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Alexander der Große und Philipp II. – wie der Sohn, so der Vater?

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Von der Wiege zum Thron – Alexanders Heranwachsen in Makedonien
1.1 Alexanders familiäres und gesellschaftliches Umfeld
1.2 Erziehung und erste militärische Erfahrungen
1.3 Streitigkeiten und Thronfolge

2. Kontinuitäten und Differenzen
2.1 Widerspruch zwischen altmakedonischen Überzeugungen und neuen Ideen
2.2 Die Morde an Parmenion und Kleitos: Wer anderen eine Grube gräbt
2.3 Alexanders Tod als Mord: …fällt selbst hinein

Fazit

Bibliografie

Einleitung

Eine historische Betrachtung Alexanders III. ist oftmals mit der Suche nach seinen Eltern verknüpft. Auch wenn gerade die moderne Forschung großes Interesse an seiner Mutter Olympias zu zeigen scheint, konzentriert diese Arbeit sich hauptsächlich auf seinen Vater, Philipp II., und seine Beziehung zu dem Sohn, der einmal „der Große“ genannt werden sollte. Die Rolle der Mutter, oder was die Zeitgenossen des wohl berühmtesten Makedonen darunter verstanden, lässt sich zum Teil natürlich nicht ausklammern und erscheint bei einigen Ereignissen, im Wechselspiel mit der Rolle des Vaters, sogar elementar.

Die Quellenlage zum Thema ist begrenzt, wie ohnehin das meiste Quellenmaterial zu Alexander und seiner Zeit. Die grundsätzliche Problematik, dass kaum Originale erhalten und viele der Quellen lediglich durch spätere Abschriften auf die Forschung gekommen sind, ist bei einer Untersuchung der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Philipp und Alexander noch erschwert: vom allgemeinen Problem des zeitlichen Abstandes einmal abgesehen (manches wirkt, gerade im Bereich der Erziehung und Familienführung, schwer nachvollziehbar oder zumindest ungewohnt für moderne Betrachter), muss in der Quellenkritik unbedingt der private Charakter vieler Überlieferungen bedacht werden – das heißt, die Frage, wer die genauen Inhalte eines Drei-Augengespräches zwischen Alexander und seinem Vater durch Beisein geteilt und dann auch noch korrekt aufgeschrieben hat. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn kann sich daher nur auf die Abschriften der Wiedergabe von öffentlichen Ereignissen stützen. Zudem sind diese Abschriften, gerade im Bereich der Heiratspolitik, Erziehung und Familienführung, also der für diese Arbeit wichtigen Bereiche, durch die persönlichen Empfindungen ihrer Autoren geprägt und daher eher Rezeption als tatsächliche Wiedergabe.

Das Thema ist indes durchaus beliebt und die Frage nach der ursprünglichen Motivation, der Inspiration, die Alexander zu seinen Taten anspornten, aber auch der tatsächlichen politischen Grundlage, stellt sich unter anderem Robin Lane Fox, Elizabeth Carney, Siegfried Lauffer, Waldemar Heckel, Daniel Ogden und Leonhard Schumacher. Nicht selten wird die Antwort in Alexanders Familie, oft bei Philipp, gesucht. Die vorliegende Arbeit stützt sich hauptsächlich auf die Arbeit dieser Forscher, deren Meinungen durchaus voneinander abweichen und sich daher für eine kritische Diskussion besonders eignen.

Thematisch beginnt die Arbeit mit Alexanders Kindheit und Jugend. Der erzieherische Einfluss Philipps wird untersucht und, sofern möglich, bewertet. Alexanders Jugend führt zu seinen ersten militärischen Erfahrungen an der Seite seines Vaters, aber auch zu Zerwürfnissen mit dem makedonischen König, dessen Thron er einst erben soll – aber soll er das tatsächlich?

Philipps Ermordung lässt sich auf vielerlei Arten interpretieren und bildet den Ausgangspunkt für die nächsten untersuchten Stationen in Alexanders Leben: Den Herrschaftsantritt und Aufbruch nach Asien. Hierbei werden vor allem Konflikte mit den altmakedonischen Eliten und angebliche Verschwörungen beleuchtet.

