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International Standard Classification of Occupations (ISCO) & International Socio-Economic Index of Occupational Status (ISEI)

Überblick und Übergang zu den 2008er Versionen

Hausarbeit 2013 30 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. International Standard Classification of Occupations (ISCO)
2.1 Entwicklung und Verbreitung
2.2 Konzeption und Aufbau
2.3 Hinweise zum Codierungsprozess

3. International Socio-Economic Index of Occupational Status (ISEI)
3.1 Messungen des beruflichen Status
3.2 Konzeption und Entwicklung des ISEI
3.3 Validität des ISEI

4. Veränderungen von ISCO-88 zu ISCO-08
4.1 Veränderungen bezüglich Gruppenanzahl, Gruppenzuordnung und Skill Level
4.2 Auflösung der parallelen Gruppen in Major Group 2000 und 3000
4.3 Änderungen bezüglich spezifischer Berufsgruppen
4.4 Recodierung von ISCO-88 zu ISCO-08

5. Veränderungen von ISEI-88 zu ISEI-08

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Literatur

Anhang 1: Übersicht zu den Berufshauptgruppen, zugeordneten Skill Level und Anzahl der Untergruppen

1. Einleitung

Das OECD Programme for International Student Assessment (PISA) war die erste große internationale Bildungserhebung, die Charakteristiken des Familienhintergrundes detailliert erhob und diesen mit den Leistungsergebnissen der Schülerinnen und Schüler verband. In allen teilnehmenden OECD-Ländern wurden positive Zusammenhänge zwischen dem sozialen Hintergrund und den Leistungen der 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und den Naturissenschaften festgestellt. Für Deutschland stellte sich dieser Zusammenhang als besonders stark dar (vgl. OECD 2001, 2004 zitiert nach Kreuter, Eckman, Maaz & Waterman, 2010, S. 127).

Bildungspolitisch interessieren die sozialen Unterschiede zwischen den Herkunftsfamilien und deren Umsetzung im Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler auch hinsichtlich der Frage der Chancengerechtigkeit von Bildungssystemen. Die Familien unterscheiden sich systematisch in den vorhandenen Ressourcen für ein lernförderliches Umfeld und stellen damit unterschiedliche soziale Entwicklungsmilieus dar, die zu Ungleichheiten im Erwerb von Kompetenzen und in der Bildungsbeteiligung führen Diese Ressourcen werden wesentlich durch den sozioökonomischen Status der Eltern bestimmt, der die verfügbaren ökonomischen Mittel für die Ausgestaltung des familiären Entwicklungsraumes bestimmt. In empirischen Studien hat sich gezeigt, dass ein hoher sozioökonomischer Status der Eltern mit einer positiven Kompetenzentwicklung der Kinder einhergeht (vgl. Ehmke & Siegle, 2005, S. 523ff.).

Zur Bestimmung der sozioökonomischen Stellung der Eltern werden dabei in der aktuellen Schulleistungsforschung, in der sich mittlerweile alle großen Studien den genannten Themen widmen, vor allem Angaben zur Berufstätigkeit der Eltern herangezogen, die dafür entsprechend bestimmter internationaler Vorgaben kodiert werden müssen. Das für solche Kodierungen am weitesten verbreitete System stellt die International Standard Classification of Occupations (ISCO) dar. Meist wird die Berufstätigkeit der Eltern dafür über zwei offene Fragen erfasst: der Frage, nach dem Beruf, den die Eltern zurzeit ausüben oder bei Nichterwerbstätigkeit zuletzt ausübten und der Frage nach der konkreten Tätigkeit in diesem Beruf. Die Angaben werden entweder über Informationen der Schülerinnen und Schüler über ihre Eltern erfasst (so genannte Proxy-Angaben) oder über einen Elternfragebogen direkt von diesen. Die differenzierte, zweischrittige Erfassung der Berufsangaben ist notwendig, um der

beruflichen Tätigkeit einen ISCO-Berufscode zuzuordnen (vgl. Maaz, Kreuter & Watermann, 2006, S. 42; Maaz, Trautwein, Gresch, Lüdtke & Watermann, 2009, S. 281f.).

Werden diese ISCO-Werte in einem weiteren Schritt in entsprechende Berufsrangskalen umgewandelt, dienen sie zur Beschreibung der Stellung der Eltern in der sozialen Hierarchie, also zur Bestimmung des sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilien. Eine häufig verwendete Rangskala zur Betrachtung der sozioökonomischen Stellung ist der International Socio-Economic Index of Occupational Status (ISEI).

