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Das Kompetenzprogramm "Heldenreise" und die Arbeit in einer Suchtpräventionsfachstelle

Praktikumsbericht / -arbeit 2008 24 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einblick in die Suchtprävention
2.1. Was ist Sucht?
2.2 Was ist Suchtprävention?
2.3. Der akzeptanzorientierte Ansatz als neuer Weg der Suchtprävention

3. Die Suchtpräventionsfachstelle X
3.1. Rahmenbedingungen
3.2. Dialoggruppen
3.3. Konzeptionelle Inhalte der Arbeit von X
3.4. Arbeitsbereiche

4. Beschreibung und Reflexion der eigenen pädagogischen Tätigkeit
4.1. Arbeitsschwerpunkte und Veranstaltungen
4.2 Reflexion der eigenen Tätigkeit und gewonnener Erkenntnisse

5. Ist das Lebenskompetenzprogramm „Heldenreise“ für die Suchtpräventionsarbeit mit Jugendlichen geeignet?
5.1. Lebenskompetenzprogramme
5.2. Das Lebenskompetenzprogramm „Heldenreise“
5.3. Durchführung des Programms
5.4. Prüfung des Programms
5.5. Tauglichkeit der „Heldenreise“

6. Fazit zum Praktikum

7. Literatur

1. Einleitung

In letzter Zeit ist oft die Rede davon, dass sich der kindliche Lebensalltag in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert habe. Die Technologisierung des Lebensumfelds auch und gerade der Kinder, nimmt zu, die Anforderungen, denen sich Kinder bereits früh stellen müssen, wachsen und die Möglichkeiten sich kreativ und ungezwungen zu entfalten und zu erproben werden nach Meinung vieler Erwachsener immer weniger.

Diese Veränderungen und neuen Entwicklungsaufgaben werden auch in Zusammenhang gebracht mit der Entstehung von gesundheitlichen Schäden und Sucht. Dabei scheint die Entwicklung zwei Gesichter zu haben. Der Bogen spannt sich zwischen Überforderung und Vernachlässigung von Kindern, Überängstlichkeit und Gleichgültigkeit der Eltern, abhängig vielleicht auch, aber sicher nicht nur, von sozialen Schichten.

Dieser Entwicklung soll in möglichst jungen Jahren entgegengewirkt werden. Prävention setzt hier nicht substanz- oder verhaltensspezifisch an, sondern hat das Ziel, die Kinder und deren Kompetenzen allgemein und in allen Aspekten ihrer Entwicklung zu stärken, um verschiedenen Problemen vorzubeugen. Der beste Schutz für die Kinder ist die Förderung ihrer Lebenskompetenzen.

Als Ort A.er Suchtpräventionsfachstelle führt X Veranstaltungen zur Suchtvorbeugung mit Jugendlichen durch, die nach eben diesem Konzept ausgerichtet sind. Im Rahmen meiner Arbeit möchte ich ein solches von X entwickeltes Programm zur Lebenskompetenzförderung hinsichtlich seiner Tauglichkeit in der Praxis untersuchen.

Zuvor widme ich mich jedoch genauer dem Feld der Suchtprävention, stelle X als Einrichtung kurz vor und gebe einen kurzen Überblick über meine Tätigkeiten in der Suchtpräventionsfachstelle während meines sechswöchigen Praktikums.

2. Einblick in die Suchtprävention

2.1. Was ist Sucht?

Bevor ich genauer auf den Begriff der Suchtprävention eingehe, erscheint es sinnvoll die Sucht, der es vorzubeugen gilt, zu definieren. Sucht beschreibt das Auftreten einer krankhaften Störung aufgrund eines Suchtmittels. Diese Störungen können sich auf die Psyche und den Körper des Konsumenten beziehen. Kennzeichnend für die Sucht ist ein krankes, zwanghaftes Verlangen nach der Einnahme eines Rauschmittels, um Wohlbefinden zu erreichen und ein subjektiv nicht ertragbares negatives Gefühl zu vermeiden oder zu beenden[1].

Durch die Sucht ist häufig auch die Interaktion des Konsumenten mit seiner sozialen Umwelt gestört. Damit gehen zahlreiche soziale Probleme einher, die gravierenden Einfluss auf die Lebensgestaltung und Lebensplanung haben können. Häufige Beispiele sind Schulverweise, Arbeitsplatzverlust oder Familienprobleme bis hin zur totalen sozialen Ausgrenzung[2].

Sucht entsteht nach einer unterschiedlich langen Phase des Konsums und der Gewöhnung an ein Rauschmittel, in der sich eine psychische und bei bestimmten Substanzen auch eine körperliche Abhängigkeit von der Substanz entwickelt. Die Entstehung von Abhängigkeit kann verschiedene Ursachen haben. Hier spielen Faktoren der Persönlichkeit, des sozialen Umfeldes und des Rauschmittels zusammen. Begünstigt wird dieser Prozess, wenn der Konsument mithilfe des Rauschmittels Defizite oder Schwächen verändern möchte und sein soziales Umfeld keine Alternativen hierfür bietet. Suchtmittel die unmittelbar und jederzeit verfügbar sind, wie etwa Alkohol, begünstigen den Einstieg in das Suchtverhalten und werden schnell als „Problemlöser“ eingesetzt. Bei illegalen Suchtmitteln liegt die Schwelle für den Einstieg höher[3].

