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Erlebnispädagogik im Fokus. Bericht über das Praktikum in einer heilpädagogischen Tagesgruppe

Praktikumsbericht / -arbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Erwartungen an das Praktikum

2. Ziele des Praktikums

3. Die Organisationsstruktur der Einrichtung

4. Prozesse innerhalb der Einrichtung / Kompetenzen der Mitarbeiter

5. Eine kurze Betrachtung der Erlebnispädagogik
5.1 Der historische Werdegang der Erlebnispädagogik
5.2 Die Definition der modernen Erlebnispädagogik
5.3 Psychologie und Soziologie innerhalb des Erlebens
5.4 Das Erlebnis und die Erziehung
5.5 Die Erlebnispädagogik in der Jugendhilfe
5.6 Kajakfahren als erlebnispädagogisches Erleben

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Erwartungen an das Praktikums

Das Praktikum wurde in dem Zeitraum vom 06.09.2012 bis zum 12.10.2012 in der heilpädagogischen Tagesgruppe Ort A. geleistet. Es ist anzumerken, dass es oftmals Kontakt und Austausch mit anderen heilpädagogischen Tagesgruppen gab, welche sich in Ort B. und in Ort C. befinden.

Die Entscheidung fiel auf diese, vom Jugendamt unterstützte Einrichtung aufgrund der praktischen Erfahrung, welche mit dieser Tätigkeit in einer solchen Einrichtung verbunden war. Die Erwartung, praktische Kompetenzen im Umgang mit Kindern zu sammeln, war also der größte Beweggrund ein Praktikum dort zu leisten. Diese Kompetenzen sind wichtig, um einen wirklichen Einblick in die Arbeit mit Kindern zu erlangen. Wichtig ist zu sagen, dass so auch die in der Universität bereits theoretischen Kompetenzen mit den neuen praktischen Aufgaben verbunden wurden, um ein authentisches Gefühl für die Arbeit mit Kindern zu erlangen, da der theoretische Aspekt innerhalb des universitären Lernens oftmals das praktische Lernen überwiegt, so dass es möglicherweise zu einer nicht korrekten Wahrnehmung bezüglich dieses Tätigkeitsfeldes kommt. Auch war es von Bedeutung ausgebildete Erzieher und Diplomsoziologen bei ihrer täglichen Arbeit zu sehen und die von diesen gewählten Erziehungsprozesse zu sehen und nachzuvollziehen, welche auf die Kinder einwirkten. Ein weiterer wichtiger Punkt der Erwartung war, dass es sich möglicherweise um einen komplizierteren zwischenmenschlichen Umgang mit den Kindern handeln könnte, da die Einrichtung letztendlich als heilpädagogische Einrichtung sich verstärkt um verhaltensauffällige Kinder kümmerte, die von dem Jugendamt dorthin vermittelt worden waren. Doch auch diese Befürchtung würde so Erfahrungen beinhalten, welche einem den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern näher bringt, da dies im späteren Berufsleben durchaus eintreten könnte, wenn man später an einer integrativen Schule beschäftigt ist. Ein Szenario, welches im bisherigen Studium nicht besonders ausgeprägt thematisiert wurde.

Die Erwartungen bezüglich meiner Rolle als Praktikant innerhalb der Einrichtung waren gemischt. So gab es natürlich die Möglichkeit, dass meine Rolle als Praktikant durch die üblichen Klischees wie Kaffee kochen oder der reinen Büroarbeit geprägt sei. Die andere Möglichkeit bestand in einem erfahrungsreichem Praktikum, welches neue Kompetenzen erschließt und einen Einfluss auf die Betrachtung des Lehrerberufes ermöglichen würde, indem es die Arbeit und den Umgang mit Kindern so real und authentisch wiedergibt, wie es sich im späteren Berufsleben womöglich ereignet.

2. Ziele des Praktikums

Die Ziele, welche durch das Praktikum letztendlich erfüllt werden sollten waren direkt an die Erwartungen geknüpft. Die Kompetenzen im Umgang mit Kindern sollten gestärkt und gefestigt werden. Diese Ziele wurden auch optimal erfüllt. Die anfängliche Befürchtung, als Praktikant eher ein Hindernis für die Einrichtung zu sein oder überhaupt nicht in die Einrichtung eingebunden zu werden erwies sich als falsch. Durch eine feste Einbindung in die Tagesstruktur der Einrichtung war ein optimaler Umgang mit den Kindern und den Betreuern gewährleistet. Durch die Tatsache, dass mein Praktikum zeitgleich mit der Ankunft von neuen Kindern begann, war auch kein Einbruch der Gewohnheiten in den Tagesablauf vorhanden. So war das Sammeln von Erfahrungen in dem geordneten Tagesablauf am besten möglich. Wie schon erwähnt, war aber das primäre Ziel durch eine gute Einbindung in die Einrichtung an sich und in die dort vorhandene Gruppendynamik, ein Kompetenzen stärkendes Praktikum zu absolvieren.