Die Vergöttlichung Alexanders soll ebenfalls betrachtet werden; lassen sich Vorbilder hierzu bereits bei Philipp finden? Die Bedeutung der mystischen Adoption Alexanders durch Zeus Ammon spielt hier eine Rolle, ebenso wie die Reaktionen des altmakedonischen Adels, der bereits unter Philipp gedient hatte.

Die moderne Rezeption der Vater-Sohn-Beziehung in Buch und Film wird nicht berücksichtigt, da sie den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde und, in Anbetracht der begrenzten Seitenzahl, nicht ausführlich genug gelingen könnte. Die Behandlung des oben zusammengefassten Themenkomplexes muss in einer Hausarbeit natürlich ebenso begrenzt bleiben – aber sie kann einen fundierten Forschungseinblick bieten und wissenschaftlich begründete Vermutungen anstellen.

1. Von der Wiege zum Thron – Alexanders Heranwachsen in Makedonien

1.1 Alexanders familiäres und gesellschaftliches Umfeld

Über die Kindheit Alexanders des Großen ist kaum etwas bekannt, was sich bei näherer und kritischer Betrachtung nicht als zweifelhaft bewerten ließe. Entsprechend schwierig ist also nicht nur die Suche nach dem Jungen, sondern auch die nach seinem Vater und der Beziehung zwischen den beiden.

Zu einer Zeit, in der das Schreiben von Biographien unüblich war, wurde entsprechend wenig über den jungen Alexander festgehalten und das, was die Forschung heute über sein Heranwachsen weiß, muss sich auf spätere Überlieferungen stützen.[1] Denn die Suche nach dem Kind als Vater des Mannes, also die Begründung späterer Verhaltensweisen mit Ereignissen der Kindheit, wird von Biografen erst verhältnismäßig spät betrieben – oftmals verknüpft mit anekdotenhaften Berichten, die angebliche spätere Leistungen widerspiegeln oder prophezeien.[2] In Alexanders Fall lässt sich dies besonders beispielhaft bei Plutarch sehen: Hier stellt der makedonische Knabe den persischen Gästen seines abwesenden Vaters kluge Fragen über die Infrastruktur und Politik Asiens, ganz so, als plane er bereits die spätere Eroberung.[3] Auch zähmt er mit Leichtigkeit den störrischen Hengst Bucephalos, welcher ihn dereinst über diverse Schlachtfelder tragen sollte.[4]

Zunächst zu den gesellschaftlichen und sozialen Umständen, in denen der makedonische Prinz aufwuchs: Geboren am sechsten Juni des Jahres 356,[5] war Alexander der erste und einzige Sohn von Olympias, der Tochter eines Königs der Aiakiden[6] und Philipp II., des Königs von Makedonien.[7] Philipp hatte seine vorherige Regentschaft unter Zustimmung der makedonischen Heeresversammlung in die Königsherrschaft umgewandelt – ein „Staatsstreich in legaler Form“, wie Lauffer befindet.[8] Dies deutet bereits auf den Rückhalt und Respekt hin, welchen Philipp bei seinem Heer genoss, denn er war es auch, der Makedonien zu dem Königreich ausgeweitet hatte, dass Alexander seine Feldzüge überhaupt erst ermöglichen würde, sei es in Bezug auf die politische oder geografische Gestaltung.[9] Philipp scheint sich dabei stets geschickt zwischen Neuerungen und dem Respektieren der Wünsche makedonischer Adliger bewegt zu haben.[10]

Es ist daher wenig verwunderlich, dass einige moderne Forscher die hypothetische Überlegung anstellen, wie die Nachwelt Philipp aufgenommen hätte, wenn sein Sohn nicht derart berühmt geworden wäre. Carney und Ogden kommen diesbezüglich zu dem Schluss, dass „Alexander den Motor vorwärtstrieb, den Philipp gebaut hatte, aber wenn er dies nicht getan hätte, hätten die Verdienste Philipps sich als so vergänglich herausstellen können, wie die so vieler früherer makedonischer Herrscher.“[11] Troncoso sieht dies ähnlich, wenn auch mit anderer Folgerung, und ist der Ansicht, dass Alexander seine Siege einem Heer schuldete, das sein Vater Philipp erst zu dem gemacht hatte, was es war und dass der junge Makedone auch in den Augen seiner Zeitgenossen zunächst lediglich Alexander war – „der Sohn eines in Europa bisher unvergleichbaren Eroberers, dessen Pläne er ausführte und dessen Bild das seines Nachfolgers überschattete.“[12] Lauffer erwähnt ein Zitat des griechischen Historikers Theopomp, welcher über Philipp gesagt haben soll, dass Europa noch nie einen Mann solcher Größe hervorgebracht hätte.[13] Des Weiteren habe Philipp sich dem makedonischen Adel gegenüber stets als gleichberechtigt verhalten, als guter Herrscher.[14]

