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Neo Rauch und Comic als bildgebendes Element: Daniel Clowes und Hannes Hegens "Mosaik"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 34 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhalt

Einführung

Comic - der Versuch einer Definition

Der Comic als bildgebendes Element bei Neo Rauch
Allgemeine Merkmale
Daniel Clowes
Daniel Clowes‘ Einfluss auf Neo Rauch
Hannes Hegen - Mosaik
Hannes Hegen und Neo Rauch

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungen

Einführung

Als R. F. Outcault 1896 in den USA mit The Yellow Kid1 den ersten Comic veröffentlichte, legte der Künstler damit den Grundstein für eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte. Outcault folgten bekannte Namen wie Winsor Mccays mit seinem Comic Little Nemo in Slumberland, 1905, sowie Lyonel Feiniger mit Kin der Kids, 1906. Als der Comic in den 1950er und 1960er Jahren eine zweite Blüte erlebte, nutze Hannes Hegen diese aufkommende Strömung und schuf sein Werk Mosaik.

Ein paar Jahrzehnte später, in den 1980er Jahren, blühte die Nachfrage nach dem Comic erneut auf und so entwickelte sich die amerikanische Comicszene zur anregensten der Welt. Nicht nur die große Nachfrage von Laien und Sammlern, sondern vor allem die moderne Technik ermöglicht es, Comic in vielen Formen und Medien wiederzugeben. So ist es kein Wunder, dass heutzutage die Nachfrage nach und Produktion von Comics so groß wie noch nie ist.2 Ein amerikanischer Künstler, der in dieser Arbeit eine große Rolle spielen wird und aktuell Comics produziert, ist Daniel Clowes.

Neben diesen bekannten Autoren gibt es weitere große Namen der Comicszene. Zu nennen wären hier u.a. Stan Lee mit The Flash, Bob Kane mit Badman sowie Jerry Siegel und Joe Shuster mit ihrer Erfindung Superman. Und auch der Name des deutschen Künstlers Neo Rauch (2008)3 kann in diesem Zusammenhang genannt werden.

Neo Rauch erschuf keine Comicfigur oder Serie. Doch da, wie Neo Rauch selbst sagt: „Wichtig für mich sind […] Daniel Clowes und natürlich das Mosaik [von Hannes Hegen. Anmr. d. Verf.]“4 soll in folgender Arbeit herausgearbeitet werden, ob und welche Elemente des Comics Neo Rauch in seinen Werken verarbeitet hat und welchen Einfluss eben jene genannten Künstler auf Neo Rauchs künstlerische Entwicklung genommen haben. Doch um das Motiv des Comics in Neo Rauchs Werken zu erforschen, sollen zunächst die charakteristischen Merkmale sowie eine Definition des Comics herausgearbeitet werden. Letztendlich sollen diese Merkmale an ausgewählten Werken Neo Rauchs aufgezeigt und definiert werden.

Comic - der Versuch einer Definition

Obwohl R. F. Outcault mit The Yellow Kid den Beginn einer neuen Gattung geschaffen hatte, schaffte es der Comic in seinen Anfänge dennoch nur als Anhängsel von Zeitschriften oder als Destillat von Film und TV zu erscheinen.5 Der Comic besteht aus einem „Mixtum von Techniken, Informationen, Medien, Gattungen sowie Stilen“6, was es erschwert, eine genaue Definition des Comics zu finden. Ebenfalls wird dieses Unternehmen davon erschwert, dass der Comic in verschiedene Kategorien eingeordnet wird; es lassen sich beispielsweise Hefte die als Serien, oder nur als Idee und Konfliktrahmen, als Serie ohne Serienzubehör konzipiert sind, finden. Des Weiteren existiert eine große Anzahl von Comics aus vielen unterschiedlichen Ländern dieser Welt auf dem Markt, welche einen schnellen Wechsel in ihrer Popularität zeigen. Nur einige Comics können sich gegen die aufkommende und genauso schnell abfallende Konkurrenz behaupten. Es ist keine Besonderheit, dass ein etablierter oder auch ein nicht etablierter Comic die Agentur und somit ihren Herausgeber wechseln7 aber den Inhalt gleich beibehält. Um in diesem schnellen Markt eine gewisse Ordnung reinzubringen haben Sammler ihre eigene Bezeichnungen8, Systeme oder Codesprachen entwickelt. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die Comics sammeln, spricht dafür, dass dem Comicheft eine gewisse Ehrung zuteil kommt und dieser Artikel im Laufe der Jahre großes Ansehen erlangt hat. An diesem Punkt findet sich eine Parallele zum Kunstmarkt. Nicht nur, dass es Sammler gibt, die bestimmte Comicreihen sammeln, nein, sie bieten auch große Summen für einzelne, meist seltene Werke.

