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Neue Geschäftsfelder für Großsportvereine

Diplomarbeit 2013 178 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Problemstellung der Arbeit
1.2 Zielstellung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Analysen zur Entwicklung von Sportvereinen in Deutschland
2.1 Die Sportkultur in Deutschland
2.1.1 Kommerzielle Anbieter
2.1.2 Ungebundener Sport
2.1.3 Schul- und Hochschulsport
2.1.4 Vereine als dritter Sektor neben Marktsektor und staatlichem Sektor
2.2 Der gemeinnützige Sportverein
2.2.1 Rechtliche Grundlagen für Sportvereine
2.2.2 Bereiche und Finanzierungsmöglichkeiten gemeinnütziger Sportvereine
2.2.3 Die Charakterisierung der Vereinstypen
2.2.4 Trends in der Vereinsentwicklung

3 Hypothesen

4 Methoden
4.1 Untersuchungsmethoden
4.1.1 Quantitative Befragung
4.1.2 Qualitative Befragung
4.2 Ablauf der Untersuchung
4.2.1 Online-Befragung
4.2.2 Experteninterviews

5 Ergebnisse - Online-Fragebogen
5.1 Allgemeine Angaben
5.2 Angaben zur Örtlichkeit
5.3 Angaben zur Vereinsstruktur
5.4 Angaben zum Sportangebot
5.5 Angaben zur Vereinskultur
5.6 Angaben zu den Geschäftsfeldern
5.7 Angaben zu den Kontaktdaten

6 Ergebnisse - Experteninterviews
6.1 Definition und Begründung neuer Geschäftsfelder
6.2 Beispiele für neue Geschäftsfelder

7 Best Practice Beispiel: Geschäftsfelder des MTV Stuttgart
7.1 Vereinsstruktur
7.2 Neue Geschäftsfelder
7.2.1 Verein in der Ganztagsschule
7.2.2 Vereinskooperationen
7.2.3 Vernetzung von Verein und Wirtschaft
7.2.4 Innovative Investitionen

8 Diskussion
8.1 Methodendiskussion
8.1.1 Online-Fragebogen
8.1.2 Experteninterviews
8.2 Ergebnisdiskussion

9 Zusammenfassung und Ausblick
9.1 Zusammenfassung der Literaturrecherche
9.2 Zusammenfassung der quantitativen Untersuchung
9.3 Zusammenfassung der qualitativen Untersuchung
9.4 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang I: Anschreiben Online-Fragebogen
Anhang II: Der Online-Fragebogen
Anhang III: Ergebnisse des Online-Fragebogens
Anhang IV: Der Leitfaden für die Experteninterviews

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Dritte Sektor zwischen Staat, Markt und informellem Sektor (Heinemann, 2004, S. 77)

Abbildung 2: Die vier Tätigkeitsbereiche eines gemeinnützigen Vereins (mod. nach Wachter, 2012)

Abbildung 3: Bevölkerungspyramide - Der Altersaufbau von 1970 bis 2030 (Statistisches Bundesamt, 2009)

Abbildung 4: Onlinebefragung - Vereine mit Mannschaften in der 1. Bundesliga

Abbildung 5: Onlinebefragung - Die Ziele der Vereine

Abbildung 6: Onlinebefragung - Zunehmende Probleme in den Vereinen

Abbildung 7: Onlinebefragung - Überblick über bestehende Kooperationen zwischen den Vereinen und anderen Institutionen

Abbildung 8: Onlinebefragung - Die Zufriedenheit der Vereine mit ihren Kooperationspartnern

Abbildung 9: Onlinebefragung - Das Kooperationsverhältnis zwischen Verein und Schule.

Abbildung 10: Onlinebefragung - Kooperationsverhältnis zwischen Verein und anderen Sportvereinen

Abbildung 11: Onlinebefragung - Kooperationsverhältnis zwischen Verein und kommerziellen Sportanbieter

Abbildung 12: Onlinebefragung - Kooperationsverhältnis zwischen Verein und Wirtschaftsunternehmen

Abbildung 13: Onlinebefragung - Vereine und ihre Arbeit mit sozialen Netzwerken

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die mir bei der Fertigstellung dieser Arbeit geholfen haben.

Ich bedanke mich bei PD Dr. Rolf Brack von der Universität Stuttgart und Dr. Karsten Ewald vom MTV Stuttgart 1848 e.V., die mich bei der Auswahl des Themas unterstützt haben. Ein ganz besonderer Dank gilt dem Geschäftsführer des Stuttgarter Vereins, weil er mit seinem fachlichen Rat und seinen Kontakten wesentlich zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen hat.

Des Weiteren möchte ich mich bei allen Vereinen bedanken, die an meinem Online-Fragebogen und an meinen Experteninterviews teilgenommen haben. Ohne die Hilfe dieser Sportvereine wäre die Diplomarbeit nicht möglich ge- wesen.

Ein großer Dank gilt meiner Familie, die mich in meinem Studium tatkräftig unterstützt hat und immer für mich da war.

Ich danke meinem Freund Wolfgang Stelzle für seine Geduld, Zusprüche und Unterstützung in den letzten sechs Monaten.

Außerdem möchte ich mich bei Denise Nejedly, Julia Saßenscheidt, Franziska Aberle, Sarah Löhle und Bernice Tshimanga bedanken, für die unvergessliche und lustige Zeit während des Studiums.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anica Rodewald

Stuttgart, Februar 2013

Sport im Verein

Kommen und gehen, üben, trainieren,

kämpfen und siegen und auch mal verlieren. Werken und feiern und planen, probieren, Ziele erstellen und organisieren.

Sich messen mit andern, gemeinsam was sein: Das alles bietet nur der Sport im Verein.

(L. Pader)

1 Einleitung

L. PADER beschreibt mit seinem Gedicht die charakteristischen Merkmale eines Sportvereins, wie sie vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun- derts entstanden. In einer Zeit, in der die Turnvereine in Deutschland noch eine zentrale Rolle spielten, etablierte sich zunehmend eine aus England stammende Bewegung, die wir heute unter dem Begriff „Sport“ kennen. Die Turnvereine, die bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, vor allem von Männern getragen und stark politisch ausgerichtet wa- ren (Nagel, Conzelmann & Gabler, 2004), verloren ihre Monopolstellung und standen sich einem neuen Konkurrenten gegenüber: Dem Sportverein.

Mit dem Sport verbunden waren auf der einen Seite der Konkurrenzgedanke, die Leistung und der Wettkampf, welche man aus Zeiten der Turnbewegung so nicht kannte. Ging es doch Turnvater Jahn, der 1811 die Berliner Hasenheide eröffnete, vor allem um die Volkserziehung und dass die Schüler und Studenten in der Gemeinschaft durch seine Leibesübungen vielfältig ausgebildet wurden. Auch Fair Play, Toleranz sowie Gemeinschaft und Geselligkeit waren zentrale Eigenschaften des Sports (Dieckert, 2002).

Mit der Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) 1950 und dessen Brei- tensportkampagnen stand der Sport nicht mehr nur der privilegierten Ober- schicht offen, sondern breitete sich über die gesamte Bevölkerung aus. Als Folge dessen entstanden immer mehr Turn- und Sportvereine, in denen die Mitgliederzahlen explosionsartig stiegen. Die Ausbreitung des Sports hatte auch seine Schattenseiten: Neben den vielen Turn- und Sportvereinen wuchs die Zahl der Hochschulen und kommerziellen Anbieter, wie Fitness- studios, die in Form von „alternativer Spiel- und Bewegungskultur“ (Dieckert 2002, S. 29), den Sportlern immer mehr Angebote lieferten. Zudem trieb eine Vielzahl an Menschen einen ungebundenen Sport, d.h. fernab jeglicher Insti- tutionen.

Die Sportstruktur in Deutschland hatte sich im Laufe der Zeit stark verändert. Dabei nahmen die Entwicklung von neuen Sportarten und -angeboten, die verändernden Sportmotive und der demografische Wandel in der Gesell- schaft eine bedeutende Rolle ein. Zwar zählte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Jahr 2011 noch immer über 27 Millionen Mitglieder (DOSB, 2011b), dennoch stehen die Turn- und Sportvereine vor einer Reihe von Herausforderungen, die vor allem auch den gesellschaftlichen Wandel der letzten zwei Dekaden geschuldet sind. Diese Herausforderungen sind der Problemstellung der vorliegenden Arbeit immanent.

