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Alter und Bewegtbild im Internet

Forschungsantrag

Studienarbeit 2013 34 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsfrage und Forschungsidee

3. Forschungsstand

4. Theoretische Fundierung
4.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz
4.2 Medienrepertoires

5. Methode
5.1 Auswahl der ProbandInnen
5.2 Durchführung

6. Budgetplan

7. Zeitplan

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren findet man unzählige mediale Aussagen über die oft genutzten Bewegtbildangebote im Internet. Die Nutzungszahlen von Bewegtbild, allen voran die Plattform YouTube, steigen kontinuierlich an. Zu Beginn 2012, wird nach eigenen Angaben von YouTube ungefähr vier Milliarden Mal pro Tag die Website aufgerufen und oder ein Video rezipiert (vgl. Oreskovic 2012: o.S.). Weiter belegt die ARD/ZDF Onlinestudie, dass im letzten Jahr 70 Prozent der deutschen Internetnutzer zumindest gelegentlich eine Videodatei aufgerufen haben (vgl. Eimeren van/Frees 2012: 372). Das Onlineangebot von Bewegtbild ist so Umfangreich wie die Verschiedenheit der Angebote selbst. Vom eingangs erwähnten Videoportal YouTube zu Vimeo über Streamingwebsiten mit umfangreichen Filmangebot, weiter zu Websites, welche eventorientierte Ereignisse wie Sport anbieten, hin zu Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und privater Fernsehsender. 2011 sorgen sogar die Mediatheken für einen Anstieg in der Bewegtbildnutzung, was den Eindruck erweckt, dass Websites wie YouTube eine Nutzungssättigung erreicht zu haben:

„Waren 2010 noch Videoportale, die mit YouTube die Bewegtbildnutzung vorantrieben, so sorgen 2011 die Mediatheken der Fernsehsender für die weiter ansteigende Bewegtbildnutzung.“ (Frees/Eimeren van 2011: 353)

Im ersten Moment klingen diese Zahlen durchaus beindruckend, offenbaren aber erst bei weiterer Recherche, dass es bei der altersspezifischen Betrachtung zu enormen Unterschieden bzgl. der Nutzung von online Angeboten kommt. „Besonders ausgeprägt ist die Nutzung bewegter Inhalte und speziell von Fernsehsendungen bei den unter 30-jährigen.“ (Frees/Eimeren van 2011: 359) Wenig bis kaum erforscht ist die Internetnutzung von Menschen um das Renten- bzw. Pensionsalter herum und noch weniger die spezifische Nutzung von Bewegtbildangeboten, was im Widerspruch zu der Tatsache steht: „Ältere Menschen leben heute nicht nur länger als früher; auch die Medien spielen gerade im Alter von Menschen eine zunehmend wichtige Rolle.“ (Bonfadelli 2009: 149)

Ein weiteres, medial stark thematisiertes, gesellschaftliches Phänomen ist der des demographischen Wandlungsprozesses. Die Gesellschaft altert und rückläufige Geburtenzahlen verstärken den Effekt. Auch können die nicht ausreichenden Immigrationszahlen dieses Defizit ausgleichen. (vgl. Beck/Rosenstock/Schubert 2007: 7)

„Durch die gestiegene Lebenserwartung und den Geburtenrückgang verschiebt sich die Altersstruktur; die Bevölkerung wird infolge geringerer Geburtenzahlen und trotz der Zuwanderung langfristig abnehmen. Auch im Kontext der Diskussion um die Entwicklung von Medienangeboten und – damit verbunden – auch der Publikums- und Rezeptionsforschung spielen demographische Wandlungsprozesse eine nicht mehr wegzudenkende Rolle.“ (Paus-Hasebrink 2010: 195)

In Deutschland gehörten 2010 14,3 Prozent der Bevölkerung zur Altersgruppe 50-59, was in absoluter Zahl knapp 11,7 Millionen Menschen entspricht. Das Statistische Bundesamt ermittelte für 2010, dass 26,3 Prozent der deutschen Bevölkerung bereits 60 Jahre und älter sind und prophezeit für 2020 etwas über 30 Prozent und 2030 mehr als 37 Prozent an über 60-jährigen. Somit ergeben sich in den nächsten 20 Jahren zehn Prozent mehr Menschen in der Altersgruppe 60 Jahre und älter. (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2012: o.S.) Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 offenbart, dass 76,8 Prozent der 50-59 jährigen und 39,2 Prozent der ab 60-jährigen gelegentlich das Internet nutzen. (vgl. Eimeren van/Frees 2012: 363)

Es zeigt sich eine enorme Relevanz der Thematik online Bewegtbildangebot und Alter. Die Bevölkerung wird immer älter, die Medienangebote umfangreicher und der Nutzen, welcher durchaus auch für Menschen im Renten- bzw. Pensionsalter im Internet gegeben ist, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Die Forschungsarbeit soll einen Beitrag leisten die Beweggründe zur Nichtnutzung von online Angeboten zu ergründen und zu verstehen.

