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Corporate Governance. Vergütung des Topmanagements bei der Commerzbank AG

Hausarbeit 2012 27 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen
2.1 Hinführung zum Thema Vergütung des Topmanagements
2.2. Zusammenhänge und Festsetzung der Vergütung
2.3. Nationale und Europäische gesetzliche Grundlagen zur Vergütung des Topmanagements
2.4. Die wichtigsten Gesetzesgrundlagen nach dem Aktiengesetz
2.5. Die Zusammensetzung und Vergütung des Vorstandes nach dem DCGK

3. Vorstandsvergütung am Beispiel der Commerzbank AG
3.1. Ursache für die Inanspruchnahme von SoFFin-Mitteln
3.2. Die Änderung des Vergütungsmodells
3.1. Inhalte des neuen Vergütungsmodells für den Vorstand
3.2. Variable Vergütung als Anreiz
3.2. Aktuelle Lage

4. Zusammenfassung und Diskussion

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Lohngerechtigkeit bei Spitzenmanagern“

Abbildung 2: „Spannungsfeld der optimalen Vergütungshöhe“

Abbildung 3: „Zusammensetzung der fixen und variablen Vergütung“

Abbildung 4: „Zusammenhänge der einbrechenden Wirtschaftskrise und der daraus resultierenden Managervergütung“

Abbildung 5: „Übersicht der Auflagen“

Abbildung 6: „Auszug aus einer Gehältertabelle der Vorstandsmitglieder (2008 & 2009)“

1. Einführung

Als im Frühling dieses Jahres der Geschäftsbericht des teilstaatlichen Volkswagen-Konzerns veröffentlicht wurde, staunten viele nicht schlecht, als bei dem Gehalt des VW-Chefs Martin Winterkorn eine 17,4 (Millionen) auftauchte.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Die Rekordgehälter für Konzernbosse schrecken selbst Manager auf“[2], hieß es kurz danach im Spiegel. Klaus Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, sagte mahnend: „Wir regen an, zu überlegen, dass in die Vergütungssysteme der Vorstände selbst Obergrenzen integriert oder in anderer Weise sogenannte Caps in die Vorstandsverträge aufgenommen werden, wobei Höhe und Angemessenheit natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen müssen."[3] Des Weiteren will er seinen Kollegen aus der Führungsebene klarmachen, „dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen“[4]. Wenn man nun aber betrachtet, dass die Managergehälter um ein Vielfaches größer sind als die der Normalverdiener, dürfte sich diese Problematik doch sehr schwer gestalten lassen. Man müsse sich also, wie auch in Abbildung 1 dargestellt, überlegen, wie die Relationen der Gehälter auszusehen haben.

Künftig könnte der Staat aber bei dem Thema „Vergütung des Topmanagements“ regulierend eingreifen. Auch aus diesem Grund will Müller die Diskussion in seinem Brief „an die Aufsichtsratschefs der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (DAX)“[5] anregen und meint, „dass die Politiker schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken.“[6]

Nun ist die Frage, ob die Unternehmen es selbst schaffen, die Vergütung der Manager zu regulieren oder ob es doch eines staatlichen Eingriffs benötigt. Müller erfüllt es mit Sorge, „dass schon wieder Stimmen – auch aus dem politischen Lager – laut werden, die Regelungen im Codex oder gar durch Gesetz verlangen“.[7]

Genau mit diesen Zusammenhängen institutioneller und staatlicher Regulierung der Vergütung des Topmanagements wollen wir uns in dieser Hausarbeit befassen. Das Thema soll sich also rund um den Komplex Managervergütung drehen. Wir hatten 3 Quellen zur Auswahl, anhand derer wir die Ein- und Abgrenzung vorgenommen haben.[8]

Uns fiel schnell auf, dass der Klump zum Thema „Corporate Governance“ wenig bis gar nichts zu bieten hat. Im Wöhe war komprimiertes Wissen über 6 Seiten vorzufinden. Die beste Quelle zum Einlesen in das Thema Corporate Governance bot uns der Pindyck/ Rubinfeld.

Eine Definition, die dem Thema Corporate Governance gerecht wird, ist im Wöhe niedergeschrieben: „Der Problemkomplex Corporate Governance befasst sich mit der bestmöglichen Verteilung von Verfügungsrechten für eine erfolgreiche Unternehmensführung und -kontrolle.“[9]

