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Geografische Informationssysteme in Unternehmen

„Best-Practices“, Einsatzpotentiale und Wettbewerbsvorteile

Bachelorarbeit 2012 56 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und Motivation

2 Aufbau der Arbeit

3 Forschungsziele
3.1 Erkenntnisziele
3.2 Gestaltungsziele

4 Geografische Informationssysteme
4.1 Begriffliche Grundlagen und Abgrenzungen
4.2 Aufbau und Leistungsumfang
4.2.1 Datenstrukturen
4.2.2 Datenbeschaffung und Datenqualität
4.2.3 Analysetechniken
4.3 Softwareüberblick und neuste Technologien

5 „Best-Practices“ geografischer Informationssysteme in Unternehmen
5.1 Darstellung ausgewählter Anwendungsbereiche
5.1.1 Anwendungsbereich: Marketingplanung
5.1.2 Anwendungsbereich: Standortplanung
5.1.3 Anwendungsbereich: Risikomanagement bei Versicherungen
5.2 Potentiale und Nutzen

6 Übertragung der Nutzenpotentiale von Geografischen Informationssystemen auf NGOs
6.1 Einsatzgebiete Geografischer Informationssysteme in NGOs
6.2 Fallbeispiele
6.2.1 Kampagnenplanung: Greenpeace „GreenAction“
6.2.2 Standortplanung: Unicef „Schulen für Afrika“
6.2.3 Katastrophenmanagement: Ärzte ohne Grenzen
6.3 Potentiale und Nutzen

7 Zusammenfassung, kritische Würdigung und Ausblick

Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 4.2.1-1 Vergleich zwischen Raster- und Vektortechnik (Ausschnitt aus Heywood et al. 2011, S. 79)

Abbildung 4.2.2-1 Wege der Eingliederung von digitalen und analogen Daten in einen GIS-Datenbestand in Anlehnung an Saurer und Behr (1997, S. 86)

Abbildung 4.2.3-1 Layertechnik (Ehlers und Schiewe 2012, S. 48)

Abbildung 5.1.1-1 Anteil der Single Haushalte 2009 (GfK GeoMarketing 2010, S. 11)

Abbildung 5.1.1-2 Außenwerbung Bionade (dds 2012c)

Abbildung 5.1.2-1 Ergebnis einer Filialnetzplanung (Infas Geodaten GmbH 2012a)

Abbildung 5.1.3-1 Erwarteter Verlauf des Hurricanes über Cancun (Swiss Reinsurance Company 2008, S. 14)

Abbildung 5.1.3-2 Hurricaneverlauf, Hotels und Küstenüberschwemmungsrisiko Cancun (Swiss Reinsurance Company 2008, S. 14)

Abbildung 5.1.3-3 Ergebnisstabelle der Risikoanalyse (Swiss Reinsurance Company 2008, S. 14)

Abbildung 6.2.1-1 Plakat GreenAction (Greenpeace 2012d)

Abbildung 6.2.1-2 Regionale GreenAction Kampagne (Greenpeace 2012e)

Abbildung 6.2.1-3 Internationale GreenAction Kampagne (Greenpeace 2012f)

Abbildung 6.2.3-1 Hurricane Katrina in New Orleans (Heywood et al. 2011, S. 405)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 4.2-1 Unterschiedliche Datentypen bei der Datengewinnung in Anlehnung an Saurer und Behr (1997, S. 87)

Tabelle 5.2-1 Nutzenmatrix von GIS für Unternehmen

Tabelle 6.3-1 Nutzenmatrix von GIS für NGOs

1 Einleitung und Motivation

Geografische Informationssysteme (GIS) sind computergestützte Systeme, die aus einer Hardware-, Software-, Daten- und Anwenderkomponente bestehen. Mit Hilfe von GIS können Unternehmen ihren Daten einen Raumbezug geben. Dabei ist die Beschaffung, Eingabe, Verwaltung, Analyse und Präsentation von Unternehmensdaten die Hauptaufgabe eines GIS (Szabo 2006, S. 29 f.). Ursprünglich stammen GIS aus den USA und Kanada, dann breiteten sie sich simultan zum PC-Markt auch in Europa bzw. Deutschland weiter aus. Dabei fanden sie anfangs Einzug in Behörden und Institutionen, dort vorwiegend in deren raumbezogene Planungsprozesse (Longley und Clarke 1995, S. 4).