2. Forschungsfrage und Forschungsidee

Das Forschungsvorhaben setzt sich zum Ziel eine Lücke in der Forschungsthematik „Alter und Bewegtbild im Internet“ zu schließen. Die bisher unterrepräsentierte Thematik und die nicht vorhandenen Abgrenzung von Alter und Bewegtbildnutzung, soll durch die folgende forschungsleitende Frage einen Erkenntnisgewinn erfahren:

Warum werden Bewegtbildangebote im Internet von Menschen im Alter 60 bis 69 Jahre, die das Internet aktiv benutzen, dennoch nicht genutzt?

Es soll einer Einordnung in die Mediennutzungsforschung dienen und einen tieferen Einblick in die Gratifikationen zur Nichtnutzung gewähren. Folgende Unterfragen, die es ebenfalls zu beantworten gelten:

Lassen sich spezifische Unterschiede bei weiterer Kategorisierung des Alters feststellen?

Gibt es unterschiedliche Motive zur Nichtnutzung zwischen weiblichen und männlichen NichtnutzerInnen?

Besteht eine Abhängigkeit zur Bildung und zum Einkommen?

Wichtig bei dieser Forschungsarbeit ist die Überlegung bzgl. der zu untersuchenden Altersgruppe. 60 bis 69 Jahre erscheint auf den ersten Blick etwas untypisch. Diese Arbeit orientiert sich an einer Aussage von Schweiger und Ruppert bzgl. ihrer Erhebung 2009 über die Internetnutzung im höheren Lebensalter, welche das Alter 55 bis 75 Jahre untersuchte:

„Diese Altersspanne wurde aus mehreren Gründen gewählt: Einerseits befinden sich mittlerweile ein erheblicher Anteil an deutschen Untersechzigjährigen im Vorruhestand, so dass uns 55 Jahre als Einstiegsalter als sinnvoll erscheint. Da das Ziel der Studie war, Onliner und Offliner gegenüberzustellen, sollten überdies bewusst keine Personen über 75 Jahren befragt werden, die in der Mehrzahl als Offliner gelten. […] Und schließlich sollten bewusst jüngere und damit vergleichsweise aktive, gesunde und mobile Senioren befragt werden, die als potentielle Onliner infrage kommen.“ (Schweiger/Ruppert 2009: 178)

Für die eigene Studie lässt sich daraus ziehen, dass es sinnvoll erscheint das aktuelle Renten- und Pensionseintrittsalter 65 Jahre (bis zum Geburtsjahr 1964 und danach 67 Jahre Eintrittsalter) als Ausgangspunkt zu nehmen und dieses Alter mit plus minus fünf Jahren auf die Altersspanne von 60 bis 69 Jahre zu bringen. Die von Schweiger und Ruppert untersuchte Altersspanne 55 bis 75 Jahre und somit 20 Lebensjahre Umfange wäre durchaus sinnvoll und wünschenswert und würde den Erkenntnisgewinn enorm erweitern, würde aber den angestrebten Personal- und Zeitrahmen und insbesondere den Budgetplan übersteigen. Das Ziel in diesem Forschungsprojekt ist also Menschen im Pensions- bzw. Rentenantrittsalter zu untersuchen, welche das Internet mit einer gewissen Regelmäßigkeit nutzen, aber keinen Gebrauch von Bewegtbildangeboten machen. Weitere Betrachtung erfordert die Kategorisierung des Alters wie sie in Kapitel 5 genauer dargelegt wird.

Zur genaueren Erklärung des Begriffes Bewegtbildangebot wird von Frees und van Eimeren die Definition herangezogen.

„Unter der Bezeichnung ‚Bewegtbild‘ im Netz sind alle audiovisuellen Angebotsformen subsumiert, die im Internet zur Verfügung stehen, seien es allgemein Videos - vom Profi produzierte auf Verlagsseiten oder vom Amateur auf Videoportalen platzierte - ganze Fernsehsendungen oder Ausschnitte daraus sowie Videopodcasts oder sonstige bewegte Bilder.“ (Frees/Eimeren van 2011: 350)

Wie auch bei Frees/Eimeren, soll diese Arbeit jegliche Form der Bewegtbildangebote im Internet mit einbeziehen und berücksichtigen. Eine weitere Einschränkung, beispielsweise auf Angebote exklusive Kurzvideos (wie z.B. der meiste YouTube Content) wäre sinnvoll, ist aber auf Grund der im folgenden Kapitel beschriebenen Forschungslücke erst für die Durchführung weiterer Forschungsprojekte sinnhaft.