1.1 Problemstellung der Arbeit

Nach aktuellen Erkenntnissen sinken die kommunalen und staatlichen Zu- schüsse für Sportvereine mit stetiger Tendenz. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck nach Professionalisierung und damit einhergehend auch die Kosten (DOSB, 2011). Großsportvereine haben viele hauptamtlich Beschäftigte, die in den Bereichen Verwaltung und Training für die Qualität und die Weiter- entwicklung im Verein sorgen. Die steigenden Kosten können längst nicht mehr nur mit der jährlichen Erhöhung des Mitgliedsbeitrags ausgeglichen werden. Daher sehen sich vor allem die Großsportvereine in der Pflicht, ihre Geschäftsfelder auszubauen oder neue Geschäftsfelder zu erschließen. Was allerdings sind neue Geschäftsfelder und in welchem Umfang werden sie be- reits erschlossen?

Nach NAGEL, CONZELMANN und GABLER (2004) soll es auch in Zukunft noch Sportvereine geben, die weiterhin das „Wir-Gefühl“ in den Mittelpunkt stellen und solidargemeinschaftlich orientiert sind. Sie wollen die „Probleme gemeinsam anpacken, mehr Eigenleistung der Mitglieder (betreffend Anla- gen, Vereinsheim, Bewirtschaftung u.a.) einfordern und die ehrenamtliche Mitarbeit stärken“ (Nagel et al., 2004, S. 190). Es wird demgegenüber Sport- vereine geben, die dienstleistungsorientiert sind und die als Folge der stei- genden Kosten ihre Mitgliedsbeiträge erhöhen. Nicht die Identifikation der Mitglieder mit dem Verein, sondern die Qualität und das Sportangebot ste- hen im Vordergrund. Zudem werden diese Vereine Kooperationen, wie bei- spielsweise zu anderen Vereinen oder Institutionen, schließen. Fraglich bleibt dabei, ob durch diese Maßnahmen Probleme wie die Mitgliederbindung und die Gewinnung neuer Mitglieder behoben bzw. eingeschränkt werden können (Nagel et al., 2004).

1.2 Zielstellung der Arbeit

Aufgrund der unzureichenden und derzeit kaum analysierten Datenbasis hin- sichtlich dieser Thematik und der hohen Relevanz für Sportvereine, ist es das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über den Ist-Zustand der Vereine in Deutschland - betreffend der Themenstellung - zu geben. Darüber hinaus ist anhand von Experteninterviews herauszufinden, welche Geschäftsfelder zu- künftig erschlossen werden können und wo es derzeit negative Erfahrungen gibt. Welche Vereine sollten sich künftig mit dieser Aufgabe auseinanderset- zen, welche können so bleiben, wie sie sind? Welche Konsequenzen können die „Neuen Geschäftsfelder“ für die Sportvereine haben und inwiefern kann dabei die gemeinnützige Arbeit der Vereine in Frage gestellt werden?

Kooperationen scheinen in diesem Zusammenhang an Bedeutung zu gewinnen. Sie leisten demnach einen großen Beitrag zur Erschließung neuer Geschäftsfelder. Welche Kooperationen werden hierbei eingegangen und wozu? Inwiefern machen sich die Sportvereine dabei abhängig?

Neben den Kooperationen wird es weitere interessante Geschäftsfelder geben, zu denen in der vorliegenden Arbeit nach Antworten gesucht wird. Bei der komplexen und heterogenen Aufgabenstellung müssen auch subjektive und qualitativ determinierte Zusammenhänge analysiert werden. Zudem werden die Kooperationen innerhalb des Sportvereins „MTV Stuttgart 1843 e.V.“ - als Best Practice Beispiel - näher beleuchtet und weitere strategische Geschäftsfelder oder Optionen diskutiert.

1.3 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 wird die Entwicklung von Sportvereinen in Deutschland analy- siert. Dabei wird auf die Sportkultur ebenso eingegangen, wie auf den Sport- verein selbst. Hierzu zählen unter anderem die rechtlichen Grundlagen und Finanzierungsmöglichkeiten eines gemeinnützigen Vereins. Es werden hier auch der demografische Wandel und die Professionalisierungstendenzen in der Vereinsentwicklung näher erläutert.

Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklungen auf den Sportverein werden anhand der Hypothesenbildung in Kapitel 3 betrachtet. Neben den ehrenamtlich geführten Klein- und Einspartenvereinen spielen auch die Fusi- onen und der Professionalisierungsdruck auf die mittleren Vereine eine we- sentliche Rolle. Der Schwerpunkt dieser Betrachtung liegt jedoch bei den Großvereinen und deren Zukunftsstrategien in Bezug auf das Thema.

Kapitel 4 befasst sich mit den Untersuchungsmethoden. Der Ablauf der Untersuchung und die Stichprobe werden in diesem Abschnitt erläutert. Die Ergebnisse aus dem Onlinefragebogen werden in Kapitel 5 dargestellt. Hierbei wurden Geschäftsführer/Innen, Vorstandsvorsitzende oder Geschäftsstellenleiter/Innen vieler Großsportvereine Deutschlands gebeten, einen Fragebogen zu dieser Themenstellung auszufüllen. Ziel dieses Fragebogens ist es, den Ist-Zustand bestehender und nichtbestehender Geschäftsfelder der Vereine wiederzugeben. Zudem wird auf Basis dieser Ergebnisse ein Leitfaden für Experteninterviews konzipiert.

Kapitel 6 spiegelt die Ergebnisse der Experteninterviews wider. Die Interviews wurden mit ausgewählten Vereinen im Raum Stuttgart durchgeführt. Damit soll herausgefunden werden, welche Geschäftsfelder strategisch interessant sind, mit welchen Problemen und Konsequenzen die Sportvereine rechnen müssen und welche Vereine überhaupt die Möglichkeiten haben, derartige Themen gezielt anzugehen.

Als Best Practice Beispiel wird in Kapitel 7 die Entwicklung der Geschäftsfel- der des „MTV Stuttgart“ analysiert. Betrachtet wird dabei neben den inhaltli- chen Entwicklungen und Tendenzen auch die Kooperationen mit Schulen, anderen Vereinen und der Kommune. Eine wesentliche Bedeutung wird der Vernetzung von Verein mit Wirtschaftsunternehmen beigemessen. Die inno- vativen Investitionen in Solaranlagen und Blockheizkraftwerken (BHKW) werden hier erläutert.

In Kapitel 8 erfolgt die Methoden- und Ergebnisdiskussion. Dabei werden die einzelnen Methoden kritisch betrachtet und mögliche Fehler und Nachteile angesprochen. In der Ergebnisdiskussion werden die empirisch überprüfbaren Hypothesen bestätigt oder widerlegt.

Kapitel 9 beinhaltet Zusammenfassungen und den Ausblick.

2 Analysen zur Entwicklung von Sportvereinen in Deutschland

Nach HASIBEDER (2003) ist der Sportverein „die größte Bürgerinitiative in unserem Land und kann für den Einzelnen ein Stück Heimat bedeuten“ (S. 61).

2.1 Die Sportkultur in Deutschland

HILDENBRANDT schilderte bereits 1994 in einer längeren Passage die quantitative Ausweitung des Sports:

„Neben den traditionellen Bereichen Wettkampfsport, Freizeitsport und Schulsport treten z.B. solche „Ableger“ wie Seniorensport und Behindertensport. Weniger vertraut und abseits der bisherüblichen Organisationsformen wird Sport in ganz neuen Institutionen wie Studios für Fitness, Bodybuilding, Aerobic usw. angeboten. Unter bestimmten, sehr spezifischen Zielsetzungen wie Gesundheit, Kraft und Ausdauer lösen sich einzelne sportliche Komponenten, ver- selbstständigen sich und bilden eigene Kontexte. Sowohl im Frei- zeitbereich als auch im Leistungssport etablieren sich neue Spor t- arten, die nicht in das bekannte Panorama passen: Bungee- Jumping, Mountain-Bike-Rennen, immer weiter sich steigernde Tri- athlons, die verschiedensten Formen des Motorsports mit Maschi- nen aller Art und Stärke im Gelände, in Motodroms und Hallen. Vor ein paar Tagen konnte ich der Frankfurter Rundschau (vom 24. Ok- tober 1992) eine Liste „zeitgeistiger Sportarten“ mit ausschlie ß lich angloamerikanischen Namen entnehmen, die z.B. im alpinen Ge- lände ausgeübt werden: Trekking, Mountainbiking, Paragliding, Rafting, Freeclimbing und Canyoning. Die Liste lie ß e sich beliebig erweitern“ (S. 11f.).

