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Über den Umgang mit Unterrichtsstörungen

nach Rainer Winkel

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Disziplinschwierigkeiten und Verhaltensstörungen

3. Unterrichtstörungen
3.1 Was versteht man unter Unterrichtsstörungen?
3.2 Arten und Ursachen von Unterrichtstörungen
3.3 Pädagogische Handlungsoptionen bei Unterrichtsstörungen nach Rainer Winkel

4. Fallbeschreibungen
4.1 „Harun, der Störenfried“
4.2 „Die stummen Schüler“
4.3. Die „gestaute Vitalität“

5. Schlusswort

Literaturangaben

1. Einleitung

„Ich erziehe meine Tochter antiautoritär, aber sie macht trotzdem nicht, was ich will.“ (Nina Hagen, Rocksängerin)

Pädagogisch gesehen, befinden wir uns gerade in einem besonders experimentierfreudigen und toleranten Zeitalter. Zahlreiche Methoden, die Lehrer und Erzieher beherrschen sollen, sorgen für eine besonders große Vielfalt. Wie aber kommen Studentinnen und Studenten (nachfolgend nur noch im männlichen Plural genannt) an besagte Methoden? Ein Lehramtstudium verlangt von ihnen sowohl den Aufbau von Fachkompetenz als auch den Aufbau von Sozial- und Methodenkomepetenz. Gerade im Bereich des Fachwissens kann Wissen enzyklopädisch je nach Fleißgrad gesammelt werden. Geht es jedoch um das Erlangen von Sozial- und Methodenkompetenz sieht es schlecht aus. Während sogenannter SPÜ (Schulpraktischen Übungen) und diversen kürzeren Praktika kommen die Studenten in den Genuss den normalen Schulalltag im Rahmen des Unterrichts hautnah und zeitlich befristet zu erleben. Dabei sehen sie, wie unterschiedliche Lehrer in ihrer Lehrlernumwelt agieren und dabei manchmal auch verzweifeln. Schüler sind während des Unterrichts abgelenkt, stören oder machen schlichtergreifend nicht das, was sich der Lehrer von ihnen wünscht oder erwartet. Selbst erfahrene Lehrer sind manchmal überfordert und können zwar fachlich mit Wissen brillieren, haben aber in einer Situation X plötzlich eine Blockade, kommen nicht zu den Schülern durch und sind überfordert. Was kann man also als Lehrer in so einer Situation tun? Bezugnehmend auf das Zitat: Warum lassen sich Kinder und Jugendliche nicht immer so beeinflussen, wie wir uns das wünschen? Es ergibt sich die Überlegung, ob es in bestimmten Situationen, mit übereinstimmenden Merkmalen, typische Handlungsmuster gibt, mit denen man gewünschte Effekte erzielen kann. Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, einen Überblick über Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten zu geben und einige Möglichkeiten für ihre Bewältigung vorzustellen. Bezug genommen wird dabei primär auf Prof. Dr. Winkel, einem populären Vertreter der kommunikativen Didaktik, welcher auch reformpädagogische Strömungen in seiner Didaktik vereint und als Experte in diesem Bereich gilt.

Eine grundsätzliche Begriffsklärung, ein Überblick über die Arten und Ursachen von Unterrichtsstörungen, sowie eine pädagogische Handlungsoption von Prof. Dr. Winkel werden im Folgenden besprochen. Zur besseren Verdeutlichung finden sich im Anschluss daran exemplarisch drei Fallbeispiele aus Unterrichtssituationen, die im Rahmen eigener Lehrtätigkeit oder durch angesprochene Praktika an unterschied-lichen Schulen erlebt wurden. Natürlich geben diese Fallbeispiele nur im Ansatz ein Abbild der tatsächlichen Problematik wieder. Eine Erweiterung der Fälle, würde allerdings innerhalb dieser Arbeit einen zu großen Rahmen einnehmen und die Möglichkeit für didaktische Überlegungen einschränken.

Ein großes Problem das sich oft auf der Vielzahl an Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten ergibt, ist ein Gesundheitliches. Der Lärm, dem Schüler und Lehrer teilweise mehrere Stunden am Tag ausgesetzt sind, bietet berechtigten Anlass zur Sorge. Gibt es aktuell noch Debatten darüber ein allgemeines Diskothekenverbot für Jugendliche zu erlassen, um sie vor dem Lärm zu schützen und die Gesetze zu verschärfen, steigt der Lärmpegel in den Klassen oft auf unerträgliche Höhen.

