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Beratung von Kindern und Jugendlichen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Beratung bei Kindern und Jugendlichen
1.1 Besonderheiten bei der Beratung von Kindern und Jugendlichen
1.2 Prinzipien und Grundsätze bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
1.3 Spezielle Methoden der Beratung
1.3.1 Spieltherapie
1.3.2 Gruppentherapie
2. Beratung bei sexuellem Missbrauch
2.1 Folgen von sexuellem Missbrauch
2.2 Spezielle Maßnahmen der Beratung
2.2.1 Gespräche mit kleinen Mädchen (3 – 6 Jahre)
2.2.2 Gespräche mit Mädchen (7 – 10 Jahre)
2.2.3 Gespräche mit jugendlichen Mädchen
2.2.4 Gespräche mit Frauen
2.2.5 Exkurs: Sexueller Missbrauch an Jungen

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Scheidungen, Altersarmut, Unsicherheit in der Wirtschaft, auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik, Umweltverschmutzung, internationale Konflikte – dies ist nur ein Teil der gesellschaftlichen Diskrepanzen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Besonders Kinder und Jugendliche, die in dieser Welt voll von Problemen und Missständen aufwachsen, bekommen die Auswirkungen davon zu spüren. Die allgegenwärtige Unsicherheit und Unzufriedenheit beeinflusst unweigerlich auch ihre Denk- und Verhaltensweise, ob durch unbewusste Übernahme der elterlichen Einstellungen oder direkte Beeinflussung durch diverse Medien. Wen wundert es da, dass Minderjährige eine ständige wachsende Gruppe in Beratungsstellen und Therapiezentren bilden? Kinder brauchen eine vertrauensvolle Betreuung mit sicherem Rahmen, deswegen ist es unbedingt notwendig, Beratende explizit auf die besonderen Bedürfnisse dieser Zielgruppe zu schulen. Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich deshalb allgemein mit der Beratung bei Kindern und Jugendlichen und deren Besonderheiten.

Der zweite Teil beschreibt die beratende Tätigkeit bei sexuellem Missbrauch, einem Phänomen, das täglich vorkommt und dennoch noch immer viel zu wenig Beachtung findet. Kinder sind diesen traumatischen Ereignissen vollkommen hilflos ausgeliefert und leiden meist noch Jahre nach der Tat an den tiefgehenden Spuren. BeraterInnen, die auf diesem Gebiet arbeiten, benötigen einen großen Umfang an „Handwerkszeug“ um mit der Problematik adäquat umgehen zu können. Auch wenn innerhalb dieser Ausarbeitung nicht alles beschrieben werden kann, sollen doch zumindest die Grundlagen der beratenden Arbeit nach sexuellen Gewalterfahrungen dargelegt werden.

Hauptteil

1. Beratung bei Kindern und Jugendlichen

Im Gegensatz zur Beratung bei Erwachsenen liegt das Hauptziel bei der Seelsorge von Kindern und Jugendlichen nicht auf der bloßen Lösung von Problemen sondern außerdem auf der Vermittlung von Lebensfreude[1].

Für BeraterInnen dieser Adressatengruppe ist es besonders wichtig, Verständnis für die Situation ihrer Klienten aufbringen zu können.

Dazu müssen sie sich in die eigene Kindheit rückversetzen können, denn „Verstehen ist (…) die Basis für ein angemessenes Verhalten.“[2]

1.1 Besonderheiten bei der Beratung von Kindern und Jugendlichen

„Um Mädchen und Jungen in einer Notlage professionell zu begleiten, bedarf es […] eines Verständigungsweges zwischen beratendem Erwachsenen und hilfebedürftigem Kind, der das Empfinden, die Sichtweise und die Bedeutung der Konfliktsituation aus kindgemäßer Perspektive berücksichtigt.“[3] Kindgemäße Kommunikation ist bei Beratungssituationen unbedingt erforderlich, denn sachliche „Erwachsenengespräche“ langweilen die Kinder schnell und führen zu Ablenkung. Gespräche mit ernsthaften Inhalten können allerdings auch schon mit sehr kleinen Kindern geführt werden. Diese sind dann meist sehr kurz, haben dafür aber prinzipiell hohe Aussagekraft.

Bei der Arbeit mit Kindern ist es zudem wichtig, auf ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, Probleme, Selbstbilder und Beziehungen einzugehen um ihre Perspektive übernehmen zu können. Am besten gelingt dies innerhalb der Beratungssituation durch den Einsatz von Spiel und Fantasie.

Die idealtypische „Beratungsspirale“ bei der Arbeit mit Kindern definiert sich über acht Schritte: Als erstes erfolgt die Kontaktherstellung, welche im Normalfall über eine Vertrauensperson stattfindet. Der eigentliche Zugang zum Kind wird anfangs vorerst unter Beobachtung im freien Spiel geschaffen und kann dann zur Problemerfassung aus der Sicht des Kindes durch Zuhören, Erspüren und Rückmelden genutzt werden. Im Falle des Auftretens von intensiven Gefühlen und Angst während des Beratungsprozesses helfen die BeraterInnen durch Vertrauen und Sensibilität diese Emotionen abzubauen. Sobald diese Grundlagen geschaffen sind, ist es die Aufgabe des beratenden Erwachsenen, Lösungswege des Kindes zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, neue Sichtweisen und Möglichkeiten zu erkennen[4].

