Lade Inhalt...

Ernest Hemingways "Old Man and the Sea" aus Perspektive des 'Ecocriticism'

Hausarbeit (Hauptseminar) 1999 21 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

0. Ecocriticism: neue Ansätze für die Literaturwissenschaft

1. Ernest Hemingways 'The Old Man and the Sea' im Blick des Ecocriticism
1.1 Jagd, Fischen und Corrida: Der Kampf Mensch gegen Tier

2. Der Gegen-Ort: Nature
2.1 La Mar
2.2 “They are our brothers“ – Santiagos tierische Umwelt
2.3 Der Fisch

3. "How does it go, hand?" – Natur im eigenen Leib

4. Bibliographie

0. Ecocriticism: neue Ansätze für die Literaturwissenschaft

Die Geschichte des 'Ecocriticism' als Zweig oder Methode der Literaturwissenschaft ist noch relativ kurz. Nach Fromm/Glotfelty wurde der Terminus 'Ecocriticism' zuerst 1978 von Wil­liam Rueckert gebraucht[1], jedoch erst zu Beginn der 90er Jahre zumindest unter denjenigen LiteraturwissenschaftlerInnen, die sich mit literarischen Spuren des Verhältnisses zwischen Mensch und Umwelt befassen, als allgemein gültiger Begriff für diese Methodik anerkannt. Ein einheitlicher Begriff konnte sich nicht zuletzt deswegen durchsetzen, weil der Ansatz des Ecocriticism seit Beginn der 90er Jahre mehr und mehr institutionell verfestigt wurde, so z.B. durch eine Sonderkonferenz der Modern Language Association (MLA) zum Thema 'Ecocriti­cism: The Greening of Literary Studies' im Jahre 1991 oder die Gründung der Association for the Study of Literature and the Environment (ASLE) 1992. Mittlerweile ist an einigen US-Universitäten die Verbindung von Ökologie und Literaturwissenschaft Bestandteil des Stu­dienprogramms; nach Fromm/Glotfelty wurde an der Universität von Nevada in Reno sogar der erste Lehrstuhl dieser jungen Disziplin geschaffen.[2]

Was ist nun das Besondere dieses neuen Ansatzes der Literaturwissenschaft; inwieweit kann er der 'traditionellen' Literaturwissenschaft neue Impulse geben?

Die konventionelle Literaturwissenschaft beschäftigt sich, wie Fromm/Glotfelty treffend fest­stellen, mit der Beziehung zwischen Text, Autor und Welt (S. XIX), um dabei aber die 'Welt' als die soziale Welt, d.h. in den meisten Fällen die Gesellschaft, zu definieren. Die Gesellschaft der 'Nicht-Humanoiden', d.h. das restliche Ökosystem Erde, wird hierin jedoch meist außer acht gelassen bzw. als irrelevant betrachtet.

Erklärtes Ziel des Ecocriticism ist es, auf diesem Gebiet einen Paradigmenwechsel zugunsten eines ökologischen Blickwinkels herbeizuführen. Die Literaturwissenschaft soll endlich, wie es auch andere Geistes- und Sozialwissenschaften vor ihr schon getan haben, zum einen die Stel­lung des Menschen in seiner natürlichen Umwelt stärker berücksichtigen und zum anderen der drängenden ökologischen Krise der gesamten Weltbevölkerung Rechnung tragen.

Denn, so sind sich alle Theoretiker einig, die Zerstörung der Umwelt gehe von unserem Be­wußtsein und von unserer Einstellung gegenüber unserem natürlichen Lebensraum Erde aus und könne letztendlich auch nur durch einen Wandel des Denkens und Handelns gestoppt wer­den.

Ecocriticism soll also einen Beitrag dazu leisten, eine neue Art des Zusammenlebens von Mensch und Natur zu entwickeln, die die Interessen beider 'Parteien' in Betracht zieht und ein Über-leben beider auch in der Zukunft möglich macht. Dabei soll nicht mehr nur der Mensch das Maß aller Dinge sein, sondern allen Lebewesen und Naturelementen eine gleichberechtigte Stellung im 'Zusammenleben' ermöglicht werden.

Die Rolle einer Disziplin wie der Literaturwissenschaft in der Formung und Veränderung des menschlichen Bewußtseins ist sicherlich, auch wenn ihre Akteure dies bisweilen anders einschätzen mögen, gering und auf bestimmte Bevölkerungskreise beschränkt. Literaturwissenschaft ist nun mal kein tägliches Brot für Jedermann und mit ihr läßt sich weder viel Geld verdienen noch lassen sich Wahlen gewinnen.