Die Aussage HILDENBRANDTs verdeutlicht die Entwicklung der Sportkultur in Deutschland, vor allem aber die Ausdifferenzierung des Sportangebots auf die verschiedenen Institutionen, auf die nun näher eingegangen werden soll.

2.1.1 Kommerzielle Anbieter

Mit Aerobic, Yoga und Stretching gelang der „Aerobic Queen“ Jane Fonda in den 1980er Jahren der Durchbruch in der Fitnessbranche. Sie sprach neue Zielgruppen an und schuf damit den Markt der Fitnessstudios. Als kommerzi- eller Sportanbieter stellen diese nunmehr für die Sportvereine eine Bedro- hung im Bereich finanzstarker Zielgruppen dar. Aufgrund der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt und der unregelmäßigen Arbeitszeiten, ist es immer weniger berufstätigen Menschen möglich, sich an die zumeist festen Trainingszeiten des Sportvereins zu halten. Daher nimmt insbesondere die Altersgruppe der 27- bis 40-jährigen die Angebote der umliegenden Fitness- studios wahr, denn hier können sie ihr Training optimal den Arbeitszeiten anpassen. Des Weiteren sind Studios in der Lage, eine schnelle und flexible Anpassung des Sportangebots zu gewährleisten und bemühen sich stets, ih- re Programm- und Servicequalität zu optimieren. Infolgedessen verzeichnen die Sportvereine speziell in dieser Altersgruppe einen starken Rückgang (Hipp, 2009).

Im Jahr 1983 gründete sich der Deutsche Sportstudio Verband, der sich für die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Fitnessbranche ein- setzt und zum Teil für die Aus- und Fortbildungen der über 140.000 Beschäf- tigten verantwortlich ist. Im Jahr 2008 gab es bereits 5.800 Fitnessstudios in Deutschland, in denen sich mehr als sechs Millionen Menschen sportlich be- tätigten. Mit einem Jahresumsatz von fast drei Milliarden Euro liegt die Fit- nessbranche in Deutschland weit vor England und nähert sich zunehmend dem amerikanischen Markt. Dieses Wachstum wird einerseits durch die Zu- nahme der Studio-Ketten, andererseits durch die Ausbreitung auf kleine und mittlere Städte gefestigt (ebd., 2009).

Die Fitnessstudios der 1980er Jahre haben sich einem Wandel unterzogen und zeigen eine Entwicklung hin zu Wellness- und Gesundheitsstudios. Gründe hierfür sind zum einen die Sportnachfrage und zum anderen die Entwicklungen auf dem Markt. Viele der Mitglieder nehmen an den Sportprogrammen teil, weil sie ihre Fitness, Gesundheit oder ihr Wohlbefinden steigern wollen. Sie wenden sich vermehrt den Gesundheits- und individuellen Bedürfnissen zu. Dabei rückt der Wettkampf- und Leistungssportgedanke immer mehr in den Hintergrund (ebd., 2009).

Allen ist dabei bewusst, dass dieser Markt auch in Zukunft weiterwachsen wird. Aus diesem Grund besitzen größere Sportvereine ebenfalls ein Fit- nessstudio, das sie entweder in ihren Zweckbetrieben (nur für Mitglieder) o- der bei offenen Angeboten in ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben füh- ren. Sportvereine bewegen sich daher hin zu „Dienstleistungseinrichtungen“ und „zeigen deutliche Kommerzialisierungstendenzen“ (ebd., 2009). Fraglich dabei bleibt, inwiefern die Sportvereine in Zukunft ihre Sonderstellung bezüg- lich der Gemeinnützigkeit, des Haftungsprivilegs und der Autonomie gegen- über anderen kommerziellen Sportanbietern rechtfertigen können.

Neben den Fitnessstudios zählen außerdem Sportreisen, Golf- und Tennisschulen, Kindersportschulen (KISS), Krankenkassen und Volkshochschulen zu den kommerziellen Sportanbietern. Diese stellen für den Sportverein allerdings noch keine Bedrohung dar (ebd., 2009).

2.1.2 Ungebundener Sport

„Der unorganisierte Sport ist Breitensport in reinster Form“ (Dreyer, 1986, S. 14). Mit Beginn der Trimm-Dich-Kampagne „Trimm-Trab - das neue Laufen ohne Schnaufen“ des DSB in den 1970er Jahren, wuchs auch das Interesse der Bevölkerung am Sporttreiben außerhalb des Vereins. Der DSB wurde 1950 gegründet und fusionierte 2006 mit dem Nationalen Olympischen Komi- tee zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). DSB und DOSB gaben sich bislang zwar sehr wettkampforientiert, möchten aber auch einen „Sport für alle“ (Gabler, 2012) schaffen. Unter dem Begriff „Zweiter Weg“ (Dieckert, 2002, S. 26) versuchte der DSB mittels seiner themenwechselnden Kampag- nen den Sport insbesondere für die unterrepräsentierten Gruppen wie den Frauen, Kindern und älteren Menschen näher zu bringen. Die Ära des Brei- ten- und Freizeitsports begann. Infolgedessen konnten die Vereine in jener Zeit ein positives und starkes Mitgliederwachstum verzeichnen. Des Weite- ren war eine Ausdifferenzierung des Sports erkennbar, die sich sowohl in- nerhalb des Vereins als auch außerhalb entwickelte. In diesem Zusammen- hang konnten Sportangebote von kommerziellen Sportanbietern angenom- men und eigenständig betrieben werden. Daher entschlossen sich immer mehr Menschen, einen organisationsungebundenen Sport auszuüben (Gabler, 2012).

Diese Art des Sporttreibens kennt viele Gesichter - aber auch genauso viele Synonyme. So ist der unorganisierte Sport ebenfalls als ungebundener, in- formeller oder selbstorganisierter Sport bekannt. Bislang erwies sich eine genaue Begriffsbestimmung als sehr schwierig. Dennoch haben sie alle ei- nes gemeinsam: Sie ermöglichen „ein von formalen, zeitlichen und institutio- nellen Zwängen unabhängiges Sporttreiben“ (Wopp, 2002, S. 175). Zu den gängigsten Sportarten zählt das Fahrradfahren, Schwimmen und Laufen. Diese Sportarten haben den Vorteil, dass sie keine Mitgliedschaft in einer Organisation voraussetzen und dass sie sowohl zeitlich als auch räumlich flexibel zu betreiben sind. So ist es dem einen Teil der Menschen wichtig, gemeinsam etwas mit ihrer Familie oder mit Freunden zu unternehmen. Da in den Vereinen die Gruppen oft nach Altersgruppen aufgeteilt sind, ist es Fa- milien hier nicht möglich, eine Sportart gemeinsam auszuüben. Für einen anderen Teil der Sportaktiven geht es nicht um Leistung und Wettkampf - zwei Begriffe die noch immer eng mit dem Sportverein verbunden sind - sondern vielmehr um den Spaß, das Wohlbefinden, die Gesundheit oder ein- fach um die Erholung vom Alltag. Dem hinzuzufügen ist, dass diese Men- schen das Bedürfnis haben, den Sport nach ihren individuellen Vorstellungen und nach eigenem Leistungsermessen auszuüben (Gabler, 2012; Wopp, 2002).

Für die Altersgruppe der 18- bis 26-jährigen ist diese Art des Sporttreibens besonders interessant, weil sie die Möglichkeit haben, sich auf offiziellen Plätzen und Straßen präsentieren zu können und ihre möglichen Talente nicht in abgeschirmten Sportanlagen versteckt bleiben. Gerade aus dieser Selbstinszenierung heraus entstehen immer wieder neue Sportarten, zu de- nen viele der heutigen Trendsportarten zählen. So entwickelte sich das Streetballspielen beispielsweise von afroamerikanischen Jugendlichen, die sich gegen das Basketballspielen der weißen Amerikaner durchsetzen woll- ten. Heute stehen in zahlreichen Wohngegenden und Schulhöfen Basket- ballkörbe für diese Sportart zur Verfügung, die von vielen Kindern und Ju- gendlichen genutzt werden (Wopp, 2002). Die heutige Trendsportart „Par- kours“ ist die Antwort der Jugendlichen darauf, mittels „cooler Moves“, Aus- dauer- und Kraftfähigkeiten auf und über die Gegenstände der Städte sprin- gen, laufen, hangeln oder ziehen zu können (Trendsports, 2012). Neben Parkour, zählen unter anderem das Streetsurfen1, Speedminton, Bürogolf und Bikepolo2 zu den Trendsportarten von 2012 (Trendsports, 2012).

