ist die Staatschuldenkriese Griechenlands und die damit verbundenen Konsequenzen für die Europäische Union zu erwähnen (Wolf 2010).

Der Goldstandard ist ein Währungssystem, welches solche Krisen abschwächt. Das System von David Hume, bei der die Währung bzw. das Notengeld mit physischem Gold zu festen Wechselkursen konvertibel ist, basiert auf der Anpassung der Inlandspreise an den Weltmarkt. Es verfolgt dementsprechend das Ziel, die Währung zu stabilisieren (Balwin/Wyplosz 2004: 277-278; Krugman/ Obstfeld 2009:655-659).

Der klassische Goldstandard fand seine Anwendung in den Jahren zwischen 1870 und 1914. In der Zeit nach dem ersten und bis zum zweiten Weltkrieg wurde der Goldstandard ebenso verwendet (Krugman/Obstfeld 2009: 660 -671). Dieser zweite Zeitabschnitt war jedoch durch zahlreiche Probleme mit der regelkonformen Umsetzung des Systems gekennzeichnet (von Hayek 1965: 7-28). Daher werden beiden Epochen kurz betrachtet.

Im Einklang mit der Zielstellung des Seminars, European Integration, wird im weiteren Verlauf der Ausarbeitung das Thema der Anwendbarkeit des Goldstandards, auf den Währungsraum der Europäischen Union eingegrenzt. Hierzu soll die folgende Arbeitshypothese dienen:

Der Goldstandard ist ein ideales System um die Euro-Währung stabil auf einem Niveau zu halten. Es ist allerdings praktisch nicht umsetzbar.

Methodisch erfolgt die Ausarbeitung des Essays mittels Auswertung literarischer Sekundärquellen. Zu Beginn wird der Goldstandard definiert und die Geschichte des Währungssystems untersucht. Anschließend wird verdeutlicht, welche Mechanismen bei einer fiktiven Einführung des Hume’schen Systems wirken würden. Abschließend erfolgt ein Fazit, ob die Rückkehr zum Goldstandard eine gute Idee ist.

2 Grundprinzipien des Goldstandards

Der Goldstandard ist ein grundlegendes Währungssystem mit festem Wechselkurs. Die Notenwährung ist zu einem festen Tauschkurs in Gold konvertibel. Zudem basiert das System von David Hume auf vereinfachten Annahmen und berücksichtigt die Einflüsse der Banken nicht (Obstfeld/Taylor 2004: S. 126).

Der Wirkmechanismus, der auch als price-specie-flow-model bezeichnet wird, gestaltet sich folgendermaßen: Im Model importiert ein Land Güter gegen Eintausch der eigenen Währung. Diese besteht entweder aus Goldmünzen oder einer Notenwährung, die elementar betrachtet nur das Anrecht auf physisches Gold darstellt. Somit importiert dieses Land Güter gegen den Export von Gold. Die Goldreserven des Landes bzw. der Zentralbank verringern sich und es entsteht ein Zahlungsbilanzdefizit (Baldwin/Wyplosez 2004: S.277-280).

Die geringere Goldmenge verringert den Umlauf von Geld und mindert somit die inländischen Preise. Der Anstieg der Goldmenge im importierenden Ausland erhöht dessen relative Preise. Die ausländischen Güter verteuern sich für das Land mit dem Zahlungsbilanzdefizit und verbilligen die nicht importierten eigenen Güter. Die Exporte nehmen durch die geringen Preise zu und die Importe entsprechend, bis zum Ausgleich der Handels- und auch der Zahlungsbilanz, ab (Obstfeld/Taylor 2004: S. 126-129).

Die Einhaltung der Regeln des Systems von Hume fördert die Wettbewerbsfähigkeit in einem Land und bremst die wirtschaftliche Entwicklung, die nur auf den Schulden eines anderen Lands basieren.

Der Goldstandard beruht auf drei grundlegenden Prinzipien:

1. Notengeld kann zu einem unelastischen festgesetzten Umrechnungskurs bei der Zentralbank in physisches Gold gewechselt werden
2. Die Zentralbank stellt sicher, dass die Menge des ausgegeben Notengelds durch Gold konvertiert werden kann
3. Der vollkommen freie Geld- und Warenverkehr darf nicht behindert werden (Baldwin/Wyplosz 2004: 279).

Sofern eine dieser drei Bedingungen nicht konsequent verfolgt wird, kollabiert das System und verliert seine zahlungsbilanzausgleichende Wirkung.

3 Geschichtliche Hintergründe

Die Zeitepoche des klassischen Goldstandards begann 1870. Er wurde zuerst von der Bank of England und auch, mit geringer Zeitverzögerung, von den Zentralbanken Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika eingeführt. Zuvor waren Bimetalistische Währungssysteme[1] aus Silber und Gold üblich, die aufgrund der elastischen Wertentwicklung der Metallpreise keine Stabilität boten (Obstfeld/Taylor 2004: S.127). Ein weiteres Handelshindernis ergab sich durch den unterschiedlichen Edelmetallfeingehalt der verschiedenen europäischen Münzen. Diese erste wichtige Phase der Goldwährung bestand bis zum Beginn des ersten Weltkriegs. Die zweite Phase der Goldwährung teilt sich in die Jahre von 1925 bis 1931.