3. Forschungsstand

Das geplante Forschungsvorhaben setzt bei einer entscheidenden und bisher nur am Rande beachteten Kombination aus Mediennutzung und Alter an. Zum einen geht es um die sehr wenig berücksichtige Altersgruppe um das Pensions- und Rentenalter herum, mit der genauen Ausprägung von 60 bis 69 Jahren und zum anderen um das Nichtnutzungsverhalten von Bewegtbildangeboten im Internet. Bei der Aufarbeitung des Forschungsstandes war eines ganz deutlich festzustellen - Die Forschung bzgl. der Internetnutzung älterer Personen hat enorme Lücken aufzuweisen. „Nicht nur die Medienpraxis, sondern auch die Kommunikationswissenschaft hat den Forschungsbereich ‚Medien und Alter‘ bislang vernachlässigt, dies gilt sowohl für den englischsprachigen Bereich als auch für Deutschland.“ (Bonfadelli 2009: 149) Nicht nur in Richtung der qualitativen Untersuchungen, ebenfalls in der Betrachtung des Alters.

„Auf den zweiten Blick stellt sich heraus, dass ‚die Alten‘ rein kalendarisch – also nach ihrem Lebensalter – definiert werden, ohne auf die völlig unterschiedlichen Lebensumstände weiter einzugehen. So werden in vielen Untersuchungen Menschen zwischen 55 und 95 unter Residualkategorie ‚Alte‘ zusammengefasst und keiner weiteren Differenzierung gewürdigt: […].“ (Beck/Rosenstock/Schubert 2007: 8)

Ebenso nehmen Beck, Rosenstock und Schubert Bezug auf die Forschung, welche die „[…] ältere Bevölkerungsgruppen sträflich[…].“, (Beck/Rosenstock/Schubert 2007: 8) vernachlässigt hat. Wohingegen „[…] Kinder und Jugendliche – sicherlich aus guten wissenschaftlichen Gründen – intensiv beforscht […]“, (ebd.) werden. Es zeigen sich somit Lücken im Bereich der Altersforschung auf. Zurückzuführen mag man dieses Phänomen auf die Tatsache, dass die bisher immer relevante Referenzzielgruppe mit 14-49 Jahren benannt wurde. „Ein Grund für die Vernachlässigung, die maßgeblich und wesentlich der Werbewirtschaft vorzuwerfen ist, ist die weithin andauernde Orientierung an der werberelevanten Zielgruppe bis 49 Jahre.“ (Gonser 2009: 73) „Als innovationsfreudig gelten allein die Jüngeren, als kaufkräftig vor allem die 14-49-jährige Kernzielgruppe.“ (Beck/Rosenstock/Schubert 2007: 8) Weiter beschreiben sie die Annahme:

„Die – letztlich eher zufällige und theoretisch wie empirisch keineswegs plausible – Fokussierung auf die Mediennutzer bis zum Alter von 49 Jahren führt zu einer möglicherweise ‚falschen‘, in jedem Fall aber zu einer sehr selektiven, ja verzerrten Wahrnehmung.“ (ebd.: 10)

Was zwangsläufig, „Allein angesichts des quantitativen Anteils älterer Mediennutzer […].“, (Gonser 2009: 73) zu einem verzerrten Bild der Mediennutzung führen muss. Wenngleich positiv festzustellen ist, dass es aktuell zu einer Umorientierung in der werberelevanten Zielgruppe kommt. Die bisherige Einteilung von 14 bis 49 Jahre folgt nun dem Trend des demographischen Wandels, ändert sich auf 14 bis 59 und erweitert somit das Spektrum um weitere zehn Jahre. (vgl. Mantel 2013: o.S) Diese Anpassung ist in Anbetracht der immer älter werdenden Gesellschaft nicht nur begrüßenswert, sondern dringend notwendig und längst überfällig. Ebenso dafür spricht, was das statistische Bundesamt 2010 belegt: 41 Prozent der 65- bis 74-Jährigen haben 2010 in den drei Monaten vor der Befragung das Internet benutzt. (vgl. Statistisches Bundesamt 2012: 8)