Demgemäß muß sich die Aufgabe der Literaturwissenschaft im Kontext der Ökologie m.E. vor allem auf eine Bewußtmachung der bestehenden Verhältnisse beschränken. Die Diagnose steht jedoch in jedem Falle notwendig vor der 'Behandlung', und so sollte diese Beschränkung nicht als Manko, sondern durchaus als Chance begriffen werden.

Eine nicht zu verachtende Stärke der Literaturwissenschaft vor anderen Disziplinen ist es, Bezüge aufzudecken, die an der Oberfläche (in diesem Falle des Textes) nicht sichtbar sind und dort auch nicht unbedingt vermutet werden. Eine textkritische Untersuchung kann Zusammen­hänge ans Licht bringen, die vielleicht nicht einmal dem Autor oder der Autorin selber 'bewußt' sind, und sie kann Aufschluß geben über die Haltung einer Gesellschaft, Kultur oder Subkultur, der der Autor/die Autorin zwar bewußt angehört, deren Werte, Einstellungen und Handlungs­muster er/sie jedoch übernimmt, ohne sich darüber im Klaren zu sein. So kann die Analyse des Werkes eines einzelnen Individuums durchaus Auskunft über die Einstellungen der Gesellschaft zu ihrer natürlichen Umwelt geben, und genau so auch einen Wandel dieser Einstellungen und Chancen, und damit Möglichkeiten zu einem Wandel hin zu ökologischem Denken und Han­deln aufweisen.

1. Ernest Hemingways 'The Old Man and the Sea' im Blick des Ecocriticism

Mit diesem 'Klassiker' Hemingways, der sowohl vom Nobelpreiskommittee wie von Eng­lischlehrern gleichermaßen geschätzt wird, wird in dieser Arbeit ein Werk zum Gegenstand der 'ökokritischen' Analyse gemacht, das den Bezug Mensch - Natur schon im Titel trägt. Ernest Hemingway wird jedoch in aller Regel nicht zu denjenigen Autoren gezählt, die ein neues, we­niger anthropozentrisches Weltbild in ihrer Literatur propagieren.

Der Gegenstand der Handlung des Romans ist in seinem Kern der Kampf eines alten Fischers mit einem gigantischen Fisch, der nach vierundachtzig erfolglosen Tagen des Fischers auf See auf den ausgeworfenen Köder anbeißt. Das Verhältnis Mensch - Natur, das offensichtlich ge­mäß dem Titel des Werkes Gegenstand ist, wird thematisiert anhand dieses Kampfes - eine Tatsache, die an sich schon höchst interessant für jede Analyse ist. Es scheint also, das hier vor allem ein 'Gegeneinander' von Mensch und Natur dargestellt wird, und nicht ein 'Miteinander'. Im Zusammenhang mit biographischen Einflußfaktoren Hemingways - zum Beispiel seiner Vorliebe für Stierkampf, Hochseefischen und Jagd - soll diesem Themenkomplex des Miteinander - Gegeneinander nachgespürt werden, um herauszufinden, welche Position Mensch und Natur im Weltgefüge Hemingways und seiner Zeit (der Roman wurde zuerst 1952 veröffentlicht) einnehmen.

Für eine ökokritische Analyse kann und darf es m.E. nicht ausschlaggebend sein, ob und in­wieweit Literatur einen weniger anthropozentrischen und damit mehr ökologischen Ansatz­punkt vertritt. Gerade die Literatur, die für eine traditionelle Stellung des Menschen in der Na­tur und im Verhältnis zur Natur steht, kann höchst interessante Erkenntnisse in Bezug auf die Bedingungen des Verhältnisses zu unserer natürlichen Umwelt geben: wieso neigt der Mensch dazu, seine Umwelt zu dominieren und zu 'domestizieren'; wieso kann Ernest Hemingway es­sentielle Bedingungen menschlichen Lebens anhand des Fischfangs darstellen?

Hemingways Erzählung ist vor allem gekennzeichnet durch eine Vielschichtigkeit der Sinnebe­nen. Wirft man einen Blick in die opulente Sekundärliteratur, so findet man die mannigfaltig­sten Interpretationsansätze: die Facetten reichen von der Auseinandersetzung mit Alter und Tod bis hin zu Interpretationen anhand von christlicher Ikonologie, die Parallelen zwischen Santiago und dem gekreuzigten Christus entdecken[3]. Gerade diese Vielschichtigkeit der Bedeutungsebenen macht die Qualität von The Old Man and the Sea aus. Der hier angewandte Ansatz setzt sich mit nur einer von diesen Ebenen auseinander – und versucht das Puzzle um ein wichtiges Teilchen ergänzen.

