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Bedeutung und Schwächen der Sprechakttheorie von John R. Searle

Bedeutung und Schwächen

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Das weite (Problem-) Feld der Sprechakte Bedeutung und Schwächen der Sprechakttheorie von John R. Searle
1. Grundbegriffe der Sprechakttheorie von John R. Searle
1.1 Teilakte
1.2 Gelingensbedingungen
1.3 Sprechaktklassifikation
2. Zur Theorie der indirekten Sprechakte von John R. Searle
2.1 Wörtlicher und übertragener Sinn
2.2 Prozess der Erschließung
2.3 Konventionen und idiomatische Formeln
3. Schwächen der Theorie von Searle
3.1 Selbstkritik Searles
3.2 Weitere Kritikpunkte

III. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„[] eine Sprache sprechen bedeutet, Sprechakte auszuführen []“ (Searle 1992: 30). Jeder Mensch der Erde vollzieht also täglich unzählige Sprechakte, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Die Definition, die John R. Searle hier gibt, vermittelt somit einen ersten Eindruck von dem umfangreichen Gebiet, das in der Sprechakttheorie erforscht wird. Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung der Sprechakttheorie von Searle bezüglich des komplexen Phänomens der Sprechakte zeigen. Dabei werden sowohl Searles allgemeine Sprechakttheorie als auch die speziellere Theorie der indirekten Sprechakte kritisch erläutert, wobei die Erkenntnisse anhand von Beispielen veranschaulicht werden.

II. Das weite (Problem-) Feld der Sprechakte

Bedeutung und Schwächen der Sprechakttheorie von John R. Searle

1. Grundbegriffe der Sprechakttheorie von John R. Searle

Zunächst müssen einige grundlegende Begriffe geklärt werden. Searles Theorie ist eine Weiterentwicklung und Systematisierung der Theorie seines Lehrers J. L. Austin, weshalb es inhaltlich auch immer wieder zu Überschneidungen kommt (vgl. Levinson 1994: 238).

1.1 Teilakte

„[…] Sprechakte […] sind die grundlegenden oder kleinsten Einheiten der sprachlichen Kommunikation“ (Searle 1992: 30). Diese These vertritt Searle in seiner Sprechakttheorie. Dabei gliedert er den Sprechakt wiederum in drei Teilakte: Äußerungsakt, propositionaler Akt und illokutionärer Akt (vgl. Searle 1992: 40). Ein Äußerungsakt umfasst die „Äußerung von Wörtern (Morphemen, Sätzen)“ (Searle 1992: 40), während Referenz und Prädikation propositionalen Akten entsprechen (vgl. Searle 1992: 40). Den Begriff der illokutionären Akte hat Searle von Austin übernommen (vgl. Searle 1992: 39). Unter illokutionären Akten versteht Searle Sprechhandlungen wie „Behaupten, Fragen, Befehlen, Versprechen usw.“ (Searle 1992: 40). Searle erweitert diese Einteilung noch um den Begriff der perlokutionären Akte (vgl. Searle 1992: 42). Auch diesen übernimmt er von Austin (vgl. Searle 1992: 42). Perlokutionäre Akte bezeichnen die „[…] Wirkungen, die solche Akte auf die […] Zuhörer haben“ (Searle 1992: 42). Durch Überreden bewirkt der Sprecher beim Hörer[1] beispielsweise, dass dieser überzeugt wird (vgl. Searle 1992: 42).

1.2 Gelingensbedingungen

Desweiteren schlägt Searle ein Schema von neun Gelingensbedingungen[2] vor, welches er anhand des illokutionären Akts des Versprechens erläutert (vgl. Searle 1992: 88 ff). Ursprünglich sollten die Bedingungen lediglich dazu dienen, Gelingen oder Scheitern illokutionärer Akte zu erklären. Später macht Searle jedoch den „[…] Vorschlag, Gelingensbedingungen seien nicht bloß Dimensionen, innerhalb derer Äußerungen fehlschlagen können, sondern konstituierten gemeinsam die verschiedenen illokutionären Kräfte“ (Levinson 1994: 239).

Searle vertritt die These, dass „[…] es in jedem Satz sprachliche Mittel gibt, an denen man unmittelbar erkennen kann, um welchen illokutionären Akt es sich handelt“ (Meibauer 1999: 88). Diese Mittel werden als illokutionäre Indikatoren bezeichnet (vgl. Meibauer 1999: 88). Die Wirkung eines solchen illokutionären Indikators wird am folgenden Beispiel deutlich: Es könnte ja nicht schaden, wenn du mal etwas spazierengingest[3].Ja‘ und ‚ mal‘ fungieren hier als illokutionäre Indikatoren. Sie verdeutlichen dem Hörer, dass mehr hinter der Äußerung steckt als nur die Feststellung, dass spazieren gehen gesund ist.

In einem zweiten Schritt überträgt Searle nun die Bedingungen für ein Versprechen auf die Regeln für die „[…] semantisch korrekte Verwendung des illokutionären Indikators […]“ (Meibauer 1999: 92). So klassifiziert er die Bedingungsarten für den Akt des Versprechens als Regel propositionalen Gehalts, Einleitungsregeln, Aufrichtigkeitsregel und wesentliche Regel (vgl. Searle 1992: 96 ff). Die Regel propositionalen Gehalts besagt, dass S beim Akt des Versprechens eine zukünftige Handlung von S voraussagen muss. Außerdem muss die Ausführung der Handlung durch S für H positiver sein als die Unterlassung. Dabei muss allerdings klar sein, dass S die Handlung nicht sowieso vollziehen würde. Diese beiden Kriterien werden in der Einleitungsregel zusammengefasst. Die Aufrichtigkeitsbedingung knüpft an die tatsächliche Absicht von S, die Handlung durchzuführen. Die Auswirkung des illokutionären Akts von S wird hingegen durch die wesentliche Regel beschrieben. In diesem Fall wäre dies die Verpflichtung zur versprochenen Handlung. Diese Regel ist laut Meibauer (1999: 93) diejenige, die „[…] am stärksten die Eigenart des illokutionären Akts ausdrückt […]“.

[...]


[1] Im Folgenden werden die Abkürzungen S für Sprecher und H für Hörer verwendet.

[2] Der Begriff der Gelingensbedingungen wird gleichbedeutend mit dem der felicity conditions und Glückensbedingungen verwendet.

[3] Dieses Beispiel wurde entnommen aus Loriot (2003: 108).

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656419587
ISBN (Buch)
9783656421108
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213597
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,0
Schlagworte
bedeutung schwächen sprechakttheorie john searle

Autor

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