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Soziale Probleme - Strukturen, Karrieren und Problemlagen

Seminararbeit 2000 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Deckblatt

1) Einleitung

2) Hauptteil
2.1 Allgemeines zum Begriff „soziales Problem“
2.1.1 Herleitung des Begriffs
2.1.2 Aktueller Sprachgebrauch
2.2 Entstehung eines sozialen Problems / Problemkonstitution
2.2.1 Zur Konstitution neuartiger sozialer Probleme
2.2.2 Zur Konstitution institutionalisierter sozialer Probleme
2.3 Die Problemkerne
2.4 Beispiele (& Schluß)

Anlage: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit soll die Ausformulierung des bereits von mir im Seminar gehaltenen Referates des Textes „Am Rande leben – abweichen – arm sein“ von Nikolaus Sidler sein.

Darüber hinaus werde ich weitere Literatur heranziehen, um dessen Aussagen zu unterlegen, sowie ein eigenes Beispiel zur Verdeutlichung und erweiternden Darstellung einbeziehen.

Ausgehend stellt sich mir sowie auch den Autoren der herangezogenen Literatur die Frage nach dem, was ein soziales Problem denn überhaupt ist. Beinahe täglich befassen sich Sozialarbeiter und Sozialpädagogen mit Problemen von Menschen oder sogenannten sozialen Problemen, aber was genau machen diese aus?

In diesem Zusammenhang werde ich versuchen über verschieden Ansätze dieser Frage nachzugehen und sie beantworten, bevor ich mich dann einer wichtigeren Frage zuwende: Wie entsteht ein soziales Problem? Dabei untersuche ich die Instanzen der Problemdefinition sowie den Prozeß der Problemkonstitution an sich.

Die dann anhand der Literatur erarbeiteten Ergebnisse werde ich durch ein Beispiel ergänzen und abschließend auf einen Punkt bringen.

2. Hauptteil

2.1 Allgemeines zum Begriff „soziales Problem“

2.1.1 Herleitung des Begriffs

Der Begriff des „Problems“ in unserer heutigen Bedeutung, also im Sinne einer Aufgabe, deren Lösungswege ganz oder teilweise unbekannt sind, kommt aus dem Lateinischen und Griechischen und taucht in Deutschland erstmals im 16. Jahrhundert auf.[1]

Der Begriff „sozial“ taucht in deutscher Literatur erst bedeutend später auf und erlangt seine öffentliche Akzeptanz mit der 68’er – Bewegung und ist seit den 70’ern in Deutschland verbreitet.[2] Die Bedeutung des Begriffs, sowie die Kombination mit dem „Problem“ ist , denke ich, logisch.

Einem sozialen Problem liegt die Diskrepanz zwischen sozialen Standards und faktischen Abläufen zugrunde.[3] „Sozial ist das Problem dadurch, das es sich auf gesellschaftliche Verhältnisse bezieht. Vorgänge in der Natur stellen in diesem Sinne keine sozialen Probleme dar, wohl können die Auswirkungen solcher Vorgänge – etwa Naturkatastrophen – Verhältnisse herbeiführen, die von den Menschen einer Gesellschaft als soziale Probleme empfunden werden. Bei den (oben angesprochenen) sozialen Standards handelt es sich einmal um bestimmte Wertvorstellungen, denen zufolge ein Zustand als wünschenswert oder als störend angesehen wird, zum anderen um eher „technische“ Standards, welche Urteile darüber zulassen, ob Erscheinungen den reibungslosen Ablauf des gesellschaftlichen Geschehens garantieren oder gefährden.[4]

Jürgen Nowak spricht in seinem Buch „Soziale Probleme und soziale Bewegungen“ diesbezüglich von „in der Gesellschaft auftretende soziale Probleme wie u.a. Gewalt, Verbrechen, Drogen, Arbeitslosigkeit, Armut und andere soziale Benachteiligungen bei Frauen, Ausländern, Alten, Kindern und Jugendlichen.[5]

Weitere Definitionsversuche werden an späterer Stelle aufgezeigt.

Seit Anfang der 70’er Jahre gewinnt der Ausdruck des sozialen Problems immer mehr an Bedeutung und wird zum häufig benutztem Fach- und Schlagwort unter praxisorientierten Sozialwissenschaftlern.[6]

2.1.2 Aktueller Sprachgebrauch

„Der Begriff „soziales Problem“ gehört seit Mitte der 70er Jahre praktisch zum Standard - Instrumentarium soziologischer Arbeit.“[7]

Unter anderem ist der Begriff in der „scientific community“ der Soziologen, bei der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“, sowie neueren Fachlexika zur Soziologie zu finden. Des weiteren ist er in der Fachsprache der sozialen Arbeit weit verbreitet: Blum hatte ihn in seiner Schrift zur Sozialarbeitstheorie 1964 eingedeutscht; Bäuerle sagte, daß Sozialarbeiter Experten zur Lösung sozialer Probleme seien und ebenfalls ist der Begriff in fast allen neueren Wörter- und Handbüchern zur sozialen Arbeit erschienen.[8]

Darüber hinaus wurde der Begriff in die gehobene Alltagssprache übernommen, was jedoch nur in der Sprache des Journalismus und der Politik zum Ausdruck kommt.[9]