Abhängig von der Zielsetzung entwickelten sich jedoch unterschiedliche GIS. Zu ihren traditionellen Absatzmärkten gehörten Katasterämter, Behörden im Umwelt- und Ausbildungsbereich, Forstinstitute sowie Universitäten. Später gewannen GIS auch bei privaten Anwendern und Unternehmen an größerer Beliebtheit. Es entwickelten sich intuitiv zu bedienende GIS-Softwareprodukte, die Unternehmen für kartographische Analysen nutzen, um ihre bisherigen wirtschaftlichen Auswertungen zu erweitern und zu verbessern (Schüssler 2000, S. 12).

Heutzutage besitzen GIS gegenüber früher einen komplexeren Charakter. Sie tragen ähnlich wie Decision Support Systeme der Business Intelligence-Technologie in Unternehmen dazu bei, Entscheidungen auf einer fundierten Grundlage zu fällen. Die Business Intelligence-Technologie eignet sich gut um GIS in die IT-Landschaft des Unternehmens zu integrieren und so eine auf Unternehmensdaten basierte Entscheidungsgrundlage zu liefern (Lamont 2009, S. 27). Durch die meist schnell verständliche Darstellung von Unternehmensdaten auf Karten, erfasst der Leser einen räumlichen Zusammenhang in der Regel schneller als bei reiner Betrachtung der Daten in Tabellen (o. V. 2005, S. 26).

Diese Eigenschaft gewinnt in der heutigen Informationsgesellschaft an Bedeutung, da Unternehmen ohne GIS oft nicht in der Lage sind, Daten in einen räumlichen Bezug zu setzen. Der Einsatz von GIS trägt jedoch wesentlich zum Unternehmenserfolg bei, da rund 80 % aller Entscheidungen auch einen räumlichen Bezug besitzen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für Unternehmen bei den Entscheidungsfindungsprozessen und Optimierungsfragen geografische Daten einzubeziehen (Peyke 2004, S. 12).

Das Forschungsinstitut Vanson Bourne erstellte eine Umfrage für Google zum Thema „Geo-Technologien“ und befragte dabei 250 deutsche IT-Manager aus Finanz- und Transportfirmen sowie aus dem Einzelhandel und dem öffentlichen Sektor (Pressebox 2012). Einen Vorteil von GIS sah knapp jeder zweite Befragte (48 %) in der Kundenbindung und etwas über ein Drittel (38 %) sieht einen verbesserten Erkenntnisgewinn. 34 % gaben an, eine höhere Produktivität und Effizienz zu erlangen und 30 % bescheinigten, dass ihre Kosten gesunken seien. Auf der anderen Seite nutzen 42 % der IT-Manager noch keine Geo-Lösungen. 29 % der Befragten gaben an, die geografische Beschaffenheit ihrer Lieferkette nicht zu kennen und jeder Fünfte wisse nicht, wo seine Kunden lokalisiert sind. Jedoch wies mehr als die Hälfte (53 %) auf die besondere Bedeutung hin, regionale Einkaufs-, Produkt und Kundeninformationen analysieren zu können. Es zeigen sich auf der einen Seite die Vorteile, die der GIS-Einsatz mit sich bringt und auf der anderen die Gruppe von IT-Managern, die diese Potenziale noch nicht ausschöpft aber gewillt ist, dies zu tun. Diese Arbeit befasst sich genau mit dieser Thematik, indem sie durch Beispiele aufzeigt, wie Unternehmen GIS einsetzen und dadurch Kosten sparen, die Produktivität steigern, die Effizienz erhöhen oder konkrete Probleme lösen.

Unternehmen setzen GIS heute in sehr unterschiedlichen Anwendungsfeldern ein. Innerhalb desselben Anwendungsbereichs weichen die Lösungsansätze voneinander ab. Außerdem lassen unterschiedliche Begrifflichkeiten und Analysearten den Eindruck entstehen, dass es keinen einheitlichen Leitfaden für den GIS-Einsatz gäbe. Diesem Eindruck wirkt diese Arbeit durch die Darstellung von „Best-Practices“ entgegen. Dadurch entstehen bewährte Muster, Methoden bzw. Vorgehensweisen, wie in den bestimmten Fragestellungen mit GIS umzugehen ist. Um diese „Best-Practices“ zu verdeutlichen, werden passende Beispiele beschrieben.

