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Projektmanagement im arabischen Raum

Kulturelle Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für die Arbeit mitteleuropäischer Projektmanager im arabischen Raum

Diplomarbeit 2012 92 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Merkmale des arabischen Raums
2.1 Ein Überblick
2.2 Erdöl und Gas Statistik
2.3 Die Sprache: Arabisch
2.4 Die Religionen
2.4.1 Der Islam
2.4.2 Identifikation mit dem Islam
2.4.3 Christentum im arabischen Raum

3 Projektmanagement und wesentliche Erfolgsfaktoren
3.1 Begriffsklärungen
3.1.1 Prozesse
3.1.2 Projekte
3.1.3 Projekterfolg
3.1.4 Projektmanagement
3.1.5 Internationales Projektmanagement

4 Kultur
4.1 Kulturstandard und Kulturwandeln
4.2 Kulturunterschiede/ Kulturelle Anpassung

5 Zentrale Kompetenzen für die Arbeit in fremden Kulturen
5.1 Interkulturelle Kompetenz
5.2 Interkulturelle Kommunikation

6 Kulturdimensionen
6.1 Kulturdimensionen nach Hofstede
6.2 Kulturdimensionen nach Trompenaars

7 Kulturspezifische Besonderheiten des arabischen Raumes im Rahmen von Geschäftsbeziehungen
7.1 Beziehungsspezifische Kulturunterschiede – Kollektives Element
7.2 Geschlechtsspezifische Kulturunterschiede – Weiblichkeit im Geschäftsalltag
7.3 Handlungsspezifische Kulturunterschiede - Pünktlichkeit –Verbindlichkeit
7.4 Handlungsspezifische Kulturunterschiede – Hierarchien als Führungsstil

8 Erhebungs- und Auswertungsmethode
8.1 Leitfragen
8.2 Teilstrukturiertes Leitfaden-Interview
8.3 Auswahl der Interviewpartner
8.4 Anmerkungen zu den geführten Interviews
8.5 Strukturierende Inhaltsanalyse

9 Die Analyse
9.1 Bilder vom arabischen Raum
9.1.1 Sicherheit, Terror und Angst
9.1.2 Frauenfeindlich
9.1.3 Kein Klares Bild
9.2 Erlebnisse im arabischen Raum
9.2.1 Positive Erlebnisse
9.2.2 Negative Erlebnisse
9.2.3 Die Motivation/ Wieso tue ich mir das an?
9.3 Europäische Mentalität vs. Arabische Mentalität
9.3.1 Interkulturelle Unterschiede
9.3.2 Besonderheiten des arabischen Raums
9.4 Erfolgsfaktoren
9.4.1 Respekt andern Kulturen gegenüber/ Kulturverständnis
9.4.2 Kontakte/ Beziehungen
9.4.3 Tipps
9.4.4 Sonstige Erfolgsfaktoren
9.5 Planung von Projekten im arabischen Raum
9.6 Frauen im Business

10 Diskussion der Ergebnisse
10.1 Vor der Einreise
10.2 Im Ausland
10.3 Die Meinung danach
10.4 Bemerkung

11 Zusammenfassung, Schlussfolgerung und Empfehlungen

12 Die 10 Gebote für Projektmanager im arabischen Raum:

13 Ausblick und Anregungen zu weiterer Forschungstätigkeit

14 Literaturverzeichnis

15 Eigenständigkeitserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1, Land Karte des arabischen Raums

Abbildung 2, Verteilung der Muslime

Abbildung 3, Projektmanagement, Erfolg als Punkt oder Würfel

Abbildung 4, Kultur, Zwiebeldiagramm

Abbildung 5, Kurve der kulturellen Anpassung

Abbildung 6, Kulturkonzepte in Interkulturellen Beziehungen

Abbildung 7, Komponenten interkultureller Kompetenz

Abbildung 8, Kulturdimensionen nach Hofstede

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1, Bevölkerung und Fläche des arabischen Raums

Tabelle 2, Erdöl und Gas Statistik

Tabelle 3, Interviewpartner

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der arabische Raum war während der letzten 50 Jahre konstant in den Medien präsent. Das hat dieser Region aber nicht nur ihrer geostrategischen Lage, sondern auch dem schwarzen Gold und andere Bodenschätze zu verdanken. In den vergangenen Jahren hat der arabische Raum, insbesondere durch politische Instabilität in Folge des Transformationsprozesses, welcher mit dem arabischen Frühling begonnen hat, wieder auf sich aufmerksam gemacht.

