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Übergangssysteme - Chance oder Sackgasse für Jugendliche?

Migranten und Einmündungschancen am deutschen Arbeitsmarkt

Bachelorarbeit 2012 45 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitungskapitel

2. Übergangssysteme
2.1 Übergangssysteme im historischen Kontext
2.2 Übergangssysteme im Vergleich

3. Migranten und das Bildungssystem
3.1 Allgemeine Situation der Migranten im Bildungssystem
3.2 Einmündungschancen von Hauptschulabgängern und Migranten
3.3 Effektivität von Übergangssystemen.
3.4 Folgen von Übergangssystemen am Individuum

4. Zusammenfassung, Fazit und abschließende Worte

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitungskapitel

Kein anderes Thema beschäftigt die Bildungs- und Kultusminister so, wie der aktuelle Fachkräftemangel in der Bundesrepublik Deutschland. Seit der Reform vom 9 jährigen Gymnasium zum G8, strömen jedes Jahr Massen an Abiturienten die Deutschen Universitäten um einen akademischen Abschluss zu erlangen. Der Fokus beschränkt sich momentan ganz auf dieses Thema. Dabei lässt man die Schulabgänger von Real- und Hauptschulen die einen dualen Bildungsweg mit Arbeit und Schule verknüpfen außer acht. Dem traditionellen Weg des dualen Bildungsgangs, wird in Zeiten der Globalisierung weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Man bekommt sogar den Eindruck der Stellenwert von Hauptschulabschlüssen sei stark gesunken. Der Ruf nach einer neuen „Mittelschule“ im bayerischen Bildungssystem wird lauter. Experten diskutieren über die Vor- und Nachteile einer Abschaffung der Hauptschule. Als Lösung sieht man das zusammenlegen aller Schulkinder bis zur 10.Klasse. Damit soll eine frühe Selektion durch Schultypen vermieden werden und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden. Doch hat die Hauptschule nicht auch seine Daseinsberechtigung? Der optimale Übergang in die Erwerbstätigkeit gelingt immer schwieriger. Vor allem Hauptschulabgängern gelingt der Übergang nicht so leicht. Die meisten schaffen es nicht einmal ihren qualifizierten Hauptschulabschluss zu erlangen. Die Gründe sind verschieden. Jugendlichen mit Migrationshintergrund bereitet der „QA“ große Probleme. Aber nicht nur Migrantenkinder werden mit diesem Problem konfrontiert, sondern auch Deutsche Jugendliche sind davon betroffen. Auf diese Schulabgänger warten in den meisten Fällen die Übergangssysteme. Ein System der Reintegration in den Arbeitsmarkt. Halten diese Maßnahmen das was sie versprechen? Im folgendem werde ich zunächst auf das Übergangssystem im einzelnen eingehen. Vor allem den historischen Aspekt und die die definitorische Abgrenzung möchte ich näher beleuchten, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass sich das Übergangssystem bis heute in der Form entwickelt hat. Welche Entwicklungen abzusehen sind und natürlich die Folgen auf das System und den Einzelnen Menschen. Danach werde ich die einzelnen Übergangsformen beginnend mit dem Berufsvorbereitungsjahr ( BVJ ) , dem Berufsgrundbildungsjahr ( BGJ ), weiter mit der Teilqualifizierenden Berufsfachschule ( BFS ) und den berufsvorbereitenden Maßnahmen der BA bis hin zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher ( EQ ) näher beleuchten und untereinander vergleichen. Im Fokus wird bei allen Maßnahmen der strukturelle Aufbau der jeweiligen Maßnahme liegen. Dauer , Ziele und Voraussetzungen die zu erfüllen sind um die jeweilige Maßnahme zu durchlaufen. Nach diesem Block werde ich genauer die Situation der Migranten im deutschen Bildungssystem beleuchten. Dabei sollen vor allem Zahlen und Statistiken Entwicklungen darlegen und belegen. In 3.2 werde ich dann die Einmündungschancen der Hauptschulabgänger im Vergleich zu den Migranten darlegen. Bestehen Unterschiede in der Auswahl der einzelnen Bewerber? Gibt es Schlüsselqualifikationen die einen Übergang in das Duale System erleichtern? Wie sieht die Kooperation der Unternehmen mit den einzelnen Übergangsmaßnahmen aus? Diesen Fragen werde ich mich in diesem Kapitel widmen. Im vorletzten Kapitel werde ich dann im einzelnen die Effektivität von Übergangssystemen näher erläutern. Wie sieht die Kosten - Nutzen Bilanz aus? Auch hier sollen Zahlen der Veranschaulichung dienen um sich selbst eine Meinung bilden zu können. In Kapitel 3.4 werde ich in die positiven und negativen Aspekte darlegen, wie sich das System auf das Individuum auswirkt. Welche Folgen können dadurch entstehen? Welchen Belastungen werden Jugendliche ausgesetzt? Abschließen werde ich mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten genannten Aspekte in der Arbeit. Ein kurzes Fazit mit meiner persönlichen Meinung soll die Arbeit abrunden.

