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Das Problem der ungleichen Bildungschancen

Bildung – gleiches Recht für alle?!

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schicht-, geschlechts- und ethniespezifische Bildungschancen nach Rainer Geißler
2.1 Die Dimension der Schicht
2.2 Die Dimension des Geschlechts
2.3 Die Dimension der Ethnie
2.4 Fazit

3 Darstellung der Hauptthesen von Solga und Wagner

4 Reflexion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Durch das deutsche Grundgesetz wird die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer Sozialstaat definiert1. Dieses Staatsprinzip beschreibt das Bestreben, soziale Ungleichheit aufzuheben, sowie Gerechtigkeit zu etablieren. In dem Gleichheitsprinzip von Artikel 3 des Grundgesetzes wird klar formuliert, dass niemand auf Grund seines Geschlechts, seiner Herkunft, Rasse, Sprache oder religiösen Ansicht bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Der Gesetzestext beinhaltet dabei lediglich den formalen Grundsatz, die praktische Umsetzung erweist sich in vielen Bereichen als problematisch.

Einer dieser Bereiche ist das Thema Bildung. Ergebnisse der letzten PISA-Studie werfen im internationalen Vergleich ein eher trübes Bild auf das deutsche Bildungssystem. Die Bildungsexpansion, die in den 60er Jahren mit dem Ziel einer Neustrukturierung des Bildungssystems betrieben wurde, sollte insbesondere zu mehr Chancengleichheit führen. Dies ist nur in Teilen gelungen. Mehrere soziologische Texte befassen sich mit den Verlierern und Gewinnern der Bildungsexpansion und zeigen auf, welche Schwachstellen das deutsche Bildungssystem immer noch aufweist.

Mit dem Ausbau der Schulformen wurde zwar ein erhöhtes Bildungsangebot geschaffen, doch Studien zeigen, dass die Chance auf Bildung stets von äußeren Einflüssen wie dem Geschlecht oder der Ethnie abhängig ist. Besonders umstritten ist das Konzept der Hauptschule, in dem viele Soziologen eine erhöhte Gefahr der sozialen Isolation sehen.

In dieser Hausarbeit werden zwei Texte zu dem Thema „Bildungsungleichheiten“ untersucht. Nach einer Darstellung der Aufsätze „Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn“ von Rainer Geißler (2008) und „Die Zurückgelassenen - die soziale Verarmung der Lernumwelt von Hauptschülerinnen und Hauptschülern“, verfasst von Heike Solga und Sandra Wagner im Jahr 2010, und ihrer wichtigsten Thesen, werden weiterführende Überlegungen angestellt.

Dabei geht es um eine kritische Betrachtung der bisherigen Expansion sowie eigene Einschätzungen, wie dem Problem der ungleichen Bildungschancen begegnet werden kann. Im Zentrum meiner Ansätze steht dabei die Frage nach dem Einfluss der sozialen Klasse auf die Bildungschance und die Bedeutung der familiären Ressourcen.

2 Schicht-, geschlechts- und ethniespezifische Bildungschancen nach Rainer Geißler

Rainer Geißler untersucht in seinem Aufsatz, wie sich die Bildungschancen in den letzten Jahren entwickelt haben. Dabei bezieht er sich auf die drei Dimensionen Schicht, Geschlecht und Ethnie und deren Beziehungen zueinander und weist auf „ungenutztes Leistungspotenzial“ (Geißler 2008, S.71) hin.

2.1 Die Dimension der Schicht

Geißler befasst sich zuerst mit der Dimension der Schicht. Dabei macht er auf den Widerspruch aufmerksam, den die Bildungsexpansion bewirkt hat: trotz verbesserter Bildungsmöglichkeiten kam es nicht zu einem Ausgleich der Chancengleichheit (vgl. ebd. S.74). Nur auf der Schulform der Realschule ist ein Abbau der schichttypischen Unterschiede gelungen, der Zulauf der Gymnasien hat dagegen „die Chancen- abstände zwischen privilegierten und benachteiligten Gruppen vergrößert“ (ebd. S.74f). Im internationalen Vergleich auf Grundlage der PISA-Studie erweist sich Deutschland sogar als einer der „‘Weltmeister‘ bei der Benachteiligung der Kinder aus sozial schwachen Schichten“ (ebd. S.76), denn Kinder unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten weisen starke Differenzen in Basisqualifikationen wie Lesen und Mathematik auf.

