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Techniken zur Auswertung eines Interviews: Die zusammenfassende Inhaltsanalyse und das Programm MAXQDA

Hausarbeit 2012 27 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Verwendete Analysetechnik

3. Entwicklung des Kategoriensystems

4. Auswertung des Interviews
4.1 Praktischer Umgang mit Testergebnissen
4.2 Wahrgenommene Probleme mit den Testergebnissen
4.3 Wahrgenommenes Potential der Tests
4.4 Zu Beachten bei der Betrachtung der Testergebnisse
4.5 Verbesserungswünsche hinsichtlich Tests

5. Fazit

6. Literatur

Anhang A: Ablaufmodell und Regelwerk der zusammenfassenden Inhaltsanalyse

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Auswertung eines Interviews mithilfe der zusammenfassenden Inhaltsanalyse und dem Programm MAXQDA durchzuführen und die Ergebnisse darzulegen. Bei dem zugrunde liegenden Material handelt es sich um ein Interview von einem männlichen Schulleiter einer Berliner Gesamtschule. Das Interview wurde im Rahmen eines Projekts zur Auswirkung von Lernstandserhebungen auf die Arbeit von Lehrern und die Organisation von Schulen erhoben. Lernstandserhebungen sind dabei meist standardisierte Tests zu bestimmten Inhalten oder Unterrichtsfächern. Sie überprüfen Bildungsstandards und sollen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung auf Ebene der Einzelschule beitragen. Dabei kann es sich um Vergleichsarbeiten, wie etwa VERA, ein vergleichbarer Test, der in Berlin seit dem Schuljahr 2004/5 in verschiedenen Jahrgangsstufen durchgeführt wird oder um internationale Leistungsstudien wie PISA handeln (vgl. Bildungsserver Berlin-Bandenburg, 2012).

Vergleichsarbeiten verfolgen verschiedene Ziele, etwa das der Unterrichtsentwicklung über die schulinterne Diskussion von Standards, Unterrichtspraxis oder Beurteilungspraxis. Dies geschieht mit Testergebnissen der Schüler und Klassen, die innerhalb der Schule vergleichen betrachtet werden können, um so eine Bestandsaufnahme vornehmen zu können und einen gewissen Standard zu sichern beziehungsweise zu entwickeln. Die Vergleichsarbeiten sollen außerdem durch den Vergleich der Ergebnisse mit Referenzwerten aus gleichen Schulformen und bundesweiten Ergebnissen eine Standortbestimmung der Schule ermöglichen. Durch den innerschulischen Vergleich der Klassen sollen Stärken und Schwächen, sowie Ursachen dafür aufgedeckt werden. Daneben dienen die Erhebungen der Förderung der der Implementation der neuen Rahmenlehrpläne und Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz im Unterrichtsalltag, an denen sie inhaltlich orientiert sind (vgl. ISQ, 2012).

Die Schulen sollen also mit den Lernstandserhebungen etwas über ihre gegenwärtige Situation erfahren und Zielvorhaben formulieren können. Das Leistungsniveau der Schüler sowie die Kontextfaktoren lassen sich so im Vergleich mit Anderen untersuchen. Vergleiche mit Parallelklassen, vergleichbaren Klassen und Schulen in Berlin, zu Standards oder Vorjahresergebnissen werden möglich.

Der Nutzen der Erhebungen hängt jedoch davon ab, wie die Schulen mit den rückgemeldeten Ergebnissen umgehen. Zum Umgang mit diesen auf Schul- und Unterrichtsebene liegen bisher wenig empirische Ergebnisse vor. Daher soll es Ziel dieser Arbeit sein, anhand des vorliegenden Interviews die Fragestellung: „Wie gehen die Lehrkräfte mit den statistischen Informationen aus den Lernstandserhebungen um?“

zu untersuchen.

Hierfür soll zunächst die verwendete Analysetechnik kurz dargelegt werden, bevor der genaue Ablauf dieser beschrieben wird, der zur Einwicklung eines Kategoriensystems führt. Dieses Kategoriensystem wird genauer vorgestellt, um anhand dessen nachfolgend die Kategorien mithilfe von Ankerbeispielen aus dem Interview auszuwerten und Antworten auf die Fragestellung zu finden. Abschließend soll ein Fazit hinsichtlich der Fragestellung und des Instruments der Lernstandserhebungen aus der Interviewauswertung gezogen werden und das Vorgehen kurz eingeschätzt werden.