2.Übergangssysteme

Übergangssysteme gehören in der Bundesrepublik Deutschland zum gewohnten Bild in der Bildungslandschaft. Es gibt kaum jemanden der diesen Begriff nicht schon mal gehört hat. Auch für diesen Begriff gibt es eine genaue Definition, die hier nicht fehlen darf. Nach der Definition des Nationalen Bildungsberichts von 2006 zählen zum beruflichen Übergangssystem „ (Aus-)Bildungsangebote, die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen"1 In dieses System fallen auch "teilqualifizierende Angebote, die auf eine anschlie ß ende Ausbildung als erstes Jahr angerechnet werden können oder Voraussetzung zur Aufnahme einer vollqualifizierenden Ausbildung sind",2. Der Bildungsbericht liefert hier eine theoretische begriffliche Basis zum Übergangssystem. Natürlich wird dieser Begriff in vielen Institutionen auch kritisch diskutiert. Eine andere Ansicht ist die Verwendung des Begriffs „System“ im Begriff des Übergangssystem. Es wird festgestellt, dass für das Übergangssystem „ ein hohes Ma ß an institutioneller Diffusität und Intransparenz.. “ vorhanden ist , „ ...was die Verwendung des Begriffs „ -system “ ungeeignet erscheinen lässt. “ 3. Die drei wichtigsten Formen dieser Übergangsmaßnahmen sind die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit ( BvB ),die Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahre ( BVJ/BGJ ) der Bundesländer sowie deren teilqualifizierende Bildungsgänge an Berufsfachschulen ( z. B. Handelsschulen ) und Angebote für Schüler ohne Ausbildungsvertrag und die im Rahmen des Ausbildungspaktes eingeführten betrieblichen Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche ( EQ ).4 Wie diese Maßnahmen aufgebaut sind, wird in Kapitel 2.2 verdeutlicht. Um die Wichtigkeit der Übergangssysteme zu verdeutlichen betrachten wir uns die Verteilung der Neuzugänge auf die genannten drei Sektoren des beruflichen Ausbildungssystems im Jahr 2006 in der BRD, die unten grafisch dargelegt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 :Verteilung der Neuzugänge auf die drei Sektoren des beruflichen Ausbildungssystems (2006).

Anhand dieser Aufteilung, sieht man den berechtigten Einwand der Heterogenität des Systems, der zu Beginn sehr strukturiert und homogen schien. Das duale System ist im Jahr 2006 mit 43,5% die vorherrschende Ausbildungsform. Dicht gefolgt vom Übergangssektor mit 39,7% und dem Schulberufssystem mit 16,8%. Doch wie entstand diese neue Form an Übergangsmaßnahmen? Im nächsten Kapitel wird der historische Kontext zur Entstehung dieses Systems genauer dargelegt und erläutert.

2.1 Übergangssysteme im historischen Kontext

Die Form des jetzigen Übergangssystems hat seine Entstehungsdynamik den frühen 60er Jahren zu verdanken. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Hochschulen war nur einem kleinen Teil der deutschen vorindustriellen Gesellschaft möglich. Viele konnten weder lesen noch schreiben. Erst ab 1945 begann die erste Bildungsexpansion. 1960 expandierte diese Bildungsexpansion aufgrund schlechter werdender Berufseinstiegsmöglichkeiten, die auch der niedrigen Grundqualifikationen geschuldet war. Die obige Grafik verdeutlicht die Anhebung des Bildungsniveaus in der BRD. Vor allem der stark zurückgegangene Anteil von Hauptschülern im Jahr 1960 von 70% bis zum Jahr 2000 auf nur 20% verdeutlicht diesen Wandel des Bildungsniveaus. Im Jahr 2000 sehen wir mit 9% auch Schularten mit anderen Bildungsgängen. Diese Schularten sind uns besser bekannt als Übergangsformen oder Systeme, die nun auch signifikant vertreten sind.Die ersten Maßnahmen der Bundesagentur wurden schon 1970 eingeführt, nahmen aber großen Einfluss auf das Bildungssystem5. Ein weiterer Entstehungsgrund von

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Besuchte Schularten von 13 jährigen 1960 und 2000.