Um diese Problematik schon im Entstehen zu erfassen, muss man zwischen vollständigen und unvollständigen Verträgen unterscheiden. Die Institutionenökonomik spricht im Zusammenhang mit der Corporate Governance von unvollständigen Verträgen.[10] Es kann bei Einstellung eines Managers (Agent) also nicht in Form einer Ex-ante-Festschreibung im Anstellungsvertrag[11] vollständig festgelegt werden, wie der Manager in einer bestimmten Situation zu handeln hat. Schon rein logisch ist ein lückenloser Vertrag in Bezug auf die Handlungsweise des Arbeitnehmers (Managers), wegen potenziell unendlich vieler Entscheidungssituationen nicht möglich. Da die Eigentümer bzw. bei einer Aktiengesellschaft die Aktionäre nicht jeden Schritt der Arbeitnehmer (Manager) überwachen können, ergibt sich eine Informationsasymmetrie.[12] Die Arbeitnehmer (Manager) sind besser informiert als die Eigentümer.[13] Durch diese Asymmetrie der Informationsverteilung zwischen Eigentümern (Prinzipale) und Arbeitnehmern (Agenten) entsteht das sog. Principal-Agent Problem. In so einer Agency Beziehung[14] ist der Prinzipal auf den Agenten angewiesen und muss somit bestmögliche Voraussetzungen schaffen, um ein Scheitern des Agenten (im Sinne des Prinzipals) in jedem Fall verhindern zu können. In Großunternehmen, wie einer Aktiengesellschaft, fallen Risikoübernahmefunktion und Leitungsfunktion auseinander.[15] Die Risikoübernahmefunktion wird durch die Aktionäre, also die Eigenkapitalgeber getragen, wodurch wieder klar wird, dass es bei ihnen liegt alles Mögliche zu veranlassen, um ein „freies“ Handeln des Agenten einzudämmen. Die Leitungsfunktion übernimmt demzufolge der Agent, dem ein relativ eigenständiges Handeln möglich ist. In zwei Fällen weichen die Interessen der Eigentümer von denen des Agenten ab. Zum einen kann es vorkommen, dass der Agent zu opportunistischem Handeln neigt und sein Eigeninteresse vor das der Gesellschaft stellt.[16] Die Ziele (hiddenintention) und die Handlungen (hiddenaction)[17] des Agenten lassen sich jedoch nicht zweifelsfrei durch den Prinzipal beobachten. Somit auch nicht Ex-post zu hundert Prozent richtig bewerten. Der zweite Fall, in dem die Interessen bzw. die Erwartungen des Prinzipals und die tatsächlichen Handlungen des Agenten nicht übereinstimmen, liegt bei Unfähigkeit des Agenten vor.[18]

Da die Prinzipale den Gewinn des Unternehmens aber maximieren wollen und aufgrund der Einhaltung des Prinzips der Unternehmensfortführung auch müssen, ist es notwendig, Anreize und Regularien zu schaffen, die den Agenten dazu veranlassen im Sinne des Prinzipals zu handeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Spannungsfeld der optimalen Vergütungshöhe

Hierzu hat man den Begriff Corporate Governance entwickelt. Man erstellt also eine sog. Unternehmensverfassung, welche es nicht mehr dem Zufall bzw. den Interessen der Agenten überlassen soll, wie sich das Unternehmen entwickelt.

Die Diskussion zu dieser Problematik entstand schon im 18. Jahrhundert als es der bedeutende Ökonom Adam Smith 1776 wie folgt darstellte: „ Von den Direktoren einer solchen Gesellschaft (Aktiengesellschaft), die ja bei weitem eher das Geld anderer Leute als ihr eigenes verwalten, kann man daher nicht gut erwarten, dass sie es mit der gleichen Sorgfalt einsetzen und überwachen würden, wie es die Partner einer privaten Handelsgesellschaft mit dem eigenen zu tun pflegen. […] Daher müssen Nachlässigkeit und Verschwendung in der Geschäftsführung einer solchen Gesellschaft mehr oder weniger vorherrschen.“[19]

Smith war sich also schon vor über 200 Jahren dieses Problems bewusst, indem er von „Nachlässigkeit und Verschwendung in der Geschäftsführung“ einer Kapitalgesellschaft sprach. Dadurch entsteht ein Konflikt zwischen Eigentümer und Manager, welcher durch entsprechende Corporate Governance Strukturen gelöst werden soll. Wie schon erwähnt, können durch die Agency-Problematik die Ziele der Manager von denen der Eigentümer abweichen.[20] Es liegt somit bei den Eigentümern im Rahmen der Corporate Governance effiziente Entlohnungssysteme zu entwickeln bzw. festzuschreiben. Dazu wird auch in Abbildung 2 dieses Spannungsfeld und die Schwierigkeit der Festlegung der von vielen Kriterien abhängenden Vergütungshöhe gut deutlich. Diese Thematik wird in einem späteren Teil der Hausarbeit noch ausführlicher behandelt.

Weiterhin gehört zu einer seriösen Unternehmensverfassung (Corporate Governance), dass die Verfügungsrechte im Rahmen der Gewaltenteilung auf mehrere Arbeitnehmer (z.B. das Mitspracherecht des Aufsichtsrates bei bestimmten Entscheidungen des Vorstandes) verteilt werden, um die Möglichkeit von opportunistischem Verhalten einzugrenzen.[21]

Enorm wichtig ist aber auch, ein optimales Risikoüberwachungssystem. In diesem Zusammenhang soll es durch die „zeitnahe Versorgung der Führungsorgane mit den benötigten Informationen“[22] gelingen, dass die Entscheidungen der Führungsebene einen fundierten Hintergrund haben. Damit will man möglichen Fehlentscheidungen, die das Unternehmen gefährden oder den Gewinn mindern könnten, vorzeitig aus dem Weg gehen.