Diese politische Instabilität könnte in den vergangenen Jahren viele Unternehmen davon abgehalten haben in dieser Region zu investieren, obwohl ein Land wie Österreich, das über ausgezeichnete Beziehungen in dieser Region verfügt, eine größere Rolle spielen könnte:

„[…] ein großer Vorteil für das Verhältnis zwischen Syrien und Österreich ist die Tatsache, dass Österreich nie als Kolonialmacht im Nahen Osten aufgetreten ist und es dadurch kein Spannungsverhältnis gibt“ (Bartels, G. 2011, S. 104).

Diese Aussage trifft nicht nur auf Syrien, sondern auf den gesamten arabischen Raum zu.

Der arabische Raum verfügt über Ressourcen wie wahrscheinlich keine andere Region der Welt und hat ein enormes Entwicklungspotential. So verfügt diese Region, laut OPEC Statistik, über 48.45% der Erdölressourcen und mehr als ein Viertel aller Erdgasreserven (27.54%) der Erde (OPEC Statistik 2010/2011, OPEC.ORG - ASB2010_2011.pdf). Der arabische Raum bedeckt rund 6% des gesamten Festlandes und ca. 5% der gesamten Bevölkerung leben in dieser Region. Die durchschnittliche Zuwachsrate wurde für das Jahr 2012 mit 1,65% geschätzt und beträgt daher ein Vielfaches des Zuwachses in Mittel- und Westeuropa: 0.28% (census.gov).

Die sehr hohe Anzahl der Jugendlichen unter 30 Jahre ist ein Merkmal dieser Region. Darüber hinaus zeichnen sich die meisten arabischen Länder durch eine relativ gute Infrastruktur aus.

Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob Unternehmen, neben der politischen Instabilität, in der Umsetzung auch mit anderen Problemen ihrer Projekte konfrontiert werden. Die konkreten Fragen lauten: Welchen Herausforderungen begegnen mitteleuropäische Projektmanager in dieser Region? Wie beeinflussen interkulturelle Unterschiede ihre Arbeit? Was sind die Erfolgsfaktoren und welche Erfahrungen haben sie dort gemacht?

Es geht dabei um Projektmanager, die ihre Projekte selbst im Ausland durchführen mussten. Die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren sind daher nicht nur projektmanagementspezifisch, sondern umfassen auch Fragen, die sich auf die Umgebung und das alltäglichen Lebens beziehen.

In dieser Arbeit geht es primär um den Faktor Mensch. Projektmanagement wird zwar immer mehr als ein Tool gesehen, das man verwendet, um Projekte zu planen und zu kontrollieren, aber bei internationalen Projekten geht es aber vor allem auch um den menschlichen Faktor und um interkulturelle Kompetenz. Dies erfordert es aber auch die Kulturstandards des jeweiligen Landes zu verstehen.

Obwohl sich diese Arbeit mit den Besonderheiten des Projektmanagements im arabischen Raum auseinandersetzt, ist das Hintergrundwissen über die geschichtliche Entwicklung und die kulturellen Besonderheiten dieser Region für Projektmanager sehr wichtig. Dazu gehören auch das Verständnis und die Akzeptanz für die Religion, die dort vorherrscht. Der Islam prägt das Leben der dort ansässigen Menschen genauso wie das Christentum. Auf den Islam wird in dieser Arbeit in Hinblick auf dessen Einfluss auf die Arbeit von Projektmanagern eingegangen.

1.1 Forschungsfrage

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit nachstehenden Forschungsfragen auseinander:

- Welchen Herausforderungen begegnen mitteleuropäische Projektmanager im arabischen Raum?
- Wie beeinflussen kulturelle Unterschiede die Arbeit?
- Was sind die Erfolgsfaktoren und welche Erfahrungen haben sie dort gemacht?

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit lässt sich in vier Teile gliedern.

Im ersten Kapitel wird der Bedeutung kultureller Unterschiede, interkulturelle Kompetenz aufgezeigt und der Rolle der interkulturellen Kommunikation nachgegangen.

Im zweiten Teil werden sowohl die Interviewpartner vorgestellt als auch die Interview- und Auswertungsmethode beschrieben.

Im dritten Teil sind die aus der empirischen Untersuchung gewonnen Kenntnisse angeführt. Die Schlussfolgerung und Empfehlungen werden im vierten Teil beschreiben.