Zwar existieren neben der ISCO und dem ISEI auch weitere Klassifikationssysteme und Berufsrangskalen, jedoch handelt es sich bei den beiden genannten, aufgrund ihrer internationalen Anwendungsmöglichkeit, um die in der aktuellen Bildungsforschung am weitesten verbreiteten. Daher sollen es Ziele dieser Arbeit sein, zum einen einen theoretischen Überblick über die ISCO und den ISEI zu geben, aber auch eine anwendungsorientierte Vorstellung der aktuellsten Version beider und des Übergangs von der jeweiligen Vorgängerversion zu liefern. Damit soll eine theoretische und praktische Grundlage für die Verwendung der Systeme in der Forschungsarbeit gegeben werden.

Hierfür wird zunächst die ISCO genauer vorgestellt und Informationen zu deren Entwicklung und Verbreitung, dem zugrunde liegenden Konzept sowie dem Aufbau des Klassifikationssystems geliefert. Daneben werden Hinweise zum Codierungsprozess gegeben. Anschließend folgt die Vorstellung des ISEI, bei der zunächst eine kurze allgemeine Einführung zu Messungen des beruflichen Status gegeben wird, bevor genauer auf das Konzept und die Entwicklung des ISEI sowie auf dessen Validität eingegangen wird. Im zweiten, etwas anwendungsorientierteren Teil der Arbeit, stehen Veränderungen von den Vorgängerversionen zu den aktuellen Versionen der ISCO und des ISEI im Fokus. Dabei wird zunächst auf Veränderungen von ISCO-88 zu ISCO-08 und anschließend auf Veränderungen von ISEI-88 zu ISEi-08 eingegangen.

2. International Standard Classification of Occupations (ISCO)

Im folgenden Abschnitt soll die International Standard Classification of Occupations (ISCO) genauer vorgestellt werden. Hierzu wird zunächst auf die Entwicklung und Verbreitung dieser Berufsklassifikation eingegangen, bevor Informationen zu Konzept und Aufbau der aktuellen Version sowie nützliche Hinweise zum Codierprozess gegeben werden.

2.1 Entwicklung und Verbreitung

Im Jahre 1919 wurde die International Labour Organisation (ILO) als eine spezialisierte Behörde der Vereinten Nationen gegründet. Eine ihrer Aufgaben besteht darin, internationale Standards und Anleitungen zu entwickeln, die den Ländern helfen sollen, deren Arbeitsadministration und die Qualität ihrer Arbeitsstatistiken sowie die internationale Vergleichbarkeit solcher statistischen Daten zu verbessern (vgl. Hoffmann & Scott, 1993, S. 3). Unter der Schirmherrschaft der ILO findet in regelmäßigen Abständen die International Conference of Labour Statisticians (ICLS) statt. Bereits auf der ersten ICLS im Jahre 1921 wurde der Bedarf an einer internationalen und standardisierten Klassifikation von Berufen thematisiert. Die Arbeit an solch einer Berufsklassifizierung wurde jedoch erst 1947 aufgenommen. Die erste Version der International Standard Classification of Occupations wurde schließlich 1958 als ISCO-58 veröffentlicht und beinhaltete Beschreibungen zu 1345 Berufskategorien. ISCO-58 führte eine Klassifikationsstruktur mit Berufshauptgruppen, Berufsuntergruppen und Berufsgattungen ein. Eine überarbeitete Version wurde 1968 als ISCO-68 veröffentlicht und enthielt eine erhöhte Anzahl von 1506 Berufsbeschreibungen und eine überarbeitete Struktur. Gut 20 Jahre später wurde auf der 14. ICLS die zweite überarbeitete Version verabschiedet und als ISCO-88 veröffentlicht. Verglichen mit den Vorgängern sind dabei als Hauptänderungen dieser Version die expliziteren zugrunde liegenden Prinzipien und Konzepte, die Einführung von Skill Level und Skill Specialisation als Gleichheitskriterium für die Bildung von Aggregatgruppen, worauf im nachfolgenden Abschnitt genauer eingegangen wird sowie die geringere Anzahl an detaillierten Berufskategorien zu nennen (vgl. ebd.; Hoffmann, 1999, S. 1 f.; Embury, 1997, S.5; International Labour Office, 2012, S. 5). Weitere 20 Jahre später ließen die fortschreitende Globalisierung der Arbeitsmärkte und die weitere Aufgliederung der Arbeit den Ruf nach aktuelleren und valideren international vergleichbaren Berufsdaten laut werden. Daneben sollten bei der Anwendung von ISCO-88 auftretende Probleme überwunden werden. Die ILO und die ICLS beschlossen daraufhin eine weitere überarbeitete Version der ISCO zu entwickeln, dabei die Hauptstruktur und basalen Prinzipien von ISCO-88 beizubehalten, aber signifikante Modifikationen resultierend aus den Erfahrungsberichten der verschiedenen Anwenderländer und den neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt vorzunehmen. Die finale Form dieser aktuellen Version wurde am 06. Dezember 2007 verabschiedet und wird als ISCO-08 bezeichnet. Sie wurde anhand eines großen Datensatzes des International Social Survey Programme (ISSP) mit Daten aus 45 Ländern und von fast 200 000 Befragten aus den Jahren 2002 bis 2007 durch direktes Recodieren der ISCO-88 Codes zu den passendsten ISCO-08 Codes erstellt.