Es ist nicht einfach, Comics in ein Genre einzuordnen; Sie zeigen Verwandtschaft zur Literatur, zur Grafik aber auch zum Film auf.9 Allen Comics liegt ein „kommerzieller Grundcharakter“ zugrunde und durch ihre Massenproduktion haben sie keinen Anspruch auf Individualität.10 Anders als bei einem Kunstwerk, von dem es ein Original gibt und es u.a. daher an Wert gewinnt, sind Comics „plagiatfreudig“ und ihr Wert bestimmt sich nicht durch die Einzigartigkeit sondern durch ihre „Position auf dem Markt“.11 Nicht nur auf dem Markt sondern auch in jeder Ausführung enthalten die „Comic-books [enthalten] Ungereimtheiten, die sich der glatten definitorischen Abgrenzung entziehen.“12

Daher gibt es auch mehrere Definitionen, von denen in Folgendem drei wichtige vorgestellt werden sollen:

Drechsel definiert ein Comic folgendermaßen:

„Comics als periodisch erscheinende Bildergeschichten mit feststehenden Figuren und Sprechblasen-Dialogen, bei denen das Bild gegenüber dem Wort dominiert“.13

Im Internetduden findet sich folgende Definition:

Der Comic ist eine „aus Bildstreifen bestehende Fortsetzungsgeschichte abenteuerlichen, grotesken oder utopischen Inhalts, deren einzelne Bilder von kurzen Texten begleitet sind.“ Er kann als „ Magazin“ oder „Heft mit Comicstrips“ erscheinen.14

Auch Pfeiffer wagt 1998 eine Definition des Comics:

„Abgeleitet aus dem Englischen von „Drolliges“ ist er eine spezifische Form der Bildgeschichte. Ausgangspunkt dürfte die europäische Bildergeschichte der Bilderbögen gewesen sein, die in Form von Flugblättern über Ereignisse berichtete. Der Comic ist Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden mit „The Katzenjammer kids“, die sich noch stark an Wilhelm Busch orientierten. Immer wird eine Geschichte in Form von mehreren Bildern erzählt, wobei der Text teils in das Bild als Sprechblase integriert wird, oder als Begleittext unter die Bilder gesetzt wird. Aber der Comic kann auch ohne Text auskommen. Es können auch alle drei Formen auf einmal in einem Comic vereint sein. Dazu kommt, dass die Geschichte nicht in Einzelbilder zerfallen muss. Eine wirklich genaue Definition kann nicht angegeben werden. Doch ist der Comic in unserer Kultur zu einem Archetyp geworden. Egal welche Experimente der Comicmacher auch vornimmt, das Publikum erkennt die Kunstform Comic stets und seine vielfachen Abwandlungen.“15

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass der Comic eine Geschichte ist, die in mehreren, seriellen Bildern erzählt wird und der ein festes Figurenprogramm zugrunde liegt. Trotz ihrer „formalen und inhaltlichen Schablone“16 sind Comics „variabel“17 und können sich aktuellen Zeitgeschehnissen anpassen. Als Kommunikationsmittel der Comicfiguren wird die Sprechblase genutzt, die in verschiedenen Ausführungen vorkommt oder auch komplett weggelassen werden kann. Wie Pfeiffer zu Recht festhält, kann eine genaue Definition des Comics nicht angegeben werden. Diese Tatsache rührt daher, dass es zu viele Comichefte auf dem Markt bisher gegeben hat und weiterhin geben wird, um sie auf einen Nenner bringen zu können.18 Und dennoch ist allen Formen des Comics gemeinsam, dass sie alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen ansprechen,19 was Grund für ihren großen Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad sein wird. Da der Comic sich an Romanen, Mythen, Legenden, Filmen und Serien anlehnt20, ist weiterhin erwähnenswert, dass hinter jedem Comic ein großer Aufwand und eine tiefe Recherche der Redaktion stehen.21