Für die gesamte Arbeit gilt:

In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff „Projektmanager“ geschlechtsneutral verwendet.

I. Theoretischer Teil

2 Merkmale des arabischen Raums

2.1 Ein Überblick

Der arabische Raum umfasst etwa sechs Prozent des gesamten Festlandes und erstreckt sich von Marokko an der Atlantikküste bis zu den Staaten am arabischen Golf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Land Karte des arabischen Raums, http://explow.com/arabische

Man unterscheidet die arabischen Länder zum einen durch ihre geografische Lage und zum anderen durch ihre historischen Beziehungen. Dahingehend lassen sie sich in folgende vier Gruppen unterteilen:

Golfstaaten: Diese Staaten kennzeichnen sich vor allem dadurch, dass sie auf der arabischen Halbinsel liegen. Zu den Golfstaaten zählen Saudi Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, V.A. Emirate, Oman sowie der Jemen, auch wenn dieser kein Mitglied des GCC (Gulf Cooperation Council, zu Deutsch: Golfkooperationsrat) ist. Mit Ausnahme des Jemens verfügen diese Staaten über die größten Energieressourcen und gelten daher als die finanzkräftigsten Länder der arabischen Welt.

Al-Sham: Unter dem arabischen Namen für Damaskus werden die Länder Syrien, Irak, Libanon, Jordanien, und Palästina als eine Gruppe geführt und unter dem Begriff "Belad Al-sham" (bzw. Al-sham Staaten) zusammengefasst. Mit Ausnahme des Iraks und einem Teilen im Nordosten Syriens verfügt diese Region kaum über Energieressourcen.

Die Nil-Region: Die Nilregion umfasst Ägypten und den nördlichen Teils des Sudan. Diese Region ist durch die historisch-wirtschaftliche Bedeutung des Nils geprägt.

Al-Maghreb: Die Staaten Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko und Mauretanien werden als Maghrebstaaten zusammengefasst. Einige dieser Staaten gelten als Touristenattraktion.

Des Weiteren werden Somalia, Djibouti und die Komoren zu den arabischen Ländern gezählt (vgl. arableagueonline.org).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1, Bevölkerung und Fläche des arabischen Raums, Eigenerstellung nach http://www.census.gov/population/international/data/idb/region.php

Trotz der großen Fläche des arabischen Raumes kann man von einer gemeinsamen arabischen Kultur sprechen. Abweichungen und Unterschiede gibt es vor allem zwischen den vier Gruppen.

2.2 Erdöl und Gas Statistik

Nach Angaben der OPEC befindet sich knapp die Hälfte der Erdölressourcen (48.45%) und mehr als ein Viertel aller Erdgasreserven (27.54%) im arabischen Raum (siehe Erdöl und Gas / Produktion und Reserven - OPEC Statistik 2010/2011, OPEC.ORG - ASB2010_2011.pdf).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2, Erdöl und Gas Statistik, Eigenerstellung nach (OPEC.ORG - ASB2010_2011.pdf)

2.3 Die Sprache: Arabisch

Arabisch ist die offizielle Sprache der arabischen Welt und wird von über 240 Millionen Menschen gesprochen. Neben Arabisch kommen auch andere Sprachen vor wie z.B. Assyrische, Aramäisch, Kurdisch und Berberisch.

Als gemeinsames sprachliches Fundament dient „das Hocharabische (fusha), welches als Schrift- und Mediensprache verwendet wird. Im Alltagsleben, wird allerdings über lokal unterschiedliche Dialekte kommuniziert“ (vgl. Jammal, E. & Schwegler, U. 2007, S. 130).

Innerhalb der jeweiligen Ländergruppen sind die Dialekte ähnlich. So haben etwa die einzelnen Golfstatten einen fast identischen Dialekt. Diese differenzieren sich jedoch immer stärker je weiter man sich in die Richtung der Al-Maghreb Staaten bewegt, wo der Dialekt eine Mischung aus dem Arabischen, dem Französischen und - in einigen Gebieten - auch aus Berbersprachen ist.

Die Aussprache der arabischen Sprache ist auch phonetisch gesehen eine Besonderheit, da in keiner Sprache so viele unterschiedliche Stellen im Mund- und Rachenraum in Anspruch genommen werden: beispielsweise bei Kehl- oder Zäpfchenlauten.

