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Bildungschancen bei Schwangerschaft in der Adoleszenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 29 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Problemdarstellung
2.1 Definition geringe Bildungschance
2.2 Definition Adoleszenz
2.3 Schwangerschaft in der Adoleszenz
2.3.1. Bedeutung von Schwangerschaften in der Adoleszenz

3. Stand der Forschung
3.1. Alter
3.2. Schulbildung
3.3. Verhütungsverhalten

4. Methodisches Vorgehen
4.1 Quantitatives, methodisches Vorgehen
4.2 Beschreibung der Stichprobe
4.3 Material und Instrumente der quantitativen Sozialforschung
4.3.1. Fragebogenerstellung

5. Ergebnis Darstellung
5.1 Biografische Angaben
5.1.1 Alter und Herkunft der Probandinnen
5.2 Schulbildung der adoleszenten Schwangeren
5.3 Angaben zur Schwangerschaft
5.4. Schul- und Berufsbildung der Eltern

6. Diskussion der relevanten Ergebnisse

7. Fazit und Reflektion

1. Einführung

Das Thema der Schwangerschaft in der Adoleszenz wird in den letzten Jahren mehrfach in den Medien thematisiert und gewinnt zunehmend an Popularität, ein Beispiel hierfür ist die TV-Serie Teenie Mütter auf RTL2.

Durch die dauerhafte Präsenz in den Medien, wird leicht der Eindruck vermittelt es sei ein stagnierendes Problem und für die soziale Arbeit ein Arbeitsfeld mit enormer Bedeutung.

Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Hausarbeit das Thema der Schwangerschaft in der Adoleszenz mithilfe einer empirischen Sozialforschung näher beleuchtet. Um das große Themenfeld der adoleszenten Schwangerschaft einzugrenzen liegt das Hauptaugenmerk auf der Kausalbeziehung zwischen geringer Bildungschance, hervorgerufen durch ein bildungsschwaches Umfeld und einer adoleszente Schwangerschaft.

Dazu wurde eine quantitative Methode, der empirischen Sozialforschung gewählt. Dies geschah unter dem Aspekt, dass schon vorhandene Hypothesen überprüft werden sollen. Die Hypothese in dieser Arbeit lautet:

Eine geringe Bildungschance hat Auswirkungen auf das Risiko einer Schwangerschaft in der Adoleszenz.

Eine ähnliche Hypothese belegt schon, der britische Regierungsbericht im Jahre 1999. In dem heißt es (nach Profamilia, 2006, S.11):

„Throughout the developed world, teenage pregnancy is more common among young people who have been disadvantaged childhood and have poor expectations of education or on the job market”.

Übersetzt heißt diese Hypothese:

„Teenagerschwangerschaften kommen in Industrienationen häufiger bei Jugendlichen vor, die in ihrer Kindheit benachteiligt waren und geringe Bildungschancen und schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben“.

Aus der vorrangegangenen Hypothese, dieser Arbeit lässt sich eine hypothesenorientierte Fragestellung ableiten, welche am Ende dieser Arbeit beantwortet werden soll. Es handelt sich dabei um die Frage:

Hat eine geringe Bildungschance Auswirkungen auf das Risiko einer Schwangerschaft in der Adoleszenz?

2. Problemdarstellung

Das Problem, welches in dieser Arbeit dargestellt werden soll, ist wie schon erwähnt, die Kausalbeziehung von geringer Bildungschance und adoleszenten Schwangerschaften. Denn eine geringe Bildungschance begünstigt eine Schwangerschaft in der Adoleszenz (Matthiesen, Block, Mix, & Schmidt, 2009, S. 47). Aber um einen ganzheitlichen Einblick in die Problematik zu bekommen, ist es notwendig zunächst einmal den Begriffe und das Probleme von geringer Bildungschance und Adoleszenz, beziehungsweise Schwangerschaft in der Adoleszenz zu definieren.