Suchtmittelkonsum wird dann zur Krankheit, wenn er eigendynamisch das Verhalten des Konsumenten bestimmt. Dieser kann den Konsum nicht mehr steuern oder beeinflussen. Es entsteht ein inneres, unbezwingbares Verlangen nach dem Suchtmittel, das immer öfter in immer höheren Dosen eingenommen wird. Die Interessen engen sich zunehmend auf das Suchtmittel und seine Beschaffung ein, während andere Interessen nicht mehr als wichtig empfunden werden. Die Reduktion oder das Absetzen des Suchtmittels führt zu psychischen oder körperlichen Entzugserscheinungen[4].

Risikoverhaltensweisen mit psychoaktiven Substanzen entwickeln sich vor allem im Jugendalter. Daher legt die Suchtprävention besonderes Augenmerk auf die Gruppen der Kinder und Jugendlichen[5].

2.2 Was ist Suchtprävention?

Prävention meint, einer Krankheit zuvorzukommen, in diesem Fall einer Suchterkrankung. Dabei umfasst Suchtprävention die Beeinflussung und gegebenenfalls Änderung der Ursachen, die zum Suchtverhalten führen können und die Untersuchung und Beeinflussung der Auslöser, die den Gebrauch von Suchtmitteln unmittelbar begünstigen. Es gilt süchtiges Verhalten zu verhindern, sowie Risiken des Substanzkonsums zu reduzieren und die negativen Folgen zu verhindern oder zu begrenzen[6].

Dabei formuliert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als Überziel suchtpräventiver Maßnahmen: „Menschen zu einem eigenverantwortlichen, sozialverträglichen und situationsangemessenen Umgang mit psychoaktiven Substanzen und nicht stoffgebundenen abhängigkeitserzeugenden Angeboten zu befähigen. Dabei geht es zum einen darum, Risikofaktoren zu verhindern, die den Missbrauch und die Entwicklung von Sucht begünstigen. Zum anderen zielt Suchtprävention darauf, gesellschaftliche und psychosoziale Schutzfaktoren zu fördern, die es Menschen ermöglichen, verantwortlich mit psychoaktiven Substanzen umzugehen.“[7].

Im deutschsprachigen Raum sind vor allem drei Begrifflichkeiten zur Kategorisierung von Suchtprävention und deren Programmen gängig: die Primär-, die Sekundär- und die Tertiärprävention. Diese Einteilung richtet sich nach dem Zeitpunkt der Präventionsmaßnahme und deren Zielsetzung. So werden der Primärprävention alle Maßnahmen zugeordnet, die sich an die allgemeine Bevölkerung wendet, also an Personen, die noch nicht konsumieren und keine speziellen Risikogruppen darstellen. Solche Maßnahmen werden vor der Entstehung eines Problems angewendet. Als sekundärpräventive Maßnahmen werden solche bezeichnet, die sich an spezielle Risikogruppen richten. Diese Gruppen sind besonders suchtgefährdet oder es handelt sich um Personen im Anfangsstadium einer Suchterkrankung. Maßnahmen der Tertiärprävention richten sich an Personen, die bereits als abhängig zu bezeichnen sind[8].

Seit den 90er Jahren wurde die Suchtprävention immer stärker in die Gesundheitsförderung eingebunden. Die suchtmittelspezifische Prävention ging zugunsten unspezifischer Prävention zurück. Die Suchtprävention richtete sich dadurch immer mehr auf die Förderung von Schutzfaktoren. Arbeitsschwerpunkte liegen im Aufzeigen und Ermöglichen erlebnis- bzw. erfahrungsorientierter Alternativen zum Suchtmittelkonsum. Vor allem in der Primärprävention verbreiteten sich Maßnahmen zur Förderung von Lebenskomptenz. Dieser Ansatz wird auch als „lebensweltbezogener “ Ansatz bezeichnet[9].

2.3. Der akzeptanzorientierte Ansatz als neuer Weg der Suchtprävention

Mittlerweile gelten Programme, die eine abschreckende oder rein informationsvermittelnde Suchtprävention verfolgten, als überholt. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es in Deutschland die akzeptierende Drogenarbeit, die ihren Ursprung in einer Bewegung hatte, die dem damals allein auf Abstinenz ausgerichteten Drogenhilfesystem entgegen wirken wollte. Eine Neuorientierung in der Drogenpolitik wurde gefordert. Mittlerweile ist die akzeptierende Drogenarbeit als wirksame Form in der Suchtprävention anerkannt[10].