Sportanbieter und vor allem Sportartikelhersteller warten nur darauf, dass Jugendliche und Heranwachsende eine neue Trendsportart entwickeln, die sie auf dem Markt positionieren und kommerzialisieren können. Wird eine Sportart allerdings zu stark vermarktet, verliert diese Personengruppe - die häufig aus Individualisten besteht - das Interesse daran und widmet sich einer neuen Sportmode (Wopp, 2002).

Dabei fällt auf, dass die meisten dieser Sportarten aus dem selbstorganisier- ten Sporttreiben entsprungen sind. Die Zahl der Aktiven, die einen ungebun- denen Sport ausüben, ist schwer zu fassen. Es wird allerdings davon ausge- gangen, dass etwa die Hälfte der Sportaktiven ihren Sport ohne organisatori- sche Einbindung ausübt. Dabei sollte eines nicht unbeachtet bleiben: Viele von ihnen sind auch Mitglieder in einem Verein, d.h. sie betreiben einen or- ganisierten als auch einen ungebundenen Sport (Gabler, 2012; Wopp, 2002). WOPP (2002) schrieb in seinem Bericht „Selbstorganisiertes Sporttreiben“, dass ein Großteil unter ihnen erst durch den selbstorganisierten Sport zum Freizeitsport und damit zum Verein findet. Er sah diese Art des Sporttreibens lediglich als Herausforderung und nicht als Gefährdung des Vereinssports (S. 184).

2.1.3 Schul- und Hochschulsport

Hochschulsport

Den Hochschulsport gibt es seit dem Zusammenschluss der Hochschulen zum Allgemeinen Deutschen Hochschulverband (adh), der sich am 2. April 1948 zunächst als Arbeitsgemeinschaft deutscher Sportreferenten in Bay- rischzell gründete. Als Dachverband des deutschen Hochschulsports gelang es ihm in der Nachkriegszeit, als erster deutscher Sportverband, wieder An- schluss auf internationaler Ebene zu finden. Der Fokus des Hochschulsports richtete sich bis zur Studentenbewegung 1968 vor allem auf den nationalen und internationalen Wettkampfsport. Einen besonderen Stellenwert und Auf- schwung erfuhr er allerdings im Zuge der alternativen Sport- und Bewe- gungskultur in den 1980er Jahren. Eine verstärkte Hinwendung zum Breiten- und Freizeitsport führte dazu, dass sich der Studentensport veränderte und nun für alle Menschen an den Hochschulen zugänglich war (adh, 2012).

Zur Zeit der Studenten- und Frauenbewegung ging es vor allem um das Aus- probieren, sich neu orientieren, Neues entdecken und sich kreativ zu entfal- ten. Anders als in den Sportvereinen fragte man hier nicht nach „richtig“ oder „falsch“, denn im Mittelpunkt stand vielmehr das Wohlbefinden und die kör- perliche Wahrnehmung des Menschen. Beabsichtigt war ferner der Aus- tausch und das Lernen von verschiedenen Kulturen, wie z.B. Tai-Chi oder Aikido aus Asien (Dieckert, 2002). Der Hochschulsport ist im Hochschulrah- mengesetz (HRG, §2, Abs. 4) als „soziale Aufgabe“ festgelegt und wird vor- zugsweise von professionellen und hauptamtlichen Sportkräften durchgeführt (adh, 2012). Die Teilnahme an den Sportangeboten des Hochschulsports ist freiwillig und sowohl für Studierende, als auch für Mitarbeiter in derselben Weise zugänglich. Meist sogar für Externe und Gäste im kommunalen Um- feld (Fehres, 2002). Mittlerweile nutzen mehr als 1,5 Millionen Studierende und insgesamt 400.000 Angestellte das facettenreiche Sportangebot in den 179 Mitgliedshochschulen Deutschlands, entweder aus Kommunikations-, Fitness- oder Geselligkeitsmotiven (adh, 2011; adh, 2012).

Schulsport

„Schulsport - im weitesten Sinn verstanden als Leibesübungen, Bewegung, Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport in Erziehungseinrichtungen - gibt es, seit es Schulen gibt“ (Krüger, 2010, S. 18). Den Anfang machte bereits am Ende des 18. Jahrhunderts Johann Christoph Friedrich GutsMuths. Ein wei- terer Vorreiter dieser Zeit war Friedrich Ludwig Jahn, der mit der Eröffnung der Hasenheide 1811, einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Tur- nens und zur Wehrtüchtigkeit der Gesellschaft beigetragen hatte. Im Ver- gleich zur pädagogisch ausgelegten Gymnastik GutsMuths, war das Jahn´sche Turnen politisch beeinflusst und legitimiert (Krüger, 2010).

Der Schulsport, wie wir ihn kennen, setzt sich aus den „Individualsportarten“ Gerätturnen, Gymnastik/Tanz, Leichtathletik und Schwimmen und aus den „Mannschaftssportarten“ Basketball, Fußball, Handball und Volleyball zu- sammen. Diese Sportarten bilden seit 1937 das Fundament aller Lehrpläne in den Schulen aller Bundesländer. Vor dieser Zeit waren die Lehrpläne nicht nach Sportarten, sondern „nach Grundtätigkeiten, wie Laufen, Springen, Werfen, oder allgemeinen Kategorien, wie Freiübungen, Gleichgewichts- übungen, Hang- und Stützübungen“ untergliedert gewesen (Kern & Söll, 2005, S. 286).

Neben diesem Lehrplan sind die Lehrer/Innen aufgefordert, in Form von Ar- beitsgemeinschaften, Projekten oder Kooperationen mit Vereinen und ande- ren Institutionen zusammenzuarbeiten. Denn meist reichen die finanziellen, räumlichen und auch personellen Ressourcen der Schulen nicht aus, um den Kindern und Jugendlichen über den Lehrplan hinaus Sportarten anzubieten. Hierunter fallen beispielsweise Skiausfahrten oder Outdooraktivitäten wie Rudern und Felsklettern (Kern & Söll, 2005). Gerade aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit von Schule und Verein außerordentlich bedeutungsvoll. Kann der Verein doch den Kindern und Jugendlichen mit Hilfe eines vielge- staltenden Sportunterricht den Weg in den Vereinssport zeigen (Hasibeder, 2003). Allerdings verweisen KERN und SÖLL (2005) in ihrem Beitrag „Praxis und Methodik der Schulsportarten“ auch auf die Probleme des Sportunter- richts hin, die sich ergeben wenn sich die inhaltliche Ebene zunehmend verändert: Wird das Sportangebot innerhalb der Lehrpläne zu differenziert,

„erhebt sich die Gefahr, dass im Sportunterricht vieles angetippt, aber kaum noch etwas gründlich behandelt wird“ (S. 290).

Dies würde zur Folge haben, dass es kaum noch einheitliche Ziele und Strukturen gibt und der Schulsport „seine Identität verliert“ (S. 291). Daher müssten sich Lehrer und Lehrerinnen bemühen, den Kindern eine weiterhin einheitliche Ausbildung zu gewährleisten und ihnen den Weg zum Vereinssport zu öffnen. Um den Schülern und Schülerinnen nicht das Gefühl zu vermitteln, „dass Sporttreiben etwas Unverbindliches und Beliebiges ist“ (S. 291), sollten die Wahlmöglichkeiten innerhalb des Sportunterrichts jedoch beschränkt bleiben (Kern & Söll, 2005).

2.1.4 Vereine als dritter Sektor neben Marktsektor und staatlichem Sektor

„Das Dritte-Sektor-Konzept bzw. der Dritte-Sektor-Ansatz betrat die wissenschaftliche Bühne in Deutschland in den frühen 1990er Jah- ren. Er ist ein Import aus den USA, wo er Mitte der 1970er Jahre eingeführt wurde, um einen gesellschaftlichen Bereich zu bezeich- nen, der sich vom staatlichen und marktlichen Sektor unterschei- det, der quasi zwischen diesen beiden Sektoren liegt.“ (Jütting, van Bentem & Oshege, 2003, S. 13)

Bis heute ist der dritte Sektor noch nicht ausreichend erforscht und weist daher Mängel im Bereich der Informationsbereitstellung und hinsichtlich theoriebasierender Modelle auf (Salomon & Anheier, 1998). Damit einhergehend liegt keine eindeutige Bezeichnung vor, sodass der dritte Sektor auch als „intermediären Sektor, Non-Profit-Sektor oder Non-Profit-Organisation“ (NPO) bekannt ist (Jütting et al., 2003, S. 14).

