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Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Warum und wie überlebte das Castro-Regime?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Kuba
II. I. Geschichte Kubas vor der Revolution
II. II. Geschichte der kubanischen Revolution
II. III. Annährung an die Sowjetunion

III. Zusammenbruch der Sowjetunion und unmittelbare Folgen für Kuba

IV. Die Gründe des Fortbestehens der Castro-Regimes
IV. I. Wirtschaftsreformen
IV. II. Soziologischer Erklärungsansatz (Der Fidel Castro-Faktor)
IV. III. US-Embargo
IV. IV. Der Emigrationsfaktor

V. Kritik der kubanischen Revolution

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Seit die USA vor vier Jahrzehnten ihr Wirtschaftsembargo gegen Kuba verhängten, hat dies vielerlei Auswirkungen gehabt, nur eine nicht: Castro aus dem Amt zu befördern“ (Hoffmann 2001: 182).

Seit mehr als 40 Jahren existiert ein US-Embargo gegen Kuba. Das Embargo hatte zum Ziel, die kubanische Regierung zu stürzen. Da Erfolge ausblieben, wurden Sanktionen immer mehr verstärkt. Bis heute trotzt die Regierung des kleinen Landes jedoch den äußeren Einflüssen. Zunächst fand es einen starken Partner in der großen Sowjetunion; daher wurde vermutet, dass Kuba den Zusammenbruch des starken Partners nicht überleben und als nächster Dominostein dem Einfluss der USA erliegen würde. Allerdings ist auch heute nach rund 20 Jahren das Castro-Regime immer noch an der Macht. Es stellt sich die Frage, wie ein Land wie Kuba, das gefangen war zwischen den machtpolitischen Konstellationen des Kalten Krieges, diesen Zusammenbruch überlebte. Konkreter formuliert lautet die Forschungsfrage dieser Arbeit: Warum und wie überlebte das Castro-Regime nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion?

Um diese Frage zu beantworten, beginnt diese Arbeit mit einem Kapitel zur Geschichte Kubas, das dem weiterführenden Verständnis dient. Dargestellt wird die Zeit vor der Revolution und die Zeit der Revolution. Anschließend wird die Phase der Annäherung an die Sowjetunion beleuchtet sowie die Auswirkungen des Zusammenbruchs der UdSSR für Kuba erläutert. Kapitel III widmet sich den vier Hauptfaktoren des Überlebens der Kubaregierung nach dem Zusammenbruch. Diese haben jedoch nicht nur positive, sondern auch negative Auswirkungen; auf letztere wird ebenfalls kurz eingegangen. Im Fazit werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst und abschließend bewertet.

II. Kuba

Seit 1902 gilt die Republik Kuba als unabhängig. Kuba hat aktuell etwa 11,2 Millionen Einwohner. Eine Besonderheit Kubas ist seine Staatsform als sozialistische Republik. Kuba wird nach wie vor eng mit dem Staatsoberhaupt verbunden. Derzeit ist mit Raúl Castro der Bruder des ehemaligen Oberhaupts Fidel Castro an der Macht (vgl. Auswärtiges Amt: 28.12.11).

II. I. Geschichte Kubas vor der Revolution

Nach der Entdeckung Kubas im Jahre 1492 durch Christoph Kolumbus war Kuba eine spanische Kolonie. Zwei Unabhängigkeitskriege, zwischen 1868-1878 und 1895-1898, endeten ohne Erfolg. Kubas lange Kolonialgeschichte änderte sich mit Unterstützung der USA im Jahr 1899, wobei die USA selbst hofften, die Kolonie unter ihre Kontrolle zu bringen. Schließlich kam es 1902 zur Gründung der Republik Kuba unter der Kontrolle Amerikas. Zum ersten Mal kam ein kubanischer Präsident an die Macht. Dessen Macht wurde allerdings mit einem Zusatzartikel in der Verfassung, dem so genannten „Platt-Amendment“, das den USA jederzeitiges Interventionsrecht einräumte, beschränkt. Zudem gab es einen Pachtvertrag der USA für die Bucht von Guantánamo im Südosten der Insel als Marinenstützpunkt, was bis heute von den USA in dieser Funktion gehalten wird und die einzige Landgrenze Kubas darstellt (vgl. Hoffmann 2001:156). Somit war Kuba eine Halbkolonie der USA.

Das sogenannte „Platt-Amendment“ bestand bis 1934. Bis zu diesem Zeitpunkt waren US-Soldaten zweimal (1906-1909 und 1917-1922) auf kubanischem Territorium. Die Zusatzklausel wurde 1934 abgeschafft, doch Kuba blieb weiterhin politisch und wirtschaftlich von den USA abhängig, da diese einen bedeutenden Abnehmer von Zucker und Nickel darstellten. Bis ins Jahr 1958 war Kuba von Eliten dominiert, wobei Fulgencio Batista und die Armee eine besondere Rolle spielten. 1952 putschte sich Batista mit Hilfe des Militärs vor der eigentlichen Präsidentschaftswahl an die Macht. Er wurde von den USA unterstützt und als Staatschef anerkannt. In seiner Amtsperiode waren Gewalt und institutionalisierte Korruption in der Politik weit verbreitet. Er errichtete eine Militärdiktatur, welche repressiv gegen die Gegner vorging. Gewalt, Korruption, große soziale Ungleichheiten und die Erhöhung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den USA waren einige negative Folgen seiner Amtszeit (vgl. Zeuske 2004: 157-164). Diese Abhängigkeit Kubas von den USA und die Repressionen die vom Batista ausgingen können als Ursprung für den Ausbruch der Revolution gesehen werden.