Übergangssystemen ist auch die Entwicklung in der nationalen und internationalen Wirtschaft. Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung der Weltwirtschaft, war es notwendig die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähig zu halten. Die „Agenda 2010“ die von der Regierung Schröder 2003 auf den Weg gebracht wurde, unterstützte die deutschen Unternehmen durch Lockerungen von Kündigungsschutz und atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Die deutsche Wirtschaft wurde flexibel und war im internationalen Vergleich konkurrenzfähig. Natürlich hatte diese Entwicklung einen Nachteil für den Ausbildungsmarkt. Ausbildungsstellen wurden weniger und viele Unternehmen zogen sich komplett aus dem Ausbildungsbereich zurück. Somit konnten immer weniger Hauptschulabgänger in das Duale System einmünden. Die Verantwortung der Übergangssysteme stieg für diese im Moment nicht vermittelbaren jungen Menschen. Die Hauptgründe für die Entwicklung der Übergangsmaßnahmen war zum einen dem immer größer werdenden Bildungsdrang der Industriegesellschaft der frühen 60er Jahre geschuldet und zu anderem der wirtschaftspolitischen Dynamik der Globalisierung, verbunden mit der Individualisierung des nationalen Arbeitsmarktes. Bemerkenswert ist die Entwicklung schon in den 60er Jahren, „ dass Kinder aus unteren Schichten, aus ländlichen Gebieten und Mädchen in Bildungseinrichtungen, die zu höheren Qualifikationen führen, deutlich seltener vertreten waren, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprach. “ 6. Schon damals waren also Kinder aus den unteren Schichten gefährdet keinen höher qualifizierten Beruf zu bekommen. Obwohl die Expertengruppe des Forum Bildung bis heute vom Bildungssystem fordert, „ dass alle Menschen, unabhängig von ihrem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund, ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft und ihren individuellen Voraussetzungen, Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. “ 7. Führt man nun den Gedanken konsequent weiter, war es unumgänglich, dass sich Übergangsformen ständig weiter ausprägten und im Bildungssystem etablierten. Fakt ist, dass eben nicht alle Jugendlichen uneingeschränkt alle Möglichkeiten und Bildungsangebote nutzen können . Schuld daran ist der Wandel der Lebensformen oder Beibehaltung traditionellen Formen des Lebens, die vor allem Kinder aus anderen ethnischen Schichten hindern und somit unter ihren Möglichkeiten bleiben. Im folgenden werden nun die einzelnen Übergangsmaßnahmen erläutert und miteinander verglichen.

2.2 Übergangssysteme im Vergleich

Nachdem nun der historische Kontext zur Entstehung von Übergangssystemen verdeutlicht wurde, wird nun auf die einzelnen Maßnahmen der Fokus gelegt. In den letzten 15 Jahren entwickelte sich in deutschen Bildungssystem eine „Schnittstellenproblematik“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 :Schnittstellenproblematik

Es entwickelten sich in der realen Arbeitswelt neue Segmente wie „ Einfache Arbeit“ , Facharbeit und Hochqualifizierte Arbeit. Zwischen diesen großen Segmenten findet man nun die Bachelorabsolventen, die Auszubildenden im Dualen System und das Übergangssystem. Viele Jugendlichen bleiben in dieser Schnittstellenproblematik hängen. Der Zugang in die großen Gruppen gestalltet sich schwer. Was zu Beginn des Wirtschaftsbooms in den 50er Jahren relativ einfach war, wurde im Laufe der Jahre durch das steigende Bildungsniveau immer schwieriger. Auch alte Strukturen in Unternehmen erschweren den Jugendlichen den Weg in das Arbeitsleben. Neue Schulabschlüsse wie der Bachelor haben bei Unternehmen noch nicht die Akzeptanz von einem Diplomstudiengang erreicht. Das Problem fängt schon bei dem Hauptschulabschluss an. Die erste Schwelle zur „ einfachen Arbeit“ in der man in der Lehre gelingt immer mehr wenigen Jugendlichen. Vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund bereitet die erste Übergangsschwelle enorme Probleme. Hier sollen nun Übergangssysteme eingreifen. Dieses Übergangssystem gliedert sich wieder in 5 Teile : Das Berufsgrundbildungsjahr ( BGJ ), das Berufsvorbereitungsjahr ( BVJ ), die Teilqualifizierende Berufsfachschule ( BFS ) , die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher ( EQ ) und die berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit ( BvB ). Das Berufsgrundbildungsjahr wurde Mitte der 70er Jahre eingeführt. Sein Konzept sieht vor, dass das erste Berufsausbildungsjahr im dualen Ausbildungssystem voll schulisch absolviert wird. Dort sollten die Schulabgänger, die einen Hauptschulabschluss besitzen und keine Lehrstelle gefunden haben, eine vollständige Grundausbildung in einem der definierten 13 Berufsfelder vermittelt bekommen. Dieses sollte dann vollständig zum ersten Ausbildungsjahr angerechnet werden können. Das BGJ gibt auch die Möglichkeit durch eine Zusatzprüfung einen mittleren Schulabschluss im Rahmen der Maßnahme zu schaffen. Dieses Konzept scheiterte an zu geringer Akzeptanz seitens der ausbildenden Betriebe. In der Realität fängt das BGJ alle Jugendliche Hauptschulabsolventen ohne Lehrstelle ab und vermittelt ihnen eine breite berufliche Grundbildung um einen Übergang in das Arbeitsleben zu verbessern8. „ Die Anrechnung des BGJ auf die Dauer einer Berufsausbildung, die früher durch Rechtsverordnungen (auf Bundesebene bis zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2005, seitdem ausschlie ß lich auf Länderebene) zumindest teilweise verbindlich vorgeschrieben war, ist seit 1. August 2009 nur noch auf gemeinsamen Antrag von Betrieb und Auszubildendem möglich ( § 7 Abs. 2 BbiG) “ 9. Die nächste Maßnahme ist das Berufsvorbereitungsjahr ( BVJ ). Diese wurde ebenfalls Mitte 1970 eingeführt. Sie umfasst einen einjährigen Besuch an beruflichen Schulen und ist vor allem für die Jugendlichen ohne Schulabschluss bzw. Sonderschulabschluss. Dort sollen die Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz vorbereitet werden. Das vermitteln von Grundqualifikationen und speziellen Fertigkeiten für bestimmte Berufsfelder steht hier im Vordergrund. Nicht selten stehen Berufspraktika auf dem Programm , in diesen sich die Jugendlichen gleich praktisch empfehlen und gleichzeitig einarbeiten können. Das Berufsvorbereitungsjahr bietet den Schulabgängern auch die Möglichkeit auch ihre Schulpflicht oder Berufsschulpflicht zu erfüllen. Das BVJ wird vollzeitschulisch durchgeführt und bietet auch die Möglichkeit einen Hauptschulabschluss zu erreichen. Die Konzeption des BVJ ist in Bundesländern verschieden 10.11 12 Die Empfehlung für das BVJ machen in erster Linie die zuständigen Lehrkräfte an der Hauptschule oder Berufsschule. Empfehlenswert ist das BVJ vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund die schlecht Deutsch sprechen oder Jugendliche ohne Abschluss bzw. schlechtem Abschluss, die dadurch einen besseren Zugang in einen Dualen Ausbildungsgang erhalten sollen. Vergleicht man nun diese zwei Maßnahmen unterscheiden diese sich in den Besuchern. Entweder hat man schon einen Abschluss oder man hat keinen Abschluss. Die Grundintention der Vermittlung von Berufsfertigkeiten und Qualifikationen, die in eine Berufsausbildung führen sollen, ist bei beiden Maßnahmen gegeben. Zentraler Punkt ist das erreichen der „Ausbildungsreife“. Als Kontrast betrachten wir nun die teilqualifizierende Berufsfachschule. Die BFS hat eine sehr lange Tradition, ihr Ursprung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. „ Das ein- oder zweijährige vollzeitschulische Bildungsangebot zur Vermittlung einer beruflichen Grundbildung ist sehr vielfältig und richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen. Die weitaus gr öß te Bedeutung haben Bildungsgänge der Fachrichtung „ Wirtschaft und Verwaltung “ (z. B. Handelsschule, höhere Handelsschul e)“13. Bei diesem Bildungsangebot wird mindestens der Hauptschulabschluss vorausgesetzt. Teilweise ist sogar die mittlere Reife erforderlich um, an einem Bildungsgang teilzunehmen. Für viele Jugendliche ist der Erwerb des Mitteleren Reife oder Fachhochschulreife das vorrangige Ziel. Dieses wird im Rahmen des Bildungsganges auch angeboten. Da die Bedeutung des BFS vor allem in Baden -Würtemberg sehr hoch ist, kann der Besuch der BFS bei bestimmen Ausbildungsgängen zur Ausbildungszeit angerechnet werden. Aber auch hier gilt ab 1. August 2009 die Regelung von § 7 Abs. 2 BbiG. Die Ausgestaltung ist in allen Bundesländern verschieden. Nur in Mecklemburg -Vorpommern wird die teilqualifizierende Berufsfachschule nicht angeboten. ( vgl. BiBB Report 11/2009 ). Im Vergleich zum BGJ und BVJ liegt der Fokus klar auf der theoretischen Spezialisierung in einem Bildungsgang. Teilnehmen kann man nur mit passendem Abschluss für den jeweiligen Berufsbildungsgang. Die „Ausbildungsreife“ ist hier gegeben, da auch ein erreichen eines höherwertigen Abschluss Primärziel ist. Eine hingegen große Bedeutung sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland, haben die Berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit ( BvB ). An der Maßnahme sind nur Jugendliche unter 25 Jahren, die ihre Schulpflicht erfüllt aber noch keinen Ausbildungsplatz besitzen. Seit 1970 werden diese Maßnahmen durchgeführt. Sie sind vor allem für lernbeinträchtigte und sozial benachteiligte Jugendliche vorgesehen, die damit zur Ausbildungsreife geführt werden sollen um eine bessere Chance auf einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „ Für Jugendliche, die bisher noch ohne Schulabschluss sind, bietet die Ma ß nahme au ß erdem die Möglichkeit, sich auf den Erwerb eines Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses vorzubereiten. In den Ma ß nahmen wird ein breit gefächertes Angebot vorgehalten, das auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Teilnehmer ausgerichtet und flexibel gestaltet wird. Das für die laufenden Ma ß nahmen gültige Fachkonzept ist beigefügt.Im Regelfall dauert die Teilnahme an einer Berufsvorbereitenden Bildungsma ß nahme bis zu 10 Monate, in Ausnahmefällen bis zu 18 Monate.Während der Teilnahme an einer Berufsvorbereitenden Bildungsma ß nahme haben die Jugendlichen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe.Ob die Voraussetzungen für eine Förderung vorliegen, wird bei der Agentur für Arbeit vor Ort geklär t.“ 14. Die Struktur wurde erst seit dem Jahr 2004 verändert und zeitlich limitiert. „ Während sich vorher einzelne Lehrgangstypen an bestimmte Zielgruppen richteten (BBE- Lehrgänge für nicht ausbildungsreife, G-Lehrgänge für ausbildungsreife, F-Lehrgänge für behinderte Jugendliche), gibt es seitdem zielgruppenübergreifende Qualifizierungsebenen (Grundstufe: Berufsorientierung und Berufswahl; Förderstufe: Vermittlung beruflicher Grundfertigkeiten; Ü bergangsqualifizierung: berufs- und betriebsorientierte Qualifizierung), in die alle Teilnehmer/-innen entsprechend ihres jeweils festgestellten individuellen Förderbedarfs flexibel ein- und umsteigen können (vgl. BA-Fachkonzept). Es erfolgt eine sozialpädagogische Unterstützung “ 15. Somit kann man sagen, dass im Vergleich zu den bisherigen vorgestellten Übergangsmaßnahmen die BvB besonders die Schulabbrecher ansprechen soll einen Abschluss zu erlangen um im Berufsleben besser Fuß fassen zu können.

