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Skriptorium des Klosters St. Klara. Handschriftenproduktion und –vertrieb im Frauenkloster

Hausarbeit 2013 27 Seiten

Buchwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Aktueller Forschungsstand

2. Einleitung

3. Die Frau im Mittelalter
3.1 Bildung der Frau im Mittelalter
3.2 Arbeitende Frauen im Mittelalter

4. Buchmarkt im Spätmittelalter
4.1 Handschriftenproduktion im Spätmittelalter
4.1.1 Skriptorien der Klöster
4.1.2 Buchmarkt im Wandel
4.2 Handschriftenvertrieb im Spätmittelalter

5. Das Kloster St. Klara
5.1 Der Klarissenorden
5.2 Das Kloster St. Klara in Köln
5.3 Das Skriptorium
6. Die Handschriften des Klosters St. Klara
6.1 Die Petronilla- Graduale
6.2 Das Wintersbach- Missale
6.3 Der Rennenberg- Codex
6.4 Graduale für Dominikannerinenkloster St. Gertrud
6.5 Chorbücher
6.5.1 Cod. holm. A
6.5.2 Der zweite Codex
6.6 Xantener- Missale
6.7 Brevier Dom Hs. 267 und Brevier Ms. C.60
6.7.1 Brevier Dom Hs.
6.7.2 Brevier Ms. C 60

7. Fazit

8. Bibliographie

1. Aktueller Forschungsstand

Als ich mich für das Thema dieser Arbeit entschied, war mir durchaus bewusst welche Probleme bei der Literaturrecherche noch auf mich warteten. Diese Arbeit zu erstellen, wäre ohne die Forschung und die wissenschaftlichen Abhandlungen einiger Personen nicht möglich gewesen. Die Hausarbeit beginne ich mit einer kurzen Übersicht über das Leben der Frau im Mittelalter. Hierfür zog ich Erika Uitz Buch „ Die Frau im Mittelalter “ zu Rate und die informative Webseite der Hildegard von Bingen. Sich einen Überblick über die allgemeine Situation des Handschriftenhandels im Spätmittelalter zu verschaffen, ist dank Büchern wie „ Geschichte des deutschen Buchhandels “ von Reinhard Wittmann und Werner Faulstichs Buch „ Medien und Ö ffentlichkeiten im Mittelalter “ keine Schwierigkeit. Ebenso fällt es nicht schwer, wissenschaftlich fundierte Werke zu den Klarissen und ihrem Orden zu finden. So geben die Bücher von Georg Schwaiger einen guten Überblick über die Klarissen, das Leben im Orden im Spätmittelalter und die Ideologien des Ordens. Auch das Kloster St. Klara in Köln ist trotz seiner Auflösung im Jahr 1802 heute sehr gut erforscht. Vor allem durch seine Bedeutung in der Kunstgeschichte ist es ein beliebtes Thema für wissenschaftliche Arbeiten geworden. So liefert Christoph Bellot mit seinen Beiträgen wie „ Klarissenkloster St. Klara “ einen guten Überblick über die Geschichte des Klosters und vor allem über seine Kunsthistorischen Schätze. Sein Augenmerk liegt jedoch mehr auf der Gestaltung des Klosters, als auf den Handschriften des Skriptoriums. Hier stieß ich auch auf einige Schwierigkeiten bei meiner Literaturrecherche zum Thema „ Skriptorium des Klosters St. Klara “. Viele der Handschriften sind verschollen oder nicht mehr gut erhalten, und diejenigen die noch in Bibliotheken aufbewahrt sind, sind leider meist nicht Digitalisiert. Ich stütze mich zu Beginn meiner Arbeit auf die Seite manuscripta- mediaevalia, die einen Überblick über digitalisierte Handschriften bietet. Wegen dem spärlichen Angebot an Handschriften aus dem Klarissenkloster in Köln, entschloss ich mich jedoch dazu, mich bei meiner Recherche auf Sekundärliteratur zu stützen. Eine Vorreiterin in der Forschungsarbeit bezüglich der Handschriften des Klosters St. Klara in Köln ist Renate Mattik, die sich in ihrem Aufsatz „ Drei Chorbücher aus dem Kölner Klarissenkloster im Besitz von Sulpiz Boisser è e “, mit drei Kodizes auseinander setzt, die einst im Besitz des Kunstsammlers Sulpiz Boisserèe waren, der sich intensiv mit dem Kloster beschäftigt hatte. Es gibt von Frau Mattik noch weitere Aufsätze zu der Thematik, für mich erschien jedoch der genannte Beitrag am relevantesten für meine Arbeit. Auf die Erkenntnisse von Mattick gestützt und mit sehr viel eigener Forschungsarbeit und Meinungsbildung war Johanna Gummlich mit ihrer Arbeit „ Bildproduktion und Kontemplation “ eine wichtige Quelle für meine Arbeit. Insbesondere Gummlichs Versuch, die Handschriften in einer Tabelle zu ordnen und ihre Schreiber, ihren jetzigen Aufenthaltsort und ihren Besitzer zu ermitteln, war für meine Fragestellung enorm relevant. Ein weiterer Name der fällt, wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt, ist Sabine Benecke mit ihrer Arbeit „ Randgestaltung und Religiösität: Die Handschriften aus dem Kölner Kloster St. Klara “. Ich entschied mich jedoch gegen eine Einbeziehung ihrer Ergebnisse, da ich mir der wissenschaftlichen Fundiertheit ihrer Behauptungen nicht sicher bin. Weitere Informationen über einige der in der Arbeit genannten Handschriften, bekam ich durch die Sammelband Beiträge von Andreas Odenthal und Markus Müller. So beschäftigt sich Odenthal in seinem Beitrag zu „ Glaube und Wissen im Mittelalter “ mit dem Rennenberg- Codex, seiner Entstehung und Geschichte. Markus Müller hingegen betrachtet in seinem Beitrag die Graduale für das Kloster St. Gertrud in Köln. Man muss festhalten, dass der Forschungsstand über das Kloster St. Klara gut ist, sich jedoch zum großen Teil mit künstlerischen Elementen beschäftigt. Über die Handschriften des Klosters gibt es leider sehr wenige Informationen und die meisten davon beschäftigen sich mit der Gestaltung der Handschriften, also der Buchmalerei. Mit der Frage, inwiefern die Schwestern des Klarissenklosters in Köln Handel mit ihren Handschriften trieben, scheint sich noch niemand weiter auseinander gesetzt zu haben. Die vorliegende Arbeit betritt mit dieser Fragestellung Neuland und kann möglicherweise Ansätze für eine weitergehende Forschung liefern.