„Fragt man, was mit dem Begriff in seiner breiten Verwendung konkret gemeint ist, so findet man bei Bellebaum (1977: 284) eine zwar befremdliche, aber trotzdem sehr informative Antwort:

²Stellt man auf jene Verhältnisse ab, die als soziale Probleme bezeichnet werden, dann ergibt sich ein verwirrendes Bild. Hingewiesen wird beispielsweise auf: Kriminalität, Alkoholismus, Drogenkonsum, Pornographie, Ehescheidung, Abtreibung, Prostitution, Homosexualität, Ungleichheit, Altern, Sterben, Freizeit, Arbeitslosigkeit, psychische Krankheit, unvollständige Familie, Frauenerwerbsarbeit, Umweltbelastung, Einkommensunterschiede, fehlende Mitbestimmung, Numerus clausus, Lärm, wirtschaftliche Rezession, Obdachlosigkeit, Heimerziehung, Gastarbeiter, Armut, Chancenungleichheit, Sinngebungsdefizite usw.²

Diese Liste ließe sich, wie das „usw.“ zeigt, ohne viel Phantasie beträchtlich verlängern.“[10]

Betrachtet man die hier aufgelisteten Tatbestände nach ihrem Inhalt so, als daß man sie danach unter dem Oberbegriff des sozialen Problems zusammenfassen wollte, so erkennt man keinerlei Gemeinsamkeiten, nach denen eine solche Zusammenfassung plausibel erscheinen würde. Daraus folgt: „Unterschiedliche Menschen werden also ganz unterschiedliche Listen „sozialer Probleme“ zusammenstellen.“[11]

Im weiteren bezieht sich Sidler auf Albrecht, welcher 1981 sagte, daß es die „Aufgabe einer Soziologie „sozialer Probleme“ (...)“ sei, „²exakt zu untersuchen, wodurch und wie aus einer unendlich groß scheinenden Vielfalt von problematischen und problematisierbaren sozialen Bedingungen durch soziales Handeln – intentionales und nicht-intentionales – von Individuen und Gruppen bestimmten Bedingungen und Erscheinungen die Bedeutung eines ¢sozialen Problems¢ zugeschrieben wird, wie also ein soziales Problem ¢konstituiert¢ wird.²

(...) Damit läßt sich sagen: (...) Der sozialwissenschaftliche Begriff des „sozialen Problems“ bezeichnet Situationen in der Gesellschaft (...), die von meinungsbildenden Teilen der Gesellschaft gesellschaftlich verbindlich als negativ definiert sind, derart, daß gesellschaftlich bzw. politisch korrigierende Veränderungen gefordert bzw. in die Wege geleitet werden.“[12]

Nun entsteht also die Frage wie ein solches soziales Problem entsteht.

2.2 Entstehung eines sozialen Problems / Problemkonstitution

In seinen Ausführungen unterteil Sidler diesen Prozeß zunächst grundlegend in „zwei Themen allgemeiner Aussagen“[13], um die Abläufe differenzierter beschreiben und erklären zu können. Zum einen nennt er hier die „Problemkerne“, welche die objektiven Anlässe der Gesellschaft oder die Ausgangssituationen darstellen, und zum anderen den Prozeß der „Problemkonstitution“ an sich, wo die Agenten das Problem als solches definieren und eine entsprechende Reaktion veranlassen. Dabei legt er besonderen Wert darauf, daß diese beiden Themen keineswegs getrennt voneinander zu verstehen sind, sondern vielmehr als „untrennbares Ganze“.[14]

Um den gesamten Prozeß der Problemkonstitution möglichst vollständig und komplex darstellen zu können unterteilt Sidler weiterhin in zwei Arten sozialer Probleme: er unterscheidet „neuartige“, zum ersten Mal und somit überraschend auftretende, von alt bekannten und schon häufig aufgetretenen, wie er sie nennt „institutionalisierten“ sozialen Problemen.[15]

Da, so Sidler, jedes institutionalisierte soziale Problem (logischerweise) auch einmal ein Neuartiges war, „ist es deswegen sinnvoll, bei der Beschreibung des Konstitutionsprozesses neuartiger sozialer Probleme zu beginnen. (...) Im Anschluß daran soll gezeigt werden, was sich für die Konstitution institutionalisierter sozialer Probleme an Besonderheiten ergibt.“[16]

[...]


[1] vgl. Sidler, 1989, S. 13

[2] vgl. Sidler, 1989, S. 13

[3] vgl. Bellebaum/Braun, 1974, S. 1

[4] Bellebaum/Braun, 1974, S. 1

[5] Nowak, 1988, S. 11

[6] vgl. Sidler, 1989, S. 15

[7] Sidler, 1989, S. 16

[8] vgl. Sidler, 1989, S. 16-17

[9] vgl. Sidler, 1989, S. 17

[10] Sidler, 1989, S. 18

[11] Sidler, 1989, S. 18

[12] Sidler, 1989, S. 21

[13] Sidler, 1989, S. 22

[14] vgl. Sidler, 1989, S. 22

[15] vgl. Sidler, 1989, S. 23

[16] Sidler, 1989, S. 22

Details

Seiten
19
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638113083
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2137
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Fakultät für Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Soziale Probleme Karrieren Problemlagen

Autor

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