Wesentlicher Unterschied ist die Aufteilung der Lehrgänge und der Berufsqualifizierungsebenen. Dem BvB sehr ähnlich ist die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher auch „EQ“ abgekürzt. Diese wurde 2004 mit dem neuen Ausbildungspakt eingeführt und hat in allen Bundesländern eine hohe Akzeptanz. Die Dauer der Maßnahme variiert zwischen 6 und 12 Monate und ist für die Jugendliche angedacht, die sich auch in der Nachvermittlung eines Ausbildungsplatzes nichts ergeben hat. Kernessenz sind berufsvorbereitende Praktika in Betrieben. Die Betriebe zahlen den Teilnehmern einen fixen Betrag von 212 Euro im Monat. Der komplette Betrag zuzüglich Sozialversicherungsbeiträge , wird von der Bundesagentur den Betrieben voll erstattet. Die Zielgruppe ist deckungsgleich mit der BvB. Bemerkenswert ist hier eine teilweise hohe Übergangsquote in eine Ausbildung16 17. Der große Vorteil für die Unternehmen ist die volle Kostenrückerstattung und eine zusätzliche Arbeitskraft. Jede der vorgestellten Maßnahmen hat somit eine genaue Zielgruppe, die sie ansprechen soll. Bei ausgewählten Maßnahmen entscheidet das Fachpersonal über die Eignung der Jugendlichen für eine Maßnahme. Bei manchen ist die Eigeninitiative der Betroffenen gefragt. Ob diese immer gegeben ist, bleibt offen. Welche Übergangsmaßnahme nun am meisten besucht wird, soll die Abbildung 4 verdeutlichen. Insgesamt betrachtet, ist die Zahl der Eintrittsteilnehmer in Übergangssysteme von 1992 von 70.400 auf 155.516 im Jahr 2006 gestiegen.Die entspricht einer Steigerung von 120,9%. Bei den Schülern im BVJ ist im selben Zeitraum ein Anstieg von 93,5% zu verzeichnen. Das Berufsgrundbildungsjahr verzeichnet einen Anstieg von 31.325 im Jahr 1992 auf 47.937 im Jahr 2006. Dies entspricht einem Zuwachs von 53%. Der Besuch in der Berufsfachschule stieg ebenfalls von 110.252 Teilnehmer auf 202.129, was einem Zuwachs von 83,3% entspricht. Besonders die Zahl der Fachoberschüler ist deutlich mit gestiegen. Hier beträgt die Zuwachsrate 164,3% . Bemerkenswert sind auch die Entwicklungen der Eintritte in die Einstiegsqualifizierung. Wir sehen in Jahr der Einführung 2004 , eine Teilnehmerzahl von 6227. Diese stieg im Jahr 2006 auf 36.957 Teilnehmer. Daraus lässt sich anhand der Entwicklung der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Einmündungen in Bildungsgänge in das Übergangssystem.

