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Adverbiale Subordination in Dialekten der englischen Sprache

Wissenschaftlicher Aufsatz 2006 15 Seiten

Anglistik - Linguistik

Leseprobe

Einleitung

1. Die Dialektregion Südwest-England
1.1 Angelsachsen und das Königreich Wessex
1.2 Sprachsubstrate in den West Country dialects

2. Subordination
2.1 Subordination in der Geschichte der englischen Sprache
2.2 Subordination in Schrift und Sprache

Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

In dieser Arbeit sollen die Herkunft, Verbreitung und Anwendung von Adverbialsätzen mit Subordinatoren untersucht werden. Im ersten Teil der Arbeit werden daher zunächst die Geschichte und erkennbaren Substrate in den Dialekten Südwestenglands dargestellt. Im 2. Teil erfolgt dann die Geschichte der adverbialen Subordination in der englischen Sprache sowie eine Untersuchung des derzeitigen Gebrauchs in den verschiedenen Varietäten der englischen Sprache.

1. Die Dialektregion Südwest-England

1.1 Angelsachsen und das Königreich Wessex

Die Dialekte des Südwesten Englands werden in der Linguistik als West Country dialects oder West Country accents bezeichnet. Verbreitet sind diese in einer Region die Cornwall, Devon, Somerset, Dorset, Bristol, Gloucestershire und Wiltshire umfasst. Bis ins 19. Jh. war der Westen Englands aufgrund seiner geografischen Isolation weitestgehend vor äußeren Spracheinflüssen geschützt. Daher spiegeln diese Dialekte einige Bestandteile der historischen Ursprünge der englischen Sprache wieder. Die südwestlichen Dialekte haben ihre Ursprünge in der Verbreitung der angelsächsischen Sprache und der Gründung des Königreiches Wessex. Die spätrömischen Truppen verfügten über germanische Truppenteile, Angeln, Jüten und Sachsen, die sich nach der erfolglosen Belagerung vor allem im Süden Englands niederließen. Dort hatten sie besondere Siedlungserfolge, da die einheimische Bevölkerung romanisiert war und keine Traditionen der Selbstverteidigung pflegte. Die Dumnonii zogen sich nach den Eroberungen der Angelsachsen nach Devon zurück (und von dort zum Teil wieder nach Aremorica), weshalb hier stärkere keltische Sprachanteile gefunden werden. Die Besiedelung des Südwestens durch Angeln und Sachsen war keine kurzfristige Invasion, sondern ein langsamer Prozess von Besiedelung und Wachstum. Im 7. und 8. Jahrhundert hatten sich vier Königreiche etabliert: Kent, Northumbria, Mercia, and Wessex. Diese vier hatten auch eigene Dialekte: Northumbrian wurde nördlich des Flusses Humber, Wessex oder Southern wurde in den Gebieten südlich der Themse, Kentish nur in Kent und Mercian in den Midlands gesprochen.[1] Skeat bemerkte, dass der Begriff „angelsächsisch“ für den Dialekt in Wessex zu ungenau sei, da die Bevölkerung zum Teil anglischen und zum Teil sächsischen Ursprungs gewesen sei, was sich auch auf die Sprache in den jeweiligen Siedlungsgebieten auswirkte. Die Unterschiede zwischen den Sprachgrenzen brachten Linguisten zu der Schlussfolgerung, dass in Wessex Sachsonisch und in Northumbria und Mercia eher Anglisch gesprochen wurde.[2] Nach einer Machtdominanz Mercias im 7. und 8. Jahrhundert folgte die große Zeit des Königreiches Wessex. Mit der Thronbesteigung durch Egbert im Jahre 802 wuchs der Traum des Königreiches von einem geeinten England von der Küste bis an die schottische Grenze. Bei der Verbreitung der Macht in diese geografische Richtung ließ man die Sicherung der Küsten hingegen außer Acht. Im Jahre 793 plünderten die Wikinger Lindisfarne, die heiligste Stadt des Königreiches und mehrten von diesem Zeitpunkt an ihre Eroberungszüge. In der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts eroberten Dänen und Norweger Northumbria und Ostanglia und siedelten dort, was die Macht Mercias wiederum erstarken ließ.[3] Im Jahre 878 schlossen König Alfred von Wessex und der Anführer der Dänen, Guthrum“, einen Vertrag, nach dem die Dänen Wessex zu verlassen hatten und in Ostanglia siedeln sollten. Das Land wurde in einer Linie von London bis Chester geteilt. Südlich und westlich dieser Linie war nun das Königreich Wessex, und nördlich der Einflussbereich der Dänen, das sog. Danelaw. So fielen auch die West Midlands, das ehemalige Königreich Mercia, dem Königreich Wessex zu. König Alfred war hingegen nicht nur ein fähiger Militärstratege, seine Machtsicherung betrieb er auch durch die Verbreitung und Standardisierung der westsachsonischen Sprache. Er beauftragte Übersetzungen geistlicher und literarischer Werke und bezeichnete in einem Vorwort zu einer Übersetzung der Cura Pastoralis die Wiederbelebung der Kultur und des Lernens als eines seiner Ziele.[4] Alfred bemerkte, dass Kenntnisse der lateinischen Sprache selten vorhanden waren und beschloss daher, wichtige Texte sofort ins Englische übersetzen zu lassen. Die Fundsituation dieser Übersetzungen legt nahe, dass die ersten Exemplare jeweils in Wessex hergestellt wurden und dann zwecks Vervielfältigung in andere Skriptorien des Reiches geschickt wurden. Es war das erste Mal in der Geschichte Englands, dass eine mehr oder weniger standardisierte Sprachform offiziell unterstützt und verbreitet wurde. Alfred ließ vor allem historisch-erzieherische oder administrativ-juristische Texte anfertigen, Erstere konnten hilfreich sein, um eine nationale Identität zu entwickeln, Letztere konnten helfen die gesetzlichen Vorschriften des Königs auch in entlegenen Regionen zur Durchsetzung zu verhelfen. Auf einer Synode in Winchester im Jahre 970 beschlossen die Teilnehmer die sprachliche Vereinheitlichung in allen Abteien des Reiches und in der Nachfolge verfasste Bischof Aethelwood von Winchester diese Richtlinien in der Regularis Concordia. Der Bischof verfasste zudem eine lateinische Grammatik in englischer Sprache, ein Werk, das sein Schüler Aelfric nach dessen Tod fortführte. Aelfric bemerkte, dass Latein und Englisch über unterschiedliche Grammatiken verfügten und bezeichnete die Grammatik als den Ursprung des Textverständnisses. Die Schule von Winchester, dessen Schüler Aelfric war, veröffentlichte zudem ein standardisiertes Vokabular des Altenglisch. Im 10. und 11. Jh. erfolgten weitere Eroberungszüge durch die Dänen, wodurch deren Einfluss im Süden Englands gestärkt wurde. Im Jahre 1015 siegte der dänische König Canute über König Ethelred und übernahm das Königreich Wessex. Canute und die Dänen wurden jedoch sprachlich und politisch assimiliert. 1066 bestieg der Franzose William of Normandy den Thron von Wessex, was zur Einführung der französischen Sprache und Ideen am Hof führte. Bis in das 13. Jh. mehrte sich der Einfluss der französischen Sprache auch in der Bevölkerung. Die Anglo-Saxon Chronicle wurde bis in das Jahr 1154 in angelsächsischer Sprache weitergeführt.[5] In der Literatur blieb das Angelsächsische noch bis an das 13. Jh. erhalten und fand auch später noch dadurch Verbreitung.[6]

1.2 Sprachsubstrate in den West Country dialects

Es wird vermutet, dass die lokalen Dialekte im West Country noch heute die Siedlungsgebiete der angelsächsischen Clans widerspiegeln, daher einige germanische Sprachbestandteile enthalten.

Dialektformen in Südwest-England

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Gebrauch des männlichen oder weiblichen Genus anstatt des englischen Neutrums ist in den Dialekten Südenglands vergleichbar mit dem der deutschen Sprache. Es erscheinen daher Formen wie z. B. put he over there = put it over there. Die West Country dialects bedienen sich eines Systems, welches in den Sprachen der Welt sehr selten ist und nur in Dialekten vorkommt. Maßgeblich für die Verwendung des Genus ist die Unterscheidung zwischen zählbaren und nicht-zählbaren Nomen. Zählbare Nomen werden dabei mit dem männlichen oder weiblichen Genus gebildet, nicht-zählbare mit it (Bsp. für Terme mit “gendered Pronouns“thing, cart, door, tree, ball usw.). Im Südwesten werden diese Formen vom -it Gebrauch des Standard British English verdrängt, im äußersten Westen hingegen liegt ihr Prozentsatz zwischen 80 und 100 %. Wie die folgende Tabelle, die die Anzahl der gefundenen Beispiele mit geschlechtlichen Pronomen zeigt, ist der Gebrauch in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich:

[...]


[1] Skeat, S. 11

[2] Skeat, S. 12

[3] Blake, S. 75f

[4] Ebd., S. 83

[5] Blake, S. 154

[6] Vgl. Skeat, S. 48f

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