1.1 Jagd, Fischen und Corrida: Der Kampf Mensch gegen Tier

Ernest Hemingway, der im Jahre 1899 in dem kleinen Ort Oak Park außerhalb Chicagos gebo­ren wurde, hielt schon im stolzen Alter von zehn Jahren sein erstes eigenes Gewehr in Hän­den[4]. Sein Vater, ein leidenschaftlicher Jäger und Angler, nahm ihn mit zu seinen Streifzügen durch die ‘Wildnis’ der Gegend am Walloon Lake im nördlichen Michigan, wo die Familie all­jährlich den ganzen Sommer verbrachte. Dieser Ort sollte für Hemingway zum Inbegriff des Paradieses seiner Kindheit werden, eine, wie sein Biograph George Albert Astre sagt, „zauber­hafte, viel authentischere Welt, viel authentischer als die anderen Welten.“[5]

In diesem Paradies, auf dessen Funktion später noch näher eingegangen werden soll, lernt Hemingway die Jagd und den Fischfang kennen und schätzen. Zusammen mit dem Stierkampf, dem er auf seinen Europareisen begegnet (und der ihn sofort fasziniert), bilden diese ‘blood­sports’ einen für Hemingway prägenden Komplex, den man die ‘Trilogie des Tötens’ nennen könnte. Immer geht es um die Begegnung zwischen Mensch und Tier, in der der Mensch sich existentiell herausgefordert sieht - eine (meist symbolische) Todesgefahr macht ihn, indem er sie überwindet und das Tier tötet, zum Sieger über die eigene Sterblichkeit. Die exemplarische Begegnung mit dem Tod ist es, die Hemingway an Großwildjagd, Hochseefischen und Corrida so fasziniert.

In Death in the Afternoon, Hemingways Buch über den Stierkampf, heißt es:

„Once you accept the rule death thou shalt not kill is an easily and a naturally obeyed com­mandment. But when a man is still in rebellion against death he has pleasure in taking to him­self one of the Godlike attributes - that of giving it. This is one of the most profound feelings in those men who enjoy killing.“[6]

An anderer Stelle beschreibt Hemingway das Gefühl, das für ihn so charakteristisch für den Stierkampf ist: „So far, about morals, I know only that what is moral is what you feel good after and what is immoral is what you feel bad after and judged by these moral standards, which I do not defend, the bullfight is very moral to me because I feel very fine while it is going on and have a feeling of life and death and mortality and immortality, and after it is over I feel very sad but very fine.“[7]

George Albert Astre kommentiert diese Aussage treffend: „Die corrida de muerte steht also im Zusammenhang mit ihren innersten Beweggründen. [...] Sie steht für Hemigway neben allen anderen Formen des als Abwehr des Todes betrachteten Mordes: die Jagd und, noch dramati­scher, die Tat des ‘Töters’, als ob der Autor von Tod am Nachmittag hier die amerikanische Besessenheit vom Verbrechen wiederfände: man tötet, um mit der menschlichen Schwäche fertigzuwerden.“[8]

Das Andere, das stellvertretend für den Menschen stirbt und ihm über die Angst vor seiner eigenen Sterblichkeit hinweghilft, ist das Tier. Diese Qualität des ‘Kampfes’ (der meist ein sehr ungleicher Kampf ist) weist Parallelen zu Motiven der Alten Testaments auf: In der Genesis soll Abraham auf Gottes geheiß seinen Sohn Isaak opfern, doch Gott hat kurz vor der Opfe­rung des Kindes ein Einsehen und befiehlt Abraham, statt dessen einen Schafbock zu schlach­ten.[9] Das Tier stirbt anstelle des Menschen selbst - so könnte man die immense Wichtigkeit erklären, die Jagd, Fischen und Stierkampf für Hemingway haben. Dem stellvertretenden Ster­ben des Tieres entspricht ein Naturverständnis, das Aufschlüsse über die Position von Mensch und Tier im Weltbild Hemingways (und nicht nur Hemingways) geben kann.