Anschließend räumt Geißler mit dem Ansatz auf, dass Chancengleichheit nur auf Kosten des Leistungsniveaus möglich sei (vgl. ebd. S.76) und betont die Bedeutung von sozialen Kriterien bei der Wahl der Schulform. Er ruft dazu auf, das

Leistungspotenzial der Kinder aus sozial schwachen Schichten besser auszunutzen. Er spricht von einem „ leistungsunabhängigen sozialen Filter “ (ebd. S.77), der familiären und schulischen Ursprungs ist, und hält Folgendes fest: „ Sowohl die Bildungsentscheidungen in den Familien als auch die Lehrerurteile in der Schule sind bei gleicher Leistung der Kinder von deren Schichtzugehörigkeit anhängig “ (ebd. S.77). Als Beispiel wird der familiäre Bildungswille sowie die soziale Auslese der Schule genannt (vgl. ebd. S.77). Diese beiden Einflüsse gleichen sich nicht aus, sondern addieren sich vielmehr, so dass die „Auslese nach Leistung“ (ebd. S.78) bei Kindern unterer Schichten stärker ist. Bei gleichen Fähigkeiten ist die Chance, erfolgreich ein Gymnasium zu besuchen, für ein Arbeiterkind geringer als für ein Kind aus einer gehobenen sozialen Schicht. Gleichzeitig sind Kinder höherer Klassen einem größeren Druck ausgesetzt, den Sozialstatus zu erhalten. Der Abbau von sozialen Chancenunterschieden muss nicht zu Niveauverlusten führen, zumal die PISA-Ergebnisse zeigen, dass trotz Chancenunterschiede die Leistung der deutschen Schüler insgesamt eher gering ist.

2.2 Die Dimension des Geschlechts

Das nächste Kapitel des Aufsatzes beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Bildungschancen. Dabei kommt er zum Ergebnis, dass Mädchen, auch wenn sie noch vor einigen Jahren benachteiligt waren, inzwischen einen Bildungsvorsprung haben. Dies hat sich in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich schnell entwickelt. Die Ursachen sieht Geißler in der veränderten Sicht der Geschlechterrollen, so dass Mädchen zunehmend ihre guten Schulleistungen, die insgesamt besser als die der Jungen und laut Schulforschern insbesondere auf Fleiß und eine gute Arbeitshaltung zurückzuführen sind, auch in dementsprechend gute Schulabschlüsse umsetzen können. Ob es bei Jungen einen Zusammenhang zwischen den Erziehungs- problemen und ihre Schulleistung gibt, ist nicht ausreichend untersucht. Inzwischen gehen die Überlegungen dahin, ob es eine „ ‚institutionelle Diskriminierung‘ der Jungen“ (ebd. S.85) gibt, da Personen in Erziehungsberufen überwiegend weiblich sind und dadurch auf die Bedürfnisse der Mädchen stärker eingegangen werden kann als auf die der Jungen. Trotz ihrer besseren Schulleistungen und Bildungsabschlüsse ist der Übergang in die Berufswelt für junge Frauen aber immer noch erschwert.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Benachteiligung tendenziell eher der sozialen Schicht zuzuordnen ist und nicht dem Geschlecht. Die Arbeitertochter ist so immer noch benachteiligt, was aber nicht an ihrem Geschlecht, sondern ihrer Schichtzugehörigkeit liegt.

2.3 Die Dimension der Ethnie

Zuletzt befasst sich Geißler mit ethniespezifischen Bildungschancen. Den Begriff der Ethnie, „eine Gruppe Menschen, die die Vorstellung einer gemeinsamen Herkunft und ein entsprechendes Zusammengehörigkeitsgefühl teilen“ (ebd. S.89), bevorzugt er gegenüber dem unpräzisen Begriff der Staatangehörigkeit. Zu Beginn betont er die besondere Bedeutung von Bildung für Integration und damit gleiche Teilnahmechancen am Leben im Einwanderungsland Deutschland.

Statistiken zeigen, dass sich die Schulabschlüsse der knapp eine Million ausländischer Kinder an deutschen Schulen verbessert haben, dennoch gibt es immer noch starke Chancenunterschiede zwischen Deutschen und Migranten, wobei eingebürgerte Ausländer besser abschneiden als nicht eingebürgerte. Insbesondere in den „Extrembereichen der institutionellen Bildungshierarchie“ (ebd. S.90) werden Chancenunterschiede deutlich: doppelt so viele Migranten wie Deutsche besuchen eine Sonderschule, während sie an Hochschulen nur wenig vertreten sind.

Die größte Hürde für Migrantenkinder ist der Übergang in die Berufsausbildung, Geißler tituliert sie als „Verlierer beim Kampf um die knapper gewordenen Lehrstellen“ (ebd. S.91), ihr Anteil ist deutlich geringer als der gleichaltrigen Deutschen. Interessant ist die Erkenntnis, dass es ja nach Staatsangehörigkeit „große Chancenunterschiede zwischen den Ethnien“ (ebd. S.92) gibt. Eine Einflussgröße auf das Chancendefizit ist die des Elternhauses und das dort vorhandene Bildungskapital. Diese hängen eng mit den deutschen Sprach- kenntnissen und dem Integrationswille der Migrantenfamilie zusammen. Neben den Ursachen, die in den Migrantenfamilien selbst begründet liegen, beschreibt Geißler die indirekte institutionelle Diskriminierung von Migrantenkindern.

[...]


1 Vgl. GG Artikel 20 (1)

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656404774
ISBN (Buch)
9783656406129
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212808
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Schlagworte
problem bildungschancen bildung recht

Autor

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