II. II. Die Geschichte der kubanischen Revolution

Am 26. Juli 1953 versucht das kubanische Volk zum ersten Mal sich gegen die Diktatur zu erheben. Unter Leitung von Fidel Castro griffen Revolutionäre die Kaserne Monacada an. Der Angriff blieb zwar erfolglos, aber das Datum wurde als der Anfang der Revolutionsbewegung in der Geschichte notiert. Castro und viele seiner Kämpfer wurden bei dem Versuch verhaftet (vgl. Zeuske 2004: 167-169). Er wurde jedoch im folgenden Jahr freigelassen und floh nach Mexico um dort mit Che Guevara die Revolution zu planen und fortzusetzen. Am 2. Dezember 1956 gab es einen erneuten Versuch die kubanische Küste zu erreichen und von dort aus die Revolution fortzuführen. Ein Angriff der Regierungstruppen verhinderte dies; einige wenige Revolutionäre konnten jedoch in die Gebirgswälder fliehen. Seitdem versuchten die Revolutionäre die Zivilbevölkerung zu mobilisieren und erhielten dabei große Unterstützung von Bauern und einfachen Leuten, woraus sich ansehnliche Truppen bildeten. Der Kampf dauerte ca. 2 Jahre bis Batista am 1. Januar 1959 kapitulierte. Am 8. Januar des selben Jahres übernahmen die Revolutionäre unter Führung Castros die Macht, wobei dieser zunächst mit Che Guevara und Raúl Castro im Hintergrund die Fäden zog. Wenig später übernahm Fidel Castro die Macht selbst.

Nicht lange nach der Machtübernahme durch die Revolutionäre begannen die Hauptakteure der Revolution das politisch-gesellschaftliche System nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Die Mieten wurden halbiert und die Telefongesellschaften verstaatlicht. Zudem wurden Armee und öffentlicher Dienst verkleinert. Viele Unternehmen wurden verstaatlicht, was die Begeisterung des Mittelstandes negativ beeinflusste. Es kam zu einer radikalen Massenmobilisierung des ganzen Volkes, nicht zuletzt durch Umverteilung zugunsten der Unterschichten. Auf der anderen Seite blieb die bisherige Kundschaft der Hotels, der Spielkasinos und der Prostituierten aus. Die Kaufkraft stieg so trotz sinkender Produktion und steigender Arbeitslosigkeit an (vgl. Zeuske 2004: 194). Auch im Agrarsektor kam es zu einer neuen Ordnung durch Reformen. „Das in der ersten Agrarreform enteignete Land wurde in Genossenschaften und Staatsgüter umgewandelt oder an Bauern verteilt“ (Zeuske 2004: 196).

Um die Neugestaltung zu finanzieren und sich von den USA komplett unabhängig zu machen wurde 1960 mit der UdSSR sowie auch mit Polen, der DDR, der `CSSR und China ein Handels- und Kreditabkommen unterzeichnet (vgl. Zeuske 2004: 197). Ferner verschärfte sich der Konflikt mit den USA. Der Sieg der Rebellen entsprach nicht den machtpolitischen Interessen der USA. Die Regierung Eisenhower reduzierte erst die Zuckerquote und schaffte sie dann ganz ab. Die kubanische Seite reagierte mit der Verstaatlichung der Niederlassungen amerikanischer Großkonzerne auf der Insel. Schlussendlich wurden Importe aus Kuba komplett gestoppt und ein Wirtschaftsembargo verhängt. Kuba blieb somit kein anderer Weg als sich auf die sowjetische Seite zu schlagen. Dies verdeutlicht, dass die machtpolitischen Verhältnisse des kalten Krieges eine hohe Bedeutung für die Geschichte Kubas besaßen.

