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Hans Sachs und die Ehe

Der Einfluss der Reformation und des Handwerkswesens auf die Darstellung von Ehe am Beispiel des Fastnachtspieles "Das Kelberbruten"

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie: Hans Sachs

3. Hans Sachs und die Ehe
3.1 Die Darstellung von Ehe in seinen Werken am Beispiel „Das Kälberbrüten“
3.2 Einfluss der Reformation
3.3 Einfluss des Handwerks

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Da kam mir summa sammarum

von gsang und sprüchen ausgesundert

Sechs-tausend darzu ain-hundert

Und sibenzig stüeck ab der zal

Aus allen büchern uberall

On der, so waren kurtz und klein,

der ich nit het geschriben ein.[1]

Hans Sachs war einer der bedeutendsten deutschen Dichter der Frühen Neuzeit. Bis 1567 veröffentlichte er über 6170 Texte, so teilte er es uns selbst in seinem Spruchgedicht Summa all meiner gedicht vom MDXIIII jar an biß ins 1567 jar mit. Ein eindrucksvolles Oeuvre, das nicht nur durch seinen Umfang (besonders auch, da in dem Zeitraum bis zu seinem Tod 1576 noch weitere Werke hinzukamen[2] ), sondern auch durch seine unterschiedlichen Textsorten auffällt: Meisterlieder, Fabeln, Fastnachtsspiel, Dramen, Flugschriften u.v.m. Ein bemerkenswerter Autor also, der seine eigenen Werke sammelte, ein chronologisch geordnetes Generalregister hinterließ und so heute noch zu den bestdokumentierten Autoren der Frühen Neuzeit zählt.[3] Er selbst wies seiner Dichtung auch einen hohen Funktionswert zu. Sachs wollte erreichen, dass seine Texte das Publikum unterhielten aber auch belehrten und bildeten.[4] In seinen Werken gibt es immer eine moralisch-didaktische Funktion. Eine Moral, die entweder von einem Charakter direkt vorgetragen wurde, oder offensichtlich für sein Publikum war. Sachs machte es sich zur Aufgabe, Verhaltensregeln zu formulieren und seinem Publikum nahe zu bringen, sie also zu verbreiten.[5] Dabei griff er immer alltägliche Themen auf wie z.B. Geiz, Eigenliebe, Arbeit und auch die Ehe. Letzteres soll in dieser Arbeit genauer betrachtet werden, da die Ehe auch für Sachs einen besonders großen Stellenwert gehabt zu haben scheint.

Welche Vorstellung Sachs von Ehe hatte und wie er sie darstellte soll u.a. am Beispiel des Fastnachtspiels Das Kelberbruten genauer betrachtet werden. Hauptsächlich soll es um die Frage gehen, in wie weit seine Darstellungen durch zwei Faktoren beeinflusst wurden, die auch sein Leben in Nürnberg maßgeblich prägten: die Reformation und das Handwerkswesen. Dafür soll auf die Ehelehre Martin Luthers und die handwerksüblichen Lebensumstände, sowie die Regeln und Bräuche des Schuhmacherhandwerks in Nürnberg zurückgegriffen werden. Im folgenden werde ich prüfen, ob diese Lehren und Regeln sich in Hans Sachs Darstellungen wiederfinden.

2. Kurzbiographie: Hans Sachs

So beeindruckend sein Oeuvre ist, umso weniger beeindruckend erscheint allerdings seine Biographie, zumindest auf den ersten Blick: Am 5.11.1494 in Nürnberg als Sohn des Schneidermeisters Jörg Sachs geboren, verstarb er am 19.1.1567 auch genau dort. Seine Heimatstadt verließ er nie für längere Zeit verlassen (mit Ausnahme der Gesellenwanderjahre).[6] Betrachtet man seine Biographie allerdings genauer, findet man eine ungewöhnliche Fülle an Informationen. Das liegt einerseits daran liegt, dass Sachs ein Stadtbürger des 15. und 16. Jahrhunderts war, über die sich allgemein mehr Informationen finden lassen, als z.B. über Bewohner ländlicher Gebiete. Andererseits liegt es aber auch an seiner Eigenart seine eigenen Arbeiten zu dokumentieren und mit biographischen Details zu hinterlegen.

So weisen seine Texte (und er selbst) z.B. darauf hin, dass er über Lateinkenntnisse verfügte.[7] Er besuchte von 1501 bis 1509 eine Lateinschule. Auch wenn seine Eltern wohl über genügend finanzielle Mittel verfügten, ist diese höhere Bildung für einen Handwerkersohn eher ungewöhnlich. Vielleicht förderte diese Bildung sein Interesse an der Literatur, zumindest ermöglichte sie ihm später einen Zugang zu lateinischen Texten.

Mit 15 Jahren begann er dann eine Lehre als Schuhmacher, um 1511 auf seine Gesellenwanderung aufzubrechen. Schon während seiner Ausbildung hatte er wahrscheinlich ersten Kontakt zum Meistergesang, dank Lienhard Nunnenpeck, einer der bedeutendsten Meistersänger Nürnbergs.

Auch auf seiner Reise, die ihn durch Bayern, Franken und den Rhein hinauf führte, verfolgte Sachs sein Interesse und besuchte immer wieder Singschulen.[8] Sein erstes Meisterlied soll ebenfalls in dieser Zeit entstanden sein.

Meistersinger verlangten kein Geld für ihre Werke, so dass auch Hans Sachs hauptsächlich von der Schuhmacherei lebte. So heiratete er, nachdem er 1516 nach Nürnberg zurückgekehrt war, 1519 Kunigunde Kreutzer und erfüllte damit alle Bedingungen um 1520 zum Schuhmachermeister gesprochen zu werden. Kunigunde und Sachs hatten sieben Kinder, von denen aber keines seine Eltern überlebte. Auch Kunigunde selber starb schon 1560. Sachs heiratete ca. zwei Jahre später Barbara Harscher, die selber Witwe war und Mutter von sechs Kinder war.

Ein gut dokumentiertes, aber wenig auffälliges Leben, in dem man zeitweise sogar keinerlei Texte des Meistersängers und Schuhmachers findet, z.B. von 1520 bis 1523. Über diesen Zeitraum können nur Vermutungen angestellt werden. Es wird z.B. vermutet, dass Sachs sich in diesen Jahren intensiv mit der Reformation Luthers auseinandersetzte. Unterstützt wird diese Spekulation vor allem durch das folgende Geschehen: Am 8.7.1523 veröffentlichte Sachs Die wittembergisch Nachtigall und machte sich so zum „Sprachrohr“[9] der reformatorischen Bewegung um Martin Luther. Er sympathisierte mit Luthers Vorstellung von göttlicher Gnade und publizierte in der nachfolgenden Zeit weitere Texte, die den Nerv der Zeit trafen und beim Nürnberger Publikum sehr beliebt waren.

Nürnberg war zur Lebzeiten Sachs ein Verkehrsknotenpunkt und eine sehr erfolgreiche Exportstadt, so dass die Neuigkeiten der Reformation die Einwohner schnell erreichten. Schon 1525 wurde Nürnberg erste evangelische Reichsstadt, auch wenn der Stadtrat vorsichtig blieb und sich diplomatisch verhielt, um keinen offenen Konflikt mit dem Kaiser oder Papst zu riskieren.

Diese Diplomatie hatte auch Einfluss auf Hans Sachs und seine Werke: Da er 1527 wegen einer antipäpstlichen Schrift vom Rat gerügt worden war und vielleicht sogar ein Druckverbot auferlegt bekommen hatte, ging er von da an vorsichtiger mit offener Kritik um.[10] Die Reformation prägte seine Biographie und sein Schreiben also erheblich und verhalf ihm zu großem Erfolg. Der reformatorische Einfluss gab seiner Biographie eine besondere Wendung.

Von 1555 bis 1561 übte er selbst das Amt eines Merkers aus, der die Einhaltung der Vorschriften einer Singschule überwacht. Auch als Meister seines Handwerks gehörte es zu seinen Aufgaben, die Einhaltung der Bräuche und Regeln zu beachten. Beruflich, wie auch „privat“ in seinen Texten war es ihm sehr wichtig, eine Gesellschaftsmoral zu vermitteln, die auf dem evangelischen Glauben basierte und so beinhalten seine Werke immer eine didaktisch-moralische Lehre. Dafür griff er fast alle Gattungen (Meisterlieder, Sangsprüche, Fastnachtsspiele, Knittelverse, usw. außer den Roman) auf, die zu seiner Zeit bekannt waren, so dass am Ende seines Lebens am 19.1.1567 über 6000 Stücke von ihm selbst verfasst und dokumentiert worden sind.

Er verfasste geistliche und weltliche Stücke. So fasste er unter anderem auch Luthers Bibelübersetzung in Verse, schrieb aber auch Fastnachtsspiele, die sich auf erheiternde (und belehrende) Weise mit scheinheiligen Geistlichen oder betrügerischen Bauern auseinandersetzten. Er war stets bemüht sein städtisches Publikum zu unterhalten, vor allem aber zu belehren.

3. Hans Sachs und die Ehe

3.1 Die Darstellung von Ehe in seinen Werken am Beispiel „Das Kälberbrüten“

Das Kälberbrüten[11] („Kelberbruten“) ist ein Fastnachtspiel von Hans Sachs, das am 7. Oktober 1551 veröffentlicht worden ist. Es umfasst 330 Zeilen. Dem Text geht die (Regie-) Anweisung voraus, dass es von drei Personen vorgespielt werden soll: Dem Bauern, der Bäuerin und dem Pfarrer.

Zunächst tritt die Bäuerin auf, die das Publikum zu Beginn mit einem Problem bekannt macht: Sie muss in die nahgelegene Stadt, um ihre Waren zu verkaufen und ihr Mann, der währenddessen den Haushalt und Hof führen soll, schläft noch. Als er schließlich erscheint, ist sie wütend und droht ihm Gewalt an.[12] In einem kurzen Dialog wird deutlich, dass sie im Gegensatz zu ihrem Mann, nicht davon überzeugt ist, dass er die von ihr gestellten Aufgaben meistern wird. Dennoch verlässt sie den Hof. Und so kommt es, dass der Bauer, der sich noch einmal hingelegt hat, verschläft. Daraus entsteht eine Kette von unglücklichen Ereignissen: Der Bauer verschläft den Ruf des Hirten, die Kühe bleiben also im Stall. Als er beschließt die Kühe in den Garten zu treiben, vergisst er das auf dem Herd kochende Kraut, das schließlich verbrennt. Außerdem frisst die Katze das vorbereitete Fleisch, woraufhin er sie erschlägt. Am Ende dieser Kette, muss er feststellen, dass ein Kalb im Brunnen des Gartens ertrunken ist.

[...]


[1] Behr, Hans-Joachim: Handwerker, Dichter, Stadtbürger. Versuch einer Würdigung anläßlich der 500. Wiederkehr seines Geburtstages, in: 500 Jahre Hans Sachs. Handwerker, Dichter, Stadtbürger. Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek Nr.72, hrsg. von Dieter Merzbacher, Hans-Joachim Behr, u.a., Wolfenbüttel 1994, S. 12. Zitiert nach: Meistergesänge, Fastnachtsspiele, Schwänke. Hrsg. von Eugen Geiger, Stuttgart 1951, Nachdruck: 1981 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7627), S.7f.

[2] Vgl. Behr, Hans-Joachim: Handwerker, Dichter, Stadtbürger. S. 12.

[3] Vgl. Baro, Christine: Der Narr als Joker. Figuration und Funktionen des Narren bei Hans Sachs und Jakob Ayrer, in: Heinz Kosok, Heinz Rölleke u. Michael Scheffel (Hg.), Schriftenreihe Literaturwissenschaften, Bd. 83, Trier 2011. S. 57.

[4] Vgl. Baro, Christine: Der Narr als Joker. S. 60.

[5] Vgl. Baro, Christine: Der Narr als Joker. S. 68.

[6] Vgl. Behr, Hans-Joachim: Handwerker, Dichter, Stadtbürger. S. 10.

[7] In welchem Rahmen sich diese Lateinkenntnisse bewegten ist umstritten.

[8] Vgl. Stahl, Irene: Hans Sachs (1494 – 1576). Eine biographische Skizze, in: 500 Jahre Hans Sachs. Handwerker, Dichter, Stadtbürger, Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek Nr.72, hrsg. von Dieter Merzbacher, Hans-Joachim Behr, u.a., Wolfenbüttel 1994, S. 26.

[9] Vgl. Stahl, Irene: Hans Sachs (1494 – 1576). S. 27.

[10] Vgl. Stahl, Irene: Hans Sachs (1494 – 1576). S. 28.

[11] Die folgenden Angaben beziehen sich auf: Hans Sachs: Das Kälberbrüten. In: Walter Wuttke (Hrsg.): Fastnachtspiele des 15. und 16. Jahrhundert, 7. Aufl., Stuttgart 2006, S. 131-147.

[12] Vgl. Hans Sachs: Das Kälberbrüten. Z. 25.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656408925
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v213009
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
hans sachs einfluss reformation handwerkswesens darstellung beispiel fastnachtspieles kelberbruten

Autor

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Titel: Hans Sachs und die Ehe