Auch wenn die Sprache für Europäer nicht einfach zu erlernen ist, ist es dennoch – gerade für Projektmanager – empfehlenswert sich der Herausforderung zu stellen und sich mit der arabischen Sprache vertraut zu machen. Auch der Kulturwissenschafter Hofstede bestätigt, dass Sprachkenntnisse die Anpassung an die fremde Kultur erleichtern können. „Wer die Sprache nicht kennt, wird von der Feinheiten einer Kultur vieles nicht mitbekommen und bleibt notgedrungen ein relativer Außenseiter“ (Hofstede, G. 2011, S. 428).

2.4 Die Religionen

Über 1,5 Milliarden Menschen gehören dem islamischen Glauben an. Wenngleich der Islam seinen Ausgangpunkt in der arabischen Halbinsel hat, befindet sich Mehrheit der Muslimen heute bereits außerhalb des arabischen Raums

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2, Verteilung der Muslime, Quelle, http://www.pewforum.org/newassets/images/reports/Muslimpopulation/Muslimpopulation.pdf

Umgekehrt gibt es im arabischen Raum auch andere Religionen als den Islam, wie etwa christliche und jüdische Minoritäten. Daher sind Muslime nicht gleichzusetzen mit Araber bzw. Araber nicht immer Muslime!

2.4.1 Der Islam

Die fünf Säulen des Islams umfassen den Glauben an die Einheit Allahs, das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben, die fünf täglichen Gebete, die Wohltätigkeit gegenüber den Mitmenschen (Spenden), das Fasten während des Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka (vgl. izwien.at).

Der Islam betont seine monotheistische Ausrichtung, indem er darauf verweist, dass es nur einen Gott gibt und alles auf seiner Schöpfung beruht. Dem Islam folgend sind Mohammad und Jesus als Propheten nur ausgewählt worden, um die Menschen zu Gott zu führen.

„Wörtlich bedeutet Islam Unterwerfung, Frieden und Heil. In der meistzitierten Passage des Koran, der Basmala – Im Namen Gottes, des Barmherzigen (Ar-Rahman), des Erbarmers (Ar-Rahim), verbirgt sich in sehr knapper Form der grundlegendste Aspekt des Koran“ (Büyükçelebi, I. 2005, S. 4).

Das islamische Recht (arab.: Sari’a) ist letztlich nichts anderes als die auf Grundlage der Interpretation des Korans erarbeitete Darstellung des besten Weges zu Gott. In der Praxis wird die Sari’a kaum in seiner reinen Form angewendet(vgl. Munir, D. A. 1990, S. 60).

2.4.2 Identifikation mit dem Islam

Der arabische Raum wird in erster Linie durch die besondere Bedeutung der islamischen Religion charakterisiert. Da die Identifikation mit der eigenen Religion in vielen Ländern der arabischen Welt weit stärker ist als etwa in den meisten Ländern Europas, sind Grundkenntnisse über die wesentlichen Prinzipien der islamischen Religion unumgänglich. Insbesondere die Fastengebote und Gebetszeiten können sich auf die Projektplanung und -arbeit auswirken.

Westliche Reisende werden in islamischen Ländern vor allem mit den praktischen Auswirkungen des Gebets und des Fastens konfrontiert. Sie können erleben, dass Geschäfte zur Gebetszeit geschlossen werden oder dass ihre Verhandlungspartner eine Sitzung kurz unterbrechen, um ihr Gebet, vielleicht in einem Nebenraum oder auch in einer nahen Moschee, zu verrichten“

(Hecht-Elminshawi, B. & Bodrogi, K. 2004, S. 79).

Als eine der Säulen des Islams wird die „Pflicht der fünf Gebete am Tag“ von vielen Gläubigen ernst genommen. Da die fünf Gebete auch über eine höhere Priorität als geschäftliche Termine und Besprechungen werden können, kann es vorkommen, dass Geschäfte kurzfristig geschlossen oder Besprechungen unterbrochen werden. Die Gebete finden zu bestimmten Tageszeiten, abhängig vom Verlauf der Sonne, statt.

Verrichte das Gebet von Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht, und das Lesen des Korans bei Tagesanbruch. Wahrlich, die Lesung des Korans bei Tagesanbruch ist besonders angezeigt“ (Quran, 17:78).

