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Polens junge Marktwirtschaft in der Europäischen Union

Der Einfluss der Institution EU auf die wirtschaftliche Entwicklung Polens

Hausarbeit 2007 14 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Polens Wirtschaftsentwicklung seit 2004
2.1 Allgemeiner Überblick der Entwicklung
2.2 Die Entwicklung in der Landwirtschaft und der Einfluss der EU
2.3 Die Entwicklung in der Industrie und der Einfluss der EU
2.4 Die Entwicklungen im Außenhandel und der Einfluss der EU
2.5 Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und der Einfluss der EU

3. Schluss

4. Quellen

1. Einleitung

Im Mai 2004 kam zur größten EU-Erweiterung der Geschichte der Europäischen Union. Nach der Ausdehnung nach Norden, dann nach Süden kam schließlich die Zeit der Ausdehnung nach Osten. Die EU wuchs von 15 auf gleich 25 neue Mitglieder heran. Das bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land unter den neuen Ost-Mitteleuropäischen Staaten und neuen EU-Mietgliedländern war Polen. Ein Land von der Fläche Deutschlands und mit einer Bevölkerung von 38 Millionen, mehr als alle anderen neuen EU-Mitglieder der Erweiterungsrunde 2004 zusammen, sowie mit der längsten Grenze zu Nicht-EU Staaten wie Weißrussland, der Ukraine und Russland und somit ebenfalls das wichtigste Transitland im Handel zwischen West- und Osteuropa.

Die polnische Bevölkerung stimmte mit über 77% für den Beitritt ihres Landes zur europäischen Union[1]. Der Betritt galt allen Regierung zwischen 1990 und 2004 als festgelegtes Ziel ihrer politischen Agenda und stellte für viele Polen den endgültigen Übertritt ihres Landes vom Ostblock hin nach Westeuropa dar. Dabei verdeutlicht das Abstimmungsergebnis, dass der Beitritt bei weitem nicht von allen Bevölkerungsteilen und politischen Eliten in Polen befürwortet wurde. Zehn europäische Staaten, jene 45 Jahre lang von sozialistischen Wirtschaftsystemen geprägt wurden und somit wirtschaftlich weit hinter den Staaten Westeuropas lagen, sollten nun eben mit diesen weitaus höher entwickelten Staaten in einen Wirtschaftsverbund eintreten und sich ihnen in einem freien Wettbewerb stellen. Gegner des Beitritts kritisierten die Übergabe der erst vor kurzem wiedererlangten Entscheidungsfreiheit hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen, an eine multinationale Institution im fernen Brüssel, jene von nun an die Regeln vorgibt. Man befürchtete eine Hemmung der wirtschaftlichen Entwicklung durch den EU-Apparat mit seinen Regelungen und Produktionsquoten und die Auslieferung der jungen, nationalen Marktwirtschaft an die Wirtschaftsgiganten der EU. Jedoch überwiegten bei den Beitrittskandidaten die positiven Hoffnungen und Erwartungen einer Mitgliedschaft, sei es der Ausblick auf höhere Investitionen aus den EU-Ländern, EU-Förderungsgelder oder die Möglichkeit legal im EU-Ausland arbeiten zu können. Hier stellt sich nun die Frage, inwieweit die fast dreieinhalbjährige Mitgliedschaft Polens in der EU einen wirtschaftlichen Erfolg für dieses Land und seine Menschen darstellt oder nicht. Inwieweit war es dem Wachstum dienlich die Wirtschaft in die Strukturen der EU einzugliedern? Im Rahmen dieser Hausarbeit, soll am Beispiel Polens eine Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung des größten EU-Neumitglieds erfolgen und im welchen Zusammenhang der Einfluss der EU, mit ihren Grundsätzen, wie freier Handel, aber auch ihren Richtlinien und Beschränkungen, auf diese Entwicklung in bestimmten Wirtschaftsbereichen nahm. Des Weiteren soll ein Vergleich der Erwartungen und Befürchtungen vor dem EU-Beitritt sowie der aktuellen wirtschaftlichen Realität gezogen werden. Hierzu wird zunächst ein allgemeiner Überblick über die Entwicklung der polnischen Wirtschaft seit der EU-Erweiterung vollzogen und danach auf bestimmte Teilbereiche wie, die Landwirtschaft, Industrie, Außenhandel und den Arbeitsmarkt genauer eingegangen und der damit zusammenhängende Einfluss der EU auf die Wirtschaft Polens verdeutlicht. Letztendlich wird aus der Entwicklung der oben genannten Teilbereiche ein Fazit der EU-Mitgliedschaft Polens gezogen um die Fragestellung zu beantworten.