Auch bei der Entscheidungsauswahl bieten die Beratenden nur „unterstützende Strukturierung der verwirrenden Zusammenhänge“[5]. Die anschließende schrittweise Durchführung der Bewältigungsstrategie erfolgt durch das Kind selbst unter ständiger Begleitung und Hilfestellung. Nach erfolgreichem Abschluss der Maßnahme erfolgt eine Reflexion und eine zusammenfassende Evaluation.[6]

Bei der Arbeit mit Jugendlichen gibt es einige zusätzliche Besonderheiten, die den BeraterInnen vorab bekannt sein sollten. In der Pubertät entwickeln sich die Kinder zu Erwachsenen und dieser Entwicklungsschritt wird meist durch eine Vielzahl von Verhaltens- und Denkweisen begleitet, die sich auch auf die Beratungssituation auswirken können. Jugendliche grenzen sich ab um ihre eigene Meinung zu vertreten, weisen extreme Gefühlsschwankungen auf und verlieren ihre familiäre Fixierung. Durch die Ablösung von den Eltern und die damit verbundene Identitätsfindung haben sie häufig mit Unsicherheit, Unzufriedenheit und Selbstzweifeln zu kämpfen. Um diesen Begleitumständen entgegenzuwirken müssen Jugendliche lernen, ihre Vergangenheit zu verarbeiten[7]. Die BeraterInnen müssen auf eine verständnisvolle, gesprächsoffene Begleitung aufbauen und den Jugendlichen freie Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten einräumen um adäquat auf ihre momentane Lebenssituation eingehen zu können[8].

1.2 Prinzipien und Grundsätze bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Empathisches Wahrnehmen und einfühlendes Verstehen der subjektiven Sichtweise des Kindes, also seiner Erfahrungen und Gefühle, ist die Grundvoraussetzung um dem Kind Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung geben zu können. Die von Dr. Virginia Axline im Jahre 1947 formulierten kindzentrierten Grundhaltungen bieten Anleitung und Orientierung für TherapeutInnen und BeraterInnen:

1. Das Prinzip der positiven Beziehungsgestaltung: Um Offenheit innerhalb der Beratung zu gewinnen, ist es wichtig durch eine warme und freundliche Beziehung und guten Kontakt eine Vertrauensbasis zu schaffen. Gleichzeitig müssen die Beratenden aber auch darauf achten, in Grenzen distanziert zu bleiben um eine zu starke emotionale Verwicklung zu vermeiden[9]
2. Das Prinzip des Nicht-Lenkens: Das Kind lenkt die Beratungssituation ohne richtunggebende Einflüsse des beratenden Erwachsenen. Dieser sollte darauf achten, keine gezielten Nachfragen zu stellen um das Kind nicht in eine Richtung zu drängen oder es zu bestätigen. Nur dann kann er es dem Kind ermöglichen, seine Entscheidungen alleine zu treffen während er selbst nur als „aktiver Interaktionspartner“ wirkt
3. Das Prinzip des Gewährens und Akzeptierens: Es beschreibt die bedingungslose, gelassene, ruhige und geduldige Akzeptanz von all dem, was das Kind innerhalb der Beratung tut oder sagt. Dadurch kann das uneingeschränkte Erleben aller Empfindungen als erster Schritt zur Selbstfindung wirken
4. Das Prinzip des Erkennens und Reflektierens der Gefühle: Die subjektive Empathie ermöglicht den BeraterInnen die Emotionen des Kindes zu verbalisieren um dadurch deren individuelle Bedeutung zu erforschen
5. Das Prinzip der Förderung von Problemlösekompetenz: Die BeraterInnen bieten dem Kind Unterstützung bei der selbstständigen Entscheidungsfindung ohne tatsächlich persönlich einzugreifen
6. Das Prinzip der Begrenzung: Die BeraterInnen setzen individuell notwendige Grenzen und Regeln wie zum Beispiel Zeitlimits oder Gesprächsregeln, die vom Kind eingehalten werden sollen, allerdings ohne Zwang durch Sanktionen zu schaffen. Insofern der Beratende es tolerieren kann, dürfen auch die „normalen“ Grenzen, die das Kind kennt, überschritten werden.

[...]


[1] Vgl. Riess/Fiedler (1993): 100

[2] Riess/Fiedler (1993): 77

[3] Klees (2001): Beratung für Kinder in Not, S. 57ff.

[4] Vgl. ebd.: 59ff.

[5] Vgl. Klees (2001): 81

[6] Vgl. ebd.: 67

[7] Vgl. Riess/Fiedler (1993): 79ff.

[8] Vgl. Ebd.: 94

[9] Vgl. Klees (2001): 124ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656413110
ISBN (Buch)
9783656412571
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212812
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,3
Schlagworte
beratung kindern jugendlichen missbrauchserfahrungen

Autor

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Titel: Beratung von Kindern und Jugendlichen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen