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Erlebnispädagogik. Geschichte und Theorie

Hausarbeit 2010 22 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung der Erlebnispädagogik
2.1 Vordenker Jean-Jacques Rousseau und Henry David Thoreau
2.2 Kurt Hahn und die Erlebnistherapie
2.3 Die Entwicklung der Erlebnispädagogik bis heute

3. Grundlagen der modernen Erlebnispädagogik
3.1 Begriffserklärungen und Zusammenwirken
3.2 Ziele und Richtlinien
3.3 Lernmodelle

4. Aktualität der Erlebnispädagogik

5. Zusammenfassung

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einer Zeit, in der die Erlebnispädagogik immer mehr an Zuwachs bekommt. In Fachkreisen wird auch von einem Boom gesprochen. Es gibt unzählige Firmen die Erlebnispädagogik in ihrer Philosophie mit aufnehmen, selbst damit arbeiten oder Kunden erlebnispädagogisches Arbeiten anbieten, wie der Besuch eines Hochseilparks, Kanutouren, oder auch eine Höhlenbegehung. Schulen führen erlebnispädagogische Klassenfahrten durch, Jugendzentren richten ihr Programm erlebnispädagogisch aus, und in der Jugendhilfe und Heimerziehung soll die Methode der Erlebnispädagogik die Erziehung von Kindern und Jugendlichen maßgeblich unterstützen.

Bevor ich mit den Studium Sozialer Arbeit begann, arbeitete ich für eine Firma, die im niederbayrischen Raum Erlebnispädagogik für die verschiedensten Gruppen wie Schulklassen, Firmen, schwererziehbare Kinder und Jugendliche, Problemgruppen, sowie für geistig- und körperlich Behinderte, anbietet. Begonnen habe ich mit dem Sicherheitstrainer für Hochseilparks, um im Freizeitbereich tätig zu sein. Dabei habe ich schnell bemerkt, dass ich mich gerne mit der Methode Erlebnispädagogik beschäftige und arbeite. Durch eigenes motiviertes Arbeiten und verschiedene Teilnahme an Seminaren, sowie Aus- und Weiterbildung, konnte ich mich schnell in diesem Bereich integrieren. Dies könnte auch darauf zurück zuführen sein, dass ich selbst eine erlebnispädagogisch beeinflusste, freie Erziehung genossen habe und sich somit eine schnelle Vertrautheit entwickelte. Selbst durfte ich mir eigene Projekte auswählen und diese organisieren und durchführen wie z. B. „erlebnispädagogische Tage mit Schulklassen“. Durch eigenes Engagement entwickelte sich das Projekt Handicap-Parcours (Hochseilparkanlage für Geistig -und Körperlichbehinderte für Rollis oder Fußgänger) und das Arbeiten mit „ schwierigen Schulklassen“ zu meinem Steckenpferd. Dadurch entwickelte sich auch immer mehr das Interesse an den Theorien in Pädagogik und Psychologie.

Im Studium der Sozialen Arbeit stellte ich fest, dass die Erlebnispädagogik auch hier immer mehr Einzug hält, und somit wählte ich dieses Thema für meine Hausarbeit.

Da meine Erfahrungen in der Erlebnispädagogik sehr Praxis bezogen sind, stellen sich für mich die Fragen: Wo hat die Erlebnispädagogik ihre Wurzeln? Gibt es Vordenker? Wie wird die Erlebnispädagogik erklärt? Gibt es eine Definition? Wie wird die Erlebnispädagogik heute gesehen? Welche Ziele hat die Erlebnispädagogik?

Wesentliches Ziel ist die Beantwortung dieser Fragen durch einen Überblick über die aktuell vorhandene Literatur zu diesem Thema. Im 2. Kapitel wird der historische Werdegang der Erlebnispädagogik aufgezeigt von den Anfängen Platos bis zur Gegenwart. Auf die Grundlagen der modernen Erlebnispädagogik wird im 3. Kapitel genauer eingegangen. Angefangen von Begriffserklärungen bis zu einem aufgeführten Lernmodell. Im 4. Kapitel wird die Aktualität geklärt. Das 5. Kapitel ist das Schlusswort und hier wird noch auf die Wichtigkeit einer Ausbildung eingegangen, um erlebnispädagogisch wirken zu können.

2. Historische Entwicklung der Erlebnispädagogik

Die Entwicklung der Erlebnispädagogik ist eine Zusammenschau der Geschichte der Philosophie, Psychologie, Soziologie und der Pädagogik.

Der Gedanke der Bildung als Vorgang des Lernens hat seine Quellen in der griechischen Antike. Ein bedeutender Vertreter der Zeit ist Plato (427-347 v.Chr.), der eine Philosophie über die sittliche Erziehung des Menschen entwickelte. Er ging davon aus, dass eine auf eine Seele gerichtete Erziehung zugleich eine Erziehung im Interesse des Staates sei: Die Wohlgestimmtheit der Seele, erreichbar durch eine in der richtigen Mischung bzw. Integration von Gymnastik und Musik dargebotenen Erziehung, fördere sowohl Tapferkeit als auch Besonnenheit. Diese platonische Ganzheitssicht von Körper und Seele, Individuum und Gesellschaft, wurde später von Kurt Hahn zum Vorbild und zu einem Grundpfeiler seines Konzepts.

In der Geschichte gibt er unzählige Wegbereiter. Die wichtigsten Vertreter und Vordenker sind Jean- Jacques Rousseau, Herny David Thoreau und Kurt Hahn.