2. Verwendete Analysetechnik

Die Auswertung des Interviews soll mit einer der drei Grundformen der qualitativen Inhaltsanalyse erfolgen. Hierfür soll kurz allgemein auf dieses Analyseverfahren eingegangen werden und die Grundform erläutert werden, für die sich entschieden wurde.

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich ein Interpretationsverfahren, das sich in den letzten Jahren stark in der empirischen Forschung verbreitet hat und zu einer Standardmethode der sozialwissenschaftlichen Textanalyse geworden ist (vgl. Strauss 1994, S.53 zit. nach Wagner, 2006, S.170). Das wohl detaillierteste Konzept schlägt Phillip Mayring vor, auf dessen Ansatz sich im weiteren Verlauf der Arbeit bezogen wird. Mit diesem datenreduzierenden Verfahren, das vor allem geeignet ist, um verschiedene Texte, wie etwa Interviews, zu vergleichen (vgl. Hussy/Schreier/Echterhoff, 2010, S. 245), wird es möglich, auch große Materialmengen zu bearbeiten. Dabei ist es Ziel der qualitativen Inhaltsanalyse, die manifesten und latenten Inhalte des Materials in ihrem sozialen Kontext und Bedeutungsfeld zu interpretieren. Es wird eine Interpretation angestrebt, die intersubjektiv nachvollziehbar und möglichst erschöpfend ist (vgl. Bortz /Döring, 2009, S. 329). Die qualitative Inhaltsanalyse analysiert die Texte systematisch, indem sie das Material schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriensystemen bearbeitet (Mayring, 2002, S. 114). Das Verfahren ist zwischen qualitativer und quantitativer Forschung einzuordnen, da es Elemente aus beiden Paradigmen enthält (vgl. Hussy et al., 2010, S. 245). Im Zentrum des inhaltsanalytischen Vorgehens steht fast immer die Anwendung eines Kategoriensystems auf das zu untersuchende Material. Diese Kategorien müssen jedoch erst erarbeitet und am Material ausprobiert werden. Die Prozesse der Kategorienentwicklung und Kategorienanwendung sind nach Mayring qualitativ orientiert. Die Zuordnung der Kategorien zu Textstellen stellt demnach eine regelgeleitete Interpretation dar. Weitere Analysen dieser Kategorienzuordnungen der Testteile können dann auch quantitativ orientiert sein. So können beispielsweise Häufigkeits-, Unterschieds- oder Zusammenhangsanalysen basierend auf der qualitativen Arbeit mit dem Kategoriensystem durchgeführt werden (vgl. Mayring, 2008, S. 19). Die qualitative Inhaltsanalyse setzt sich von so genannten freien oder impressionistischen Interpretationen ab, indem vorab genaue Regeln formuliert werden nach denen die Textanalyse erfolgt. Dabei handelt es sich um präzise inhaltsanalytische Regeln, die die einzelnen Schritte der Analyse bestimmen, um genaue Ablaufmodelle und um die Festlegung der Analyseeinheiten. Die Ablaufmodelle der qualitativen Inhaltsanalyse legen im Vorfeld die genauen Schritte der Analyse und deren Reihenfolge fest. Sie werden dabei an die jeweilige Fragestellung angepasst, so dass je nach Fragestellung auch ganz verschiedene Modelle entstehen. Die Analyse wird also flexibel an den konkreten Gegenstand angepasst und auf die konkrete Fragestellung hin konstruiert (vgl. Mayring, 2008, S.43). Das streng systematische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse dient dem Anspruch, dass jeder Analyseschritt und jede Entscheidung im Auswertungsprozess auf eine begründete Regel zurückführbar sein soll. Durch diese Regelgeleitetheit können Dritte die Analyse jederzeit nachvollziehen und sie wird überprüfbar. Dadurch kann die Inhaltsanalyse sozialwissenschaftlichen Methodenstandards genügen, wie etwa der intersubjektiven Nachprüfbarkeit (vgl. Mayring 2008, S. 12).

