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Platon: Die Polis als harmonisches Gemeinwesen – eine Utopie?

Essay 2005 6 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Erkenntnis gewinnen, die richtige Einsicht haben

Seit Platon vor rund 2400 Jahren über Atlantis berichtete, streiten Forscher, ob es die Insel jemals gegeben hat. An einem Tag, so der griechische Philosoph, soll die Insel im Meer versunken sein. Bis heute sind keine Beweise für die Existenz von Atlantis entdeckt worden. Es ist möglich, wenn nicht wahrscheinlich, dass Platons Atlantis fiktiv ist. Es könnte vielmehr ein eindrucksvolles Symbol für den Niedergang eines Staates sein (vgl. Kellerhoff,2004).

Für Platon, der bei Sokrates in die Lehre ging und eine eigene Philosophenschule in Athen betrieb, käme der Untergang eines Staats einer Horrorvision gleich. Seine in Thesen, Antithesen und Synthesen gegliederten Dialoge beschreiben die Polis nicht etwa als abstraktes, von den Bürgern losgelöstes Gebilde aus Institutionen und Behörden, so wie man es heute kennt. Für Platon hängen Polis und Volk vielmehr untrennbar zusammen.

Um zu wissen, wie sich Platon solch ein seiner Meinung nach perfektes Gemeinwesen vorstellt, muss man sich mit seiner Ideenlehre beschäftigen. Platon geht davon aus, dass alles Irdische aus dem Reich der (Ur-)Ideen stammt. Mehr noch: Seiner Ansicht nach sind Ideen das „allerrealste, von dem die Dinge dieser Welt nur schlechte Kopien sind“ (zitiert nach Ottmann,2001:4). Die Ordnung, die Gemeinschaft, letztlich das Staatliche kann somit konsequenterweise nur aus Ideen abgeleitet werden.

Es kommt dem Griechen darauf an zu betonen, dass der Mensch unbedingt die richtige Einsicht und Erkenntnis zu gewinnen habe (à Höhlengleichnis). Zwischen den beiden wesentlichsten Charaktereigenschaften, die die Natur hervorbringt, Recht und Unrecht, sieht Platon die Gerechtigkeit. Sie kommt in von Menschen gemachten Gesetzen und Verträgen als Balanceakt zum Ausdruck und „stehe in der Mitte zwischen dem höchsten Gut […] und dem höchsten Übel […]“ (zitiert nach Maier,1968:33).

Für Platon ist das die gute Ordnung und die ist nur dann möglich, wenn die potenziell vernunftbegabten Menschen ihr Denken und Wirken auch ganz auf Vernunft und Selbstkontrolle und damit Gerechtigkeit konzentrieren. Das sind nach Platon Tugenden, als Untugenden werden hingegen zügellose Leidenschaft, maßlose Gier und Kontrollverlust über sich und andere angeprangert. Tugendhafte Menschen sind laut Platon in der Lage, eine gute Ordnung, die Eudaimonia, zu erreichen. Sie ist laut Platon schließlich auch oberstes Staatziel.

Politische Philosophie als „Leitkultur“

Die gute Ordnung muss stets erneuert werden und zwar durch ständiges Streben nach dem Schönen, Perfekten und Wahren. Man muss selbst so sein und denken wie ein Philosoph, damit die Polis zu dem werden kann wie sie sein soll. Das Ontologische wird zum Normativen, das Sein zum Sollen, den Gesetzen. Eine geometrische Harmonie, letztlich die einzig wahre „Weltordnung“, ist das erwünschte Resultat: Himmel und Erde, Yin und Yang, Gut und Böse, Götter und Menschen werden durch Gemeinschaft, Freundschaft und Gerechtigkeit zusammengehalten.

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Details

Seiten
6
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656426424
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214212
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,5
Schlagworte
platon polis gemeinwesen utopie

Autor

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Titel: Platon: Die Polis als harmonisches Gemeinwesen – eine Utopie?