Aus diesen „Best-Practices“ und Anwendungsbeispielen lassen sich Nutzenpotentiale ableiten, die deutlich machen, welche Rolle GIS in Unternehmen tatsächlich spielen. Auf der einen Seite stehen somit Beispiele von Unternehmen, die GIS schon erfolgreich einsetzen und dadurch große Nutzenpotentiale generieren. Auf der anderen Seite schöpfen soziale Organisationen die Potentiale noch nicht vollständig aus. Eine Gruppe dieser Organisationen sind „Non-governmental Organizations“ (NGOs), zu Deutsch „Nichtstaatliche Organisationen“ oder „Non-governmental Organisationen“.

Eine NGO ist jede nicht gewinnorientierte, freiwillige Bürgerinitiative, die sich lokal, national oder international organisiert. Sie ist zielorientiert und besteht aus Personen mit gleichen Interessen. Eine NGO vertritt die Interessen der Bürger vor dem Staat, verteidigt und überwacht Rechtsprechungen und kümmert sich dabei um bestimmte Bereiche wie Menschenrechte, Umweltschutz oder Gesundheit (NGO Global Network 2012).

Damit NGOs ihre Belange schneller, leichter und zielorientierter verfolgen können, setzen NGOs heutzutage schon GIS ein, jedoch sind die Potentiale noch nicht komplett ausgeschöpft. Diese Arbeit untersucht, wie und in welchen Fällen, NGOs ihre Ziele durch den GIS-Einsatz besser verfolgen können. Die zentrale Fragestellung lautet: „Welche Potentiale des GIS-Einsatzes stehen für die ausgewählten NGOs offen?“. NGOs müssen erkennen, welche Nutzenpotentiale GIS für sie darstellen, um diese bei ihrer wichtigen Arbeit zielorientiert zu nutzen.

2 Aufbau der Arbeit

Kapitel 4 „Geografische Informationssysteme“ führt in das Thema ein und bildet somit die Grundlage für die gesamte Arbeit. Dieses Kapitel skizziert ein GIS in seiner Architektur, seinen Einzelteilen und erläutert das Funktionsspektrum. Es befasst sich als erstes mit den begrifflichen Grundlagen und Abgrenzungen wie GIS, Kartographie und den unterschiedlichen Begrifflichkeiten für „GIS“ sowie die Abgrenzung zu einem Landinformationssystem (LIS). Daraufhin wird der Aufbau und Leistungsumfang eines GIS erläutert, das sich in die Datenstruktur, Datenbeschaffung und Analysetechnik gliedert. Das Unterkapitel 4.2 „Softwareüberblick und neuste Technologien“ verschafft einen Einblick in die verschiedenen GIS-Softwareangebote. Im Zusammenhang von GIS und neuen Technologien ergeben sich vielfältige Einsatz- und Analysetechniken. Eine kurze Darstellung zeigt das weitreichende Spektrum von GIS auf.

Kapitel 5 „‘Best-Practices‘ geografischer Informationssysteme in Unternehmen“ diskutiert für drei Anwendungsbereiche Leitfäden zur Lösung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen. Ziel dieses Kapitels ist es, Nutzenpotentiale von GIS in Unternehmen aufzuzeigen. Die Unterkapitel 5.1.1 – 5.1.3 sind folgendermaßen aufgebaut:

Als erstes wird das Anwendungsgebiet erläutert und das „Best-Practice“ mit Hilfe von Skizzen dargestellt. Danach folgt die Beschreibung eines konkreten Unternehmensbeispiels mit der jeweiligen Problemstellung und Lösung durch den GIS-Einsatz. Das Resultat ist eine Ergebnismatrix, deren Aufbau das Kapitel 5.2 systematisiert.

Kapitel 6 „Übertragung der Nutzenpotentiale von geografischer Informationssystemen auf NGOs“ greift die Unternehmensbeispiele aus Kapitel 5 auf, indem es daraus passende Fallbeispiele für NGOs ableitet. Als erstes bedarf es einer Bestandsaufnahme, die in Kapitel 6.1 erfolgt. Dort wird geklärt, inwieweit NGOs GIS bereits einsetzen. Die Unterkapitel 6.2.1 – 6.2.3 stellen selbst entwickelte Anwendungsszenarien dar, die auf eine praktische Umsetzung ausgelegt sind.

Kapitel 7 „Zusammenfassung und Ausblick“ fasst alle Ergebnisse zusammen und leitet aufgrund der gewonnen Erkenntnisse Fragestellungen ab, mit denen sich zukünftige Arbeiten befassen sollten.

