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Arbeitslosigkeit: Absicherung im deutschen Sozialstaat

Wie sich die Situation der Arbeitslosen seit Einführung des Arbeitslosengeldes II 2005 verändert hat

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Arbeitslosigkeit in Deutschland
1.1 Amtlich registrierte Arbeitslose
1.2 Amtlich nicht registrierte Arbeitslose

2. Die Arbeitslosenversicherung
2.1 Die Aufgaben der Arbeitslosenversicherung
2.2 Ziele der Arbeitslosenversicherung

3. Soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit
3.1 Welcher Personenkreis erhält Arbeitslosengeld I ?
3.2 Von der Arbeitslosenhilfe zum ALG II
3.3 Die Situation nach der Hartz IV – Reform
3.3.1 Wer erhält die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitslose ?
3.3.2 Wie wirkt sich die Hartz IV – Reform auf die Menschen aus ?

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Sozialstaat, indem durch eine umfassende Sozialgesetzgebung jedem Bürger ein menschenwürdiges Leben gewährleistet werden soll und ein gewisses Maß an Chancengleichheit.

Als wohl seit Bestehen der Sozialgesetze tief greifendste Einschnitt in den Sozial- und Arbeitsmarkt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird die zum 1.Januar 2005 sogenannte Hartz IV Reform angesehen. Mit dieser Arbeit soll dargestellt werden welche grundlegenden Veränderungen dieser Systemwandel mit sich gebracht hat und es wird die Frage aufgeworfen, welchen Veränderungen sich die betroffenen Menschen stellen müssen. Nach einer Begriffsdefinition was Arbeitslosigkeit in Deutschland überhaupt bedeutet und wer arbeitslos ist, wird die Frage gestellt wie es zu diesem Wandel bis zur Einführung von Arbeitslosengeld II im Jahr 2005 gekommen ist und er eventuell auch Notwendig war.

Es wird ein Ausblick gegeben werden, inwiefern sich die Hartz-Gesetze auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Menschen ausgewirkt haben und abschließend diskutiert werden, ob es positive wie negative Effekte in den letzten Jahren gegeben hat.

2. Arbeitslosigkeit in Deutschland

Als Arbeitslosigkeit wird im Gegensatz zur Vollbeschäftigung der Zustand bezeichnet, bei dem Arbeitsfähige und Arbeitswillige keine angemessen entlohnten und zumutbaren Arbeitsplätze finden. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Arbeitslosigkeit: Die friktionale, strukturelle, konjunkturelle, saisonale und regionale Arbeitslosigkeit. Friktionale Arbeitslosigkeit hat ihre Ursache in persönlichen oder betrieblichen Gründen und entsteht durch fortwährende Fluktuation am Arbeitsmarkt. Strukturelle Arbeitslosigkeit kann durch die Einführung neuer Technologien, welche die Beschäftigungszahlen verändern, entstehen. Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit wird durch Konjunkturabschwünge bestimmt. Die saisonale Arbeitslosigkeit ist typisch für Wirtschaftsbereiche die jahreszeitlich bedingten Schwankungen unterliegen, hier sind als Beispiel das Baugewerbe oder auch die Landwirtschaft zu nennen. Die regionale Arbeitslosigkeit resultiert aus der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung verschiedener Regionen in einem Staat. (vgl. Hillmann 2007, S.45)

2.1 Amtlich registrierte Arbeitslose

Nicht jede beschäftigungslose Person in der Bundesrepublik Deutschland ist gleichzeitig in der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit registriert. Es gelten bestimmte Voraussetzungen, unter denen eine erwerbsfähige Person dort überhaupt aufgenommen wird und folglich auch nach außen hin sichtbar ist. Diese sind:

Personen, die sich bei der Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung für Arbeitssuchende als arbeitssuchend melden. Sie müssen sofort für eine Arbeitsaufnahme zur Verfügung stehen und bereit sein, jegliche zumutbare Beschäftigung aufzunehmen. Personen die einer Beschäftigung nachgehen sollten, welche nur geringfügig ist, das heißt weniger als 15 Wochenstunden entspricht.

Personen, die nicht älter als 65Jahre sind oder Altersrente empfangen. Solche Personen, die nicht an einer beruflichen Bildungsmaßnahme teilnehmen oder SchülerInnen sowie Studierende sind (vgl. Bäcker 2010, S.483).

2.2 Amtlich nicht registrierte Arbeitslose

Nicht in die amtliche Statistik gehen diejenigen Personen ein, welche sich nicht bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und ohne deren Hilfe der selbstständig einen Arbeitsplatz suchen. Hierunter fallen zum Beispiel viele SchulabgängerInnen, BerufsanfängerInnen, sowie Frauen im Anschluss an die Familienphase. Weiterhin diejenigen Personen, welche eine Ausbildungsstelle suchen oder nur eine kurzfristige oder geringfügige Beschäftigung. Des Weiteren gehen auch ältere ArbeitnehmerInnen nicht in die Statistik ein, die vorgezogenes Altersruhegeld in Anspruch nehmen oder Arbeitslosengeld empfangen, aber dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen müssen. Aus dieser Aufteilung in amtlich in der Statistik registrierte Arbeitslose und nicht registrierte Arbeitslose bei der Agentur für Arbeit ergibt sich, dass die Zahl der Arbeitslosen und folglich die Arbeitslosenquote weit höher liegen würde, wenn nicht ein Teil der potenziell Arbeitslosen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen würden. Hier ist vor allem die Kurzarbeit von immenser Bedeutung, sowie Trainingsmaßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, Existenzgründerzuschüsse und Arbeitsgelegenheiten gemäß dem SGBII.

