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Lässt sich die Außenwelt bedingungslos voraussetzen?

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2. Ernst von Glasersfeld und der Begriff der Viabilität
2.1 Epistemologie der Evolutionstheorie

3. Berechenbarkeit und Gewohnheit bei Hume
3.1 Verlässlichkeit der Sinne

4 Konsequenzen für das Denken

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 EINLEITUNG

In der vorliegenden Hausarbeit wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob man die Außenwelt bedingungslos voraussetzen kann. Direkt vorab möchte ich betonen, keine Lösung für dieses Problem anzubieten, sondern zu versuchen, es ausgehend von verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Diesbezüglich wird sich mit Glasersfeld, Hume, von Foerster, Seel und anderen Autoren befasst, um einen Überblick über mögliche Vorgehensweisen bei der Außenweltverarbeitung zu geben. Ich bediene mich hauptsächlich konstruktivistischen Gedankenguts. Der folgende Abschnitt fokussiert sich zuerst auf Glasersfelds Begriff der Viabilität, um darzustellen, dass der Zugang zur Außenwelt nureinmöglicher undein subjektiv passender ist, jedoch nichteinZugang der unbedingten Geltungsanspruch hat. Im anschließenden Abschnitt wird die Epistemologie der Evolutionstheorie dargestellt, um deutlich zu zeigen, dass der Mensch nureinemögliche Art ist, die sich aufgrund von zufälligen Gegebenheiten, nicht aber aufgrund einer stringenten Kausalkette, die man geneigt ist, in die Außenwelt zu projizieren, entwickelt hat. Im nächsten Schritt bediene ich mich der Epistemologie Humes und seinen Begriffen der Berechenbarkeit und Gewohnheit. Anhand derer stellt sich dar, dass ein psychologischer Mechanismus dem Menschen immanent ist, der ihm suggeriert, dass die Welt konstant bestünde, so wie er sie kennengelernt habe. Dieser Mechanismus sei jedoch irrationaler Natur und beruhe lediglich auf dem Phänomen der Gewohnheit. Nachstehend wird sich mit der Verlässlichkeit der Sinne auseinandergesetzt, um klar aufzuzeigen, dass diese zwar Signale der Außenwelt interpretieren, Menschen dadurch aber noch keinen gesicherten Zugang zu ihr haben. Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass Menschen generell in einer intersubjektiv vereinbarten Wirklichkeit leben, welche vorkonstruiert besteht. Ferner sei dabei entscheidend für die menschliche Wirklichkeitskonstruktion, in welches System diese hineingeboren werden. Positionen wie die des Außenweltskeptikers sind zwar berechtigt, bleiben jedoch hinter einer Möglichkeit des Erkennens zurück und schließen diese Möglichkeit aus. Um von der Außenwelt Erkenntnisse zu erlangen, so Popper, muss man, wenn man an einer Pluralität von Möglichkeiten festhält, auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Außenwelt existiert, um von dieser Erkenntnisse zu erlangen.

2. ERNST VON GLASERSFELD UND DER BEGRIFF DER VIABILITÄT

Glasersfeld, ein einflussreicher Kybernetiker des zwanzigsten Jahrhunderts, geht in seinem Beitrag „Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität“ auf verschiedene Probleme des Konstruktivismus ein. Er zieht unter anderem Bereiche der Naturwissenschaft hinzu, wie beispielsweise den der Evolutionstheorie nach Darwin, um zu erklären, dass die Eigenschaften der Dinge in der Außenwelt, wie Einheit, körperliche Ganzheit und Struktur der ontischen Wirklichkeit lediglich Erzeugnisse des Subjekts sind1. Die Menschen seien zwar vernunftbehaftet, aber unfähig, einentsprechendesBild über die Außenwelt zu erlangen. Glasersfeld zielt unter anderem darauf ab, mit Denkfehlern innerhalb der Epistemologie aufzuräumen. Er zitiert Berkeley:

„Niemand wird je im Stande sein, die Wahrnehmung eines Gegenstandes mit dem postulierten Gegenstand selbst, der die Wahrnehmung verursacht haben soll, zu vergleichen.“2

Daraus folgt, dass eine gesicherte Wahrheit über den Gegenstand der Wahrnehmung nicht möglich ist.3 Das erkennende Subjektentdecktdie Wirklichkeit, welche vorstrukturiert existiert, trotz unzuverlässiger Sinne und eines mangelhaften Verstandes. Dieses durch das Entdecken der Wirklichkeit entstandene Wissen über die Außenwelt ist vielmehr ein „Wissen wie“, als ein „Wissen was“. Ein Wissen, wie wir mit ihr umgehen, nicht ein Wissen davon, was sie ist.4 Es ist somit eine falsche Überzeugung, davon auszugehen, wenn die Vernunft nur richtig angewendet werden würde, wir exaktere Aussagen über die ontische Welt treffen könnten.5

Ferner sei eine instrumentalistische Orientierung des BegriffsWissenzu verzeichnen.Wissen sei kein Selbstzweck, sondern immer ein Mittel (es ist also teleologisch ausgerichtet), um Dinge zu erreichen, die das Subjekt nach Präferenz wählt.6

Glasersfeld verweist darauf, dass es ein bekanntes Problem vieler Epistemologen sei, Phänomene der Erlebenswelt mit denen der ontischen Wirklichkeit gleichzusetzen. Ferner sei es ein Fehler anzunehmen, die ontische Wirklichkeit würde Phänomene der Erlebenswelt verursachen. Damit ist zu fragen, ob eine Überprüfung der Übereinstimmung von einem Phänomen der Erlebenswelt und einem Phänomen in der ontischen Wirklichkeit möglich ist. Die Skeptiker hätten laut Glasersfeld gezeigt, dass eine solche Überprüfung außerhalb der rational erfassbaren Erlebenswelt liege. Innerhalb der Theorie des radikalen Konstruktivismus gibt es den Begriff der Viabilität, der ein rein technischer ist.. Dieser expliziert, dass etwas passt, solange es nicht eingeschränkt wird, also auf keinen Widerstand trifft.