Nach Mayring lassen sich drei Grundformen der qualitativen Inhaltsanalyse unterscheiden: die zusammenfassende Inhaltsanalyse, die explizierende Inhaltsanalyse und die strukturierende Inhaltsanalyse. Je nach Blickwinkel des Forschers, Fragestellung und zugrunde liegendem Material fällt die Entscheidung für eine der drei Grundformen unterschiedlich aus. Jede Form verfolgt ein anderes Ziel und erfordert ein spezielles Ablaufmodell und eine spezielle Vorgehensweise. Für die nachfolgende Interviewauswertung wurde sich für die Form der zusammenfassenden Inhaltsanalyse entschieden. Diese verfolgt das Ziel, das Material zu reduzieren, indem wesentliche Inhalte herausgefiltert werden und auf einer höheren Abstraktionsebene ein Abbild des Grundmaterials in Form einer Zusammenfassung zu schaffen (vgl. Mayring, 2008, S. 59 ff.). Durch verschiedene Schritte der Reduktion des Materials, die im folgenden Abschnitt genauer erläutert werden, entsteht so ein Kategoriensystem. Mit der zusammenfassenden Inhaltsanalyse vollzieht man also eine induktive Kategorienbildung am Material. Diese Form der Inhaltsanalyse scheint für die vorliegende Fragestellung am geeignetsten. Da zum Umgang von Lehrern mit Lernstandserhebungen kein umfassender Forschungsstand oder Theorien vorhanden sind und Untersuchungen zu diesem Thema noch am Anfang stehen, ist es schwer möglich, ein deduktives Kategoriensystem angelehnt an vorhandene Theorie zu entwickeln und an das Material anzulegen, wie dies etwa bei der strukturierenden Inhaltsanalyse der Fall wäre. Hierbei wird das Material anhand des Kategoriensystems theorienprüfend nach bestimmten Inhalten durchsucht, um eine bestimmt Struktur aus dem Material herauszufiltern (vgl. ebd., S. 83). Für die vorliegende recht spezifische Fragestellung, zu der wenige theoretische und empirische Erkenntnisse vorliegen, ist es demnach sinnvoller in einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse ein induktives Kategoriensystem direkt aus dem Material zu bilden, um so die wesentlichen Inhalte, die zur Beantwortung der Fragestellung dienen, durch den zusammenfassenden Vorgang herauszuarbeiten. Solch ein induktives theoriengenerierendes Vorgehen hat eine große Bedeutung innerhalb qualitativer Ansätze, da es nach einer möglichst gegenstandsnahen Abbildung des Materials ohne Verzerrung durch Vorannahmen des Forscher strebt (vgl. ebd., S. 74 f.). Weiterer Vorteil der zusammenfassenden Inhaltsanalyse ist die Möglichkeit, große Materialmengen, wie solch eine vorliegende Interviewtranskription, zu bearbeiten und für die Fragestellung wesentliche Inhalte daraus herauszufiltern. Die explizierende Inhaltsanalyse hingegen versucht uneindeutige und widersprüchliche Textstellen durch Hinzuziehung von Kontextmaterial zu erklären (vgl. ebd., S. 77), was für die Beantwortung der Fragestellung als erster Analysevorgang weniger geeignet erscheint.

Nachdem somit die Festlegung der Analysetechnik erfolgte, soll nachfolgend der Ablauf der zusammenfassenden Inhaltsanalyse am vorliegenden Interview dargestellt werden und so gezeigt werden wie das Kategoriensystem als Auswertungsgrundlage entwickelt wurde und welche Kategorien und Unterkategorien es umfasst.

3. Entwicklung des Kategoriensystems

Das allgemeine Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring beinhaltet insgesamt elf Schritte, die bei der Auswertung des Interviews nacheinander vollzogen wurden (zu den einzelnen Schritten siehe Mayring, 2008, S. 46-63).

Zunächst wird in den ersten beiden Schritten das Material, das der Analyse zugrunde liegt festgelegt und dessen Entstehungssituation analysiert: die Analyse erfolgt hier anhand des Interviews eines männlichen Schulleiters einer Berliner Gesamtschule. Dieses wurde im Rahmen eines Projekts zur Auswirkung von Lernstandserhebungen auf die Arbeit von Lehrern und die Organisation von Schulen erhoben. Anwesend bei der Erhebung waren der Interviewer, der interviewte Schulleiter und zeitweise eine weitere Lehrkraft. Genaueres zur Entstehungssituation, und den Bedingungen beziehungsweise Handlungshintergründen, unter denen es entstanden ist, ist leider nicht bekannt.

Zum dritten Schritt, der formalen Charakterisierung des Materials bleibt lediglich festzuhalten, dass das Interview in transkribierter Form vorliegt. Wie es erhoben und aufbereitet wurde, ist leider ebenso nicht bekannt.

Als Richtung der Analyse wird im vierten Schritt festgelegt, dass anhand des Materials die eingangs vorgestellte Fragestellung untersucht werden soll, wie die Lehrkräfte mit den statistischen Informationen aus den Lernstandserhebungen umgehen. Im Rahmen der Auswertung soll anhand der Aussagen des Interviewten also etwas über das Verhalten und die Eindrücke der Lehrenden zu diesem spezifischen Instrument herausgefunden werden. Die im fünften Schritt vorzunehmende theoretische Differenzierung der Fragestellung wird hier nicht genauer vorgenommen, da keine weiteren theoretischen Vorkenntnisse vorliegen und die Fragestellung in bereits sehr spezifischer Form für die Auswertung vorgegeben wurde.

Der folgende Schritt der Festlegung der Analysetechnik und des konkreten Ablaufmodells ist bereits im vorangegangen Abschnitt erfolgt. Dort ist nachzulesen, wieso sich für die Form der zusammenfassenden Inhaltsanalyse entschieden wurde. Dementsprechend wird das Ablaufmodell der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring mit den dazu gehörenden Analyseschritten und –regeln verwendet.

Im siebten Schritt werden die Analyseeinheiten festgelegt: als Auswertungseinheit wird jede Aussage des Interviewten im Laufe des Interviews festgelegt. Diese werden in ihrer zeitlichen Abfolge nacheinander bearbeitet. Im Programm MAXQDA sind diese als einzelne durchnummerierte Absätze dargestellt. Sobald innerhalb einer solchen Auswertungseinheit eine Aussage des Interviewten zu Lernstandserhebungen beziehungsweise Tests erfolgt, kann diese kodiert werden. Die entsprechenden Sätze beziehungsweise Teilsätze stellen somit die Kodiereinheiten, also die kleinsten Materialbestandteile, die unter eine Kategorie fallen können, dar. Die Kontexteinheit, der größte Materialbestandteil unter einer Kategorie, ist all das Material, was zu den Lernstandserhebungen im Interview vorliegt.

Im nachfolgenden achten Schritt wird nun das Material mithilfe der zusammenfassenden Inhaltsanalyse analysiert. Dafür wird das dafür vorgesehene Ablaufmodell verwendet (Anhang A). Hier unterscheidet sich die Analyse am stärksten von anderen Formen der qualitativen Inhaltsanalyse. In der zusammenfassenden Inhaltsanalyse soll das Material so reduziert werden, dass die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben, die Datensammlung aber überschaubar wird. Die Zusammenfassung stellt damit noch ein Abbild der Grundgesamtheit dar. Bei dieser Form der Inhaltsanalyse wird bei der Zusammenfassung ein induktives Kategoriensystem entwickelt. Das Vorgehen kombiniert eine Reduktion des Materials durch Streichung mit einer Generalisierung des Materials durch die Zusammenfassung auf einem höheren Abstraktionsniveau. Die jeweilige Abstraktionsebene, auf die das Material transformiert werden soll, ist dabei genau festgelegt.

In einem ersten Schritt wird das Material paraphrasiert, wobei nach den Interpretationsregeln der zusammenfassenden Inhaltsanalyse (Anhang A) weniger relevante Passagen, nicht inhaltstragende Textteile und wiederholende oder verdeutlichende Elemente gestrichen werden. Es werden grammatikalische Kurzformen gebildet und die Textstellen werden auf eine einheitliche Sprachebene überführt. Im Programm MAXQDA wurde hierfür zunächst das Ausgangsmaterial, unterteilt in die einzelnen Auswertungseinheiten, also das Interview des Schulleiters unterteilt in durchnummerierte Absätze, die sich Interviewtem und Interviewer zuordnen lassen, als Dokument eingefügt. In einem weiteren Dokument wurde die Paraphrasierung vorgenommen. Diese erfolgte mit der gleichen Struktur und chronologisch anhand der Auswertungseinheiten. Am Ende steht dem Dokument mit dem Ausgangsmaterial so ein Dokument mit gleicher Struktur gegenüber, indem die Auswertungseinheiten jeweils in paraphrasierter Form vorliegen. Zunächst wurden hierfür auch die Aussagen des Interviewers paraphrasiert. Durch die Kurzform der Aussagen und Streichungen nicht inhaltstragender oder wiederholender Wendungen konnte das Material von 6778 Wörtern im Ausgangsmaterial auf 1864 Wörter gekürzt werden. Nach der Paraphrasierung beträgt der Umfang des Materials also noch ungefähr ein Drittel des Ausgangsmaterials.

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Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656423034
ISBN (Buch)
9783656423485
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213742
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Inhaltsanalyse Interviewauswertung MAXQDA Lernstandserhebungen

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