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Interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht. Entwicklung und Bedeutung

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kulturbegriff und dessen Verknüpfung mit Sprache

3 Interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht - Entwicklung & Stand

4 Herangehensweise an interkulturelles Lernen und Gefahren

5 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Denkt man an den Fremdsprachenunterricht in der Schule, so werden oftmals Assoziationen wie Grammatikregeln oder Vokabellernen geweckt. Tatsächlich gehört zum Erlernen einer Fremdsprache jedoch viel mehr, als lediglich das Beherrschen der Grammatik oder eines umfangreiches Vokabulars. Obgleich diese Aspekte für die flüssige und präzise Verständigung unumgänglich sind, genügt es nicht, sich die grammatische Struktur alleine anzueignen, d.h. Syntax, Lexis, etc. zu kennen, um eine Fremdsprache erfolgreich verinnerlichen zu können. Vielmehr spielt kulturelles Bewusstsein und Erfahrung bezüglich der Kultur(en) der entsprechenden Fremdsprache eine außerordentliche Rolle im Prozess des Sprachenlernens. Kulturelles Bewusstsein steht insbesondere dann im Vordergrund, wenn Etikette oder das Vermeiden von Missverständnissen in interkulturellen Gesprächs- situationen erfordert wird. Die interkulturelle kommunikative Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation der Schülerinnen und Schüler, die es ihnen ermöglichen soll, mit Muttersprachlern der entsprechenden Fremdsprache erfolgreich kommunizieren zu können. Die interkulturelle Komponente spielt in der Fremdsprachendidaktik inzwischen eine außerordentlich große Rolle - schließlich ist Befähigung zur Kommunikation in authentischen und realen Gesprächssituationen mit Hilfe der Fremdsprache das oberstes Ziel des Fremdsprachenlernens. Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, das bedeutet, Platz zu schaffen für interkulturelle Erfahrungen und bedeutsame Kommunikation im und außerhalb des Klassenraums, bietet das interkulturelle Lernen viele Chancen um eine Fremdsprache erfolgreich zu erlernen, so dass auch nach Beendigung der Schullaufbahn weiterhin Motivation zum Fremdsprachenlernen bestehen bleibt - ganz im Sinne des lebenslangen Lernens. Neben den Vorteilen, die interkulturelles Lernen mit sich bringt, gibt es jedoch auch Gefahren, die im Unterricht umgangen werden müssen. Hierzu zählt unter anderem die Kulturalisierungsfalle.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des interkulturellen Lernens im Fremdsprachenunterricht, dessen Stellenwert für das Fremdsprachenlernen insgesamt sowie den Chancen und Gefahren, die durch interkulturelles Lernen bestehen. Zu Beginn wird der Kulturbegriff und dessen Zusammenhang mit dem Sprachenlernen erläutert. Des Weiteren wird die Entwicklung des interkulturellen Lernens und dessen aktueller Stellenwert in der Fremdsprachpädagogik beleuchtet.

Zuletzt soll der konkrete Umgang mit interkulturellem Lernen im Klassenraum thematisiert werden. In diesem Zusammenhang werden auch die Schwierigkeiten und Gefahren aufgezeigt.

2 Der Kulturbegriff und dessen Verknüpfung mit Sprache

Der Kulturbegriff taucht häufig dann auf, wenn über die essentiellen Aspekte des Fremdsprachenlernens diskutiert wird. Jedoch bedarf es zunächst einer Definition davon, was unter Kultur zu verstehen ist, um den Kulturbegriff greifbarer erscheinen zu lassen. Zudem muss diskutiert werden, in welchem Zusammenhang Sprache und Kultur stehen. Es gibt eine sehr große Bandbreite an verschiedenen Definitionen des Kulturbegriffs. Der britische Anthropologe E. B. Tylor entwickelte eine sehr weitreichende Definition:

“Culture is that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society.”1

Tylors Definition offenbart, dass es sich bei Kultur um ein komplexes Konstrukt handelt, welches das soziale Miteinander innerhalb einer Gesellschaft bis in die feinsten Facetten durchdringt. Eine weitere Definition sieht in dem Kulturbegriff den „way of life“2, welcher unter anderem Religion, verschiedene Rituale, Bräuche und soziale Normen enthält. Oftmals stößt man auch auf die Eisberg-Metapher. Demnach lassen sich die Eigenschaften eines Eisberges auf die Kultur übertragen. Nur ein kleiner Teil, d.h. wenige Aspekte, einer Kultur werden an der Oberfläche sichtbar, während der mit Abstand größte Teil der Kultur unterhalb der Oberfläche - sozusagen unter Wasser -für den Betrachter im Verborgenen bleibt. Zudem lässt sich herauskristallisieren, dass Kultur niemals statisch ist. Vielmehr unterliegt sie einem fortlaufenden Prozess der Veränderung.3 Dieses Prozess wird vor allem dadurch vorangetrieben, dass Menschen untereinander kommunizieren.4 Der Kulturbegriff bezweckt jedoch auch die Abgrenzung gegenüber anderen Kulturen. Somit dient die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur gewissermaßen der differenzierten Identitätsbestimmung. Heute besteht weitestgehend Konsens darüber, dass Kultur und Sprache sich reziprok beeinflussen. Aus konstruktivistischer Perspektive kann Sprache als Bestandteil von Kultur angesehen werden, da sie verwendet wird, um die Welt subjektiv zu beschreiben. Umgekehrt wird auch Kultur von Sprache geprägt, denn jedes Individuum verwendet seine Sprache um sich seiner Umwelt mitteilen zu können.5 Letztendlich bestimmt die kulturelle Zugehörigkeit und damit einhergehend die Sozialisation eines Individuums, wie bestimmte Äußerungen in verschiedenen Situationen verstanden werden.6 Die Perspektive der Fremdsprachenpädagogik sieht innerhalb des Kulturbegriffs zwei Definitions- möglichkeiten enthalten. Zum einen kann Kultur eine heterogene Struktur darstellen, die bezüglich nationaler Grenzen verglichen und unterschieden werden kann. Dieser Definition folgend, ist es für Lehrerinnen und Lehrer unproblematisch verschiedene Kulturen voneinander abzugrenzen beziehungsweise gegenüberzustellen. Jedoch wird durch diese Herangehensweise die Vielfalt und Komplexität von Kultur untergraben, denn Kultur kann auch als eine dynamische und veränderliche Dimension im Handlungsfeld zwischen Individuen betrachtet werden.7 In dieser Perspektive wird Kultur zwar als etwas flüchtiges und schwer greifbares beschrieben, jedoch öffnet dieser Blickwinkel einen neuen Ansatz für die Fremdsprachenpädagogik. Da Menschen, die mit anderen Menschen von anderen Kulturen in Kontakt treten, zwischen zwei Kulturen stehen, werde eine Art neue Kultur gebildet.8 Es ist offensichtlich, dass dieser Ansatz - verglichen mit der nationalen Abgrenzung von Kulturen - wesentlich größeres Geschick erfordert, um ihn im Fremdsprachenunterricht den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Daher kann diese Herangehensweise zu Verwirrung führen, wenn die interkulturellen Kompetenzen noch nicht hinreichend ausgeprägt sind.9 Die Gründe für den engen Zusammenhang zwischen Kultur und Sprache sind von vielfältiger Ursache. Zum einen gibt es keine universelles Muster zum Sprachenlernen, dieses unterscheidet sich je nach Kultur.10 Des Weiteren findet die Sozialisierung sowie die Entwicklung des Habitus über den Zugang zur Gesellschaft statt.

[...]


1 Brunzel,Peggy(2001): Kulturbezogenes-Lernen-und-Interkulturalität.Tübingen:Gunter NarrVerlag.15.

2 Ebd.16.!

3 Vgl.LessardMClouston,M.(1997): Towards-an-Understanding-of-Culture-in-L2/FL-education, InternetTESLJournal.URL:http://iteslj.org/Articles/LessardMCloustonMCulture.html(28.01.2012).

4 Vgl.Brunzel,Peggy(2001):18.

5 Vgl.Ebd.

6 Vgl.LessardMClouston,M.(1997).

7 Vgl.Brunzel,Peggy(2001):23.

8 Vgl.Ebd.23f.

9 Vgl.Ebd..24.

10 Vgl.LessardMClouston,M.(1997).

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656420354
ISBN (Buch)
9783656421139
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213802
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Erziehungswissenschaften
Note
14
Schlagworte
interkulturelles lernen fremdsprachenunterricht entwicklung bedeutung

Autor

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Titel: Interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht. Entwicklung und Bedeutung