Um den letzten Punkt näher zu verdeutlichen, führt Glasersfeld das Beispiel des „blinden Wanderers“ an, welches sich folgendermaßen darstellt:

Man stelle sich einen blinden Wanderer vor, der im Wald steht und nun den Weg zu einem nahegelegenen Fluss sucht. Er hat prinzipiell nur die Möglichkeit, sich bei einem Widerstand (einem Baum) links oder rechts an ihm vorbeizubewegen. Durch diesen Vorgang ergibt sich nach und nach eine Struktur an möglichen Wegen, welche der Wanderer begehen kann. Subjektiv bekommt er eine Vorstellung davon, wie er zu dem Fluss gelangen kann. Er kennt zwar, sollte er die Strecke zwischen Wald und Fluss öfter gehen, die Widerstände, auf die er trifft, objektiv gesehen hat er jedoch keinerlei Vorstellung davon, wie der Wald um ihn herum aussieht.8 Der Wald als solcher zeigt sich dem Wanderer nur in Form der Widerstände, die er erfährt.9

Das Beispiel des „blinden Wanderers“ ist übertragbar auf die Art und Weise, wie Menschen ihre Realität konstruieren. Letzteres sei nur möglich durch partielles Zusammenfügen und Interpretation von Sinneseindrücken. Bei diesem Prozess verwenden wir keinesfalls alle Signale. Dies ist u.a. durch die subjektive Aufmerksamkeit und Vergegenwärtigung erfahrener Wahrnehmung bedingt, die bei Bedarf abgerufen wird.10 DerBedarfsei durch den Zusammenhang (bspw. Soziale Kontakte) des Handelns bestimmt und erfordert es nicht, dass der Mensch die Außenweltso sieht, wie sie ist.Für den handelnden Akteur sei es gleich, ob sein Bild von der Wirklichkeit entsprechend ist. Dieses Verhältnis (zwischen handelndem Akteur und Wirklichkeit) kann man als instrumentell bezeichnen. Denn dem Akteur geht es darum, sein Ziel zu erreichen, mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen oder denen, die er sich geschaffen hat. Es wird hier ein Vorschlag zu einer neuen Anschauung geliefert: Von der wahrheitsgetreuen Wahrnehmung, Erkenntnis und Wissenschaft zu einer instrumentellen Anschauung, also einer Viabilität und der damit einhergehenden Abwägung von Brauchbarkeit.11

2.1 EPISTEMOLOGIE DER EVOLUTIONSTHEORIE

Der Begriff der Viabilität ist kein neuer Begriff. Er wurde bei Darwin entlehnt; genauer aus seiner Evolutionstheorie. Demnach sind drei Faktoren hauptsächlich verantwortlich für den Prozess der Evolution: Variation, natürliche Auslese und Anpassung. Die Variation (Merkmalsänderungen) und die natürliche Auslese liefern das Rohmaterial, wobei die natürliche Auslese gegen die Individuen wirkt, welche den Bedingungen der Umwelt nicht gewachsen sind.12 Anpassung meint „[...] eigentlich nicht mehr, als überlebt zu haben; jeder Organismus und jede Art, die wir heute lebendig vorfinden, ist darum eo ipso angepaßt.“13 Ein oftmals missinterpretierter Punkt ist folgender: Die künstliche Zucht. Sie ist kein natürlicher Bestandteil der Evolutionstheorie. Diese produziert lediglich überlegene Tiere und ist speziell darauf ausgerichtet. Der Begriff der Viabilität (des Passens) hingegen schließt nicht das Ziel der Überlegenheit ein.14

Glasersfeld zeigt, dass „[...] Viabilität sich immer und ausschließlich nur auf die Fähigkeit bezieht, innerhalb der Bedingungen und trotz der Hindernisse zu überleben, welche die Umwelt oderWirklichkeitdem Organismus als Schranken in den Weg stellt.“15

[...]


1 Vgl.Einführung in den Konstruktivismus.Heinz Gumin gemeinsam mit Heinrich Meier (Hg.) Band V Piper Verlag Gmbh, München 2010 [Ursprünglich erschienen 1992] - In folgenden Fußnoten wird diese Quelle mit „Einführung in den Konstruktivismus“ kenntlich gemacht.

2 Glasersfeld, Ernst von: „Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität“. In: Heinz Gumin gemeinsam mit Heinrich Meier (Hg.),Einführung in den Konstruktivismus. Band V Piper Verlag GmbH, München 2010, 12. [Ursprünglich erschienen 1992] - In folgenden Fußnoten wird diese Quelle mit „Glasersfeld Konstruktion der Wirklichkeit“ kenntlich gemacht.

3 ebd. 13.

4 ebd. 13.

5 ebd. 14.

6 ebd. 15.

7 Vgl. Einführung in den Konstruktivismus,17.

8 ebd. 19.

9 ebd. 20.

10 ebd. 22.

11 Vgl. Einführung in den Konstruktivismus,22.

12 Ebd. 23-24.

13 Glasersfeld Konstruktion der Wirklichkeit, 26.

14 Ebd. 25.

15 Glasersfeld Konstruktion der Wirklichkeit, 25.

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656421979
ISBN (Buch)
9783656422655
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213845
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Philosophisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
lässt außenwelt

Autor

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