Man könnte die zugrundeliegende Beziehung zwischen Mensch und Tier, auf ihren Kern redu­ziert, folgendermaßen beschreiben: Das Tier muß sterben, damit der Mensch überleben kann. Überleben ist hier vor allem metaphorisch gemeint, indem das Töten eines Tieres dem Men­schen die Angst vor dem eigenen Tod nimmt - denn bezeichnend genug geht es bei all diesen ‘Tötungs-Sportarten’ nicht darum, sich vom getöteten Tier zu ernähren. Aus dieser Kernaus­sage folgt zum einen, daß der Mensch im Tier einen Stellvertreter findet, der seiner ‘würdig’ ist, d.h. der die Rolle des Ersatzopfers auch wirklich ausfüllen kann. Das Tier ist das Andere, und doch ist es dem Menschen so ähnlich, daß sein Tod die eigene Sterblichkeit ‘versüßen’ kann, daß der Mensch sich wie Gott fühlen kann, wenn er die Rolle Gottes übernimmt und das ‘Opfer’ tötet. Letztendlich ist die Tötung des Tieres eine rituelle Selbst-Tötung, aus der der Mensch geläutert aufersteht und seine eigene Sterblichkeit - zumindest für den Augenblick - überwindet.

In Death in the Afternoon heißt es: „Now the essence of the greatest emotional appeal of bull­fighting is the feeling of immortality that the bullfighter feels in the middle of a great faena and that he gives to the spectators. He is performing a work of art, and he is playing with death, bringing it closer, closer, closer, to himself, a death that you know is in the horns [...]. He gives the feeling of his immortality, and, as you watch it, it becomes yours.“[10]

Diese spezifische Konstellation Mensch - Tier, die in den für Hemingway so wichtigen ‘blood­sports’ zum Ausdruck kommt, und wohl auch auf den Kampf zwischen Santiago und dem Fisch anwendbar ist, führt uns zu generalisierenden Aussagen über das Verhältnis des Men­schen zu seiner natürlichen Umwelt: Seine Mit-Lebewesen sind dem Menschen so nah und so ähnlich, daß sie als seine Stellvertreter fungieren können; sie sind jedoch anders genug, um zum Objekt gemacht und als solches auch ‘funktionalisiert’ zu werden.

Es steht zu vermuten, daß diese Konstellation auch in The Old Man and the Sea zu finden ist. Im Laufe dieser Arbeit soll dem nachgegangen werden und ergänzenden Aspekten, die diese Konstellation noch erweitern oder näher bestimmen, nachgespürt werden.

2. Der Gegen-Ort: Nature

The Old Man and the Sea spielt zum größten Teil auf dem Meer, weiter draußen als der ge­wöhnliche Fischer je fischt, so daß das Festland in weiter Ferne und schon lange nicht mehr sichtbar ist: "The old man knew he was going far out and he left the smell of the land behind and rowed out into the clean early morning smell of the ocean."[11]. Von dem gigantischen Fisch an seiner Angel wird Santiago dann auf ein Meer hinausgezogen, das vom Festland so weit 'abgetrennt' ist, daß keine Sichtverbindung mehr besteht: "Then he looked behind him and saw that no land was visible."[12]. Das Festland ist nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu riechen, also mit keinerlei menschlicher Wahrnehmung mehr als existent auszumachen.

Der offene Ozean in so großer Distanz vom Land, dem Ort der menschlichen Zivilisation, ist nicht von ungefähr der Schauplatz des ‘großen Kampfes’ zwischen Mensch und Tier. Schon die Kontrastierung des ‘smell of the land’ und des ‘clean early morning smell’, dem Santiago entgegenrudert, läßt auf eine metaphorische Bedeutung des Meeres als Anti-Ort zur verdorbe­nen (‘schlecht riechenden’) Zivilisation schließen. Das Meer fungiert hier als Gegen-Ort[13], der es mittels seiner Eigenschaft der völligen Abgeschiedenheit von der menschlichen Gesellschaft Hemingway ermöglicht, den Kampf zwischen Santiago und dem Schwertfisch zu einem losge­lösten, gleichnishaften Vorgang zu machen.