Der Comic als bildgebendes Element bei Neo Rauch

Allgemeine Merkmale

Als ein charakteristisches Element des Comics wurde bereits dir Sprechblase genannt. Auch Neo Rauch hat sich in seinen Werken der Sprechblase bedient. Pfeiffer bezeichnet die Sprechblase als

„integralen [r] Bestandteil vieler Comics, mit der eine direkte Rede der handelnden Person zugewiesen wird. Die Form der Sprechblase kann variieren, doch eine Spitze oder Linie weist immer auf die Person die spricht oder denkt. Daneben könne auch Dinge oder Tiere Sprechblasen besitzen“.22

Eine weitere Definition der Sprechblase besagt:

„Bei Comicstrips o.Ä. vom Mund einer gezeichneten Figur ausgehende, eine Äußerung [meist kreis- oder ellipsenförmig] umschließende Linie“.23

Sprechblasen sind vor allem in den Werken von Neo Rauch zu finden die in oder nach den 1990er Jahren entstanden sind. Auffallend bei Neo Rauchs Ausführungen der Sprechblase ist, dass er „entgegen der amerikanischen Comictradition“24 meistens eine eckige Form derselben wählt. Diese sogenannte jacobsche Sprechblase hat Rauch von Edgar Pierre Jacobs (1904- 1987)25 übernommen.26 Für den belgischen Zeichner war eine im oberen Bildrand eckige Sprechblase notwendig, da er „Unmengen von […] Dialogtext unterbringen wollte“.27 Die Position und Lage hat Neo Rauch von seinem Vorbild übernommen, nur in der Textintensität unterscheidet er sich von Jacobs.

Neo Rauch hat den Sprechblasen in seinen Werken „einfach eine Existenz als bildmitprägendes Element gegönnt, aber nicht mehr“28 und sie nur solange in seinen Werken zur Geltung gebracht, bis sie sich „als fader Abglanz einer einstmals mit Triumphgeste eingetragenen frischen Idee erwiesen [erweist]“29 haben. Und obwohl der Künstler die Besonderheit der von ihm gestalteten Sprechblasen ein wenig negiert, ist die Art und Weise, wie er die Sprechblase in seinen Werken einsetzt besonders. Andreas Platthaus schreibt in seinem Aufsatz „Nachrichten aus dem Großneonischen Reich, Comicspuren im Werk von Neo Rauch“30 von drei Arten von Sprechblasen, die sich in Neo Rauchs Werken finden lassen. Zwar sind sie alle größtenteils wie bereits erwähnt in rechteckiger Ausführung, aber in ihrer Beschriftung unterscheiden sie sich dennoch.

Zum einen gibt es in Rauchs Werken leere Sprechblasen, wie zum Beispiel im Werk Alter (2001/Abbildung I). Auf diesem Ölgemälde sind drei kleine, rechteckige Sprechblasen zu erkennen, die allesamt ohne Inhalt dargestellt wurden. Zwei der Sprechblasen haben die für Sprechblasen typische „Spitze oder Linie“ die in Comics „auf die Person die spricht verweist“.31 Jedoch verweisen diese Linien auf keine Person direkt, sondern deuten nur grob auf das Paar am rechten Bildrand. Eine weitere Sprechblase ist nur zur Hälfte angedeutet und geht über den Bildrand hinaus. Diese Sprechblasen sind „textfrei“32. Neo Rauch selbst sagt dazu: „Wenn Text darin waren, habe ich sie immer wieder zugestrichen“, damit sie nur als „bildmitprägendes Element“33 gesehen werden und sonst nichts. Zwar erwartet der Leser des Bildes „Text“ und damit eine Erläuterung des Geschehens,34 doch dadurch, dass der Künstler sie als sprachlose Sprechblasen darstellt, verweigert er „jede Form der Erzählung, Erklärung und verweist […] auf die ureigensten Potentiale des Bildes“.35 „Der Künstler selber will den Text ohnehin nicht vortragen, ‚weil ich das sonst nicht malen müsste‘.“36