2. Polens Wirtschaftsentwicklung seit 2004

2.1 Allgemeiner Überblick der Entwicklung

Im Mai 2007 hat Polen das 3 Jahr in der EU beendet. In fast allen Wirtschaftsbereichen waren durchgehen positive Wachstumszahlen zu beobachten, teilweise sogar im zweistelligen Bereich. Die ökonomische Entwicklung Polens seit der Wende schritt weiter voran mit hohen Auslandsinvestitionen, sinkender Arbeitslosigkeit, steigen Pro-Kopf Einkommen. Dies sind nur einige der sich gut entwickelnden ökonomischen Indikatoren. Schaut man sich das Bruttoinlandsprodukt (KKS) an und nimmt es als allgemeinen Index der wirtschaftlichen Entwicklung so betrug es 2004 427 Mrd. $ und 2007 bereits 554 Mrd. $. Polens Wirtschaft entwickelt sich schnell, vor allem seit 2005. Das Bruttosozialprodukt steigt im Durchschnitt um 5% seit 2004, die Hohe Arbeitslosigkeit von fast 20% im Jahre 2004, ist mittlerweile auf 11% gefallen. Die ausländischen Direktinvestitionen stiegen von 4,6 Mrd. $ im Jahre 2003 sprunghaft auf 12.9 Mrd. $ im Jahre des EU-Beitritts 2004 an und setzen sich auf gleichem Niveau fort, wobei drei viertel der Investitionen aus EU-Ländern kommen.[2] Der Außenhandel entwickelt sich rasant mit Wachstumsraten um die 20% und beträgt beim Export knapp 90 Milliarden € und Import 100 Milliarden €.[3] Hierbei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Polen nach Spanien und vor den Niederlanden mittlerweile die sechst größte Volkswirtschaft der EU ist, jedoch pro Kopf mit ungefähr 50% des EU-Durchschnitts immer noch zu den ärmsten Statten der EU zählt. Charakteristisch, für ein im europäischen Vergleich großes Land, sind auch die großen regionalen Unterschiede. So erkennt man dies an den Durchschnittslöhnen die in der Wojewodschaften[4] Mazowieckie (Hauptstadtregion): 3.317 Zł (850 €) und den Ärmsten Wojewodschaften Leubus oder Podkarpackie um die 2.200 Zł (550€) betragen.[5] Ein weiteres Problem ist die Erwerbstruktur. In der Landwirtschaft waren 2004 16.8% der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt[6], generierten aber nur 5% des Bruttoinlandsproduktes. Dieser Wert sinkt zwar, ist aber im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Die Landwirtschaft Polens war vor dem EU-Beitritt das größte Thema und es wird jetzt im folgendem darauf näher eingegangen.