ISCO-08 zielt wie seine Vorgänger darauf ab, eine zeitgemäße und relevante Basis für internationale Berichte, Vergleiche und den Austausch statistischer und administrativer Informationen zu Berufen zu liefern und so die internationale Vergleichbarkeit von Berufsstatistiken zu unterstützen. In diesem Sinne soll sie auch als Modell für Länder dienen, die eine eigene nationale oder regionale Berufsklassifizierung entwickeln oder ihre bestehende überarbeiten wollen und als nutzbares System für die Länder, in denen kein eigenes System vorhanden ist (vgl. International Labour Office, 2012, S. 3). Letzteres ist nicht der optimale und war in einigen Ländern auch kein gründlich evaluierter Weg, ISCO-08 für eigene Zwecke zu übernehmen, jedoch können in vielen Ländern mangels Ressourcen keine eigenen Klassifikationssysteme entwickelt werden (vgl. ebd., S. 49).

Berufsklassifikationen werden für gewöhnlich entworfen, um verschiedenen Professionen für unterschiedliche Zwecke zu dienen. Die detaillierten Berufsbeschreibungen solcher Klassifikationssysteme werden von Personen genutzt, die über die Tätigkeiten, Pflichten und Arbeitsbedingungen in Berufen informiert sein müssen, hauptsächlich also von klientenorientierten Nutzern, wie denjenigen, die für die Besetzung von Arbeitsstellen verantwortlich sind. Die Klassifikationsstruktur beziehungsweise die Gruppierung von Berufen in aggregierte Gruppen dient dazu, das Sortieren von Berufen und Personen in Gruppe zu ermöglichen, etwa für statistische Beschreibungen und Analysen des Arbeitsmarktes und der Sozialstruktur eines Landes. Die ISCO dient daneben dem internationalen Austausch zu Berufen und Berufsgruppen und muss daher, neben der Berücksichtigung der verschiedenen Zwecke auf nationalem Gebiet, auch den speziellen Anforderungen für die internationalen Betrachtungen gerecht werden. So soll die ISCO statistische Vergleiche der arbeitenden Bevölkerung verschiedener Länder ermöglichen oder auch den Vergleich spezifischer Berufe zwischen Ländern. Die hauptsächliche klientenorientierte Anwendung der internationalen Klassifizierung liegt dabei in der internationalen Rekrutierung von Arbeitern (vgl. Hoffmann, 1999, S. 4 f., Hoffmann & Scott, 1993, S. 3 f.; Embury, 1997, S. 2 f.).

Eine Vielzahl von Ländern verwendete bereits ISCO-68 als Modell für die Entwicklung von Berufsklassifikationen, der Nachfolger ISCO-88 fand jedoch noch eine wesentlich weitere Verbreitung. Somit kann die Berufsklassifikation nach der ISCO mittlerweile als Standard für die internationale Forschung bezeichnet werden. Große internationale Forschungsprojekte wie das International Social Survey Programme (ISSP), das Programme for International Student Assessment (PISA) oder die European Social Survey (ESS) haben die ISCO als ihre bevorzugte Berufsklassifikation gewählt (vgl. Hoffmann, 1998, S. 3).

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Details

Seiten
30
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656423072
ISBN (Buch)
9783656423560
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213714
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
ISCO ISEI Berufscodierung Sozioökonomischer Status Berufsklassifizierung

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Titel: International Standard Classification of Occupations (ISCO) & International Socio-Economic Index of Occupational Status (ISEI)