Die Arbeit schließt mit einer didaktischen Überlegung für die Studenten in der Zukunft ab.

2. Disziplinschwierigkeiten und Verhaltensstörungen

Bis in die 90er Jahre, wurde das Problem der „Unterrichtsstörung“ in der pädagogischen Literatur begrifflich kaum angesprochen. Unterrichtsstörungen resultierten nach damaligem Verständnis hauptsächlich aus disziplinarischen Schwierigkeiten, sodass man Probleme dieser Art unter dem Allgemeinterminus „Disziplinschwierigkeiten“ zusammenfasste.

Der Begriff „Disziplin“ ist laut Winkel allerdings ambivalent zu betrachten.
Winkel sah sich in seiner Arbeit hauptsächlich als Dompteur, der die Aufgabe hatte, Schüler still und konzentriert auf ihren Plätzen zu halten, damit eine optimale Instruktion der Lehrinhalte erfolgen konnte. Einerseits hatte der Lehrer so die komplette Eigenverantwortung und Handhabe um das gewünschte Verhalten der Schüler zu erreichen, andererseits war dadurch aber auch schnell die Hauptschuld beim Lehrer zu finden, wenn der Idee von Wissensvermittlung in einem „disziplinierten Umfeld“ keine Folge geleistet werden konnte. (vgl. Winkel 1996, S. 30.)

Winkel bewertet diese Möglichkeit der Mitbestimmung des Lehrers am Unterricht dennoch positiv, da sie die Handlungsfreiheit und –möglichkeit des Unterrichtenden unterstreichen kann.

Heute ist der Begriff „Disziplinschwierigkeit“ eher aus der Mode geraten und wird weitestgehend durch den Begriff „Verhaltensstörung“ ersetzt. Dadurch wird vor allem bemerkbar, dass es in der Theoriebildung zu entscheidenden Umwälzungen kam. Wenn Schüler mit ihrem Lern- und Sozialverhalten negativ auffallen, nach Möglichkeit sogar an einer Dyskalkulie oder Legasthenie leiden, ist der Lehrer nun nicht mehr länger der Hauptschuldige. Dadurch kommt es zu einer „Entgiftung“ des Schulklimas, denn die „Verhaltensstörung“ lenkt den Fokus jetzt auf den Schüler und sein gestörtes Verhalten. Problematisch wird dadurch allerdings die Zuordnung der Verantwortlichkeiten für Schüler, die unerwünschtes Benehmen zeigen, welches in der Wissenschaft auch als „Devianz“ - als normabweichendes Verhalten – bezeichnet wird. Experten, die auf Dyskalkulie, Hypermotorik oder Legasthenie spezialisiert sind, sind gefragter denn je. Sie sollen exakte Diagnosen stellen, Krankheitsbilder benennen und natürlich auch das ideale Heilmittel kennen. (Vgl. Winkel 1996, S. 30.)

Es ergibt sich eine Möglichkeit der Neukategorisierung. Eine „Disziplinstörung“ liegt demnach dann vor, wenn Schüler in ihrer Selbstregulierung nicht den Erwartungen der Lehrer oder Eltern entsprechen. „Verhaltensstörungen“ hingegen liegen vor, wenn ein Experte, z.B. ein Psychologe, sie als solches benennen kann. Die beiden Begriffe haben nach Winkel jedoch nichts mit Pädagogik im eigentlichen Sinn zu tun, da mit ihnen das Hauptziel verfolgt wird, frei von Schuldzuweisungen, um Verständnis bemüht, fokussiert auf Ursache und Absicht von Verhalten, zu erziehen. „Unterrichtsstörungen“ werden weder vom Lehrer noch vom Schüler definiert, sondern sind vom Unterricht her zu kennzeichnen. (vgl. Winkel 1996, S. 31.)

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Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656427780
ISBN (Buch)
9783656433637
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214455
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
über umgang unterrichtsstörungen rainer winkel

Autor

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Titel: Über den Umgang mit Unterrichtsstörungen