3 Forschungsziele

Aus Motivation und Aufbau der Arbeit resultieren Fragen, mit denen sich diese Bachelorarbeit beschäftigt. Diese Fragen gliedern sich in Erkenntnisziele und Gestaltungsziele.

3.1 Erkenntnisziele

Was versteht man unter einem GIS und welche wichtigen Eigenschaften besitzt es? Welche Architektur und welche Bestandteile prägen ein GIS? Welche Besonderheiten oder Eigenarten gilt es beim Einsatz eines GIS zu beachten? Die Kenntnisse dieser Aspekte verdeutlichen, was bei Struktur, Beschaffung und Qualität der benötigten Daten zu beachten ist. In diesem Zusammenhang ist zu klären, welche Software im Moment auf dem Markt vorhanden ist und welche neuen Technologien im Umfeld von GIS eine Rolle spielen.

„Best-Practices“ verfolgen das Ziel, allgemeingültige Muster aufzustellen, um die Frage des erfolgreichen Einsatzes von GIS in konkreten Bereichen beantworten zu können. Welche Besonderheiten sind zu beachten und welcher idealtypische Ablauf sollte ein Unternehmen dabei verfolgen? Dieser Ablauf umfasst zum einen den Aufbau des GIS, zum anderen aber auch die Vorgehensweisen bei der Auswertung seiner Datenbestände.

Aus Sicht ihres betrieblichen Einsatzes ist zu klären: In welchen Bereichen setzen Anwender GIS ein und mit welchen Fragestellungen beschäftigen sich dabei Unternehmen? Wie lautet die zugehörige betriebswirtschaftliche Aufgabenstellung und welches Verfahren führt zur Lösung des damit verbundenen Problems? Welche Funktionen bzw. Methoden führt der Anwender eines GIS im Kontext einer konkreten Fragestellung aus?

3.2 Gestaltungsziele

Das Gestaltungsziel dieser Arbeit zeigt auf, welche Potentiale NGOs durch den Einsatz eines GIS generieren können. Wo liegt der Nutzen für ausgewählte NGOs und in welchen Situationen könnte die NGO ein GIS einsetzen? Szenarien aus der Praxis verdeutlichen, welche Potentiale noch offen stehen und wie NGOs diese ausschöpfen können.

4 Geografische Informationssysteme

Dieses Kapitel dient dazu, die begrifflichen Grundlagen und Abgrenzungen im Bereich der GIS aufzuarbeiten. Ohne Kenntnis dieses Inhalts versteht man die folgenden Kapitel nur schwer. Generell sollten Entscheidungsträger die Merkmale im Bereich des Aufbaus und Leistungsumfangs eines GIS kennen, unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Lösung ihrer betriebswirtschaftlichen Fragestellungen später einen externen Softwareanbieter beauftragt. Das Verständnis über die verschiedenen Datenstrukturen, Datenbeschaffung und Analysetechniken dient dazu, eine Aussage über mögliche Lösungsansätze zu treffen.

Als Literatur für Kapitel 4 dienen Bücher der Geographie, Geoinformationssysteme und Geoinformatik. Diese Standardliteratur wie das Werk von Bill (2010) stellen die Grundlagen zu GIS dar und arbeiten das Thema grundständig auf. Bei der Literaturrecherche kamen überwiegend der OPAC der Universitätsbibliothek Augsburg sowie die wissenschaftlichen Datenbanken WISO (Genios) und Business Source Premier zum Einsatz.

4.1 Begriffliche Grundlagen und Abgrenzungen

Aufgrund zahlreicher, bisher uneinheitlicher, Definitionen und Begrifflichkeiten rund um GIS ist es notwendig, die wichtigsten Begriffe voneinander abzugrenzen, zu interpretieren und sich letztendlich auf eine Definition festzulegen.

Die Motivation, Kapitel 1 dieser Arbeit, erläutert den Begriff „Geografisches Informationssystem“ knapp; diese Erklärung bedarf aber einer genaueren Definition des wichtigsten Begriffs dieser Arbeit. In der Fachliteratur findet man zu GIS viele und sehr unterschiedliche Definitionen:

„Das Instrumentarium der Geografischen Informationssysteme ist wesentliches Handwerkszeug einer modernen Geographie für die systematische Erfassung, Verknüpfung, Bewertung und Darstellung räumlich differenzierter Informationen.“ (Grossmann 1989, S. 2)

Diese Definition betont die technischen Gegebenheiten eines GIS und verknüpft diese mit der Kartographie, die eine Teildisziplin der Geowissenschaften darstellt. Die Internationale Kartographische Vereinigung (International Cartographic Association 2003) beschreibt die Kartographie als eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Art und Weise, wie Karten erstellt werden, auseinandersetzt. Bei der Kartographie setzen GIS Daten in Bezug auf Positionen der Erdoberfläche. Es entstehen raumbezogene Daten (Geodaten). Im Zusammenhang mit der Kartographie spielt auch die Technik der GIS eine Rolle: Die Raster- und Vektortechnik. Mit dieser Komponente der GIS beschäftigt sich das Kapitel 4.2.1 dieser Arbeit.