2. Einleitung

Gut sortierte Buchhandlungen, gefüllte Bibliotheken, bestens ausgestattete Antiquariate und die ständig verfügbaren Angebote im Internet. Im 21. Jahrhundert ist es für uns Leser selbstverständlich, über diese Angebote zu verfügen. Der Buchhandel und die Buchproduktion ist in Deutschland allgegenwärtig und auch in weniger Buchbegeisterten Haushalten treffen wir auf Schulbücher und Kochbücher. Die großen Buchhandelsketten sind für jeden ein Begriff und die meisten haben schon einmal etwas von den großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig gehört, auf denen die Verlage auf ihre neuen Erzeugnisse aufmerksam machen. Die Geschichte des Buches reicht inzwischen viele Jahrhunderte zurück und trotz fortschreitender Internetnutzung und Rückgang der Lesebegeisterung, hat das Buch, seine Produktion und seine Vermarktung einen festen Platz in unserer Gesellschaft und erscheint uns allgegenwärtig. Im Spätmittelalter fanden wir jedoch eine ganz andere Situation in Deutschland vor. Die Kunst zu lesen, war damals nicht so selbstverständlich wie heute, der Großteil der Bevölkerung war immer noch nicht fähig zu lesen, geschweige denn zu schreiben. Schreibstoff war noch nicht so einfach und günstig zu bekommen wie unser heutiges Papier und die Herstellung eines Buches war somit mit hohen Kosten und hohem Zeitaufwand verbunden. In der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks, war die Herstellung eines Buches verbunden mit langwieriger Schreibarbeit und unzähligen Stunden am Schreibplatz. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts waren es vornehmlich die Klöster, die sich mit der Herstellung von Büchern beschäftigten. Die Mönche wurden angehalten, sich geistig zu betätigen und Müßiggang war in keinem Kloster gern gesehen. Häufig entstand aus dieser Tätigkeit ein einträgliches Geschäft für die Klöster, wenn sie sich zum Beispiel wie die „ Brüder vom gemeinsamen Leben “ auf einen Handel mit ihren Büchern einließen oder sogar auf Bestellung Abschriften erstellten.1 In der Literatur über diese Zeit spricht man meist nur von Mönchen und ihren Klöstern. Jedoch gibt es auch einige Frauenklöster, die im Spätmittelalter mit Handschriftenproduktion Georg Schwaiger: Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, S.66. und ihrem Verkauf oder Tausch ein Einkommen hatten, oder sich durch den Tausch zumindest bei Gönnern bedanken konnten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Klarissenkloster St. Klara in Köln, welches als reines Frauenkloster mehrere Jahrhunderte weit über die Grenzen Kölns bekannt war. Betrachtet wird in der vorliegenden Arbeit vor allem das Skriptorium des Klosters um die Frage zu klären, inwiefern die Nonnen des Klosters mit ihren erstellten Handschriften Handel trieben. Um diese Frage zu klären, möchte ich zuerst die allgemeine Situation im Spätmittelalter betrachten, danach das Kloster St. Klara näher beschreiben um schlussendlich sein Skriptorium zu betrachten. Hier möchte ich dann genauer auf die entstandenen Werke eingehen und herausfinden, ob und an wenn sie vertrieben wurden. Dabei möchte ich klären, ob die Nonnen für ihre Arbeiten Geld bekamen, oder sie für den Tauschhandel oder als Geschenke nutzten.

3. Die Frau im Mittelalter

Da sich die vorliegende Arbeit mit einem Frauenkloster beschäftigt, welches möglicherweise im Mittelalter ein gewisses Zusatzeinkommen durch die Arbeit seiner Nonnen einnahm, möchte ich auch in einem kurzen Absatz auf das Leben der Frau im Mittelalter eingehen. Ich werde in aller Kürze auf den Bildungsstand der Frauen im Mittelalter eingehen und die Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Tätigkeit einer Frau in dieser Zeit erörtern. Durch die vielfältigen Randumstände, die das Leben einer Frau im Mittelalter bestimmten, soll dieser Absatz nur ein grober Überblick sein und einen Einblick in das oft harte Leben einer Frau im Mittelalter geben. Das Leben konnte für eine Bäuerin weitaus härter sein, als für eine Adelige oder eine Frau aus der Stadt, auch die Arbeit und das Leben als Hofdame, konnte durchaus ein relativ angenehmes Leben garantieren.2