3. Die Organisationsstruktur der Einrichtung

Die Einrichtung ist eine heilpädagogische Tagesgruppe, in welcher verhaltensauffällige Kinder unter pädagogischen Kriterien therapiert werden. Der Leistungsbereich umfasst dabei neben der Arbeit mit dem Kind auch die Gespräche und die Arbeiten mit den jeweiligen Eltern. Bei der Arbeit mit dem Kind wird primär auf die Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeit des Kindes geachtet. Die zweite Komponente der Arbeit ist die Förderung und Bildung sozialer und persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes sowie die Vermittlung von Werten und Normen. Dies geschieht unter der Einbeziehung des sozialen Umfeldes des Kindes. Auch für den Lebensbereich Schule wird Hilfe und Unterstützung in Form von Hausaufgabenhilfe gewährleistet. Die heilpädagogischen Tagesgruppen mit ihren Standorten in Ort C., Ort B. und Ort A. sind teilstationäre Einrichtungen der freien Jugendhilfe in privater Trägerschaft. Der Träger ist hierbei die X GbR mit Sitz in Ort C.. Leiter der Einrichtung sind Frau Y. und Herr Z.. Frau Y. ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und besitzt eine zertifizierte Weiterbildung zur systemischen Elternberaterin sowie zur systemischen Familientherapeutin. Herr Z. ist staatlich anerkannter Erzieher und besitzt ebenfalls eine zertifizierte Weiterbildung zum systemischen Elternberater. Des weiteren besitzt er eine Weiterbildung innerhalb der Jungenarbeit, welche sich boyz-instructor nennt.

Die Einrichtung besitzt, wie schon erwähnt drei Standorte in der Ort D., welche Ort C., Ort B. und Ort A. sind. Die Tagesgruppe in Ort C. wird von zwei Erziehern geleitet, von welchen Herr Z. einer ist. Die Gruppe besitzt neun Plätze für Kinder, unabhängig vom Geschlecht, so wie es ebenfalls bei den anderen Standorten ist. Das Aufnahmealter ist in der Regel 6-12 Jahre, wie auch in den beiden anderen Einrichtungen. Der Einzugbereich ist hier die Region Ort C., Ort E., Ort F. und die weitere Umgebung. Der Standort in Ort B. besitzt hingegen nur 6 Aufnahmeplätze und wird ebenfalls von zwei Betreuern geführt. Der Einzugbereich ist hier Ort B., Ort G., Ort H., Ort F. und die weitere Umgebung. Die Einrichtung mit dem Standort Ort A. besitzt ebenfalls eine Anzahl von 6 Plätzen. Ort A., Ort I. und Ort J. zählen hier zu dem Einzugsbereich.

Neben der eigentlichen erzieherischen Arbeit muss die Leitung der Einrichtungen noch weitere Tätigkeiten übernehmen, um die bestmögliche Leistung zu gewährleisten. So trägt diese die Gesamtverantwortung für den pädagogischen, finanziellen und personellen Bereich und deren Rahmenbedingungen. Ebenfalls ist die Leitung für die Koordination, Steuerung, Strukturierung und Kontrolle der verschiedene Arbeitsbereiche zuständig. Die Organisation der Instandhaltung und Pflege der Räumlichkeiten sowie die Außendarstellung sind ebenfalls Aufgaben der Leitung. Des weiteren sind personalbezogene Aufgaben vorhanden, wie die Personalplanung, die Personalführung, die Dienst- und Urlaubsplanung sowie die Personaleinstellung und - beurteilung. Auch ist die Leitung dafür verantwortlich, dass zu einer Entwicklung und Umsetzung der erzieherischen Konzeptionen kommt, mit welchen gearbeitet werden. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Neuaufnahme und Entlassung von Kindern aus der Tagesgruppe, unabhängig aus welchen Gründen.1

