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Die politische Rolle von Augustus' Ehefrau Livia

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Frauen in der Antike und ihre politische Einflussnahme
2.2. Livias Herkunft und die Heirat mit Augustus
2.3. Livias politische Rolle als Frau des Augustus
2.4. Livias politische Rolle nach Augustus Tod

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Livia Drusilla, „von ihrem Adel, ihrem Charakter und ihrer Schönheit her die erste der Frauen Roms“[1], gehörte als Ehefrau des Kaisers Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) und Mutter von Tiberius (42 v. Chr. bis 37 n. Chr.) zum Zentrum der Macht in der Übergangsphase von der Römischen Republik zum Prinzipat und war an der Seite von Augustus die erste Kaiserin Roms. Bei der Betrachtung ihrer Geschichte stellt sich heute, vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung der Geschlechter und mit Angela Merkel einer Frau als Kanzlerin, die Frage, inwiefern diese Frau an der Macht ihrer Männer beteiligt war. Wie groß war ihr Einfluss auf die politischen Entwicklungen im Römischen Reich? Konnte sie als Frau überhaupt an diesen mitwirken? Und wenn ja, welche Formen der Einflussnahme waren ihr gegeben?

Jede Beschäftigung mit Themen aus der Antike führt das Problem der Quellenlage mit sich: Die zeitliche Distanz von über 2000 Jahren von der Antike bis zur Gegenwart hat genug Möglichkeiten geschaffen, die uns vorliegenden Texte zu verändern und zu beeinflussen. Doch selbst wenn sämtliche Schriften unverändert überliefert worden sein sollten, so sind sie immer noch geprägt durch die damaligen ideologischen Vorstellungen und Absichten der Autoren. Bei den antiken Quellen handelt es sich keineswegs um stichhaltige Fakten. Bei der Untersuchung von Frauenrollen im römischen Altertum kommt außerdem noch der Umstand hinzu, dass es kaum authentische Texte von Frauen selbst gibt, da es keine weiblichen antiken Schreiber gab. Dies erschwert die Beschäftigung mit der politischen Rolle der Livia und verlangt ein ständiges Hinterfragen und Interpretieren der relevanten Textstellen[2]. Die Werke von hauptsächlich drei antiken Autoren sind für die Darstellung der ersten Kaiserin zu untersuchen. Sueton, Tacitus und Cassius Dio haben wohl den größten Teil zur Überlieferung der Taten von und mit Livia beigetragen. Alle drei sind erst Jahrzehnte nach Livias Tod geboren und waren somit auf bereits überlieferte Quellen wie Archivmaterial oder Privatbriefe angewiesen. Cornelius Tacitus (ca. 55-120 n. Chr.) durchlief selbst eine erfolgreiche senatorische Karriere. In seinen Annalen schildert er ein äußerst negatives Bild von Tiberius, vor allem wohl um die durch ihn repräsentierte Herrschaftsform des Prinzipats zu kritisieren. Livia ist bei Tacitus die „übermächtige Kaisermutter“[3], die im Hintergrund die Fäden zieht. C. Suetonius Tranquillus (geboren um 70 n.Chr.) war ein Beamter am Hofe Hadrians. Er verfasste insgesamt 12 Kaiserbiographien, von denen die über Augustus die längste darstellt[4]. Cassius Dio Cocceianus (geboren um 164 n. Chr.) war ebenfalls Mitglied des Senats seiner Zeit. Mit seinem Werk „Römische Geschichte“ versuchte er die Gesamtgeschichte Roms niederzuschreiben[5]. Sowohl Cassius Dio als auch Sueton binden Livia zwar in den Handlungsverlauf ihrer Schilderungen ein, doch dies geschieht vorwiegend nur beiläufig und nicht um ihrer selbst willen. Tacitus hingegen lässt Livia durchaus auch als Hauptperson agieren und stellt sie in eine Reihe mit zum Beispiel Tiberius[6]. Im Kontrast zu dem meist sehr negativ geprägten Liviabild dieser drei Autoren, steht das des Velleius Paterculus. Sein Werk ist die einzig erhaltene Darstellung eines Zeitzeugen. Um 20. v Chr. geboren, nahm er an den Feldzügen des Tiberius in Germanien teil. Seine hohe Wertschätzung gegenüber Tiberius und dessen Mutter, die in seinen Texten immer wieder deutlich wird, ist daher vermutlich auch auf den Umstand zurückzuführen, dass es ihm unter deren Herrschaft desgleichen nahezu unmöglich war, sich negativ zu äußern[7].

Das Problem der Zensur liegt den zeitgenössischen Autoren nicht mehr vor. Dennoch sind auch sie von den Vorstellungen und Ansichten ihrer Zeit geprägt. Hugo Willrichs (1867 bis 1950) Untersuchungen zum Beispiel, dessen Buch Livia im Jahr 1911 erschien, liegt, wie es durch einige Formulierungen deutlich wird, ein grundsätzlich anderes Frauenbild zugrunde. Keinem Autor ist es möglich die vorliegenden Quellen absolut objektiv zu betrachten und zu interpretieren. Dieser Umstand muss bei der Beschäftigung mit der Sekundärliteratur beachtet werden.