Darüber hinaus unterliegt die Gebetszeit täglichen Änderungen und kann, je nach Ort, variieren. So gelten etwa für den 26. Juni 2012 in der Stadt Riyad, Saudi Arabien nachstehende Zeiten:

- Morgengebet: von 3:35 Uhr bis 5:06 Uhr
- Mittagsgebet: von 11:57 Uhr bis 15:18 Uhr
- Nachmittagsgebet: von 15:18 Uhr bis 18:47 Uhr
- Abendgebet: von 18:47 Uhr bis 20:17 Uhr
- Nachtgebet: von 20:17 Uhr bis 3:36 Uhr am nächsten Tag

Am Freitag, dem islamischen Sonntag, ist es für viele Muslime üblich bereits am Vormittag in die Moschee zu gehen (vgl. Ortlieb, S. 2006, S.180).Findet ein geschäftliches Treffen zwischen muslimischen Managern statt, dann wird einer der Betroffenen häufig eine Pause verlangen, sofern er nicht bereits sein Gebet anderweitig durchführen konnte. Eine derartige Unterbrechung kann auch im Beisein nicht-muslimischer Manager gefordert werden. Europäische Geschäftspartner können dies durchaus als mangelndes geschäftliches Interesse interpretieren, was zu Missverständnissen führen kann. Ein erfahrener Projektmanager kann die Gebetszeiten jedoch bereits in der Planung von Besprechungen berücksichtigen und auf diese Weise für eine positive Grundstimmung bei den islamischen Geschäftspartnern sorgen.

Auch das Fasten (Ramadan) ist ein zentrales Gebot für gläubige Muslime und kann eine Auswirkung auf das Geschäftsleben haben. Der Ramadan ist dabei nicht nur von religiöser Bedeutung, sondern ein soziales Ereignis, welches in einem dreitägigen Fest gipfelt. Anders als beispielsweise Weihnachten richtet sich der Ramadan nach dem Mondjahr und verschiebt sich jährlich um etwa elf Tage nach vorne: So begann der Ramadan in den Jahren 2010, 2011 und 2012 beispielsweise am 11. August, 01. August und 20. Juli.

Projektmanager sollten beachten, dass im Ramadan während des Tages, von Beginn des Sonnenaufganges bis Sonnenuntergang, unter anderem weder gegessen noch getrunken wird. Wenngleich dies nicht notwendigerweise das alltägliche Geschäftsleben ausschließt, ist vor allem im arabischen Raum eine Verschiebung des Tagesablaufes zu beobachten. Geschäftliche Termine finden daher oft in den Abend- und Nachtstunden statt und können bis nach Mitternacht dauern (vgl. Rothlauf, J. 2006, S. 572).

Bei Planung von Projekten gilt es zu berücksichtigen, dass insbesondere die ersten zwei bis drei Tage des Fastens schwierig sind und daher kritische Projekttermine nach Möglichkeit nicht auf den Beginn des Fastenmonats fallen sollten. Es ist ein Zeichen von interkultureller Kompetenz, wenn bei der Planung von Projektbesprechung auf das Fasten muslimischer Projektmitarbeiter Rücksicht genommen wird. So kann etwa eine Projektbesprechung gezielt Pausen vorsehen, die es auch Nichtmuslimen ermöglicht, sich zu stärken.

2.4.3 Christentum im arabischen Raum

Neben dem Islam gibt es im arabischen Raum weitere Religionen, wobei in den Ländern Ägypten, Libanon und Syrien dem Christentum, in unterschiedlichsten Ausprägungen besondere Bedeutung zukommt.

Ca. 13 Millionen Christen leben im arabischen Raum (vgl. pewforum.org), wobei diese Zahl auch Gastarbeiter in den Golfstaaten beinhaltet. In Ägypten sind die dem Christentum angehörige Kopten angesiedelt, in Libanon sind die meisten Christen Maroniten und in Syrien gehören sie der Orthodoxen Kirche.

3 Projektmanagement und wesentliche Erfolgsfaktoren

3.1 Begriffsklärungen

3.1.1 Prozesse

„Prozesse sind häufig wiederholte, eher sequentielle Verkettung von Aktivitäten, wobei die Ausgangslage sowie das angestrebte Ergebnis definiert und die erforderlichen Maßnahmen kategorisiert bzw. spezifiziert sind. Es bestehen nur unbedeutende Unsicherheiten in der Zielerreichung, Beispiel: Beschaffung eines Zulieferteils“ (Rattay, G. & Patzak, G. 2008, S. 19).