4. Prozesse innerhalb der Einrichtung / Kompetenzen der Mitarbeiter

Der primäre Prozess innerhalb der Einrichtung war die Betreuung der Kinder. Hierbei ist zu beachten, dass Heilpädagogik als Erziehung unter erschwerten Bedingungen anzusehen ist. Der Mensch wird als personal-soziales Wesen betrachtet. Der Prozess, einer Entwicklung zu einem mündigen, verantwortlichen handelnden Menschen, liegt in der personalen und sozialen Identität. Es kommt zu einer Förderung der individuellen und sozialen Fähigkeiten unter einer übergeordneten Zielvorstellung. Dies geschieht unter bestimmten methodischen Grundlagen, welche man auch als Prozesse bezeichnen kann. Die primäre Grundlage der Betreuung geht davon aus, dass die Verhaltensauffälligkeiten eines Kindes der Erhaltung des Familiensystems dienen. In diesem System existiert eine gegenseitige Abhängigkeit der Mitglieder untereinander, in welcher diese agieren. Daher ist es sinnvoll, dass das gesamte Familiensystem des Kindes in die pädagogische Arbeit eingebunden wird. Daher ist neben der individuellen Arbeit mit dem Kind auch die Arbeit mit der Familie von zentraler Bedeutung. Durch systemische Methoden sollen die Eltern für die Bedürfnisse ihres Kindes sensibilisiert werden. Dies umfasst den Abbau von Schuldgefühlen, Versagensängsten und das Wertschätzen der Person des Kindes.2 Insgesamt sind vier Prozesse zu nennen, welche in der Tagesgruppe zu beobachten sind. Als erstes wäre der heilpädagogische Prozess zu nennen. Bei diesem geht es primär um die Integration des Menschen. Durch die Heilpädagogik sollen die Kinder lernen Beziehungen aufzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und verantwortungsbewusst zu handeln. Diese heilpädagogischen Prozesse werden in die Spiel- und Alltagssituation eingegliedert, so dass die Kinder die notwendigen Erfahrungen für eine Lebensbewältigung machen können und so weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden.3

Auch ist der systemische Ansatz als Prozess zu nennen, welcher in der Einrichtung genutzt wird. Es geht um eine Abkehr von Schuldzuweisungen und um die Aktivität der Familie. Durch diese Selbstaktivierung der Familienressourcen ist eine positive Entwicklung möglich.4 Erlebnispädagogische Handlungen und Prozesse sind ebenfalls wichtig. Diese Prozesse sind besonders für Kinder wichtig, welche vorwiegend negative Konsequenzen und Erfahrungen in der Interaktion mit ihrer Umwelt gemacht haben. Die erlebnispädagogischen Prozesse ermöglichen den Kindern handlungsorientierte und herausfordernde Erfahrungen zu machen, welche dann als positiv empfunden werden können. Die Selbsterfahrung der Kinder wird dabei ebenfalls berücksichtigt. Außerdem werden die Kinder aktiv an der Ausarbeitung, Vorbereitung und Ausführung der Aktionen beteiligt.5

Die Angestellten müssen in der Lage sein, die genannten Prozesse professionell zu bearbeiten. Wichtig ist zu sagen, dass es sich dabei nicht um eine reine Frequenz von Tätigkeiten handelt, sondern, dass die Bedürfnisse des einzelnen Kindes innerhalb der Prozessausübung berücksichtigt werden, was wiederum eine hohe soziale Kompetenz der Mitarbeiter erfordert, welche neben der fachlichen Kompetenz enorm wichtig ist. Wie schon erwähnt handelt es sich bei den Mitarbeitern meist um studierte Sozialpädagogen, welche daher auf dem Gebiet der Pädagogik bewandert sind.

[...]


1 Vgl.: Frau Y.; Herr Z.: Leistungsbeschreibung. Heilpädagogische Tagesgruppen Ort C., Ovelgöne und Ort A., 2011

2 Vgl.: Frau Y.; Herr Z.: Leistungsbeschreibung. Heilpädagogische Tagesgruppen Ort C., Ovelgöne und Ort A., 2011

3 Vgl.: Frau Y.; Herr Z.: Leistungsbeschreibung. Heilpädagogische Tagesgruppen Ort C., Ovelgöne und Ort A., 2011

4 Vgl.: Frau Y.; Herr Z.: Leistungsbeschreibung. Heilpädagogische Tagesgruppen Ort C., Ovelgöne und Ort A., 2011

5 Vgl.: Frau Y.; Herr Z.: Leistungsbeschreibung. Heilpädagogische Tagesgruppen Ort C., Ovelgöne und Ort A., 2011

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668262812
ISBN (Buch)
9783668262829
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213520
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
Schlagworte
Praktikum Erlebnispädagogik

Autor

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