Die Arbeitsmarktbilanz ist somit unmittelbar abhängig von der Aktivität der Arbeitsmarktpolitik und dem entsprechenden Mitteleinsatz (vgl. Bäcker 2010, S.483).

3. Die Arbeitslosenversicherung

Wenn in Deutschland von der Sozialen Sicherung oder auch vom System der Sozialen Sicherung gesprochen wird, so ist damit in der Regel der auf Einkommensübertragende basierende Kernbereich von Sozialstaat und Sozialpolitik gemeint: Zum System der der sozialen Sicherung zählen demnach die fünf Zweige der Sozialversicherung. Das sind die Gesetzliche Rentenversicherung, Gesetzliche Krankenversicherung, Gesetzliche Unfallversicherung, Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung, welche im Folgenden näher betrachtet werden soll (vgl. Bäcker 2010, S. 520/521)

3.1 Die Aufgaben der Arbeitslosenversicherung

Die Sozialpolitik in Deutschland sieht die soziale Sicherung von Arbeitslosen als zentrale Aufgabe. Verwirklicht wird dieser Sicherungsauftrag durch die Arbeitslosenversicherung. Sie ist in Deutschland eine umfassende Pflichtversicherung für alle abhängig Beschäftigten. Ausgenommen davon sind fast alle Selbstständigen, Beamte und geringfügig Beschäftigte. Finanziert wird die Arbeitslosenversicherung durch Beiträge, die je zur Hälfte von den ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen in Abhängigkeit des Bruttogehaltes der ArbeitnehmerInnen geleistet wird (vgl. Bäcker 2008, S.521). Zur Zeit liegt der Prozentsatz bei 3,0 (vgl. sozialpolitik-aktuell).

3.2 Ziele der Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenversicherung hat sich in Deutschland verschiedenen Zielen verpflichtet und erfüllt damit unterschiedliche Funktionen:

Die sozialpolitische Funktion sieht die finanzielle und soziale Absicherung der Arbeitslosen nach Verlust des Arbeitsplatzes vor. Einbrüche im Lebensstandard sollen durch entgeltbezogene Versicherungsleistungen vermieden werden. Bei der arbeitsmarktpolitischen Funktion soll durch die materielle Absicherung eine längere Suchphase auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht werden, dadurch muss der Arbeitslose nicht jedes Arbeitsangebot annehmen, es kommt zu einer höheren Passgenauigkeit zwischen Angebot und Nachfrage. Weiterhin gibt es zur Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage eine konjunkturpolitische Funktion der Arbeitslosenversicherung. Die Arbeitslosenversicherung übernimmt durch die Zahlung von Leistungen die Rolle eines Stabilisators in einer Phase des ökonomischen Rückgangs. Dadurch, dass sich die Leistungen an den vorherigen Nettoeinkünften orientieren, wird die Kaufkraft der betroffenen Haushalte nicht zu sehr geschwächt und mittelbar so die Güternachfrage gesamtwirtschaftlich stabilisiert. Die Existenz der Arbeitslosenversicherung fördert die Risikobereitschaft bei Ausbildungs- und Berufsentscheidungen, weil das Wagnis einen Beruf zu ergreifen, der momentan oder zukünftig nicht nachgefragt ist durch die Aussicht abgemildert wird im Falle einer Fehleinschätzung nicht unmittelbar von Armut bedroht zu werden. Folglich wächst die Bereitschaft sich positiv auf unsichere wirtschaftliche Entwicklungen und Anforderungen eines schnellen Strukturwandels einzustellen, anstatt aus Angst und Unsicherheit diesen Prozess zu blockieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von der wachstums- und strukturpolitischen Funktion. Durch das vorgelagerte System der Arbeitslosenversicherung sollen kommunal finanzierte Sozialhilfeleistungen vermieden werden. Dadurch das die Arbeitslosigkeit in Deutschland regional sehr ungleich verteilt ist, erfüllt die Arbeitslosenversicherung somit eine regionalpolitische Ausgleichsfunktion. Sie erfüllt auch eine verteilungspolitische Funktion, weil ein sozialer Ausgleich zwischen den verschiedenen Beschäftigungsgruppen hergestellt wird. Beschäftigte die ein geringes Risiko haben arbeitslos zu werden stehen im Solidarverbund für Beschäftigte mit schlechten Risiken.

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Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656430070
ISBN (Buch)
9783656435211
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214542
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Sozialpolitik
Note
1.0
Schlagworte
Armut Hartz IV ALG I Sozialhilfe Arbeitslosenversicherung Soziale Gerechtigkeit Sozialgesetzbuch SGB Hilfesystem Peter Hartz Steuerfinanziert

Autor

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