3.1.2 Projekte

„Einmalige, parallele und sequentielle Vernetzung von Aktivitäten, wobei die Ausgangslage definiert, das angestrebte Ergebnis spezifiziert und erforderlichen Maßnahmen jedoch zum Teil noch völlig offen sind, so dass wesentliche Unsicherheiten in der Zielerreichung bestehen. Beispiel: Produktentwicklung“ (Rattay, G. & Patzak, G. 2008, S. 19).

Kerzner definiert ein Projekt wie folgt: "Ein Projekt ist ein Vorhaben oder eine Aufgabe mit folgenden Merkmalen: (i) Zielvorgabe, die unbedingt erfüllt werden muss, (ii) Klar definierter Anfangs- und Endtermin, (iii) Begrenzte Finanzausstattung und (iv) Beanspruchung von Personalressourcen und Sachmitteln" (Kerzner, H. 2008, S. 22).

3.1.3 Projekterfolg

Ein Projekt ist erfolgsreich, wenn die Erwartungen des Kunden (sei es intern oder extern) im Rahmen der Zeit-, Kosten- und Qualitätsvorgaben erfüllt werden können, was aber in der Praxis kaum möglich ist. Die Erfahrung zeigt, dass sehr oft Kompromisse besonders bezüglich Zeit und/oder Kosten getroffen werden müssen, weswegen man Projekterfolg als einen Würfel sehen kann (siehe Abbildung 3), der das Zusammentreffen der entscheidenden Erfolgsfaktoren für das Projekt ausmacht (vgl. Kerzner, H. 2008, S. 74).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3, Projektmanagement, Erfolg als Punkt oder Würfel, Quelle: Kerzner, H. 2008, S. 24

3.1.4 Projektmanagement

„Projektmanagement umfasst die Planung, Organisation und Steuerung der Unternehmensressourcen in Hinblick auf ein relativ kurzfristiges Ziel, das aufgestellt wurde, um bestimmte Endziele zu erreichen“ (Kerzner, H. 2008, S. 24).

3.1.5 Internationales Projektmanagement

Internationales Projektmanagement umfasst die „üblichen Managementaufgaben bzw. –Funktionen“, die im speziellen Kontext stehen, nämlich im interkulturellen Umfeld. (vgl. Stähle, H. W. 1991, S. 77; zit. n. Amanda Dominique Dunkel, 2001).

4 Kultur

Das Verhalten von Individuen ist in der Regel durch die Kultur in der ein Mensch sozialisiert wurde, als auch in der sich ein Mensch über einen längeren Zeitraum aufhält, geprägt. In der Literatur finden wir verschiedene Erklärungen und Definitionen von Kultur.

Edward Burnett Tylor definierte im Jahr 1871 in seinem Buch Primitive Culture, Kultur als das komplexe Ganze, das Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, und alle anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten von Menschen als Teil der Gesellschaft erworben sind.

Hofstede Geert (2011, S. 47) definierte Kultur als: „[…] das Buch der Regeln für das soziale Spiel, die allerdings niemals niedergeschrieben wurden, sondern die von den Teilnehmern weitergegeben werden an neue Spieler, die sie in ihrem Bewusstsein verankern“

Trompenaars Fons (vgl. Trompenaars, ez.bremen.de) meint: „Kultur ist der Weg, auf dem menschliche Gesellschaften zur Lösung von Problemen finden.“

Clifford Geertz hingegen ist überzeugt (Clifford Geertz, ez.bremen.de): „Kultur ist das Muster der Sinngebung, in dessen Rahmen Menschen ihre Erfahrungen deuten und ihr Handeln lenken.“ Wesentlich ist, dass Kultur "erworben" bzw. "weitergegeben" wird. Sie ist nicht angeboren, sondern wird erlernt. Kulturleitet sich aus unserem sozialen Umfeld ab, nicht aus unsern Genen (vgl. Hofstede G. 2011, S. 4).