2.1. Definition geringe Bildungschance

Der Begriff geringe Bildungschance lässt sich nicht in einem Satz definieren. Es ist von Nöten, dass bei dieser Definition weiter ausgeholt wird. Denn eine geringe Bildungschance ist mit sozialer Ungleichheit verbunden. Umgekehrt ist eine geringe Bildungschance ein Teil von sozialer Ungleichheit.

P. Bourdieu entwickelte eine Klassentheorie mit deren Hilfe, der Begriff geringe Bildungschance erläutert werden kann. Bourdieu bezieht sich auf den Marxschen Begriff des Kapitals, in verallgemeinerter Form (Groß, 2008, S. 61). Er unterteilt das Kapital in das institutionalisierte Kapital, ökonomische Kapital, kulturelle Kapital, soziale Kapital und in das symbolische Kapital (Groß, 2008, S.61-62). Dabei sind die verschieden Kapitalformen der Einsatz, den ein Akteur innerhalb eines bestimmten sozialen Feldes einsetzen kann, um seine Handlungs- und Profitchancen zu maximieren (Universität Frankfurt, 2007, S.3). Das wohl bekannteste Kapital ist das Ökonomische Kapital, es besteht aus der Gesamtheit der gesellschaftlichen Austauschverhältnisse, reduziert auf den bloßen Warenaustausch (Universität Frankfurt, 2007, S.3).

Das kulturelle Kapital besteht zum einen aus Kenntnissen beziehungsweise Kompetenzen und zum anderen aus Gegenständen, welches kulturelle Kompetenzen ausdrücken (Groß, 2008, S.61). Außerdem wird das kulturelle Kapital noch in drei verschieden Kulturkapitale untergliedert, in das inkorporierte Kulturkapital, das objektive Kulturkapital und in das institutionalisierte Kulturkapital. Im Folgenden werden diese drei Kulturkapitale näher erläutert.

Das inkorporierte Kulturkapital beinhaltet sämtliche Fähigkeiten, Techniken und Wissensformen welche durch Bildung erlangt werden können (Universität Frankfurt, 2007, S.4). Zum Objektiven Kulturkapital werden Bücher, Kunstwerke und Maschinen gezählt. Zu beachten hierbei ist jedoch, dass sowohl das ökonomische Kapital, als auch das inkorporierte Kulturkapital notwendig für das objektive Kulturkapital ist (Universität Frankfurt, 2007, S.4). Das institutionalisierte Kulturkapital besteht aus Bildungstiteln, wie zum Beispiel Diplome und Zeugnisse und ist somit auch eng mit den vorangegangenen Kapitalen verknüpft.

Denn ohne Geld ist zum Beispiel die Anschaffung von Schulbüchern nicht möglich. Dies hat zu Folge, dass ein Kind in der Schule nicht mitarbeiten kann und somit notwendigen beziehungsweise wichtigen Stoff nicht lernt. Durch eine Summierung kann es gegebenenfalls zu einem schlechten Schulabschluss kommen.

„Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“ (Haug nach Bourdieu, 1997, S.4).

Demnach kann gesagt werden je größer und intensiver das dauerhafte Netz desto höher ist das soziale Kapital. Aber auch das soziale Kapital ist abhängig von dem Umfang des ökonomischen und kulturellen Kapitals.

Denn gestärkt werden beispielsweise Bindungen durch gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel Kino besuche und durch soziale Fähigkeiten.
Wenn nun aber weder soziale Fähigkeiten noch ökonomisches Kapital vorhanden ist, kann das eigene soziale Netzwerk nicht ausgebaut werden.

Das letzte zu beschreibende Kapital ist das Symbolische Kapital. Mit diesem Kapital wird das gesellschaftliche Ansehen in Verbindung gebracht und ist eine übergeordnete Ressource (Stollberg-Rilinger, 2003), da zum Beispiel ein Bildungstitel (institutionalisiertes Kapital) gesellschaftliche Anerkennung mit sich zieht.