Die nachfolgende Abbildung von HEINEMANN (2004) soll einen Einblick in die Struktur des dritten Sektors und deren Bedeutung geben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Dritte Sektor zwischen Staat, Markt und informellem Sektor (Heine- mann, 2004, S. 77)

Der dritte Sektor liegt demnach zentral zwischen den Angelpunkten „Markt“, „Staat“ und „informellen Sektor“ und schließt Organisationen wie z.B. Verei- ne, Verbände oder Stiftungen mit ein. Diese können, wie der Markt, gewinn- orientiert oder, wie der Staat und der informelle Sektor, nicht gewinnorientiert wirtschaften. NPO haben auf der einen Seite die Wahl, wie der Staat, privat oder auf der anderen Seite, wie der Markt und der informelle Sektor, öffent- lich organisiert zu sein. Des Weiteren können die Merkmale „Vergemein- schaftung“ und „Vergesellschaftung“ unterschieden werden. Beim Ersteren werden, wie beim informellen Sektor, Werte wie Zusammengehörigkeit und Gemeinschaftlichkeit vermittelt. Beim Letztgenannten hingegen zählen sach- liche Überlegungen und Planung, wie sie im Markt und im Staat erforderlich sind (Heinemann, 2004).

Zu den repräsentativen Merkmalen des Non-Profit-Sektors zählen die Orga- nisationen, die formal strukturiert, dauerhaft, selbstverwaltend und organisa- torisch unabhängig vom Staat sind. Sie basieren auf den Beiträgen freiwilli- ger Helfer und streben nicht nach erwerbswirtschaftlichen Gewinnen. Außer- dem verfügen sie über eine unabhängige Struktur in der Führungsebene (Jütting et al., 2003).

Sportvereine, als ein Teil des dritten Sektors, sind juristische Personen, die sich stark von den „marktorientieren Unternehmen und staatlichen Einrichtungen“ unterscheiden (Nagel et al., 2004, S. 14). Sie benötigen zur Gründung mindestens 7 Mitglieder und weisen charakteristische Merkmale wie freiwillige Mitgliedschaft, Ausrichtung an den Interessen der Mitglieder, Unabhängigkeit von Dritten, ehrenamtliche Mitarbeit und auf Demokratie basierende Entscheidungen auf (Heinemann & Hoch, 1988).

Eingetragene Vereine (e.V.), die im Vereinsregister notiert sind, benötigen in den meisten Bundesländern eine notarische Beglaubigung. Ihre gesetzlichen Bestimmungen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert. Die Rechtsform eines eingetragenen Vereins zählt zu den am häufigsten vor- kommenden Gesellschaftsformen in Deutschland. Im Durchschnitt gehören 600.000 Sportvereine dazu, die in den meisten Fällen das Bild eines Ideal- vereins vertreten, d.h. nicht gewinnorientiert wirtschaften (Jütting et al., 2003; Krüger & Pfeffer, 2011)

Der e.V. verfügt über zahlreiche Vorteile, wie beispielsweise die steuerlichen Vorzüge aufgrund seiner Gemeinnützigkeit. Des Weiteren haften Mitglieder nicht für ihren Verein und auch der Vorstand ist vor wirtschaftlichen Risiken geschützt. Die Kosten zur Gründung eines Vereins sind in der Regel sehr ge- ring. Zudem wird in diesem Zusammenhang kein Mindestkapital, wie z.B. bei der Gründung einer GmbH, benötigt. Diesen Vorteilen stehen die folgenden Nachteile, die berücksichtigt werden sollten, gegenüber: Der Tatbestand, dass Vereine keine gewinnorientierten Ziele verfolgen dürfen bzw. erwirt- schaftete Gewinne im Anschluss in den ideellen Bereich reinvestiert werden müssen. Bei der Gründung eines Vereins muss eine Satzung verfasst wer- den, die den Vereinsnamen, Vereinssitz, Vereinszweck, Mitgliedsbeiträge, Aus- und Eintritt von Mitgliedern, Bildung des Vorstandes und die Einberu- fung der Mitgliederversammlung beinhaltet (Krüger & Pfeffer, 2011).

Die Kooperationen von Sportvereinen zu Kommunen und zum Staat haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, sodass sie „zur wohl größ- ten Personengesellschaft in Deutschland gewachsen“ sind. (Hasibeder, 2003, S. 61)

Da die Sportvereine für jeden Menschen zugänglich sind und dennoch eine weitestgehend professionelle Arbeit leisten, haben sie einen großen Stellen- wert in der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang geben der Staat und die Kommunen wertvolle Aufgaben an den Sportverein ab, was unter dem Begriff Korporatismus bekannt ist. Infolgedessen übernehmen die Vereine im orga- nisierten Sport „öffentliche Aufgaben, die, würde es den Sportverein nicht geben, vom Staat in anderer Form erfüllt werden müssten“ (Heinemann, 2004, S. 78). Um diese Aufgaben bewerkstelligen zu können, muss der Staat den Sportverein finanziell unterstützen. So erhalten Vereine Übungsleiter- und Trainergehälter, es werden Fort- und Ausbildungen, sowie die Hallen- mieten bezuschusst. Nur um einige dieser Finanzierungsquellen zu nennen. Dennoch müssen die Kommunen und der Staat auch in Zukunft noch deutli- cher zur „existentiellen und finanziellen Absicherung“ der Vereine beitragen (Hasibeder, 2003, S. 70).

2.2 Der gemeinnützige Sportverein

Im Vergleich zu erwerbswirtschaftlichen Unternehmen, die gewinnorientierte Ziele verfolgen, stellen Vereine eine NPO dar. Zwar ist es ihnen nicht verwehrt Gewinne zu erwirtschaften, allerdings müssen diese in die Ziele des Vereins reinvestiert werden. Welche rechtlichen Grundlagen der Verein hierbei beachten muss, welche Finanzierungsmöglichkeiten dem Sportverein dabei zur Verfügung stehen und welche Trends sich innerhalb der Vereine entwickeln, werden im Folgenden ausführlich beschrieben.

2.2.1 Rechtliche Grundlagen für Sportvereine

Die Rechtsform eines eingetragenen Vereins unterscheidet sich grundlegend von der Rechtsform eines erwerbswirtschaftlichen Unternehmens. Die Kennzeichen eines gemeinnützigen Vereins, seine steuerlichen Besonderheiten und das Zuschusswesen sollen hier kurz genannt werden.

2.2.1.1 Gemeinnützigkeit

Die Gemeinnützigkeit eines Vereins hat zunächst einmal nichts mit der Eintragung in das Vereinsregister zu tun, sondern spiegelt vielmehr einen steuerlichen Tatbestand wieder. Ob ein Sportverein gemeinnützig ist oder nicht, entscheidet das Finanzamt. Die Gemeinnützigkeit bietet vor allem steuerliche Vorteile, von denen die wichtigsten die körperschaft- und gewerbesteuerfreien Einnahmen im ideellen, also direkt satzungsorientiertem Bereich ermäßigte Umsatzsteuer (7%) in den satzungsfördernden Zweckbetrie- ben die Ausgabe von Spendenbescheinigungen, die wiederum vom Spender als Sonderausgabe steuerlich abgesetzt werden kann, sind (Krüger & Pfeffer, 2011).

Die Gemeinnützigkeit hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Viele der Zuschüsse werden daher begünstigter Weise an gemeinnützige Organisationen vergeben. Um diesen Status nicht zu verlieren, müssen zahlreiche Auflagen seitens der Vereine erfüllt werden. Darunter fallen:

- beschränkte Mittelverwendung
- Einschränkungen in der wirtschaftlichen Betätigung
- bestimmte Bedingungen bei Zuwendungen an Mitglieder
- die Vermögensbindung bei der Auflösung des Vereins
- zusätzliche Pflichten der Buchführung

(Krüger & Pfeffer, 2011)

2.2.1.2 Steuerliche Besonderheiten

Ein Sportverein, der die Gemeinnützigkeit anstrebt, hat steuerliche Vorteile gegenüber anderen, nicht gemeinnützigen Organisationen. Erzielt ein Sport- verein wirtschaftliche Einkünfte, so sind diese steuerpflichtig. In den Vereinen werden die Einnahmen und Ausgaben den vier Tätigkeitsbe- reichen ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirtschaft- licher Geschäftsbetrieb zugeordnet. Deren Inhalte und steuerlichen Besonderheiten werden in Kapitel 2.2.2 näher erklärt.