Einen anderen Schwerpunkt legt die Definition nach Bill fest:

„Ein GIS ist ein rechnergestütztes Informationssystem, das aus den vier Komponenten Hardware, Software, Daten und den Anwendungen besteht. Mit ihm können raumbezogene Daten digital erfasst und überprüft, gespeichert und reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und grafisch präsentiert werden.“ (Bill 2010, S. 8)

Diese Definition zerlegt ein GIS in vier Komponenten: Hardware, Software, Daten und Anwendungen. Dadurch kann man die Zusammensetzung eines GIS sehr leicht nachvollziehen. Die Hard- und Software dient dazu, die Daten einzugeben, zu verknüpfen, sie zu verwalten und auszugeben. Über unterschiedliche GIS-Software gibt das Kapitel 4.3 einen Überblick. Unter Anwendungen versteht man die Analyse- und Auswertungstechniken, die das Kapitel 4.2.3 beschreibt. Darüber hinaus zielt diese Definition auf die rechnergestützten GIS ab, welche Gegenstand dieser Arbeit sind. In der englischen Literatur kommen hauptsächlich die Begriffe „Geographic Information System“ oder „Geographical Information System“ vor, die entsprechend der Definition nach Bill zu verstehen sind.

Die Definition nach Bill (2010, S. 8) ist für diese Arbeit grundlegend, da sie alle notwendigen Komponenten anspricht. Ein GIS ist in dieser Arbeit nach dieser Definition zu verstehen.

Im deutschen Sprachgebrauch werden für GIS teilweise verschiedene Begriffe gebraucht, die jedoch einen unterschiedlichen Sachverhalt darstellen können. Die häufigsten Begriffe mit ihren Akronymen sind:

- Landinformationssystem (LIS)
- Geo-Informationssystem (GIS)
- Rauminformationssystem (RIS)
- Raumbezogenes Informationssystem (RBIS)

Unter LIS wird ein System verstanden, das sich auf Grund und Boden bezogene Daten einer bestimmten Region konzentriert und dabei ein Hilfsmittel für Rechts-, Wirtschafts- und Verwaltungsentscheidungen darstellt. Die Hauptanwendung liegt dabei auf Vermessung, Katasterwesen und amtlicher Kartographie. Das LIS hat somit ein anderes Ziel als ein GIS und wird hiervon verhältnismäßig klar abgegrenzt. GIS, RIS und RBIS unterscheiden sich inhaltlich nicht, da sie sich alle mit der Verknüpfung von Sach- und Geometriedaten befassen. GIS ist darunter jedoch der am meisten verwendete Begriff (Saurer und Behr 1997, S. 6).

4.2 Aufbau und Leistungsumfang

Dieses Kapitel befasst sich mit dem Aufbau und Leistungsumfang von GIS und beschreibt in Abschnitt 4.2.1 die wichtigsten Datenstrukturen: Raster- und Vektordaten. Diese bilden den Grundstein eines GIS um den erforderlichen Datenbestand aufbauen zu können. Ein wichtiger Aspekt der GIS ist auch die Datenbeschaffung, deren unterschiedlichen Wege und Probleme in 4.2.2 dargestellt werden. Ein GIS verfügt über verschiedene Techniken, mit denen der GIS-Anwender die Daten auswertet. Diese Analysetechniken erläutert Kapitel 4.2.3.

4.2.1 Datenstrukturen

Die Kartographie als Komponente eines GIS ermöglicht es, digitale Karten zu erstellen. Die Raster- und Vektortechnik bildet hierfür das Fundament, das elementar für die digitale grafische Darstellung ist (Sturm 2008, S. 10).