Wie sich die Thematik der Corporate Governance im speziellen in Bezug auf die Vergütung der Führungsebene gestaltet, wird im Teil II dieser Hausarbeit ausführlich beleuchtet.

Im Teil III zeigen wir an einem Beispiel, wie sich die Vergütung der Führungsebene in der Praxis darstellt. Gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise war und ist dies ein spannender Themenkomplex.

2. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen

2.1. Hinführung zum Thema Vergütung des Topmanagement

In den meisten Großunternehmen haben Einzelaktionäre nur einen geringen Anteil des Gesamtbestandes aller zur Verfügung stehenden Aktien des Unternehmens.[23] Aus diesem Grund ist es schwer für einzelne Aktionäre, Kontrolle auf das Management auszuüben. Oft driften die Ziele der Manager und die der Einzelaktionäre auseinander. So streben beispielsweise die Manager nach einem hohen Marktanteil und schnellem Wachstum am Markt, anstelle der Gewinnmaximierung des Unternehmens. Denn sie sind an hohen Cashflows interessiert, die wiederum gleichbedeutend mit Sonderleistungen des Topmanagements sind.[24] Die schwierige Ausübung der Kontrolle von Aktionären „ zeigt sich am dramatischsten bei der Vergütung von Führungskräften“.[25] Genau diese Problematik wird den Schwerpunkt unserer Hausarbeit darstellen. Im Allgemeinen gliedert sich die Zusammensetzung der Bezüge des Topmanagements in fixe und variable Vergütung. Wenn wir von der fixen Vergütung sprechen, ist im engeren Sinn der Grundlohn gemeint. Dies ist eine feste Grundvergütung, die jedem Mitarbeiter oder jeder Führungskraft zugesichert wird. Dazu gehören auch ein vorher festgelegtes Weihnachts- und Urlaubsgeld.[26] Hingegen ist eine variable Vergütung flexibel und richtet sich nach einem vorher bestimmten Unternehmensziel bzw. Unternehmenserfolg. Diese variable Vergütung setzt sich aus Boni, Beteiligungen, Altersversorgung, Gutschriften oder sonstigen Nebenleistungen zusammen.[27]

[...]


[1] Vgl. FAZ Online vom 12.03.2012: VW-Chef Winterkorn erhält 17,4 Millionen Euro, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/managergehaelter-vw-chef-winterkorn-erhaelt-17-4-millionen-euro-11681348.html (Zugriff am: 04.06.2012)

[2] Spiegel Online vom 23.04.2012: Top-Manager rät Kollegen zu weniger Gehalt, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hohe-gehaelter-manager-raten-dax-unternehmen-zu-obergrenzen-a-829108.html (Zugriff am: 04.06.2012)

[3] Handelsblatt Online vom 23.04.2012: Millionenvergütung – Manager gegen Manager, http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/strategie/millionenverguetungen-manager-gegen-manager/6542552.html (Zugriff am: 04.06.2012)

[4] FAZ Online vom 23.04.2012: Höher geht´s nimmer,

http://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/managergehaelter-hoeher-geht-s-immer-11727622.html (Zugriff am: 04.06.2012)

[5] Stern Online vom 23.04.2012: Deutsche Wirtschaft will Managergehälter deckeln, http://www.stern.de/news2/aktuell/deutsche-wirtschaft-will-managergehaelter-deckeln-1817320.html (Zugriff am: 04.06.2012)

[6] Vgl. Personalwirtschaft Online vom 29.06.2012: Unbegrenzte Top-Manager-Gehälter, http://www.personalwirtschaft.de/de/print/content/894/Moderne-Paradoxien%3A-Unbegrenzte-Top-Manager-Gehaelter/ (Zugriff am: 04.06.2012)

[7] Siehe Quellverweis 5

[8] Pindyck/ Rubinfeld 2009, Kap. 17; Klump 2011, Kap. 10; Wöhe 2010, Abs. II Kap. B. I. 4

[9] Wöhe 2010, S. 63

[10] Vgl. Wöhe 2010, S. 64

[11] Vgl. Wöhe 2010, S. 24

[12] Vgl. Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 816

[13] Vgl. Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 816

[14] Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 816

[15] Vgl.Wöhe 2010, S. 63

[16] Vgl. Wöhe 2010, S. 63

[17] Vgl. Wöhe 2010, S. 63

[18] Vgl. Wöhe 2010, S. 63

[19] Smith 1996, S. 629 f.

[20] Vgl. Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 822

[21] Vgl. Wöhe 2010, S. 65

[22] Wöhe 2010, S. 65

[23] Vgl. Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 816

[24] Vgl. Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 817

[25] Pindyck/ Rubinfeld 2009, S. 818

[26] Vgl. Eyer 2004, S. 91

[27] Vgl. Eyer 2004, S. 92

Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656421597
ISBN (Buch)
9783656422822
Dateigröße
805 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213860
Institution / Hochschule
Fachhochschule Lausitz
Note
1,7
Schlagworte
corporate governance vergütung topmanagements beispiel commerzbank

Autor

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