2.2. Die Entwicklung in der Landwirtschaft und der Einfluss der EU

Vor 2004 war die polnische Landwirtschaft ein Hauptthema bei den Beitrittsverhandlungen zur EU. Polen ist im Bezug auf seine Landwirtschaft einmalig unter den EU-Neumitgliedern der Erweiterungsrunde von 2004. Ein in EU-Vergleich sehr großer Anteil der Landwirtschaft an der Erwerbstruktur (2007, ca. 15%) jedoch mit sehr geringer Wertschöpfung für das Bruttoinlandsprodukt (2007, ca.4%). Der Mangel an Großbetrieben mit fortschrittlichen Arbeitsstrukturen und Maschinen im Vergleich zur West-Europäischen Landwirtschaft, sowie verhältnismäßig kleinen Betriebe von durchschnittlich neun Hektar, wirkte sehr bedrohlich für die polnische Landwirtschaft vor dem EU-Beitritt. Daher auch die große Zustimmung für linkspopulistischen und antieuropäischen Parteien wie die Samoobrona (Selbstverteidigung). Der Name dieser Partei war Programm im Hinblick auf den Eintritt Polens in die EU. Massenarmut und großflächige Pleiten sollten die Folge von geöffneten Grenzen für die westeuropäische landwirtschaftlich Produkte sein. Diese Meinungen teilten auch westliche Experten, die der polnischen Landwirtschaft schlechte Zeiten voraussagten, wenn sie einmal mit den westeuropäischen Betrieben konkurrieren sollten. Anbauquoten und Produktionsbegrenzungen wie z.B. für die Milchproduktion sorgten ebenfalls für Verstimmungen seitens polnischer Landwirte in Bezug auf die EU. Zusätzlich sah man sich vor allem in Ostpolen vor große Probleme gestellt. Geschlossene Grenzen im Osten und ein außer Konkurrenz stehender westeuropäischer Markt stellten für die Landwirte ein Todesurteil dar. Mittlerweile sind über drei Jahre vergangen und es ist möglich ein erstes Urteil zu fällen. Von den Prophezeiungen, die man teilweise als Hiobsbotschaften bezeichnen könnte, erfüllten sich gut wie kaum welche. Die polnischen Landwirte, die als Verlierer der Eu-Integration gelten sollten, zählen heute zu den Gewinnern. Die Konkurrenz aus dem Westen wurde überbewertet. Ängste über die Verdrängung eigener Produkte durch Importe wandelten sich ins Gegenteil um und durch Investitionen westlicher Unternehmen sowie EU-Subventionen, stieg Investitionsfähigkeit polnischer Landwirte. Nicht nur das westliche Produkte einheimische Produkte auf dem Markt nicht verdrängten, es stellte sich heraus, dass polnische Produkte sehr wohl mit westlichen konkurrieren können und sich sehr gut absetzen. Dies kann mit den Exportzahlen der polnischen Landwirtschaft belegt werden. Von Mai 2004 bis Ende 2005 stieg der Export um 30% auf einen Wert von 7 Mrd. €.[7] Dabei entwickelte sich Deutschland zum wichtigsten Abnehmer. Hierdurch schien sich ein weiteres Argument der EU-Gegner zu erfüllen, die im Gegensatz zu den oben genannten Argumenten stand. Man sah eine hohe Exportsteigerung und die damit erhöhte Nachfrage welche letztendlich

[...]


[1] O.V. (2003): Polen nach dem EU-Referendum. In: InfoPolen, vom 10.06.2003. Online unter: http://213.77.105.135/wInfopolen/5_database/4_Archiv/Thema-Woche/03/24-TedeWo.asp [Stand: 20.09.2007]

[2] Vgl.: O.V. (2007): Neuer Rekord bei Auslandsinvestitionen: 14,7 Mrd. USD in 2006. In: InfoPolen, vom 04.02. 2007. Online unter: http://213.77.105.135/wInfopolen/00-AHK/1_News/2007_04_02_news_2.asp [Stand: 20.09.2007]

[3] Vgl.: O.V. (2007): Wirtschaftslage Polens und der Bundesrepublik Deutschland Hauptindikatoren (in %). In: InfoPolen, März 2007. Online unter: http://213.77.105.135/wInfopolen/3_Wirtschaft/01-Struktur/00-liste/001-index-of-wirtschaftlische.asp?navid=65 [Stand: 20.09.2007]

[4] Wojewodschaften sind mit deutschen Bundesländern zu vergleichen

[5] Vgl.: O.V. (2007): Monatslöhne im Schnitt bei 680 Euro. In: InfoPolen, vom 16.03. 2007. Online unter: http://213.77.105.135/wInfopolen/1_News/1_Kurzinfo/2007_03_16.asp [Stand: 20.09.2007]

[6] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (2005): Länderprofil Polen. Online unter: http://www.eds-destatis.de/de/publ/download/lp_polen.pdf [Stand: 20.09.2007]

[7] Vgl.: O.V. (2006): Boomende Lebensmittelexporte und wirtschaftlich-soziale Auswirkungen. In: InfoPolen, vom 28.06. 2006. Online unter: http://213.77.105.135/wInfopolen/1_News/1_Kurzinfo/2006_06_28.asp [Stand: 20.09.2007]

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656407638
ISBN (Buch)
9783656408420
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212682
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
Polen EU Marktwirtschaft Polen in der EU Wirtschaftswachstum

Autor

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