Desweiteren bedient sich Rauch beschrifteten Sprechblasen wie zum Beispiel in seinem Werk Das Neue (2003/ Abbildung II). Auf diesem Werk sind drei Personen zu erkennen, zwei männliche und eine weibliche, die in einer Phantasielandschaft zusammen auf dem Gemälde dargestellt sind. Die Sprechblase verweist auf den am linken Bildrand stehenden Mann. Die Spitze der Sprechblase ist auf dessen Mund gerichtet und der Text in der Blase gibt den Titel des Werkes wider: Das Neue. Dieses Prinzip von einer den Titel widergebenden Sprechblase findet in vielen Werken Neo Rauchs anklang und wird oft verwendet. Platthaus verweist an dieser Stelle an eine lang währende Erzähltradition, die bereits in der mittelalterlichen Sakralkunst in Form von Spruchbändern von Heiligen existiert hat, auf denen Namen oder Bibelsprüche zu lesen sind.37

Wie in einem Comic, wo in einem Heft mehrere Arten von Sprechblasen miteinander kombiniert werden, lassen sich auch in Werken von Neo Rauch mehrere Formen der Sprechblase, die miteinander verknüpft sind, finden. Dieses Prinzip findet sich Händler I (1999/ Abbildung III) sowie in Moder (1999/ Abbildung IV). Ähnlich wie Das Neue ist auch eine der beiden Sprechblase von Moder mit dem Titel des Werkes beschriftet. Die zweite Sprechblase ist hochkant, eckig und vor allem leer. Ein wenig anders verhält sich diese Tatsache bei Händler I. Im linken Bildrand ist eine Gruppe von drei Sprechblase auszumachen, die auf einer Tonne stehend, gestützt von Pappstangen, angebracht sind. In den beiden dem Betrachter zugewandten Sprechblasen liest man hochkant geschrieben je das Wort „gut“. Rauch lenkt zum einen besondere Betrachtung auf den Titel des Werkes. Doch was genau möchte er dem Betrachter mit dem Wort „gut“ sagen? Möchte Rauch uns sagen, dass er seine Thematik des Bildes Händler I „gut“ findet? Dies ist eine von vielen Fragen, die bei der Betrachtung von Rauchs Werken aufkommen und offen bleiben.

Eine weitere und letzte Form der Sprechblase, die Platthaus im Kontext der Werke Neo Rauchs behandelt, ist die plastische Sprechblase, wie zum Beispiel bei Fell (2000/ Abbildung V) zu erkennen ist. Das Werk zeigt mittig eine „typische Rauch-Figur“38, die mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf ein Gebilde zeigt, welches auf einem dreibeinigen Hocker liegt. Dieses Gebilde wird „in der gängigen Interpretation gerne als Farbpalette beschrieben“39, die aber große Ähnlichkeit zu gängigen Sprechblasen in Comicheften aufweist. Sie hat einen großen, runden Bauch und weist auch die Spitze oder Linie auf, die auf den Sprecher verweist. Rauch nutzt diesen Tausch der Palette gegen eine Sprechblase in diesem wie in weiteren Bildern um eine „doppelte Vertauschung hinsichtlich Gestalt und Funktion von Palette und Sprechblase“ zu erzeugen.40 Platthaus bezeichnet dieses Stilelement als „Virtuosenstück der narrativen Ironie“.41

Eine weitere Form der Sprechblase, die jener Autor außer Betracht lässt, ist die durchsichtige Sprechblase, die Neo Rauch in Moor (2003/ Abbildung VI) anwendet. Ein Mann auf einem Brett stakt über einen Flusslauf, der links von hohen Gewächsen und rechts von einem Pilz, der an ein Haus erinnert, begrenzt ist. Die rechteckige Sprechblase ist mit klaren neongrünen Konturen gestaltet und zeigt mit ihrer Sprechlinie auf den Rücken des im Wasser stakenden Mann. Diese Sprechblase ist rechteckig und durchsichtig, sodass dieser Pilz, der als Haus fungieren könnte, zu erkennen ist und nur an den Stellen überdeckt ist, wo die neongrünen Rahmen der Sprechblase sich befinden.

