Lade Inhalt...

Soft Power. Musik im Dienst der Außenpolitik am Beispiel der USA

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Außenpolitik
2.1.1 Hard Power
2.1.2 Soft Power

3 Beispiele für den Einsatz von Musik in der Soft Power der USA
3.1 Die Verbreitung westlicher Musik während des Kalten Kriegs
3.2 Bureau of Educational and Cultural Affairs (ECA) – American Music Abroad
3.3 Song: God Bless the USA

4 Fazit

Literaturverzeichnis

S oft Power – Musik im Dienst der Außenpolitik a m Beispiel der USA

1 Einleitung

Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kann man mit Kultur Politik machen“. Theodor Heuss

Diese Worte sprach Theodor Heuss zwar in Bezug auf die Weimarer Republik aus, doch könnte seine Vermutung auch aus den Rängen der US-amerikanischen Regierung stammen. Wie genau die USA versucht(e) mit Kultur Politik zu machen, soll in dieser Arbeit veranschaulicht werden. Dabei steht Musik als Teil der amerikanischen Kultur im Mittelpunkt der Untersuchung. Nach Klärung einiger entscheidender Begriffe soll anhand konkreter Beispiele aufgedeckt werden, wie amerikanische Musik als Soft Power-Instrument eingesetzt werden kann und was für eine Rolle diese Musik in der Außenpolitik der USA spielt und bereits gespielt hat.

2 Definitionen

2.1 Außenpolitik

Laut Duden ist Außenpolitik „[der] Teil der Politik eines Staates, der sich mit der Regelung auswärtiger Angelegenheiten befasst“ (Duden online 2012). Im Mittelpunkt stehen nach Udo M. Metzinger internationale Beziehungen, also die Beziehungen zwischen Staaten bzw. deren Regierungen (vgl. Metzinger 2008, S. 17f). Gemeinsames Ziel dieser Staaten ist die Errichtung eines funktionierenden Systems, das Sicherheit, Wohlfahrt und Herrschaft beinhaltet (vgl. Czempiel zit. nach Metzinger 2008, S. 18). Macht kann dabei als „regulierende Größe zur Durchsetzung bestimmter Werte und Ordnungsvorstellungen“ gesehen werden (Metzinger 2008, S. 18). Großmächte haben aufgrund ihrer größeren Machtpotenziale eine strukturbestimmende Funktion (vgl. Waltz 1979, S. 97ff). Der hier verwendete Machtbegriff muss allerdings noch präzisiert werden. So kann Macht in zwei Gruppen unterteilt werden, die im Folgenden näher erläutert werden. Zum einen handelt es sich um die sogenannte harte Macht (Hard Power), zum anderen um weiche Macht (Soft Power), die im Zentrum dieser Arbeit steht (vgl. Voss-Wittig 2006, S. 34f).

2.1.1 Hard Power

Als Hard Power werden die traditionellen Formen von Macht, d. h. militärische oder wirtschaftliche Macht bezeichnet, mit denen auf direkte Weise Macht ausgeübt werden kann (vgl. Voss-Wittig 2006, S. 34f).

2.1.2 Soft Power

Soft Power ist ein vom amerikanischen Politikwissenschaftler Joseph S. Nye geprägter Begriff. Sie kann – im Sinne eines Vorbilds – einen Staat dazu befähigen andere Staaten so zu beeinflussen, dass diese ihre Präferenzen angleichen (vgl. Nye 2004, S. 5). Ausschlaggebend ist hierbei die Attraktivität eines Staates, die vor allem durch dessen Werte und Kultur vermittelt wird (vgl. ebd.).

Im Gegensatz zur Hard Power stellt Soft Power eher eine indirekte Machtausübung dar, die auf vielfältige Weise vollzogen werden kann (vgl. Metzinger 2008, S. 19). Huberta Voss-Wittig unterscheidet zwischen aktivem und passivem Instrumentarium der Soft Power. Zu ersterem gehört beispielsweise „ein am Dialog orientierter Einsatz der Diplomatie“ bzw. „das Werben für die eigenen Werte und politischen Strukturen[1] “ (Voss-Wittig 2006, S. 35). Zu den eher passiven Instrumenten zählt sie „die Strahlkraft politischer, wirtschaftlicher, kultureller, mitunter auch sportlicher Leistungen sowie generell die Vorbildhaftigkeit des eigenen Handelns, die anderen Ländern im Idealfall Orientierung bieten und zum Maßstab gereichen kann“ (ebd.). Soft Power wird also nicht immer gezielt und direkt eingesetzt, sondern kann durch das bloße Vorhandensein solcher Leistungen entstehen. Beispiele aktiver und passiver Instrumente der Soft Power aus dem kulturellen Bereich mit dem Schwerpunkt Musik enthält das dritte Kapitel dieser Arbeit.

Gemeinsames Ziel aller Soft Power-Instrumente ist der Aufbau und die Vermittlung eines positiven Images des eigenen Staates (vgl. Elter 2008, S. 1). Vergleichbar mit der Public Relations-Abteilung eines Wirtschaftsunternehmens kann ein Staat mit Hilfe seiner Soft Power außerdem das Vertrauen und Verständnis seiner Zielgruppen gewinnen (vgl. Esch et al. 2011). In diesem Zusammenhang wird auch zunehmend von „Nation Branding“ gesprochen (Teslik 2007).

Welche musikbezogenen Soft Power-Instrumente werden nun aktiv oder passiv in den USA sichtbar? Wie werden sie eingesetzt? Sind Auswirkungen festzustellen und wenn ja, wie gestalten sich diese?

Auf diese Fragen sollen anhand der folgenden Beispiele Antworten gefunden werden.

3 Beispiele für den Einsatz von Musik in der Soft Power der USA

Soft Power in den USA stellt laut Andreas Elter einen wesentlichen Bestandteil der US-amerikanischen Auswärtigen Kulturpolitik dar. Neben staatlichen Akteuren wie dem Außenministerium (Department of State), der dazugehörigen United States Information Agency ( USIA ), dem Weißen Haus und in Teilen der CIA (Central Intelligence Agency), sind insbesondere in den USA auch nichtstaatliche Akteure beteiligt, die die Inhalte der Soft Power senden bzw. empfangen. Hervorgehoben werden soll dies zum einen aufgrund der Tatsache, dass in den USA Kultur ursprünglich nicht als staatliche Aufgabe vorgesehen war und deshalb semistaatliche Organisationen und private Stiftungen eine große Rolle spielen. Zum anderen produziert die USA einen Großteil der weltweit konsumierten Massen- bzw. Populärkultur, welche das Image der USA maßgeblich bestimmt. Beeinflusst wird es hierbei vor allem durch die Musikindustrie und die US-amerikanische Filmindustrie Hollywoods (vgl. Elter 2008, S. 1). Metzinger geht noch einen Schritt weiter und führt den Weltmachtstatus der USA zu einem erheblichen Teil auf den Soft Power-Faktor Kultur zurück (vgl. Metzinger 2008 S. 30).

3.1 Die Verbreitung westlicher Musik während des Kalten Kriegs

In der Geschichte der USA kam es immer wieder zum Einsatz „weicher“ Instrumente, wenn es darum ging, möglichst viele Meinungsanhänger zu gewinnen[2]. Besonders zu erwähnen ist jedoch die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg (vgl. Sirakov 2008, S. 257). So wurde Kultur während des Kalten Kriegs als eine Art heimliche Waffe der amerikanischen Regierung gegen den sowjetischen Feind angesehen (vgl. Schneider zit. nach Sirakov 2008, S. 257). Dies zeigte sich u. a. in von amerikanischer Seite organisierten und durch die CIA finanziell unterstützten kulturellen Austauschprogrammen (vgl. Wiener 1999, S. 25f zit. nach Sirakov 2008, S. 258).

Doch auch auf offizieller Seite tat sich einiges. 1953 initiierte Präsident Dwight D. Eisenhower die bereits erwähnte Public Diplomacy-Behörde United States Information Agency ( USIA ). Ihre Aufgaben bestanden aus der Erklärung und Akzeptanzförderung der US-Politik im Ausland mit Hilfe aufklärerischer und kultureller Aktivitäten (vgl. USIA 1999). USIA-Büros existierten in nahezu allen amerikanischen Botschaften bzw. Vertretungen. Nach dem Kalten Krieg und hoher Einsparungen wurde die USIA 1999 aufgelöst und in das amerikanische Außenministerium (Department of State) integriert (vgl. ebd.).

Zur USIA gehörte u. a. auch der staatliche Auslandssender VOA (Voice of America), der neben einigen anderen Radiosendern im Sinne einer neuen Art des Kalten Krieges, dem „war of ideas“, aktiv wurde. Diese Sender zogen mit speziell auf die Länder des Warschauer Pakts abgestimmten Formaten in den „Krieg“ (vgl. Sirakov 2008, S. 263). Bekannt wurde im Fall der VOA das oftmals als legendär bezeichnete Musikprogramm von Radiomoderator Willis Conover, das vor allem bei osteuropäischen Jugendlichen Anklang fand und inhaltlich frei von politischer Propaganda war (vgl. Hielscher 2008). Es bestand aus jeweils fünfundvierzig Minuten Jazz und Popmusik, denen eine viertelstündige Nachrichtensendung vorausging. Conover erklärte sich seine große Zuhörerschaft durch das Gefühl der Freiheit, das seine Hörer beim Rezipieren des Jazz verspürten (vgl. Richmond 2003, S. 207). Dem ist die Neuartigkeit der Musik für die Ohren der sowjetischen Bevölkerung hinzuzufügen.

[...]


[1] auch „Public Diplomacy“ genannt (vgl. ebd.)

[2] Wie im Laufe der Arbeit deutlich werden wird, ist dies ist auch heute noch der Fall

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656421702
ISBN (Buch)
9783656422167
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213639
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Musikwissenschaft
Note
1,9
Schlagworte
soft power musik dienst außenpolitik beispiel

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Soft Power. Musik im Dienst der Außenpolitik am Beispiel der USA