Nach dem nun jedes einzelne Kapital beschrieben wurde dürfte deutlich werden das der Begriff der geringen Bildungschance sehr Fassetten reich ist und nicht nur alleine aus Bildung hervorgerufen wird, sondern auch durch kulturelle Gegenstände und einem sozialen Netz.

In diesem Kontext jedoch erscheint noch ein weiterer Begriff von Bedeutung, der Habitus. Dieser Begriff wird häufig verwendet um die Entstehung von geringer Bildungschance zu erklären und „ist das Produkt von sozialem und kulturellem Kapital“(Universität Siegen & SIZe, 2007, S.5). Der Begriff wird folgendermaßen definiert:

„Der Habitus eines Menschen ist das Ergebnis eines lebenslangen Sozialisations- und Lernprozesses, in welchem sich der Mensch die Welt aktiv aneignet und die sozialen Regeln und das für ihn relevante gesellschaftliche Wissen verinnerlicht“ (Fern Universität Hagen, 2012).

Mit anderen Worten gesagt werden Werte (kulturelles Kapital) innerhalb des sozialen Raumes, durch das Sammeln von Erfahrungen (Sozialisations- und Lernprozess) verinnerlicht und durch bestimmte Verhaltensweisen ausgelebt.

Dies bedeutet im Kontext wenn ein Individuum in einem Umfeld mit geringer Bildung aufwächst wird, durch Erfahrungen die Bedeutung von Bildung verinnerlicht und durch Verhaltensweisen ausgelebt.

2.2. Definition Adoleszenz

Die Adoleszenz ist ein Begriff der Psychologie, welcher mit Jugend (in der Soziologie) und Pubertät (in der Biologie) gleich zu setzen ist (Fend, 2000, S.22). Psychologen sprechen von Adoleszenz und möchten damit die Besonderheiten der psychischen Gestaltung und des psychischen Erlebens im Rahmen eines Entwicklungsmodells beschreiben (Fend, 2000, S.23). Jedoch wurde noch nicht einheitlich festgelegt ab welchem Alter die Adoleszenz beginnt und endet (Flammer & Alsaker, 2002, S.20). Dem zu folge gibt es wenige Autoren, welche sich auf eine bestimmte Altersgrenze festlegen (Flammer & Alsaker, 2002, S.20). In dieser Arbeit jedoch wird der Fokus auf das Alter von 13 bis 19 gelegt, um einen Rahmen für die Datenerhebung fest zu legen.

Autoren jedoch versuche das Alter durch den Entwicklungsstand zu beschreiben. Demnach fängt die Adoleszenz bei Mädchen mit dem Beginn der ersten Monatsblutung an und bei Jungen mit der Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, wie zum Beispiel Körperformen (Flammer & Alsaker, 2002, S.21).

Aber die Adoleszenz zeichnet sich nicht nur alleine durch körperliche Entwicklungen aus, sie beinhaltet auch die kognitive Entwicklung.

Unter der Kognition werden alle psychischen Vorgänge, die der Aufnahme, der Verarbeitung, der Speicherung sowie das Abrufen und Weiterverwenden von Informationen verstanden (Hobmair et al., 2008, S.159). Demnach gehören auch die Wahrnehmung, das Denken und das Problemlösen zur Kognition. Daraus Folgt unter kognitiver Entwicklung ist „die Veränderung der Erkenntnisprozesse und des Wissens- der Wahrnehmung und des Denkens, der Vorstellung und des Problemlösens zu verstehen“ (entwicklungs-psycho.doc, nach Piaget, o.D.).

2.3. Schwangerschaft in der Adoleszenz

Das Thema der Schwangerschaft in der Adoleszenz wird in den letzten Jahren mehrfach in den Medien thematisiert und gewinnt zunehmend an Popularität, ein Beispiel hierfür ist die TV-Serie Teenie Mütter auf RTL2. Durch die dauerhafte Präsenz in den Medien wird leicht der Eindruck vermittelt es sei ein stagnierendes Problem.

