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Lernchancen und -Risiken von Wiki-Systemen in der Erwachsenenbildung

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Rahmenbedingungen und Definitionen
2.1. Was ist „Lernen“?
2.2. Begriffsabgrenzung kollaboratives und kooperatives Lernen
2.3. Was sind „Lernchancen“ und „–Risiken“?
2.4. Wie unterscheidet sich Erwachsenenbildung gegenüber anderen pädagogischen Tätigkeitsfeldern?
2.5. Welche Unterschiede haben semantische Wikis gegenüber „klassischen“ Wikis?

3. Eruierung, Analyse und Bewertung von Lernchancen und -Risiken
3.1. Selbständiges Eigenstudium
3.1.1. Niederschrift
3.1.2. Redaktion
3.1.3. Konsum
3.2. Kooperatives Gruppenstudium
3.2.1. Niederschrift
3.2.2. Redaktion
3.2.3. Konsum
3.3. Kollaboratives Gruppenstudium
3.3.1. Niederschrift
3.3.2. Redaktion
3.3.3. Konsum
3.4. Vortragsstudium

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Ein flexibles System von Lerneinheiten, verbunden mit freier Zeiteinteilung und einer möglichst großen Wahlfreiheit – diese Ansprüche werden vom Europarat für alle Lernzeiten im Laufe des Lebens gestellt, sofern diese als ein Teil der Permanent Education verstanden werden sollen. Permanent Education beinhaltet neben diesen Ansprüchen an die Gestaltbarkeit von konkreten Lernsituationen aber auch, dass es sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene jederzeit möglich sein muss, eine (Aus-)Bildung fortzusetzen – unabhängig von Bildungsgrad und Ländergrenzen.“[1]

Katrin Kraus bezieht sich in diesem Ausschnitt auf eine Veröffentlichung des Europarates aus dem Jahre 1971 mit dem Titel „Permanent Education. Fundamentals for an Integrated Educational Policy“. Hieraus ist ersichtlich, dass das Thema des lebenslangen Lernens sowie deren Beschaffenheit bereits seit nunmehr 41 Jahren Bestandteil politischer Forderungen auf internationaler Ebene ist. Die Wichtigkeit dieses Postulats hat seither, aufgrund der Bildung der sog. Wissensgesellschaft innerhalb von westlichen Wirtschaftsräumen, um ein Vielfaches zugenommen. Als Konsequenz ist der Anspruch des Arbeitsmarktes an den einzelnen Arbeitnehmer hinsichtlich seiner jeweiligen Qualifizierungen permanent gestiegen. Im Wettbewerb um knapper werdende Arbeitsplätze müssen sowohl jetzige, wie auch zukünftige Berufstätige immer tiefer, immer konsequenter und immer breitbandiger aktives Lernen betreiben um sich den verändernden Arbeitsanforderungen anzupassen.[2] Speziell im pädagogischen Feld der Erwachsenenbildung gilt es, wie vom Europarat 1971 gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, welche Menschen unterstützen diese Anforderungen zu erfüllen. Während frühere Ansätze ihren Fokus auf die soziale Vernetzung und der Austausch von Menschen legten, ermöglicht uns heute die immer stärker vertretene Informationstechnologie einen integrativen Ansatz, das sog. „Second Generation Knowledge Management“, wobei die Bedürfnisse von Menschen mit der zur Verfügung stehenden Technologie in Einklang gebracht werden.[3] Den derzeitigen Entwicklungsstand rund um den Bereich Informationstechnologie stellen Anwendungen des Web 2.0, des sog. „Mitmach-Webs“, dar. Ein spezielles System ist dabei das Wiki. Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Eruierung, Analyse und Bewertung von Lernchancen und –Risiken innerhalb diesen Systems unter Berücksichtigung von verschiedenen Einsatzszenarien im pädagogischen Tätigkeitsfeld der Erwachsenenbildung leisten.

2. Rahmenbedingungen und Definitionen

2.1. Was ist „Lernen“?

„Eine weitgehend akzeptierte Definition von Lernen beschreibt Lernen als einen Prozess, der als Ergebnis von Erfahrungen relativ langfristige Änderungen im Verhaltenspotential erzeugt.“[4] Die Betrachtung dieser Definition in ihren elementaren Bausteinen verbessert deren Verständlichkeit. Zunächst handelt es sich bei Lernen um einen Prozess der Veränderung, deren Ergebnis ein abgewandeltes Verhaltenspotentials ist. D.h. das Lernen sich nicht ausschließlich auf die Veränderung von konkretem Verhalten bezieht, sondern auch auf die reine Abwandlung des Verhaltenskanons eines Individuums, das durch den nun erweiterten Erfahrungsschatz selbst die Entscheidung zu der Anwendung des Neuerlernten treffen kann. Berücksichtigung finden hierbei allerdings nur relativ langfristige Änderungen des Verhaltenspotentials, um kurzfristige Änderungen, wie z.B. durch Müdigkeit oder Drogeneinfluss, auszuschließen. Weiterhin basiert Lernen auf Erfahrungen des Lernsubjekts. Ergo werden Reifung und körperliches Wachstum, welche ebenso zu langfristigen Verhaltensänderungen führen können, von dieser Definition ausgenommen. Schlussendlich handelt es sich beim Lernen um einen andauernden Prozess, welcher selbst nicht beobachtet werden kann. Nur das veränderte bzw. angepasste Verhalten kann als Indikator eines abgeschlossenen bzw. anhaltenden Lernprozesses gedeutet werden.[5] Andere Definitionen von Lernen untermauern die oben wiedergegebene Variante. So definieren Krüger und Helsper Lernen wie folgt:

„Unter Lernen verstehen wir alle nicht direkt zu beobachtenden Vorgänge in einem Organismus, vor allem in seinem zentralen Nervensystem (Gehirn), die durch Erfahrung (aber nicht durch Reifung, Ermüdung, Drogen o.ä.) bedingt sind und eine relativ dauerhafte Veränderung bzw. Erweiterung des Verhaltensrepertoires zur Folge haben.“[6]

2.2. Begriffsabgrenzung kollaboratives und kooperatives Lernen

Gerade im deutschsprachigen Raum werden die Begriffe kollaborativ und kooperativ im Zusammenhang mit Lernen nahezu synonym verwendet. Da jedoch beide Arbeitsweisen unterschiedliche „Situationen, Interaktionen, Lernprozesse und Lerneffekte“[7] erzeugen, muss für diese Arbeit eine klare Trennung herrschen.

„Eine Situation ist dann kollaborativ , wenn Personen mehr oder weniger mit demselben Hintergrund gleiche Handlungen ausführen können, ein gemeinsames Ziel haben und zusammen arbeiten (Dillenbourg, 1999). Werden Teilaufgaben von einzelnen Gruppenteilnehmern gelöst und anschließend für die Aufgabenbewältigung in die Gruppe eingebracht, wird von einem kooperativen Lernprozess ausgegangen. Bei kollaborativem Lernen und Arbeiten erfolgt [also] keine Arbeitsteilung.“[8]

Nach Pierre Dillenbourg benötigen kollaborative Situationen einen sozialen Vertrag, welcher bestimmt, unter welchen Bedingungen gewisse Interaktionen zwischen den einzelnen Teilnehmern geschehen können, jedoch nicht müssen. Gerade diese Interaktionen werden im späteren Verlauf von Bedeutung sein. Nach Gabi Reinmann-Rothmeier und Heinz Mandl sind essenzielle Merkmale von kooperativen Lernprozessen Kommunikations-, Koordinations-, Grounding- (Schaffung einer sich ähnelnder Wissensbasis), Motivationale und Identitätsstiftende Prozesse.[9]

2.3. Was sind „Lernchancen“ und „–Risiken“?

Nachdem kein gemeinsamer Konsens über eine Definition der Begriffe „Lernchance“ und „Lernrisiko“ im Kanon der Fachliteratur zu finden ist, wird hier nun ein Versuch unternommen in sachdienlicher Art und Weise beide Begriffe zu konkretisieren.

Als „Lernchance“ definiere ich alle Umstände, welche Lernen als Ganzes fördern. Das bedeutet nicht nur, dass ein effektiveres Lernen stattfindet, sondern auch, dass zusätzliches Lernen stattfinden kann. Dies kann entweder explizit (dem Lernobjekt zugehörig) oder implizit (erlernen themenfremder Inhalte) geschehen. Das heißt, dass auch alle zusätzlichen Erfahrungen jedweder Art, welche innerhalb des Lernprozesses auftreten und vom Lernenden in seinen jeweiligen Erfahrungsschatz aufgenommen werden, bzw. diesen verändern, als Lernchance zu gelten haben.

[...]


[1] zit. n. Kraus, Katrin: Lebenslanges Lernen. Karriere einer Leitidee, Bielefeld, 2001, Seite 59.

[2] vgl. Metzig, Werner/ Schuster, Martin: Lernen zu lernen. Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen, Berlin/ Heidelberg/ New York, 2006, Seite 23.

[3] vgl. Hackermeier, Iris: Wiki im Wissensmanagement: Determinanten der Akzeptanz eines Web 2.0 Projektes innerhalb eines internationalen Zulieferers der Automobilbranche, München, 2012, Seite 7.

[4] zit. n. Kiesel, Andrea/ Koch, Iring: Lernen. Grundlagen der Lernpsychologie, Wiesbaden, 2012, Seite 11.

[5] vgl. ebd., Seite 11f.

[6] Krüger, Heinz-Hermann/ Helsper, Werner: Einführung in Grundbegriffe und Grundfragen der Erziehungswissenschaft, Hemsbach, 2002, Seite 97.

[7] Jadin, Tanja: Computerunterstützes kooperatives Lernen. Strukturierungsmaßnahmen und Lernstrategien, Saarbrücken, 2008, Seite 14.

[8] zit. n. Jadin 2008, Seite 14

[9] vgl. ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656422532
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213630
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Wiki Lernen Lernchancen Lernrisiken Erwachsenenbildung Pädagogik Erziehungswissenschaft

Autor

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