Zahlen im Bereich der Fachoberschulbesuche, eine Steigerung des Bildungsniveaus schon erkennen. Auch die günstige Ausgangslage der EQ und der Entwicklung der damit verbundenen Zahlen der Teilnehmer, lassen die Schlussfolgerung einer Etablierung und Akzeptanz dieser Übergangsmaßnahme zu. Im Jahr 2008 mündeten 397.277 Neuzugänge in das Übergangssystem . Bis heute hat sich „die Struktur des Übergangssystems nach den Ergebnissen der Schul- und Maßnahmenstatistiken in den letzten Jahren nur geringfügig

[...]


1 Bildungsbericht 2006, S. 79

2 Bildungsbericht 2008, S. 99

3 Prognos, S.1

4 BIBB (2011), S.7

5 BiBB 11/09, S.2

6 Hradil, Stefan (2001), S.160

7 Arbeitsstab Forum Bildung (2001),S.25

8 Galetzka, Claudia; Stein, Gerolf (2008), S. 15-28

9 BiBB 11/09, S.2 und 5-6

10 Auszubildende im Blickpunkt , Berufsvorbereitende Maßnahmen

11 BiBB 11/09 , S.2 und 5-6

12 BMBF; , S.31

13 BiBB Report 11/2009, S.2 und 5-6

14 Arbeitsagentur; Jugend und Bildungsmaßnahmen,

15 BiBB Report 11/09 , S.2 und 5-6

16 Agentur für Arbeit, Jugendliche und Einstiegsqualifizierung

17 BiBB Report 11/09 S.2 und 5-6

Details

Seiten
45
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656418719
ISBN (Buch)
9783656418856
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213160
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Philosophisch- Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
übergangssysteme- einmündung migranten arbeitsmarkt

Autor

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Titel: Übergangssysteme - Chance oder Sackgasse für Jugendliche?