Bei der Rastertechnik sind Eigenschaften oder Werte einzelner Bildpunkte (Pixel) in Flächen abgespeichert. Die Formen dieser Flächen sind gleich groß, in der Regel quadratisch und zeilen- und spaltenweise angeordnet. Eigenschaften dieser Bildpunkte können z. B. unterschiedliche Farben sein. Um eine zusammenhängende Grafik mit der Rastertechnik darzustellen, werden einzelne Bildpunkte aneinandergereiht, damit eine Fläche entsteht. Diese Bildfläche bzw. Grafik entspricht dann einem Punkt, Linie, Fläche oder einem Zeichen. Rasterdaten entstehen z. B. beim Scannen von Karten und Luftbildern. Der Rastertechnik liegt das Prinzip der Folientechnik zugrunde, was sich nachteilig auswirkt, da der Bezug zwischen den Objekten nur gering abgebildet ist. Erst der Objektbezug ermöglicht detaillierte Aussagen über die dargestellten Objekte zu treffen. Somit fehlt bei der Verwendung der Rastertechnik teilweise die nötige Detailliertheit. Demgegenüber eignet sie sich jedoch sehr wohl für Betrachtungen, die einen Überblick geben sollen (Grünreich 1992, S. 6).

Die Vektortechnik besteht aus Informationen, die über geometrische Punkte definiert sind. Eine Linie stellt dabei das Grundobjekt dar, die über einen Anfangs- und einen Endpunkt festgelegt ist. Stützpunkte haben die Aufgabe, verschiedene Linien miteinander zu verbinden, so dass eine Grafik entsteht. Mathematische Rechenregeln, die auf vektorbasierten Daten beruhen, beschreiben unterschiedliche geometrische Objekte. Die meisten Softwareprogramme arbeiten mit der Vektortechnik, da sie nach Steingrube (1997, S. 42) wesentliche Vorteile hat: Geringerer Speicherbedarf, kein Qualitätsverlust bei Vergrößerungen einzelner Grafikabschnitte, kürzere Rechenzeiten und das Arbeiten mit der Layertechnik. Layer sind Schichten oder Ebenen einer Karte, die der Anwender bei Bedarf ein- oder ausblendet (siehe dazu Kapitel 4.2.3).

Abbildung 4.2.1–1 zeigt in der Mitte das ursprüngliche Objekt, in der linken Spalte seine Kodierung mit Hilfe der Rastertechnik und zum Vergleich ist in der rechten Spalte die Vektortechnik dargestellt. Besteht die Datenstruktur eines GIS aus der Kombination aus Raster- und Vektordaten, wird es als ein hybrides GIS bezeichnet.

Das Buch „Desktop Mapping. Grundlagen und Praxis in Kartographie und GIS“ von Olbrich et al. (2002, S. 132) erörtert die Datenstrukturen in GIS:

Ein weiterer Begriff der Datenstrukturen in einem GIS sind Geometriedaten, die auf den Raster- und/oder Vektordaten aufbauen und die eigentliche geometrische Definition vornehmen. Geometriedaten beschreiben somit die exakte Lage und räumliche Ausdehnung von Punkten, Linien, Flächen. Erst die Geometriedaten bilden, verknüpft mit einer Metrik, die geografischen Gegebenheit der zu modellierenden Umwelt maßstabsgetreu ab.

Zusätzlich können Geometriedaten ihre Informationen mit räumlichen Attributen, wie die Länge von Linien oder die Größe der Flächen, anreichern. Ein Teil der Geometriedaten sind mit Sachdaten, nicht-räumlichen Attributen über die dort anzutreffenden Entitäten, verknüpft. Nicht-räumliche Attribute entsprechen z. B. Bevölkerungsdaten oder betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens.

Geometrie- und Sachdaten ergeben über ein Darstellungsverfahren eine thematische oder angewandte Karte. Eine thematische oder angewandte Karte setzt sich aus einer topografischen Basiskarte (sozusagen als Hintergrundinformation) und den darüber liegenden Sachdaten, dem thematischen Inhalt, zusammen.

Um Geometrie- mit Sachdaten zu verknüpfen, erhalten beide eine Verbindungsvariable, um im GIS jederzeit flexible Querbezüge und Auswertungen vornehmen zu können.

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Details

Seiten
56
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656459125
ISBN (Buch)
9783656459460
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214495
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Wirtschaftsinformatik und Management Support
Note
1,3
Schlagworte
einsatzpotentiale informationssysteme non-governmental organisationen best-practices unternehmen

Autor

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Titel: Geografische Informationssysteme in Unternehmen