Das bestätigt Keller Eugen (vgl. 1982, S. 114f; zit. n. Rothlauf J. 2006), indem er davon ausgeht, dass Kultur erlernt und durch Symbole übermittelt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4, Kultur, Zwiebeldiagramm Quelle: Hofstede, Geert, 2011, S. 8

Kultur manifestiert sich auf verschiedenen Ebenen: die erste Ebene ist jene der Symbole. Die Symbole sind Worte, Gesten, Bilder oder Objekte, denen eine bestimmte Bedeutung zugeordnet wird. Die zweite Ebene sind die Helden. Damit sind Personen gemeint, die - tot oder lebend, echt oder fiktiv - als Verhaltensvorbilder dienen. Die dritte Ebene ist jene der Rituale, womit kollektive Tätigkeiten innerhalb einer Kultur gemeint sind, welche als sozial notwendig gelten. Diese drei Ebenen werden auch Praktiken genannt, wozu auch die Sprache und die Religion zählen. Die tiefste Ebene ist jene der Werte. Werte sind Gefühle wie böse - gut, schmutzig - sauber, mit einer Orientierung zum Plus - oder zum Minuspol hin. (vgl. Hofstede, G. 2011, S. 8f).

Keller Eugen (vgl. 1982, S. 114f; zit. n. Rothlauf J. 2006) sieht die Kultur als von Menschen geschaffen an. Für ihn ist Kultur ein Produkt kollektiven gesellschaftlichen Handelns und Denkens einzelner Menschen, welches durch Symbole übermittelt wird. Der Einzelne erlernt demnach die Kultur als Instrument zur Anpassung an die Umwelt. Durch Normen beziehungsweise Regeln wird das Verhalten gesteuert, um so Konsistenz und Integration des Einzelnen zu ermöglichen.

4.1 Kulturstandard und Kulturwandeln

Markowsky Richard und Thomas Alexander definieren Kulturstandard wie folgt: „Kulturstandards sind die spezifischen Spielregeln des gesellschaftlichen Lebens in einer Kultur“ (Markowsky, R. & Thomas, A. 1995; zit. n. Heringer, H. J. 2010, S. 182).

Heringers Definition von Kulturstandard ist die Ermittlung und Beschreibung von Kultur Vereinfachungen, Selektion und Standardisierung (vgl. Heringer, H. J. 2010, S. 182).

Die Kenntnis arabischer Kulturstandards definiert Kratochwil als Erfolgsfaktor für Projekte im arabischen Raum. Da aber derartige Spielregeln von der Mehrheit eines Kollektivs als normal, selbstverständlich, typisch und daher letztlich als verbindlich angesehen werden, können diese Veränderungen nicht von Einzelnen erzwungen werden, sondern unterliegen einem Entwicklungsprozess, der regelmäßig durch äußere Faktoren zu Veränderungen innerhalb des Kollektiv führt (vgl. Kratochwil, G. 2007, S.53).

Für Hofstede waren drastische Veränderung von Kulturen durch Naturgewalten, militärische Eroberungen und Kräfte des Menschen möglich. Anders als erwartet war die religiöse Zugehörigkeit nicht ausschlaggebend. Der Wandel vollzieht sich dabei rascher im Bereich der Symbole oder Helden als etwa im Falle von Werten (vgl. Hofstede, G. 2011, S. 20). Ein gutes Beispiel hierfür sind etwa die Arabischen Emirate, die deutlich Grenzen einer (raschen) Veränderung innerhalb der Gesellschaft aufzeigen. Im Zuge der durch den Reichtum an Energieressourcen entstandenen wirtschaftlichen Entwicklung haben sich die Emirate im letzten Jahrzehnt zu einem Land entwickelt, dessen äußeres Erscheinungsbild wie kein anderes arabisches Land von Luxus und Reichtum geprägt ist. Trotz dieser Entwicklung leben die Werte der ursprünglichen Stammesgesellschaft weiter (vgl. Hermann, R. 2011, S. 86), insbesondere auch die Bedeutung eines islamisch geprägten Weltbildes bzw. einer islamisch geprägten Weltordnung der Beduinengesellschaft. Auch der Zerfall der während des Kalten Krieges künstlich geschaffenen politischen Strukturen zeigt die Grenzen kultureller Veränderungsmöglichkeiten auf. Länder wie etwa die Sowjetunion oder Jugoslawien wurden zwar durch eine gemeinsame Ideologie geeint, blieben aber ohne gemeinsame Kultur und sind letztlich mit Wegfall der gemeinsamen Klammer verfallen (vgl. Huntington, S. P. 1996, S. 24f).

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Details

Seiten
92
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656427124
ISBN (Buch)
9783656437871
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214503
Institution / Hochschule
ARGE Bildungsmanagement Wien
Note
Sehr gut
Schlagworte
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