Betrachtet man die Forschung bzgl. Menschen und Medien ab 60 Jahre noch etwas genauer, gibt es „[…] viel zu wenige qualitative Studien zum Gebrauch und zum Nutzen des Internets für Ältere, um über die puren quantitativen Daten der Survey-Erhebungen hinauszukommen.“ (Kübler 2009: 106) Auch Gonser beschreibt die Pauschalisierung der Älteren in unzureichenden Alterskategorien:

„Im Vergleich zu anderen Nutzergruppen stehen ältere Menschen sehr viel seltener und unregelmäßiger im Mittelpunkt von Mediennutzungsstudien. Zwar gibt es Basisuntersuchungen der Medien- und Marktforschung, die auch stets Kennzahlen für Ältere ausweisen. Häufig geschieht dies aber eher pauschal für Ältere über 50 Jahren; wenige grenzen – und immer noch sehr grob – weiter Altersgruppen wie 60+ oder 70+ ab.“ (Gonser 2009: 73)

Zum Beispiel die laufenden ARD/ZDF Studien, welche meist mit 60plus das Alter eher unspezifisch abfragen. Nach den Motivationen und Gratifikationen für Nutzung, sowie Nichtnutzung wird zwar gefragt, Studienbedingt aber nur in dem quantitativen vorgegeben Rahmen.

„Von den regelmäßigen Reichweiten- und Nutzungsstudien wie der ‚Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA.),‘ der ‚Allensbacher Werbeträger-Analyse (AWA)‘ und den GfK-Messungen für das Fernsehen werden ältere Menschen inzwischen berücksichtigt, allerdings unzureichend unter dem pauschalen Rubrum ‚60 Jahre und älter‘ […] erfasst […].“ (Kübler 2009: 98)

Die bestehenden und teils regelmäßig durchgeführten quantitativen Studien geben trotz der Defizite Aufschluss über das Nutzungsverhalten im Internet. Beispielsweise über die stets weiter steigenden Nutzungszahlen spezieller Angebote. Insbesondere die ARD/ZDF Onlinestudie, welche seit 1997 jedes Jahre umfangreiche Erkenntnisse bzgl. der Onlinenutzung der Deutschen Bevölkerung liefert. Ebenso die ARD/ZDF Studie Massenkommunikation, welche weltweit einzigartig über einen Zeitraum von nun 49 Jahren alle fünf Jahre alle verfügbaren Massenmedien in Beziehung zum Nutzungsverhalten der Deutschen Bevölkerung setzt. Spezifisch auf Bewegtbild ist beispielswiese eine Erkenntnis, dass die „[…] Fernsehnutzung über das Internet als Livestream oder zeitversetzt als Abrufvideo, […].“, (Frees/Eimeren van 2011: 350) weiter zunimmt.

„Mittlerweile nutzen 68 Prozent der Onliner (2010: 65%) zumindest gelegentlich und 39 Prozent (2010:36%) mindestens einmal pro Woche bewegte Bilder im Netz – hochgerechnet sind dies rund 35 Millionen bzw. 20 Millionen Menschen.“ (ebd.)

Weiter ist festzustellen, dass Bewegtbildangebote im Internet mit enormen Nutzungszahlen der jüngeren (bis 30 Jahre) NutzerInnen aufwarten können (vgl. ebd.: 359). Dies spiegelt sich ebenso in der Forschung wieder. Wie bereits erwähnt, gibt es ein Defizit in der Forschung zu Medien und Alter insbesondere unter Berücksichtigung der Bewegtbildangebote. Dennoch: „Die beliebtesten Inhalte im Netz sind Fernsehsendungen oder Ausschnitte […]. Über die Hälfte derjenigen, die Bewegtbildinhalte im Internet konsumieren, sehen sich Fernsehinhalte an.“ (ebd.: 350) Zusammenfassend zur Bewegtbildnutzung ist festzustellen, dass diese auf dem Vormarsch ist und ganz besonders die Nachfrage nach Fernsehinhalt hoch ist (vgl. ebd.: 359).

Es gilt aber dennoch „ein Medienbruch zwischen dem ‚klassischen Fernsehen‘ und der Nutzung von diversen Internetplattformen zu überwinden.“ (ebd.: 351) Denn zum einen ist „Das Internet […] in der Informationsgesellschaft die Wissensressource schlechthin.“ (Schweiger/Ruppert 2009: 171) und zum anderen „Im Vergleich der Medien […] weiterhin kein Entspannungsmedium und eignet sich nur in geringem Umfang zur Ablenkung.“ (Ridder/Engel 2010: 548)

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Details

Seiten
34
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656421474
ISBN (Buch)
9783656423416
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213930
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Kommunikationswissenschaft
Note
3
Schlagworte
alter bewegtbild internet forschungsantrag

Autor

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Titel: Alter und Bewegtbild im Internet