2.2.1.3 Zuschusswesen

HASIBEDER (2003) trifft mit seiner Aussage:

„Bei der finanziellen Enge ist der Vereinssport in allen seinen Aus prägungen vom Leistungssport bis zum Gesundheitssport, vom Ju gendsport bis zum Seniorensport auf fördernde Partner in der Wirt schaft angewiesen“ (Hasibeder, 2003, S. 61) einen wichtigen, wenn auch für die meisten Vereine derzeit nicht sonderlich bedeutsamen, Punkt. Dennoch gilt: Nur wenn dem Sportverein die entsprechenden Grundlagen, wie beispielsweise die Vereinsgröße, Sportstätten und Finanzmittel zur Verfügung stehen, ist es ihm möglich, neben den ehrenamtlichen Mitarbeitern weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Darunter zählen vor allem die Stellen von Geschäftsführer/Innen, aber auch qualifizierte Trainer/Innen und Sportlehrer/Innen, die alle zu einem gewissen Grad zur Professionalisierung eines Vereins beitragen.

Es geht doch vor allem darum, Sport- und Gesundheitsangebote für alle, vom Kind über die junge Familie bis hin zum Rentner in hoher Qualität, flä- chendeckend zu kleinen Preisen anzubieten. Dies sind in dieser Komplexität und Dichte, mit diesen erheblichen ehrenamtlichen Aufwendungen (übrigens auch in Großsportvereinen) Aufgaben von großer gesellschaftlicher Rele- vanz.

Deshalb sollten insbesondere die Kommunen und der Staat die Sportvereine noch deutlicher als bisher unterstützen, damit die Mitgliedsbeiträge „nicht in unsoziale Dimensionen angehoben werden müssen“ (Hasibeder, 2003. S. 70). Das ist aber nicht immer der Fall, sodass die Vereine gezwungen sind, weitere Finanzierungs- und Ansprechpartner zu suchen. Dies verdeutlicht un- ter anderem ein Bericht des DOSB vom 9. Juli 2011 („Sportförderung in Rheinland-Pfalz soll gekürzt werden“), in dem es heißt, dass seit dem Jahr 2001 die Sportfördermittel um elf Prozent gesunken sind (DOSB, 2011a). Zwar räumt Minister Lewentz dem Sport einen hohen Stellenwert ein, aller- dings seien die Schulden seines Landes zu hoch und das Haushaltsvolumen zu gering, sodass die Zuschüsse vor allem für Vereinsmanager, Übungsleiter oder für die Anschaffung von Sportgeräten und den Bau neuer Sportanlagen in Zukunft weiter gekürzt werden können. Auch wenn die Schuldendezimie- rung in Zukunft einen immer größeren Raum in den Länderhaushalten ein- nehmen wird, ist es doch politisch sehr kurzsichtig, die finanzielle Zukunft durch Kürzungen zu entlasten, die in absehbarer Zeit viel größere staatliche Aufwendungen nötig machen dürften. Die deutschen Sportvereine sind in ih- rer sozialen, gesundheitlichen und bildungspolitischen Funktion so einfach nicht ersetzbar.

Auch deshalb versucht wohl der Minister, von Staats wegen, potenzielle Förderer für die Sportvereine in der Wirtschaft zu suchen (DOSB, 2011a). So gelingt es nicht nur den Sportvereinen in Rheinland-Pfalz, sondern auch den Vereinen in anderen Bundesländern von Förderern vor Ort, wie beispielsweise Sparkassen, Firmen oder Gesundheits- und Krankenkassen, bezuschusst zu werden (Hasibeder, 2003).

Neben dem immer kleiner scheinenden „Fördermitteltopf“ gibt es bei genaue- rer Betrachtung jedoch zahlreiche Projekte, die finanziert und gefördert wer- den. Da seien unter anderem die Kooperationen zwischen den Ganztags- schulen und den Sportvereinen in Baden-Württemberg genannt, die Förder- mittel erhalten. Zudem unterstützt der Württembergische Landessportbund (WLSB) für das Jahr 2012/2013 ein Projekt zur Kooperation zwischen Sport- vereinen und Kindergärten mit dem Ziel, die motorischen, kognitiven und so- zial-emotionalen Entwicklungen der Kinder und deren Persönlichkeit zu för- dern. Der Sportverein hat dadurch einen direkten Kontakt zu den noch sehr jungen Kindern und ihren Eltern und kann sich mit seinem Vereinsangebot als Anbieter mit ausgezeichneten Qualitäten präsentieren. Die Kindergärten wiederum können ihr Programm erweitern und erscheinen dadurch interes- santer und vielseitiger. Dieses Projekt wird aus den Sportfördermitteln des Landes bezuschusst (WLSB, 2012).

Auch der DOSB hat im Jahr 2009 mit der Initiative „Klimaschutz im Sport“ ei- ne vom Bundesministerium geförderte Maßnahme begonnen, die in den ein- zelnen Bundesländern zu zahlreichen Projekten, zu erneuerbaren Energien und Energie- und Wassereinsparungen geführt hat. So fördert der Bremer Landessportbund aus den TOTO-LOTTO-Mitteln Maßnahmen „zur nachhalti- gen Energieeinsparung in vereinseigenen oder von Vereinen und Verbänden genutzten angemieteten Sportanlagen mit einem Zuschuss von maximal 6.000 Euro pro Maßnahme“ (DOSB, 2011). Der Landessportbund in den Bundesländern Hessen und Bayern unterstützt seine Sportvereine, indem er kostenfreie Beratungen und Empfehlungen zum Thema „Klimaschutz“ anbie- tet. Der Bayerische Landessportbund erhält für die Gesamtlaufzeit des Pro- jektes von 2009 bis 2012 insgesamt 700.000 Euro. Die Vereine in Deutsch- land schenken dieser Thematik zunehmend mehr Beachtung, denn der Kli- maschutz spielt auch in diesen Organisationen eine immer größere Rolle. So können durch energetische Sanierungen, Solaranlagen oder Wärmedäm- mung unnötige Kosten eingespart werden. Die Vereine nehmen sich diesem Thema an und versuchen es auch den Kindern und Jugendlichen im Verein zugänglich zu machen. Ein Vorzeigebeispiel ist der Hannoversche Sportclub (HSC) 1893 e.V., der den Klimapass „e.coKids“ ins Leben gerufen hat. Hier werden Kinder und Jugendliche im Rahmen eines Ferienprogramms mit Hilfe von Übungsleitern, Ehrenamtlichen und Referenten sportlich aktiv und lernen etwas über den Klimaschutz. Anhand solcher Projekte lassen sich neue Mit- glieder gewinnen. Nicht ganz unwesentlich sind der öffentliche Auftritt und die positive Wahrnehmung auf lokaler Ebene (DOSB, 2011).

Neben den eben genannten Konzepten gibt es Förderungen hinsichtlich der Integration von Migranten in den Vereinen und Projekte zum Thema Betrieb- liche Gesundheitsförderung (BGF). Ein vorbildliches Beispiel ist das Projekt „G.U.T. im Beruf (=gesund und trainiert im Beruf)“ des WLSB. Diese unter- stützen, in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen „ meisterleistung GmbH “, die Sportvereine hinsichtlich der Kontaktaufnahme, Beratungsprozesse, Mit- arbeiterbefragungen und Evaluationen mit Firmen. Ziel dieses Projektes ist es, den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Baden- Württemberg eine qualitativ hochwertige BGF anzubieten. Da die meisten Hürden in den fehlenden Ressourcen und finanziellen Mitteln bestehen, be- treibt nur ein sehr geringer Anteil der Unternehmen BGF, insbesondere bei den KMU. Die umliegenden Sportvereine können Hallen- und Personalkapa- zitäten für einen relativ geringen Preis zur Verfügung stellen, sodass sich auch mehrere Unternehmen zusammenschließen und mit dem Sportverein gemeinsame Programme entwickeln können. Zudem fehlen den Vereinen insbesondere die Altersgruppen der Berufstätigen, sodass genau diese Ziel- gruppe besser erschlossen werden kann. So hat jeder der KMU die Möglich- keit, gesundheitliche Vorsorge für die Belegschaft zu leisten und Vereine können Fuß in der Wirtschaft fassen. In diesem Zusammenhang sind die Sportvereine „SV Böblingen“ und der „VfL Sindelfingen“ als Paradebeispiele zu nennen (WLSB, 2012a).