II. III. Annährung an die Sowjetunion

Den neueren Entwicklungen auf Kuba konnten die USA nicht mehr passiv zusehen. Sie entschieden sich die Politik auf der Insel aktiv zu beeinflussen. Im Zuge dessen plante die kapitalistische Großmacht einen Volksaufstand, in dem ca. 1500 von der CIA mobilisierte Exilkubaner auf Kuba landen und von dort aus den Kampf gegen die Regierung starten sollten. Die Aktion scheiterte am 17. April 1961 in der Schweinebucht. Diese und ähnliche Aktionen der USA führten dazu, dass sich Kuba einen starken Partner suchen musste. So bat die Castro-Regierung die Sowjetunion um militärische Hilfe. Zu dieser Zeit fühlte sich die Sowjetunion durch die USA bedroht, weil die amerikanischen Raketen in arabischen Ländern und in der Türkei stationiert waren. Als Kuba die UdSSR um Hilfe bot, ergab sich für die Sowjetunion eine gute Möglichkeit den USA die entsprechende Antwort zu geben: die UdSSR stationierte atomare Mittelstreckenraketten auf Kuba. Die Folge war die bekannte kubanische Raketenkrise im Oktober 1962 (vgl. Hoffmann: 2001: 157). Als die Waffen entdeckt worden waren, blockierte die US-Flotte Kuba. Die Welt war damals 13 Tage am Rande eines Atomkrieges (vgl. Zeuske 2004: 206). Die kubanische Führung drängte die sowjetische Führung zum Einsatz der Atomraketen. Doch die Großmächte verständigten sich über den Kopf der kubanischen Führung hinweg. Die UdSSR zog die Raketen ab während im Gegenzug die USA zusicherten, militärisch auf der Insel nicht zu intervenieren.

Seit Anfang der 60er Jahre unterstützte die Sowjetunion die Insel wirtschaftlich sowie militärisch. „Wirtschaftliche wäre das Überleben der Revolution Anfang der 60er Jahren ohne die Beziehung zu den sozialistischen Bruderstaaten kaum denkbar gewesen. Wirtschaftsbeziehungen auf Basis „gerechter Preise“ und langfristiger Darlehen wurden kontinuierlich ausgebaut, und 1972 wurde Kuba Vollmitglied des „Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe““ (Hoffmann 2001: 157). Der Beitritt Kubas in die RWG war ein wichtiger Schritt für die Insel. Der Lebensstandard auf der Insel verbesserte sich beachtlich, wobei sich auf der anderen Seite die Beziehungen Kubas mit anderen lateinamerikanischen Ländern durch die US-Einflussnahme deutlich verschlechterten. Bis auf Mexiko brachen alle Regierungen Lateinamerikas die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab (vgl. Hoffmann 2001: 158). Durch das Wirtschaftsembargo war die Insel seit den frühen 60er Jahren in der lateinamerikanischen Welt isoliert.

Die Verbündung mit anderen kommunistischen Staaten nahm dieser Isolation teilweise die Wirkungskraft. Kuba war, trotz allen Drohungen, nicht abgeschnitten und hatte starke Partner an der Seite. Dies blieb der Fall bis zum Zerfall der Sowjetunion Ende der 80er Jahre.

III. Zusammenbruch der Sowjetunion und unmittelbare Folgen für Kuba

Die Insel hatte seit der Revolution große Fortschritte gemacht. Ein ausgeglichenes Bevölkerungswachstum verbunden mit einer hohen Lebenserwartung, Verschwindender Unterernährung, Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut, geringe rassistische und geschlechtsspezifische Diskriminierungen sind einige Beispiele (vgl. Burchardt 2001: 313). Wirtschaftlich betrachtet lag Kuba über den Durchschnitt Lateinamerikas. Zu bemerken ist hierzu, dass Kuba in 80 er Jahren von der Sowjetunion jährlich etwa 2 Mrd. Dollar Wirtschaftshilfe und 13 Mio. Tonnen Erdöl erhielt. Etwa 85 % des Außenhandels von Kuba machte der Handel mit den RGW-Staaten aus (vgl. Eckstein 2004: 316). Die intensiven Beziehungen mit der Sowjetunion und den anderen RGW-Staaten können somit deutlich als positiv für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gewertet werden.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion kam für Kuba äußerst plötzlich und stellte das Land vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass wirtschaftlich betrachtet Kubas Welt nicht mehr die selbe war, es fehlte auch der starke Verbündete gegen die USA.

Zunächst einmal war es ein Schlag gegen den Sozialismus, die in Kuba dominante Staatsform und die Ideologie, die Castro so sehr favorierte. So äußerte sich Fidel Castro zu dem Zusammenbruch: „Wir dürfen niemals in die Irrtümer verfallen, denen die sozialistischen Länder verfallen sind oder die UdSSR. Denn in der UdSSR hatte man begonnen, darüber zu reden, dass man etwas verbessern wollte. Tatsächlich gab es in der UdSSR viele Fehlentscheidungen, wir wissen das wohl. Sie sagten, dass sie den Sozialismus verbessern wollten, und alle Welt war zufrieden (...). Der Sozialismus musste verbessert werden. Aber er musste keinesfalls zerstört werden! Niemals hätte man dem Yankee-Imperialismus die Weltherrschaft schenken dürfen, wie sie das getan haben, ohne einen einzigen Schuss abzugeben“ (Hoffmann 2009: 102).

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Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656415978
ISBN (Buch)
9783656417088
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213430
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1.7
Schlagworte
kuba zusammenbruch sowjetunion warum castro-regime

Autor

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Titel: Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Warum und wie überlebte das Castro-Regime?