Zu beachten ist, dass die drei Grundregeln nach Hume missachtet wurden. Die Bank of England nahm innerhalb der Goldwährung eine zentrale Rolle ein. Allerdings gab diese deutlich mehr Kredite und somit Geld aus als diese hätten durch Gold gedeckt werden können (von Hayek 1965: S. 17-21). Dieser und weitere Regelverstöße führten zum Zusammenbruch des Systems. Viel mehr orientierten sich die damaligen Führungskräfte der Zentralbanken an die Gedanken von John Maynard Keynes.

Das Hauptproblem, das zum späteren Zusammenbruch der Goldwährung nach dem ersten Weltkrieg führte, war die Tatsache, dass England zur alten Parität zurückkehrte. Der Wechselkurs wurde nicht an die aktuelle Wettbewerbsfähigkeit angepasst (von Hayek 1965: S. 11- 26). Dies war neben den angesprochenen Missachtungen der Grundregeln ein Hauptgrund für den Zusammenbruch der Goldwährung und zur Einführung des System von Bretton Woods[2] führte (Krugman/Obstfeld 2009: S.674-680).

Der Verfall der Goldwährung ging einher mit dem Wertverfall von physischem Gold. Dies war jedoch keineswegs eine Ursache sondern vielmehr ein Symptom des Aufgebens. Die Goldwährung verhindert, durch das Prinzip der ständigen Konvertibilität, eine ungedeckte Kreditexpansion. Trotzdem gab die Bank of England als mächtigste und einflussreichste Bank massiv Kredite aus. Die Goldwährung litt daher ständig unter Goldknappheit. Der Einfluss der weltweiten Goldproduktion kann daher nicht als Ursache genannt werden (von Hayek 1965, S.17).

Frankreich agierte äußerst vorsichtig und verfolgte im Gegensatz zu den übrigen europäischen Staaten keine Kreditexpansion und verhindert dadurch die Stabilisierungskrise. Jedoch passte auch Frankreich nicht die Geldmengen an den Betrag des einströmenden Goldes an (von Hayek 1965, S.16).

4 Steigerung des Weltmarktpreises für Gold

Der weltweite Goldpreis wird durch unterschiedlichste Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise dem Ölpreis, kurzfristigen Ereignissen, sowie Spekulationen und Emotionen spielen eine Rolle. Ebenso ist auch der aktuelle Kurs des US-Dollars von entscheidender Bedeutung, da der Goldpreis auf den internationalen Märkten in dieser Währung gehandelt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Steigerung des Goldpreises und dessen geschichtliche Hintergründe (Ljubas 2008)

Am 08.01.2008 erreichte der Goldpreis in USD sein bisheriges Allzeithoch mit 883,10 Dollar pro Feinunze. Wie in der obigen Grafik ersichtlich, entwickelt sich der Goldpreis ab den 1970er Jahren mit stärkeren Schwankungen und reagierte stark auf die jeweilige weltwirtschaftliche Entwicklung. In den Zeitphasen des klassischen Goldstandards und des anschließenden goldbasierten Bretton-Woods-Systems wies der Goldpreis hingegen eine relative Konstanz auf (Ljubas 2008).

Anzumerken ist, dass das Preisniveau in Europa seit den 1970er relativ stabil verlief und somit Gold als Inflationsabsicherung bis zum Jahr 1999, dem Jahr der Euroeinführung, an Bedeutung verlor. Seit der Jahrtausendwende wird Gold als Anlage wieder attraktiver. Es gibt auch kritische Stimmen aus der Finanzwirtschaft: Beispielsweise ist der Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital, Thorsten Polleit, der Meinung, dass die Rückkehr zum Goldstandard die internationalen Spekulationsblasen eindämmen und die Konjunkturschwankungen mildern würde (Handelsblatt (Hrsg.) 2011). Der Kern dieser Aussage beruht auf der Tatsache, dass sowohl die Federal Reserve der USA als auch die EZB mit ungedecktem Fiat Geld arbeiten.

[...]


[1] In Österreich-Ungarn, Russland und Skandinavien gab es die Silberwährung und die übrigen bilmetalischen Staaten fungierten als Brücke zwischen den rein silber- bzw. goldbasierten Währungsräumen (Krugman/Obstfeld 2009: S.655-684).

[2] Das System von Bretton Woods basierte vom Grundprinzip her auch auf dem Goldstandard. Der Unterschied bestand darin, dass nicht jede Nationalwährung in Gold konvertibel war sondern ausschließlich der US-Dollar. Die anderen Währungen des Bretton-Woods-Verbundes hatten einen festen Wechselkurs zum US-Dollar (Obstfeld/Taylor 2004; S.151-153).

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656429005
ISBN (Buch)
9783656437772
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214788
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,7
Schlagworte
rückkehr goldstandard idee währungssicherung euro

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