Im Folgenden wird zunächst kurz die allgemeine Rolle der Frau in der römischen Antike und ihre Möglichkeiten zur Teilnahme am politischen Leben dargestellt (siehe 2.1.). Dies ist nötig um analysieren zu können, inwiefern Livias Rolle eventuell von der Norm abwich. Dann erst steht Livia selbst im Vordergrund. Bei der Einführung in ihre Geschichte werden zunächst ihre Herkunft und die Abläufe bis zur Heirat mit Oktavian dargestellt (siehe 2.2.), bevor ihre politische Rolle betrachtet werden kann. Um diese differenzierter darzustellen ist die Betrachtung in zwei Teile gegliedert. Während sich der erste Abschnitt mit dem Auftreten der Livia in der Öffentlichkeit und dem Verhältnis zu ihrem Ehemann während der Regierungszeit des Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) beschäftigt (siehe 2.3.), untersucht der zweite die Mitwirkung Livias bei der Nachfolgeregelung vor und nach dem Tod des Augustus, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrem Sohn Tiberius während dessen Regierungszeit (14 n. Chr. bis 37 n. Chr.) (siehe 2.4.). Die Betrachtung all dieser Punkte soll einen Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der politische Einflussnahme der Livia gewähren, die in der Schlussbetrachtung noch einmal abschließend zusammengefasst werden (siehe 3.).

2. Hauptteil

2.1. Frauen der Antike und ihre politische Einflussnahme

Im Mittelpunkt der römischen Gesellschaft stand die Familie, bestehend aus dem Ehemann, der Frau und den Kindern, sowie Sklaven und Freigelassenen. In dieser Institution besaß der Vater die patria potestas[8], die absolute Gewalt über sämtliche Mitglieder der Familie, über Vermögen und Besitz. Diese Macht gestattete dem männlichen Familienoberhaupt sogar seine eigenen Kinder zu töten, was jedoch schon früh rechtlich beschränkt worden war. Mit der Entlassung aus dieser patria potestas wurde das Kind sui iuris, eine Person eigenen Rechts. Streng genommen konnten erst dann auch die Söhne eigenes Vermögen besitzen. Mit der Heirat wurde die patria potestas häufig von der manus[9] abgelöst, der entsprechenden Macht des Ehemannes über seine Frau. Die manus wirkte ähnlich wie das Recht des Hausvaters und sorgte vor allem dafür, dass das Vermögen der Frau rechtlich dem Mann zustand. Selbst in einer manusfreien Ehe, die durchaus vorkam, konnte die Frau nicht selbst über ihr Vermögen verfügen, da Frauen in diesem Aspekt rechtlich als unmündig galten. Auch wenn sie sui iuris waren, standen die Frauen unter Vormundschaft. Sie besaßen einen tutor, der bei allen Geschäften mit hinzugezogen werden musste. Die Frauen in der römischen Antike besaßen des Weiteren keinerlei politische Rechte: Sie durften keine öffentlichen und staatlichen Ämter übernehmen.
Dennoch konnten sie auf andere Weise, zum Beispiel als Priesterinnen, am öffentlichen Leben teilnehmen. Außerdem waren sie Teil des römischen Bürgerverbandes und genossen, wenn sie Mitglied der oberen Stände waren, ein ähnliches Ansehen wie ihre Männer oder Väter. Auch wenn von einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau keine Rede sein kann, so zeigten sich die römischen Aristokratinnen doch häufig selbstbewusst und selbstständig in der Öffentlichkeit[10]. Die Bereitschaft und das Interesse der Frauen, am politischen Tagesgeschehen teilzunehmen, beschreibt auch Maria H. Dettenhofer (geboren 1960)[11]. Nach ihrer Darstellung konnten die Frauen besonders in Krisenzeiten, wie zum Beispiel nach dem Tod Caesars, begünstigt durch den Ausfall der Männer durch Krieg, Gefangenschaft oder Tod, die politische Initiative ergreifen[12]. Obwohl sie offiziell, wie oben beschrieben, nicht am politischen Leben teilnehmen konnten, waren sie, da die Politik in der römischen Oberschicht kaum vom Privatleben getrennt war, in der Lage, in den Häusern der führenden Familien die Entscheidungen indirekt mit zu beeinflussen[13]. Die „Beteiligung von Frauen an der Macht“ sieht auch Thomas Späth (geboren 1956) vor allem in der „Beeinflussung von Männern“ im privaten Rahmen und weniger durch das selbstständige politische Handeln in offiziellen Funktionen[14].

[...]


[1] Vell., 2,75,3. „genere, probitate, forma Romanarum eminentissima“

[2] Vgl. Temporini-Gräfin Vitzthum, 2002, S. 17f.

[3] Vgl. Flaig, Egon, s.v., 'Tacitus', in: Der neue Pauly, Sp. 1209-1211.

[4] Vgl. Sallmann, Klaus, s.v., 'Suetonius', in: Der neue Pauly, Sp. 1084-1086.

[5] Vgl. Birley, A.R., s.v., 'Cassius', in: Der neue Pauly, Sp. 1014-1015.

[6] Vgl. Perkounig, 1995, S. 26f.

[7] Vgl. Krapinger, Gernot, s.v., 'Velleius', in: Der neue Pauly, Sp. 1169-1170.

[8] Vgl. Schiemann, Gottfried, s.v., 'patria potestas', in: Der neue Pauly. Sp. 402-404.

[9] Vgl. Schiemann, Gottfried, s.v., 'manus', in: Der neue Pauly, Sp. 839-841.

[10] Vgl. Schuller, 1995, S. 13ff.

[11] Vgl. Dettenhofer, 1994, S. 134 und Schuller, 1995, S. 60.

[12] Vgl. Dettenhofer, 1994, S. 141.

[13] Vgl. ebenda S. 147ff.

[14] Vgl Späth, 1994, S. 195.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656429562
ISBN (Buch)
9783656436614
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214665
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Augustus Livia Antike Frauen in der Antike

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