(vgl. Fischer T., Ziegenspeck J.W. 2008, S. 9 ff.; Heckmair B., Michl W. 1998 S.3 ff.)

2.1 Vordenker Jean-Jacques Rousseau und Henry David Thoreau

Jean Jacques Rousseau (1712-1778) und Henry David Thorau (1817-1862) leben auf unterschiedlichen Kontinenten, jedoch haben sie viele vergleichbare Ideen. Beide Denker leben in der städtischen Kultur, sind Denker gegen den Zeitgeist und wollen einen neuen Menschen schaffen. Rousseau philosophiert über die Natur und das Leben in Einsamkeit und Einfachheit, Thoreau setzt dies in die Tat um. (vgl. Michl W. 2009, S.20)

Jean Jacques Rousseau ist ein Endecker der Lebensphase Kindheit. In seinem Werk „Emlie“ sind erlebnispädagogische Grundmuster zuerkennen. Er plädiert für natürliche Erziehung, was sich in dem berühmten Zitat des Werkes „Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt, alles entartet unter den Händen des Menschen“ (Rousseau J. J. 1975, S.9 zit. in Michl W. 2009, S. 20) findet. Seine Vorstellung von Erziehung in der Pädagogik war eine Erziehung ohne Erzieher. Die eigene Erfahrung und die natürliche Strafe, d.h. die negativen Folgen von unpassenden Handlungen bilden den Menschen. Kinder sollen Lernprozesse nicht durch Theoretisches erfahren, sondern diese sollen durch das Erleben und Forschen in der Natur ausgelöst werden. Rousseau appelliert an die Betonung der Gefühle und Emotionen, der Erlebnisse und Erfahrungen. Mit dem Zitat „Leben ist nicht atmen, leben ist handeln“ (Rousseau J.J. 1975 zit. in Michl W. S.21) schafft Rousseau die Grundmauern für erlebnis- und handlungsorientiertem Lernen. (vgl. Michl W. 2009 S. 20 ff.)

Henry David Thoreaus Ziel war die ursprüngliche und unmittelbare Hinwendung zum Leben ohne Mittler. Durch zwei seiner wichtigsten Bücher „Walden oder das Leben in den Wäldern“ und „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ zeigt er auf der einen Seite das Leiden am und der Widerstand gegen den ungerechten Staat, auf der anderen Seite die Natur als die große Erzieherin und Lehrmeisterin. Wie auch Rousseau betrachtet Thoreau das Streben nach Reichtum als eine Gesellschaftsneurose. Arbeit schafft Wohlstand, durch dies werden Bedürfnisse geweckt, und der Konsum steigt. Wer sich verschuldet, macht sich abhängig vom System.

Im Gegensatz zu Rousseau, der sein Leben lang ein Schreibtischtäter blieb, liefert Thoreau ein praktisches Beispiel der Lebenskunst. Er will nach den eigentlichen Lebensbedürfnissen des Menschen suchen und verlässt 1845 seine Heimatstadt Concorde, um zweieinhalb Jahre in einer selbst gebauten Hütte am Walden-See ein bedürfnisloses Leben zu führen. Die Aufzeichnungen dieses Experiments, seiner Erlebnisse und Erkenntnisse, waren für viele Weiterdenker Grundlage für ihre eigenen Arbeiten, wie z. B. das Solo Experience. (vgl. Heckmair B., Michl W. 1998 S. 9 ff.)

2.2 Kurt Hahn und die Erlebnistherapie

Im Zusammenhang mit der Erlebnispädagogik und ihrer Entwicklung führt kein Weg an Kurt Hahn (1886 – 1974) vorbei. Er wird oft als Urvater der Erlebnispädagogik bezeichnet und kann der reformpädagogischen Bewegung der Weimarer Republik zugeordnet werden. Mit seiner Erlebnistherapie, welche die von ihm beschriebenen Verfallserscheinungen der Gesellschaft bekämpfen sollte, legte Kurt Hahn den Grundstein für unsere moderne Erlebnispädagogik. Er beschreibt vier unterschiedliche Verfallserscheinungen:

- den Mangel an menschlicher Anteilnahme,
- den Mangel an Sorgsamkeit,
- den Verfall der körperlichen Tauglichkeit und
- den Mangel an Initiative und Spontanität.
(Schwarz 1968, S. 40 f. zit. In Heckmair B., Michl W. 1998 S.24)

Kurt Hahn kämpfte gegen diese Mängel mit einem erlebnistherapeutischen Konzept an, mit dem er insbesondere Jugendliche erreichen wollte. Folgende vier Elemente setzte er in seinem Konzept den Verfallserscheinungen entgegen:

Das körperliche Training

Durch leichtathletische und natursportliche Übungen sollte die Fitness der Jugendlichen gesteigert werden (z.B. durch Bergsteigen, Skilaufen, Segeln, Kanufahren).

Die Expedition

Mehrtägige Touren, meist in herausfordernden Naturlandschaften, wurden von den Jugendlichen selbst vorbereitet, organisiert und durchgeführt.

Das Projekt

Durchführung eines vorher festgelegten, zeitlich begrenzten Projektes mit handwerklicher oder künstlerischer Anforderung.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656416272
ISBN (Buch)
9783656417842
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213402
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
2,3
Schlagworte
erlebnispädagogik geschichte theorie

Autor

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Titel: Erlebnispädagogik. Geschichte und Theorie