2.2.2 Bereiche und Finanzierungsmöglichkeiten gemeinnütziger Sportvereine

Die Einnahmen und Ausgaben der Sportvereine werden den vier Tätigkeitsbereichen ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirt schaftlicher Geschäftsbetrieb und nicht den - bei Einkommensteuerpflichtigen - sieben Einkunftsarten zugeordnet. Diese sind in der Abbildung 2 dargestellt und sollen im Weiteren näher erklärt werden.

Zu beachten ist, dass gemeinnützige Vereine nicht von der Gewerbe- und Umsatzsteuer befreit sind. Einnahmen aus dem wirtschaftlichen Geschäfts- betrieb müssen mit 19% versteuert werden. Dahingegen sind die Einkünfte aus dem ideellen Bereich, dem Zweckbetrieb und aus der Vermögensverwal- tung von der Körperschaft- und Gewerbesteuer entbunden (Wachter, 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die vier Tätigkeitsbereiche eines gemeinnützigen Vereins (mod. nach Wachter, 2012)

Ideeller Bereich

Dazu zählen Mitgliedsbeiträge, Spenden und öffentliche Zuschüsse.

Vermögensverwaltung

Hierunter fallen zu den Zinsen auch die Einnahmen aus längerfristigen (mindestens sechs Monate) Vermietungen von Grundbesitz oder aus der Verpachtung einer Vereinsgaststätte. Zudem gehören die Einkünfte aus der Verpachtung von Werberechten dazu.

Zweckbetriebe

Einnahmen, die dem gemeinnützigen Zweck dienen, werden diesem Bereich zugeordnet. Auch die Gebühren von Mitgliedern für die Nutzung von Sportan- lagen für kurze Dauer - z.B. des Tennisplatzes für eine Stunde - werden hier mit eingerechnet. Ausgenommen sind dagegen Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Wenn ein Sportverein in Konkurrenz zu einem wirtschaftlichen Unternehmen tritt, dabei Tätigkeiten nachgeht, die nicht dem gemeinnützigen Zweck dienen und darüber hinaus Einnahmen generiert, die nicht den Rahmenbedingungen der Vermögensverwaltung entsprechen, müssen diese dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeordnet werden. Hierunter fallen z.B. Einnahmen aus den sportlichen Veranstaltungen, die mehr als 35.000 Euro betragen. Des Weiteren gehört die kurzfristige Überlassung der Sportanlagen, z.B. des Tennisplatzes für eine Stunde an Nicht-Mitglieder, dazu. Zudem kommen die Einnahmen aus Tätigkeiten, die nicht in der Satzung des Vereins verankert sind oder Werbeeinnahmen durch Anzeigen in der Vereinszeitung sowie Bandenwerbung hinzu (Wachter, 2012).

2.2.3 Die Charakterisierung der Vereinstypen

Um Vereine verschiedenen Vereinstypen zuzuordnen, braucht man gewisse Merkmale zur Differenzierung. Die aus einer solchen Differenzierung hervor- gehende Klassifizierung kann anhand der Mitgliederzahl, der Sparten, der Vereinsphilosophie und dem Grad der Dienstleistungsorientierung erfolgen.

Klassifizierung nach Mitgliederzahl

Eine Klassifizierung der Sportvereine kann anhand ihrer Mitgliederzahl vollzogen werden. Dabei werden Sportvereine mit bis zu 300 Mitgliedern als „kleine Vereine“, solche zwischen 301 und 800 Mitgliedern als „mittlere Vereine“, jene zwischen 801 und 2.000 Mitgliedern als „große Vereine“ und diejenigen mit über 2.000 Mitglieder als „Großvereine“ bezeichnet (Nagel et al., 2004). Diese Einteilung reicht allerdings nicht mehr aus, um die Strukturen der Vereine und ihre Entwicklung zu beschreiben. Sie bleibt jedoch ein Standard, um zumindest die Vereinsgröße zu definieren.

Klassifizierung nach Sparten

Der WLSB teilte die Vereine in seiner Vereinsstudie 2004 zunächst in drei Gruppen ein: In die Einspartenvereine, Mehrspartenvereine und in die Um- satzstarken Vereine. Erstere kennzeichnen sich durch eine geringe Mitglie- der- und Abteilungszahl und verfügen über ein kleines Haushaltsvolumen. Hierzu gehören 85% der Gesamtvereine, die an der Studie teilgenommen haben. Die Mehrspartenvereine charakterisieren sich dadurch, dass sie rela- tiv viele Abteilungen und Mitglieder haben. Sie schließen insgesamt 15% al- ler Vereine ein, die allesamt vor 1945 gegründet wurden. Die umsatzstarken Vereine können eine hohe Mitgliederzahl vorweisen und verfügen über ein sehr hohes Haushaltseinkommen. Im Vergleich zu den Vorherigen, müssen die Mitglieder solcher Vereine vergleichsweise höhere Mitgliedsbeiträge auf- bringen. Die Verbreitung eines umsatzstarken Mehrspartenvereins macht ge- rade einmal ein Prozent, bezogen auf alle Sportvereine in ganz Baden- Württemberg aus, binden aber zehn Prozent aller organisierter Mitglieder (Nagel et al., 2004).

Diese drei Vereinstypen geben jedoch nicht die Komplexität wieder, sodass eine weitere Aufgliederung erfolgen muss. Daher teilt der WLSB die Vereine in seiner Studie in weitere neun Vereinstypen, deren Unterscheidungsmerk- mal die Strukturmerkmale Mitgliederzahl, Abteilungszahl, Gründungsjahr, Haushaltseinkommen und Mitgliedsbeiträge sind. Demnach können die Ein- spartenvereine nochmals in typische Einspartenvereine, alte Einspartenver- eine, junge Einspartenvereine, teure Einspartenvereine und kleine Mehrspar- tenvereine unterteilt werden. Die mittleren Mehrspartenvereine und die gro- ßen Mehrspartenvereine gehören der Rubrik Mehrspartenvereine an. Zu der Kategorie umsatzstarke Vereine zählen die Großvereine und die sehr teuren Einspartenvereine. Für weitere Details zu den einzelnen Sparten sei an die- ser Stelle auf die WLSB Vereinsstudie in „Sportvereine: Auslaufmodell oder Hoffnungsträger (2004)“ verwiesen.

Klassifizierung nach Vereinsphilosophie

Da es deutschlandweit mehr als 91.000 Sportvereine gibt, reicht eine Klassi- fizierung der Vereine auf Grundlage ihrer Mitgliederzahlen nicht mehr aus. Daher verweisen BREUER und WICKER (2011a) auf die Vereinsphilosophie, welche bei einer solchen Betrachtungsweise zu unterschiedlichen Ergebnis- sen führt. Nach ihnen werden Vereine in integrative Vereine, jugendorientier- te Vereine, gesellige Vereine, dienstleistungsorientierte Vereine und Leis-

tungssportvereine eingeteilt. Eine genaue Beschreibung dieser Kategorien kann dem „ Sportentwicklungsbericht 2009/2010 - Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland“ von Breuer & Wicker (2011) entnommen wer- den. Hierbei können Sportvereine „hybrid ausgerichtet sein und mehreren Typen angehören“ (Breuer & Wicker, 2011a). Allerdings sehen sich die meis- ten von ihnen als integrative und jugendorientierte Vereine und weniger als Leistungssportvereine.

Dahingegen nimmt der WLSB in seiner Vereinsstudie (2004) eine andere Einteilung ein. Demnach können Vereine anhand ihrer Zielorientierung in So- lidargemeinschaft, breitensportorientierte Solidargemeinschaft, kursorientier- te Vereine, Leistungs-, aber auch breitensportorientierte Vereine, Leistungs- sportorientierte Vereine und mehrperspektivisch orientierte Vereine unter- schieden werden. Zu den Inhalten der jeweiligen Vereinstypen sei an dieser Stelle auf die WLSB Vereinsstudie in „Sportvereine: Auslaufmodell oder Hoffnungsträger (2004)“ hingewiesen. Der WLSB macht dabei deutlich, dass es nicht nur allein um die Vereinsstruktur, sondern auch um die Ziele des Vereins geht. Anhand unterschiedlicher Zielsetzungen ist eine differenzierte Entwicklung der Vereine möglich (Nagel et al., 2004).