3.1 Bildung der Frau im Mittelalter

Mit dem Vormarsch der Klöster und ihren Bibliotheken, die oftmals wichtige Bildungszentren wurden, hatten einige junge Mädchen die Möglichkeit, an einer Klosterschule Unterricht im Lesen zu bekommen. Auch die musikalischen Fähigkeiten wurden gerne gefördert und christliche Grundkenntnisse vermittelt. Das Schreiben hingegen, war keineswegs Teil der Ausbildung. Junge Mädchen aus bäuerlichen Verhältnissen erhielten als Bildung nur die Lieder, Märchen und Geschichten, die ihnen von den Erwachsenen vorgetragen wurden. Auch ihnen wurden die Grundgedanken des Glaubens vermittelt, beschränkten sich jedoch ebenfalls auf die Auskünfte der Erwachsenen, welche sich auf ein abendliches Gebet beschränken konnten. Töchter aus wohlhabenden oder gar adeligen Familien erhielten häufig die Möglichkeit, bei einem Hauslehrer alles über Musik, Tanz, Literatur und Handarbeiten zu lernen, auch die Bibel und das Singen von Psalmen wurde ihnen näher gebracht. Doch auch hier war es nicht gerne gesehen, wenn den jungen Damen das Schreiben beigebracht wurde. Die größtmögliche Chance auf Bildung erhielten die Frauen im Mittelalter bei einem Eintritt ins Kloster. Sobald die Frauen die Ordenstracht anlegten und als Nonnen dem Kloster beitraten, wurde ihnen Latein, Lesen und Schreiben beigebracht und mit den Klosterbibliotheken und den Skriptorien stand es ihnen offen, diese Künste zu verbessern.3 Das Aufkommen der Universitäten im Hochmittelalter, bedeutete einen Anstieg der Gebildeten in der Bevölkerung, jedoch galt dies nicht für Frauen. Diese Bildungsstätten blieben ihnen zumeist verschlossen, da ihnen auch die Ausbildung in den Sieben Freien Künsten verwehrt blieb.4 Alles in allem waren die Bildungsmöglichkeiten für Frauen weitaus schlechter als für die Männer im Mittelalter und eine fundierte Bildung war meist nur den Damen aus der adligen Oberschicht oder aus sehr wohlhabenden Familien vorbehalten.

3.2 Arbeitende Frauen im Mittelalter

Die häufige Annahme, dass die Frau im Mittelalter nur zum Gebären von Kindern und der Versorgung des Ehemanns da war, ist wie wir heute wissen falsch. Natürlich mag es genug solchen Beispiele gegeben haben, doch wir wissen auch von genug Gegenbeispielen. Gerade in der Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und dem Wachstum der Städte, konnten sich Frauen in Berufen qualifizieren und oft in Gilden organisieren. Gerade in der Stadt, wurde die Beteiligung der gesamten Familie am Geschäft notwendig, um gewinnbringend zu arbeiten. Im Handel und der Geldzirkulation und in vielen weiteren Berufen, die häufig ein beachtliches intellektuelles Niveau voraussetzten, konnten sich die Frauen im Mittelalter beweisen. Die Bindung an die Familie und Ehemann, blieb selbstverständlich bestehen, jedoch ergaben sich für die Frauen in der Stadt neue Perspektiven. Für die Frauen auf dem Land war es weitaus schwieriger, einen anderen Beruf als den der Bäuerin zu erlangen. Die Arbeit am Hof war hart und meist wurden alle Hände gebraucht. Gerade in Zeiten der großen Epidemien, wie der Pest, oder zu Kriegszeiten waren die Bauern und die Bestellung ihrer Felder überlebensnotwendig für alle Bürger.5 Das Kloster St. Klara und sein Skriptorium sind also zum einen interessant, da es eine Bildungsstätte für Frauen war. Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, waren dies aber auch alle anderen Frauenklöster im Mittelalter. Es ist vor allem interessant, weil die Frauen in diesem Kloster möglicherweise Geld mit ihren Handschriften verdienten und dass in einer Zeit, in der die meisten Frauen des Schreibens gar nicht mächtig waren. Sollte sich in dieser Arbeit bestätigen, dass die Handschriften des Klosters nicht nur als Schenkungen, sondern als Verkäufe die Mauern des Klosters verließen, so wären die Nonnen des Klosters St. Klara in Köln in einer Vorreiterrolle für die Frauenemanzipation ihrer Zeit gewesen.

[...]


1 Georg Schwaiger: Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, S.66.

2 Erika Uitz: Die Frau im Mittelalter, S.9f.

3 http://landderhildegard.de/ihre-welt/frauenleben-im-mittelalter/frauenbildung/ [Stand 19.03.2013]

4 Uitz, S.98f.

5 Ebd., S.34f.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656413059
ISBN (Buch)
9783656413271
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213070
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
Schlagworte
skriptorium klosters klara handschriftenproduktion frauenkloster

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Titel: Skriptorium des Klosters St. Klara. Handschriftenproduktion und –vertrieb im Frauenkloster