Und auch das Bild in der Sprechblase wird bei Platthaus nur kurz thematisiert. Das beste Beispiel findet sich in Nachtarbeit (1997/ Abbildung VII). Der größte Teil der Leinwand ist von einer Sprechblase eingenommen, die mit wolkenähnlichen, klaren Umrissen dargestellt ist. Ihre Sprechspitze zeigt nach unten und wird auf der Hälfte durchgeschnitten, da sie aus der Leinwand hinaus geht. In ihr ist eine Darstellung einer Fabrik, in welcher drei Männer an einem großen Tisch im Vordergrund arbeiten. Im Hintergrund sind Fenster zu erkennen, die schwarz ausgefüllt sind. Diese Tatsache bestätigt den Titel, denn außerhalb des Fabrikgebäudes ist es schwarze Nacht. Auffallend ist, dass neben den in einer Fabrik nötigen Werktischen, Materialien sowie Lampen, zwei weitere Sprechblasen in ovaler Form vorzufinden sind. Somit haben wir es mit dem Bild in der Sprechblase und gleichzeitig mit der Sprechblase in der Sprechblase zu tun. Auch auffällig ist, dass Rauch an diesem Werk Sprechblasen der ovalen Form darstellt, die er sonst eher weniger verwendet.

Neben diesem bekannten und auffälligen Element des Comics finden sich bei Neo Rauch noch weitere Merkmale, die weniger auffallend sind wie die Sprechblase. Bereits in seinen früheren Werken wie beispielsweise Saum 1993 (Abbildung VIII) hat Neo Rauch zwei Motive in einem Bild arrangiert.42 Daraus resultierte, dass Rauch als Künstler, der keine mehrteiligen Bilder schafft, eine Aneinanderreihung von Sequenzen fertigt. Diese Technik erinnert an das Prinzip des Filmes. Rauch setzt diese Technik beispielswese um, indem er Figuren im Bildhintergrund größer als im Bildvordergrund darstellt und damit zwei Erzählebenen schafft. Ein Beispiel hierfür findet sich in Abstraktion (2004/ Abbildung IX). Insgesamt sind sechs Personen auf diesem Werk zu erkennen. Vier davon befinden sich im Vordergrund und zwei, miteinander mit einem Säbel im Kampfe liegend, im Hintergrund. Auffallend ist, dass diese beiden Personen im Hintergrund viel größer als die vier im Vordergrund sind und so den Eindruck entstehen lassen, dass es Riesen sind. Der Betrachter reagiert auf diesen „Verstoß gegen die Perspektivenkonvention“43 damit, dass er sich das Abgebildete in zwei Motiven vorstellt und sich somit eine „sequenzielle Bilderfolge“44 ausdenkt. Damit wäre abermals der Zusammenhang zum Comic bewiesen, da der Comic, wie bereits in der Definition festgehalten, eine „aus Bildstreifen bestehende Fortsetzungsgeschichte“45 ist. Neo Rauch schafft es auf einer Leinwand eine Geschichte in mehreren Bildern zu erzählen.46

[...]


1 Nakas, Kassandra: Funny Cuts. Cartoons and Comics in contemporary Art. Stuttgart 2004.

2 Nakas 2004, Seite 12.

3 Biografische Daten zu Neo Rauch finden sich u.a. Auss.-Kat.: Müde Helden. [… anlässlich der Ausstellung Müde Helden, Ferdinand Holder, Aleksandr Dejneka, Neo Rauch, Hamburger Kunsthalle, 16. Februar bis 13 Mai 2012. Hrsg. Hubertus Gaßner, …] Hamburg 2012 sowie unter http://www.eigen- art.com/index.php?article_id=145&clang=0

4 Ausst.-Kat.: Neo Rauch. […anlässlich der Ausstellung „Neo Rauch“, Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 28. Mai bis 18. September 2011. Hrsg. Stiftung Frieder Burda, Werner Spies, …] Ostfildern 2011.