Aus diesem Grunde bezieht sich die folgende Grafik auf die statistische Entwicklung von Schwangerschaften in der Adoleszenz, um zu klären ob und wie stark sich die Statistiken im Laufe der Jahre verändert haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Grafik stellt die Anzahl der adoleszenten Schwangerschaften, im Zeitraum von 2002 bis 2010 dar. Um eine Grafik zu den adoleszenten Schwangerschaften erstellen zu können, wurden die Zahlen von Lebendgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen des statistischen Bundesamtes und dem BZgA Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, summiert. Ersichtlich ist, dass die Zahlen von Schwangerschaften in der Adoleszenz rückläufig sind. Gab es 2002 noch 15.021 adoleszente Schwangerschaften, so gibt es 2010 nur noch 9.058.

Jedoch darf der Aspekt des demografischen Wandels hierbei nicht vernachlässigt werden. Unter dem Begriff des demografischen Wandels, ist in Deutschland eine Veränderung der Alterszusammensetzung in der Gesellschaft zu verstehen (Schnurr, 2011, S. 26)

In Deutschland schreitet der demografische Wandel immer weiter voran (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2011, S. 6). Es werden immer weniger Kinder geboren und die Gesellschafft wird, durch eine verbesserte Gesundheitsversorgung immer älter. Jedoch soll in dieser Arbeit der Aspekt des demografischen Wandels nicht näher Thematisiert werden. Eins jedoch soll noch hinzugefügt werde um den Bezug zur Thematik herzustellen. Die sinkenden Zahlen, von adoleszenten Schwangerschaften können demnach mit dem demografischen Wandel zusammen hängen.

Wenn jedoch der Aspekt des demografischen Wandels außer Acht lässt ist kein derzeitig stagnierendes Problem erkennbar.

2.3.1. Bedeutung von Schwangerschaften in der Adoleszenz für die Soziale Arbeit

Um die Bedeutung der Schwangerschaft in der Adoleszenz, für die Soziale Arbeit zu verdeutlichen soll an dieser Stelle der Begriff der Sozialen Arbeit und deren Aufgaben definiert werden.

„Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit“ (IFSW, 2000, S.1).

Außerdem wendet sich die Soziale Arbeit den Grenzen, der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die in der Gesellschaft besteht, zu. Sie geht zum einen auf Krisen beziehungsweise Notlagen ein und zum anderen auf alltägliche, persönliche und gesellschaftliche Probleme (IFSW, 2000, S.2).

Dem zu Folge soll die Soziale Arbeit durch geeignete Maßnahmen/ wissenschaftlich erprobte Methoden und unter Berücksichtigung des Sozialen Raumes bei der Konfliktlösung helfen. Denn eine adoleszente Schwangerschaft ist nicht immer geplant und bringt somit für Betroffene häufig eine Reihe von Konflikten mit sich. Dabei sind die Konflikte vor allem psycho-sozialer und manchmal auch materieller Natur (Ankline, 2005). Es handelt sich hierbei um den inneren und äußeren Konflikt.

Der innere Konflikt, ist der Konflikt den die adoleszenten Schwangeren mit sich ausmachen. Dazu gehören unteranderem Ängste, vor der Schwangerschaft, einer mögliche Überforderung und vor dem Verlust von Attraktivität (Artelt nach Molinski, 2012, S.48).

Der äußere Konflikt ist dem zu Folge der Konflikt, welchen Betroffene mit Ihrer Umwelt beziehungsweise mit der Gesellschaft austragen. Denn adoleszente Schwangere erfahren unteranderem, von Seiten der Gesellschaft, dass für ihre Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt kein Platz ist (Anklin, 2005, S.4).

Die Hilfe zur Lösung von persönlichen Konflikten geschieht, in der Sozialen Arbeit unter anderem mithilfe der Einzelfallhilfe beziehungsweise mithilfe des Case Managements.

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Details

Seiten
29
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656424697
ISBN (Buch)
9783656434863
Dateigröße
829 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214154
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Arbeit soziale Ungleichheit

Autor

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Titel: Bildungschancen bei Schwangerschaft in der Adoleszenz