Viele andere Romane und Kurzgeschichten Hemingways spielen in ‘außergewöhnlichen’ Land­schaften oder Gegenden. Alle diese Landschaften sind nicht der dekorative Hintergrund der Handlung, sondern mit dem Sinngehalt des Geschehens eng verbunden, so z.B. die afrikanische Savanne in Snow on the Kilimanjaro, die spanischen Berge in For Whom the Bell Tolls, die urwüchsige Flußlandschaft in The Big Two-Hearted River und auch das Meer in The Old Man and the Sea. Die Landschaften in diesen Werken sind nicht alltäglich; ihnen allen ist gemein­sam, daß sie abgerückt von der normalen zivilisatorischen (Stadt-)Landschaft stehen und eine Reinheit der Natur repräsentieren, die als Gegensatz zur menschlichen Gesellschaft verstanden werden kann. George Albert Astre sagt über Hemingways Reisen nach Afrika, die in The Green Hills of Africa und Snow on the Kilimanjaro einfließen: „Afrika hat ihm wieder die Reinheit verliehen, die Amerika ihm versagte...“[14]. In diesem Fall steht Afrika für das stereotyp 'wilde', unberührte Land, Amerika dagegen für die 'krankmachende, unreine' Zivilisation.

Für Hemingway sind diese ‘wilden’ Landschaften Orte, die an das anknüpfen, was in seiner Kindheit das unberührte Paradies war, die Gegend um den Walloon Lake, an dem die Familie Hemingway die Sommer zu verbringen pflegte, und die für ihn der Inbegriff der Reinheit einer „unverdorbenen Welt“ wurde:

„Hemingways Naturverbundenheit entwickelte sich in dieser Gegend, wo er jeden Strand, jeden Weg und jedes Dorf kannte. Mit einer seiner Schwestern verbrachte er lange Stunden beim Fischen weit weg von den Ufern des großen Sees... Sein ungestümer Individualismus, sein Verlangen, in bestimmten Zeitabständen immer wieder das Leben eines Trappers zu führen, seine Unfähigkeit, in amerikanischen Städten zu wohnen, all das ist seit seiner Kind­heit in ihm zu erkennen [...]. Was er in den Pyrenäen, in Kenya und in der Einsamkeit Idahos sucht – um derentwillen er vorübergehend Havanna verließ –, sind die Gebirgsflüsse, das unberührte Land, die unverdorbene Welt.“[15]

[...]


[1] Fromm, Harold und Cheryl Glotfelty (Hg.): The Ecocriticism Reader. Landmarks in Literary Ecology. Athens/ Ga. und London: The University of Georgia Press 1996, S. XIXf

[2] Zur Geschichte des Ecocriticism siehe bei Fromm/Glotfelty den Abschnitt 'Birth of Environmental Literary Studies', S. XVIIf.

[3] so z.B. Carlos Baker: Hemingway. The Writer as Artist. Princeton/ NJ 1956, S. 299

[4] Astre, Georges Albert: Hemingway. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 (rororo Monographie), S. 12: „...mit täglicher Zuteilung von drei Patronen...“.

[5] a.a.O., S. 11

[6] Death in the Afternoon, London 1932, S. 221

[7] Death in the Afternoon, S. 11f.

[8] a.a.O., S. 84f.

[9] Genesis 22, 1-19

Darüberhinaus ist das Tieropfer in den meisten mythischen Kulturen weit verbreitet; die biblischen Tieropfer sind sicher nichts anderes als die Fortsetzung dieser Tieropfer unter christlichem Vorzeichen; nichtsdestotrotz haben die Bibelstellen zum Tieropfer die westliche Kultur wohl am nachhaltigsten geprägt.

[10] Death in the Afternoon, S. 202

[11] The Old Man and the Sea, London 1976, S. 22 [Alle weiteren Zitate im Text beziehen sich auf diese Ausgabe]

[12] Old Man and the Sea, S. 37

[13] Das Meer wird quasi zu einem 'U-topos', was auf griechisch 'Un-Ort' bedeutet und namengebend für das Genre der Utopie geworden ist. In Gero von Wilperts Sachwörterbuch der Literatur (Stuttgart 1955) findet sich zum Stichwort 'Utopie' u.a. Folgendes: "...Bezeichnung für einen nur in gedanklicher Konstruktion in einer imaginierten, räumlich oder zeitlich entfernten Welt erreichbaren, praktizierbaren Idealzustand von Menschheit, Staat und Gesellschaft." [meine Hervorhebung, J.F.]

[14] a.a.O., S. 100

[15] Astre, S. 12f.

Details

Seiten
21
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638250627
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21438
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Amerikanistik
Note
1,3
Schlagworte
Ernest Hemingways Perspektive Ecocriticism Literary Theory

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ernest Hemingways "Old Man and the Sea" aus Perspektive des 'Ecocriticism'