5 Drechsel, Wiltrud Ulrike: Massenzeichenware. Die gesellschaftliche und ideologische Funktion des Comics. Frankfurt am Main 1975, Seite 7.

6 Ebd. Seite 10.

7 Ebd. Seite 10.

8 Ebd.

9 Ebd. Seite 9.

10 Ebd. Seite 12. Dies bestätigt u.a. die Tatsache, dass viele der Comicakteure untereinander sowohl im Namen als auch der Darstellung ähneln. Siehe hierzu Drechsel 1975, Seite 10.

11 Beide Zitate Ebd. Seite 10.

12 Ebd. Seite 9.

13 Drechsel 1975, Seite 11. Eine ähnliche Definition findet sich bei Nakas 2004, Seite 16.

14 http://www.duden.de/rechtschreibung/Comicstrip

15 Pfeiffer, Reinhard: Von Hannes Hegen bis Erich Schmitt, Lexikon der Karikaturisten, Presse und Komikzeichner der DDR. Berlin 1998.

16 Drechsel 1975, Seite 11.

17 Ebd.

18 Es gibt nicht nur verschiedene Bezeichnung des Comics in unterschiedlichen Ländern, Bsp. „Bande dessinée“ im französischen, „strip verhalen“ im Niederländlichen, „fumetto“ im Italienischen oder das moderne „Manga“, welches sich aus Japankommend als eigene Comicform auch im westlichen Bereich durchsetzte. Siehe hierzu bei Neo Rauch 2011, Seite 127.

19 Drechsel 1975, Seite 13.

20 Ebd. Seite 10.

21 Ebd. Seite 14.

22 Pfeiffer 1998, Seite 251.

23 http://www.duden.de/rechtschreibung/Sprechblase

24 Vgl. hierzu Neo Rauch 2011, Seite 133.

25 Vgl. hierzu Neo Rauch 2011, Seite 133ff.

26 Ebd. Seite 133.

27 Ebd.

28 Auss.-Kat..: Neo Rauch - Schilfland : works on paper. [Text/Interview: Wolfgang Büscher]. - München ; Berlin [u.a.]:, 2009, Seite 80.

29 Ebd.

30 Vgl. hierzu Neo Rauch 2011, Seite 124 - 144.

31 Vgl. hierzu Fußnote 22.

32 Vgl. hierzu Schilfland 2009, Seite 80.

33 Ebd.

34 Ausst.-Kat: Neo Rauch. neue Rollen: Bilder 1993 - 2006; [anlässlich der Ausstellung Neo Rauch - Neue Rollen, Bilder 1993 - 2006, Kunstmuseum Wolfsburg, 11. November 2006 - 11. März 2007] / Mit Beitr. von Gottfried Boehm ... [Red. Holger Broeker]. - Köln : DuMont [u.a.], 2006, Seite 28.

35 Ebd.

36 Hohmeyer, Jürgen. Neo Rauch. In: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartkunst. Ausgabe 78. Heft 11. 2. Quartal 2007. München 2007, Seite 3.

37 Vgl. hierzu Neo Rauch 2006, Seite 126.

38 Vgl. Neo Rauch 2006, Seite 125.

39 Ebd.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Vgl. hierzu und in Folgendem Neo Rauch 2006, Seite 124.

43 Ebd.

44 Ebd.

45 Vgl. hierzu Fußnote 14.

46 Diese Art und Weise der Ausführung lässt an die Gestaltung eines Simultanbildes erinnern, in welchem oft mehr als zwei Handlungen dargestellt wurden und durch das gemeinsame Abbilden auf einer Leinwand eine

Details

Seiten
34
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656425106
ISBN (Buch)
9783656443360
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v214112
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Kunstgeschichte
Note
1,3
Schlagworte
rauch comic element daniel clowes hannes hegen

Autor

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Titel: Neo Rauch und Comic als bildgebendes Element: Daniel Clowes und Hannes Hegens "Mosaik"