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Cyber-Mobbing. Die moderne Fortsetzung des klassischen Mobbens oder ein eigenständiges Phänomen?

Essay 2012 7 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

„Es ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu müssen, die sie nicht geschaffen hat.“ (Zeitler 1989: S. 323)

Jenes Zitat von John Fitzgerald Kennedy, dem 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, charakterisiert vortrefflich den ständig fortschreitenden Wandel in unserer Gesellschaft, welcher stets neue Problemfelder für Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene generiert. So stellen gegenwärtig labile als auch veränderte Familienstrukturen, ein Übermaß an Medienkonsum, unsichere Perspektiven sowie ein permanenter Leistungsdruck nur eine Auswahl an Herausforderungen dar, welche unter anderem an heranwachsende Individuen gestellt werden.

Eine ähnliche, sich wandelnde Tendenz lässt sich für das Feld der Gewaltforschung konstatieren. Die fortschreitende Digitalisierung innerhalb der Gesellschaft ermöglicht neue Wege für gewalttätige und schädigende Handlungen. Das vorliegende Essay fokussiert die Thematik des Mobbings und sucht dabei mögliche Korrelationen zwischen Mobbing und Cyber-Mobbing zu eruieren. So ergibt sich die zentrale Fragestellung, ob das Problemfeld Cyber-Mobbing eine moderne Fortsetzung des klassischen Mobbings oder gar ein eigenständiges, von der herkömmlichen Form des Mobbens abzugrenzendes Phänomen ist. Die Legitimation des vorliegenden Themas gründet sich in zwei Argumentationssträngen. Zum einen kann, wie im Folgenden gezeigt wird, Mobbing als am stärksten repräsentierte Gewaltform an deutschen Schulen beschrieben werden. Somit rückt der Themenkomplex auch stärker in die Verantwortung der Lehrenden, welchen die Verantwortung einer wirksamen Prävention und Intervention obliegen. Zum anderen muss Konsens über die Begriffe und deren Bedeutung herrschen, da sich daran spezielle Präventionsmuster knüpfen. Demnach sollte die jeweilige Strategie anhand des konkreten Fallbeispiels ausgewählt werden, um wirkungsvoll dem Problemfall Einhalt zu gebieten.

Eine nachfolgende Analyse bedarf zunächst einer grundlegenden Definition und Diskussion beider Merkmalsträger, um anschließend eine Schnittmenge von Wesenszügen und schlussendlich ein Plädoyer generieren zu können.

Vorerst sei die klassische Form des Mobbings nach Wolfgang Kindler, einem deutschen Pädagogen und Autor, wie folgt zu definieren: „Mobbing basiert auf einem relativ stabilen Machtgefälle, es ist eine dauerhafte, grundlegende Gewaltform, die regelmäßig ausgeübt wird und sich in schädigenden Handlungen zeigt.“ (Kindler 2009: S. 13) Demnach kann Mobbing aufgrund diverser Ursachen[1] als Bündnis mehrerer Täter gegen ein Opfer charakterisiert werden, wobei die Übergriffe mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von einem halben Jahr ausgeführt werden. Dabei verfügen die Angriffe stets über ein grundlegend aggressives und gleichsam schädigendes Potential. So reagieren die Täter oft auf das Leiden des Opfers mit Freude oder Gleichgültigkeit infolge ihrer Attacken. (Vgl. Ebd. S. 11) Die Gewalttätigkeit nimmt darüber hinaus verschiedene Ausgestaltungsformen an. So können Verleumdungen, verbale Anfeindungen, der Ausschluss aus der Gruppe, die Entwendung oder gar Zerstörung fremden Eigentums und körperliche Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen die Opfer in erschreckender Weise drangsalieren.

Anhand dieser Charakteristik werden die zentralen Merkmale des Analysefeldes deutlich, welche im Folgenden durch die Kriterien des Cyber-Mobbings ergänzend skizziert werden.

So determiniert die deutsche Sozialpädagogin Sabine Schattenfroh Cyber-Mobbing als „ das absichtliche Beleidigen, Bedrohen oder Bloßstellen einer Person mithilfe [...]elektronischer Kommunikationsmittel.“ (Schattenfroh 2012: S.6) Jene Medien sind im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in die Lebenswirklichkeit sämtlicher Gesellschaftsmitglieder präsent. Diese neuen Medien in Gestalt von Handys, dem Internet, von Smartphones oder der sozialen Netzwerke wie etwa Facebook, studiVZ oder flickr offenbaren den Nutzern die digitale Welt. Drastischer als im bisher Beschriebenen gestalten sich die Anfeindungen und Übergriffe auf die Opfer. Durch die permanente Erreichbarkeit und Anwesenheit aller Beteiligten ist diese Form des Mobbens als unendlich zu definieren. Es bestehen für Opfer zwar die Möglichkeiten, das Mobilgerät auszuschalten oder ihre Identität gar aus dem Netzwerk zu löschen, gleichsam verhindert dies aber nicht die Attacken, welche über unabhängige Netzwerke wie youtube oder flickr fortgesetzt werden können. Daraus ergibt sich ein weiteres Gefahrenpotential. Die Inhalte können aufgrund zahlreicher virtueller Freundschaften schnell und breit kommuniziert werden und erreichen somit auch bisher Unbeteiligte. Darüber hinaus ist zu konstatieren, dass sich der Schutz der Privatsphäre in sozialen Netzwerken als sehr problematisch und keinesfalls als gegeben zeigt. Für potentielle Täter ergibt sich zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit des „Zwischenspeicherns“ von Bildern oder Texten, sodass diese auch dann präsent sind, wenn das Opfer sie bereits gelöscht hat. Die Spirale des Cyber-Mobbings kann letztlich als endlos beschrieben werden. (Vgl. Ebd. S. 6)

[...]


[1] Aufgrund der quantitativen Restriktionen des Essays muss auf eine ausführliche Typologie der Ursachen verzichtet werden.

Details

Seiten
7
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656420385
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213798
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Cybermobbing Mobbing Phänomen Definition

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Titel: Cyber-Mobbing. Die moderne Fortsetzung des klassischen Mobbens oder ein eigenständiges Phänomen?