Dabei zielt sie auf die Minimierung gesundheitlicher, sozialer und psychischer Risiken bei Drogengebrauchern. Grundsatz ist die Betrachtung des Drogenkonsumenten als mündigen, zu Selbstverantwortung und Selbstbestimmung fähigen Menschen, der ein Recht hat auf menschenwürdige Behandlung. Prinzipien der akzeptierenden Drogenarbeit sind daher die frühzeitige, direkte und wohnortnahe Ansprache sowie bedürfnisorientierte Versorgung der Konsumenten, das Bereitstellen von Hilfen unter Einbeziehung und Verstärkung von Handlungskompetenzen und Selbsthilferessourcen und die Orientierung auf selbstbestimmte Konsummuster. Dabei wird auf das Unterstellen einer generellen Behandlungsbedürftigkeit von Drogengebrauchern im Sinne klinischer, therapeutischer oder sozialpädagogischer Interventionen verzichtet. Sie werden vielmehr bei der Herstellung von Autonomie und Selbststeuerungsfähigkeit unterstützt. Es wird sowohl die positive wie auch negative Wirkung des Drogengebrauchs anerkannt und akzeptiert, dass auch der Konsum illegalisierter Drogen ein "Lebensentwurf" sein kann[11].[12]

3. Die Suchtpräventionsfachstelle X

Nun möchte ich einen kurzen Überblick über meine Praktikumseinrichtung, die Suchtpräventionsfachstelle X, geben. Dabei gehe ich auf die Rahmenbedingungen ein, betrachte genauer zu welche Dialoggruppen X Kontakt herstellen möchte, gehe auf das Konzept ein, das hinter der Arbeit steht und gebe einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche.

3.1. Rahmenbedingungen

Seit 2004 betreibt der Träger X e.V. - Verein zur Förderung akzeptanzorientierter Drogenarbeit die Ort A.er Suchtpräventionsfachstelle X. Der Verein wurde 1997 in Ort A. gegründet und etablierte sich von 1998 bis 2003 als Kontakt- und Drogenberatungsstelle in Ort A.. Als kommunale Suchtpräventionsfachstelle ist X seit 2004 mit der Drogenberatung und –information für junge Menschen sowie der Entwicklung, Durchführung und Koordination von Suchtprävention beauftragt. Seit 2008 entwickelt und koordiniert X im Auftrag der Landesregierung als überregionale Suchtpräventionsfachstelle zusätzlich die suchtpräventiven Angebote in der kreisfreien Stadt Ort B./Ort C. sowie den Landkreisen Ort A.-Ort E. und Ort D..

Die Suchtpräventionsfachstelle wird mit einem Stellenanteil von 2,5 Vollzeitstellen aus kommunalen Mitteln finanziert. Davon fließen 0,5 Stellen über die Stiftung Y. Die Stellen verteilen sich auf vier in Teilzeit beschäftigte Sozialpädagogen. Die Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teil. Mehrmals im Jahr finden Supervisionen mit einem systemisch orientierten Supervisor statt. Neben den Mitarbeitern wirken bei der Planung und Durchführung von Präventionsprojekten und ‑veranstaltungen auch ehrenamtlich Tätige mit, die im Rahmen der AG für Prävention koordiniert und angeleitet werden. Diese trifft sich regelmäßig alle drei Wochen.

Die Suchtpräventionsfachstelle belegt drei Räume im Haus der Jugend in Ort A.-Ort F.. Zwei Räume dienen als Büroräume (vier PC-Arbeitsplätze), ein Raum dient als Mediothek, Besprechungs- und Beratungsraum. Im Haus der Jugend stehen X zur Durchführung von Workshops Seminarräume zur Verfügung. Der Standort befindet sich allerdings in einem sehr gut situierten Wohnumfeld, das von Menschen in besonderen Problemlagen kaum aufgesucht wird, was sich dem Gedanken der Niedrigschwelligkeit der Einrichtung gegenüber konträr verhält.

[...]


[1] vgl. DHS (2003), S.164

[2] vgl. Hurrelmann/Klotz/ Haisch (2007), S.177

[3] vgl. DHS (2003), S.166

[4] vgl. ebd., S.168.

[5] vgl. Hurrelmann/Klotz/Haisch (2007), S.178

[6] vgl. DHS (2003), S.203

[7] BZgA (2006), S.58

[8] vgl. Hallmann/Holterhoff-Schulte/Merfert-Diete (2003), S.3

[9] vgl. DHS (2003), S.204f.

[10] vgl. akzept Bundesverband/ Deutsche AIDS-Hilfe e.V (1999), S.7

[11] vgl ebd., S.16

[12] Die Beschreibung orientiert sich an Gesprächen und Beobachtungen in der Suchtpräventionsfachstelle und dem Betreiberkonzept von 2006

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668263079
ISBN (Buch)
9783668263086
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213744
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Sucht Suchtprävention

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