So viel zu den Bildern Philipps, mit denen Alexander vermutlich aufwuchs. Laut Plutarch war der Junge sich des militärischen Erfolges seines Vaters durchaus bewusst, wenngleich er ihn auf seine ganz eigene Art deutete – bei der es sich vermutlich um eine weitere Anekdote handelt, eine Rückprojektion des später bekannten Eroberers in den heranwachsenden Jungen. Denn er soll zu seinen Spielgefährten, unter denen sich bereits einige seiner späteren Kameraden befanden, gesagt haben, dass sein Vater gar nichts für sie übrig lasse, was einer Eroberung wert sei.[15]

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieses Ausspruchs äußert sich hier ein wichtiger Faktor der makedonischen Gesellschaft, das Erlangen von Ruhm auf der Basis eigener Anstrengungen, welches seine griechische Entsprechung in der areté-Ethik findet.[16] Hier spielte vor allem das homerische Ideal eine entscheidende Rolle und so ist Philipp sicher nicht grundlos mit Agamemnon verglichen worden – interessanterweise sollte Alexander sich später als Achilles inszenieren.[17] Hierauf wird noch detaillierter einzugehen sein.

[...]


[1] Vgl. Robin L. Fox, Alexander der Grosse. Eine Biographie, übers. v. Peter Zentner u. Peter Dering, Düsseldorf 1974, S. 52.

[2] Ibid.

[3] Vgl. Plutarch, The Life of Alexander the Great, in: Selected Lives form the Lives of the Noble Grecians and Romans, Bd. 1, übers. v. Paul Turner, Fontwell 1963, S. 281-338, hier: S.283f.

[4] Vgl. Ibid, hier: S. 284f.

[5] Vgl. Ibid., hier: S. 282.

[6] Vgl. Ibid., hier: S. 281 u. Diodor, Histories, Bd. 17, übers. v. C. Bradford Welles, Harvard University Press 1963, S. 119.

[7] Vgl. Diodor, S. 119. Diodor schreibt Philipp zudem die Abstammung von Herakles zu. Ein nicht unbedeutender Aspekt der Selbstwahrnehmung sowohl seitens Philipps, als auch Alexanders, wie noch zu zeigen sein wird.

[8] Vgl. Siegfried Lauffer, Alexander der Große, München 1978, S. 16.

[9] Vgl. Sabine Müller, In the Shadow of his Father. Alexander, Hermolaus and the Legend of Philipp, in: Elizabeth Carney, Daniel Ogden (Hg.), Philipp II. and Alexander the Great. Father and Son, Lives and Afterlives, Oxoford University Press 2010, S. 25-32, hier: S. 31.

[10] Vgl. Ibid. u. Lauffer, S. 17, 19 u. 33.

[11] Elizabeth Carney, Daniel Ogden (Hg.), Philipp II. and Alexander the Great. Father and Son, Lives and Afterlives, Oxoford University Press 2010, Zitat übers. v. Verfasser d. Hausarbeit, S. röm. 19.

[12] Victor A. Troncoso, The Bearded King and the Beardless Hero. From Philipp II. to Alexander the Great, in: Carney/Ogden, Zitat übers. v. Verfasser d. Hausarbeit, S. 13-24, hier: S. 16.

[13] Vgl. Lauffer, S. 17.

[14] Müller, S. 31.

[15] Vgl. Plutarch, S. 284.

[16] Vgl. Fox, S. 84.

[17] Vgl. Ibid.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656418931
ISBN (Buch)
9783656419730
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213574
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
alexander große philipp sohn vater

Autor

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Titel: Alexander der Große und Philipp II. – wie der Sohn, so der Vater?