Klassifizierung nach Solidargemeinschaft und Dienstleistungsorientierung Vor allem größere und umsatzstarke Sportvereine zeigen zunehmend An- passungserscheinungen hinsichtlich marktorientierter Dienstleister. Sie be- schäftigen vermehrt bezahlte und abgabenpflichtige Angestellte, wie Hono- rarkräfte, geringfügig Beschäftigte oder Teil- und Vollzeitkräfte. Zudem ist ei- ne Professionalisierungstendenz im Trainingsbetrieb, sowie in der Verwal- tung und bei der Organisation von Vereinsaktivitäten erkennbar. Die Sport- angebote werden häufiger auch für Nicht-Mitglieder, in Form von gebühren- pflichtigen Kursen, geöffnet. Die Vereine erhoffen sich dadurch einen Mit- gliederzuwachs. Aber auch die Mitglieder müssen zunehmend einen zusätzli- chen Beitrag für bestimmte Sportangebote zahlen. Diese Entwicklung ist selbstverständlich nicht bei allen Vereinen beobachtbar (Nagel et al., 2004). In der Vereinsstudie (2004) unterscheidet der WLSB die Vereine hinsichtlich der Dienstleistungsorientierung in sechs Typen, die den beiden Gruppen So- lidargemeinschaften und Dienstleistungsorientierung zugeordnet werden können. Der Erstgenannten gehören fünf Sechstel der Sportvereine in Württemberg an, zu denen die Solidargemeinschaften, offene Solidargemeinschaften und nicht-professionalisierte Kursanbieter angehören. Dienstleistungsorientiert sind die teil-professionalisierten Kursanbieter, die teilprofessionalisierten Sportanbieter und die professionalisierten Prestigesportanbieter (Nagel et al., 2004).

2.2.4 Trends in der Vereinsentwicklung

Auch wenn sich die Sportkultur verändert, so hat der Sportverein dennoch einen zentralen Stellenwert in der Gesellschaft. Allerdings lassen sich hierbei unterschiedliche Trends in der Entwicklung der Vereine erkennen. Längst bleiben die Mitglieder nicht mehr ihr ganzes Leben nur in einem Verein, son- dern wechseln diesen, sobald er ihren Ansprüchen nicht mehr genügt oder beantragen die Mitgliedschaft in einem oder mehreren weiteren Vereinen. Die Sportaktiven stehen sich einer steigenden Vielzahl von Sportangeboten gegenüber. Die meisten Menschen wollen sich in vielen Sportarten auspro- bieren und sich nicht auf eine Einzige beschränken. Infolgedessen unterlie- gen die Sportarten einem ständigen Mitgliederwechsel. Gehören einige Sportarten gar nicht erst in das Repertoire eines Vereins, neigt das Mitglied dazu, sich auch einem kommerziellen Sportanbieter anzuschließen (Heine- mann, 2007).

Die Sportvereine sind daher gezwungen auf diese Veränderungen und Trends einzugehen.

2.2.4.1 Demografischer Wandel in Deutschland

„In Deutschland sinkt seit Jahrzehnten die Zahl der Kinder, die Be- völkerung wird immerälter und durch Zuwanderung immer vielfälti- ger, Familienstrukturen und Lebensläufe wandeln sich, viele Städte und Regionen schrumpfen. Der demografische Wandel wird unse- re Gesellschaft und unser Miteinander verändern. Welche vielfälti- gen Auswirkungen auf alle Lebensbereiche das mit sich bringt, be- ginnen wir in Deutschland gerade erst richtig zu erfassen“ (Köhler, 2005).

Bereits im Jahr 2005 weist Bundespräsident Köhler auf eine gesellschaftliche Entwicklungstendenz hin, mit der sich die Bevölkerung im kommenden Jahrhundert vermehrt beschäftigen muss: dem demografischen Wandel. Dieser stellt eine Ursache für den Wandel des Sports bzw. der Sportvereine in Deutschland dar. Welche Auswirkungen er auf die Menschen in Deutschland hat und welche Folgen es in diesem Zusammenhang für den Sport gibt, soll in den nächsten Abschnitten näher beschrieben werden.

Die Zu- und Abwanderung in deutschen Städten und auf dem Land

In Deutschland gibt es seit 1987 (in der Deutschen Demokratischen Republik seit 1981) keine Volkszählung mehr. Daher ist die genaue Zahl der Einwoh- ner nicht bekannt. KRÖHNERT, KLINGHOLZ, SIEVERS, GROßER und FRIEMEL (2011) sprechen sogar in ihrem Beitrag „Die bislang klare Tren- nung zwischen Ost und West verwischt - im ländlichen Raum häufen sich die Probleme“ von „rund 1,3 Millionen Karteileichen“ in den Meldeämtern, die zwar noch immer gemeldet, aber schon längst verstorben oder umgezogen sind (S. 6). Seit dem Jahr 2002 - dem Jahr des Bevölkerungshochstandes - sinkt die Einwohnerzahl Deutschlands mit jedem Jahr mehr. Insbesondere die ländlichen Regionen und der Osten sind davon betroffen. Aufgrund der schlechten Infrastruktur und der Schließung vieler Betriebe zieht es die jun- gen Menschen vor allem in die Großstädte. Dabei profitieren besonders die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Sie werden aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage, ihrem geringen Anteil an Arbeitslosen und Sozialhilfe- empfängern und der Zuwanderung von jungen Menschen, als „zukunftsfähige Bundesländer“ und als „Boomregion“ bezeichnet (Kröhnert et al., 2011, S. 8). In dem Bericht der Autoren werden Hamburg und Berlin als „jung gebliebene“ und „attraktive Städte für junge In- und Ausländer“ beschrieben (Kröhnert et al., 2011, S. 8). Dahingegen sinkt die Bevölkerungszahl in Ost-Deutschland seit der Wiedervereinigung mit jedem Jahr mehr. Im Vergleich zu den ländli- chen Gegenden, die fernab von wirtschaftlichen Zentren sind und eine hohe Arbeitslosenzahl erfassen, sind Städte wie Leipzig, Potsdam, Jena, Dresden, Berlin, Erfurt oder Rostock im Vorteil, weil es besonders die jungen Men- schen aus den umliegenden ländlichen Regionen aufgrund ihres Ausbil- dungs-, Studiums- oder Arbeitsplatzes dort hinzieht. Hier hat sich die demografische Lage leicht verbessert. Abgesehen von diesen Städten werden die Landregionen „auf absehbare Zeit zu demographischen Krisenregionen“, von denen vor allem Sachsen-Anhalt und Brandenburg betroffen sind (Kröhnert et al., 2011, S. 9). Aber auch in Westdeutschland sind Einbrüche zu beobachten. Zwar gelingt es den Studentenstädten wie Heidelberg oder Freiburg in- und ausländische Zuwanderer zu binden, doch insbesondere sie sind nicht bereit, so jung Eltern zu werden. Daher bleiben auch diese Städte kinderarm (Kröhnert et al., 2011, S. 13).

Die deutsche Bevölkerung wird immerälter

Neben den Problemen der Zu- und Abwanderung in den Städten und ländlichen Regionen, gibt es weitere Parameter, die es zu betrachten gilt. Darunter fällt die Bevölkerungspyramide, die auf dem Kopf zu stehen scheint. Die nachfolgende Darstellung soll dies noch einmal veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bevölkerungspyramide - Der Altersaufbau von 1970 bis 2030 (Statistisches Bundesamt, 2009)

[...]


1 Diese Sportart hat ihren Ursprung im Skateboarden. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass das Streetsurf Board nur zwei Räder hat (Trendsports, 2012)

2 Das Spiel ist eine Mischung aus Fußball und Fahrrad fahren. Dabei muss der Ball von der Land- zeile aus ins Tor geschossen werden (Trendsports, 2012)

Details

Seiten
178
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656429289
ISBN (Buch)
9783656432968
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214742
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
neue geschäftsfelder großsportvereine

Autor

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Titel: Neue Geschäftsfelder für Großsportvereine