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Die Erhebung des Gemeinen Pfennigs in Franken

Essay 2011 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. DER WORMSER REICHSTAG 1495 - DIE REICHSREFORM

III. DER GEMEINE PFENNIG
1. Die Motive für die Erhebung des Gemeinen Pfennigs
2. Die Grundlagen der Steuererhebung
3. Das Schicksal des Gemeinen Pfennigs

IV. SCHLUSSGEDANKEN

ANHANG

BILDERNACHWEIS

QUELLEN- und LITERATURVERZEICHNIS
Quellen
Literatur

I. EINLEITUNG

Der Gemeine Pfennig war eine kombinierte Kopf- und Vermögenssteuer, welche von König Maximilian I. auf dem Wormser Reichstag von 1495 als Teil der sogenannten Reichsreform gegen den Widerstand der Stände durchgesetzt wurde.[1]

Mein Augenmerk bei dieser Arbeit wird zum einen auf dem Erscheinungsbild des Gemeinen Pfennigs an sich liegen. Welche Richtlinien und Vorschriften standen mit dieser Steuer in Verbindung?

Andererseits geht es mir darum die beiden kontroversen Meinungen der zwei beteiligten Parteien aufzuzeigen. Was waren die Beweggründe, die zur Erhebung dieser Steuer führten. Eine besondere Rolle spielt hier natürlich der deutsche König Maximilian I. (*22.03.1459, f12.01.1519), aus dem Haus der Habsburger. Da er bereits am 16.02.1486 in Frankfurt zum römischen König erwählt und am 09.04.1486 in Aachen gekrönt wurde und 1508 Kaiser wurde, wird er im folgenden nur noch als Kaiser bezeichnet.[2] Seinen Gegenpol nahm der Erzbischof von Mainz, Berthold von Henneberg (*1441, f21.12.1504) ein. Das sich am Ende der Kurfürst bei der Errichtung des Reichskammergerichts durchsetzen konnte, obwohl dieser Vorschlag dem Wunsch des Königs nach einem Reichsheer entgegenstand, ist ein entscheidender Punkt im Verlauf der Einsammlung des Gemeinen Pfennigs. Die Erhebung des Gemeinen Pfennigs ging dementsprechend allein als Kompromiss aus dieser Streitfrage hervor.[3]

Durch die doch sehr vielen Quellen zu diesem Thema, musste ich feststellen, dass einige Aussagen über das Wesen des Gemeinen Pfennigs weit auseinander gingen. Sei es das Alter, ab dem man steuerpflichtig sei oder die Größe des Abgabebetrags.

II. DER WORMSER REICHSTAG 1495 - DIE REICHSREFORM

Der Wormser Reichstag von 1495, der in dieser Zeit den Grundstein für die Reichsreform legte, dauerte außergewöhnlich lange. Der Kaiser, erreichte die Reichstagsstadt am 18.03.1495 und verließ es erst am 11.09.1495 wieder.[4]

Während dieses bedeutenden Ereignisses übte die Stadt Worms die Rolle einer Hauptstadt im

Abb.1 Worms‘ Lage im Reich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die in Worms im Jahr 1495 beschlossene Reichsreform, war nicht von langer Dauer, denn sie bestand letztendlich nur bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.[5] Man hatte sich auch zu seiner Zeit mehr Erfolge von einer solchen Reform erhofft, als sie sie leisten konnte.

Doch was war hier eigentlich der Mittelpunkt der Verhandlungen? Der Wormser Reichstag von 1495 beinhaltete nicht nur die Diskussion um eine eventuelle Einführung des Gemeinen Pfennigs. Die Entscheidung 1495 betraf den Reichslandfrieden, die Kammergerichtsordnung, die

Exekutionsordnung und das Reichssteuergesetz.[6] Das Reich erlebte durch die Landfriedensbewegung ihren Höhepunkt und Abschluss. Der ewige Landfrieden war zu einem großen Teil dazu bestimmt, jene Unternehmen abzusichern, die mit Hilfe des Gemeinen Pfennigs finanziert werden sollten.[7] „Die partielle Umorganisation des Königlichen (Kaiserlichen) Kammergerichts [hingegen] war das wichtigste dauernde schriftlich fixierte Zugeständnis des Herrschers“, denn der König war die „höchstrichterliche Gewalt“.

Den für meine Arbeit wichtigsten Inhalt des Wormser Reichstages, das Reichssteuergesetz, wird in den folgenden Kapiteln detaillierter behandelt.

Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. VH, S.634f.

BOSL, Dokumente zur Geschichte von Staat und Gesellschaft in Bayern, S.607.

III. DER GEMEINE PFENNIG

Diese Steuerordnung wurde am 7. August 1495 festgesetzt und ging von dem Grundsatz aus, dass „jedermann“, ohne Unterschied der „wyrde, ordens, standes oder wesens“ ab dem 15. 8 Lebensjahr steuerpflichtig sei.[8]

Der Geltungsbereich dieser Ordnung war das gesamte Heilige Römische Reich (mit den habsburgischen Niederlanden, Lothringen und den preußischen Deutschordensgebieten).

1. Die Motive für die Erhebung des Gemeinen Pfennigs

Zunächst kann man fragen, wie dieser Gedanke zur möglichen Steuererhebung überhaupt entstanden ist.

Der König verfolgte ganz eigene Interessen: Er benötigte mehr ihm zur Verfügung stehendes Geld, denn er „mußte seine außenpolitischen und militärischen Unternehmungen im Wesentlichen mit den Einnahmen aus seinen Ländern finanzieren. Seine Weltpolitik ... verschlang alle verfügbaren finanziellen Mittel und führte zu enormer Verschuldung.“ Er war „immer wieder auf Unterstützung durch die Reichsstände angewiesen“[9] In der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu vermehrten Konfliktpunkten, die es für den König zu lösen galt. Der Kampf gegen Frankreich zum Beispiel nahm für Maximilian I. erst mit der spanischen Hochzeit von 1495 eine zentrale Rolle ein. Um den französischen König aus Italien zu vertreiben, trat er 1495 der Heiligen Liga bei. Aus diesem Grund stellte er auch zunächst seine Feldzugspläne gegen die Türken zurück.[10] Dennoch wollte er „über einen Kriegszug gegen die Türken und über Maßnahmen gegen Karl VIII von Frankreich in Italien beraten“.[11]

Die Reichsstände hingegen stellten „Forderungen nach [einer] Verfassungsreform“, wobei deren finanzielle Zusage auch an diese Bedingung geknüpft war.[12]

Auf dem Wormser Reichstag von 1495 gab es also dementsprechend zwei sich gegenüberstehende Hauptforderungen. Der Kaiser wünschte die intensive finanzielle Beteiligung der Stände. Dies sollte vor allem der Abwehr des französischen Angriffs auf Italien dienen. Die Stände ihrerseits verlangten die „Mitsprache bei zentralen Gerichtssachen und bei den ständisch finanzierten Betreffen“[13] Die Stände forderten die Einrichtung eines Reichrates, die ständische Mitregierang in Fragen der Kriegsführung und des Bündnisabschlusses und die Vergabe von Reichslehen, was bis dahin eigentlich zur kaiserlichen Personalpolitik gehörte. Der Kaiser hingegen wollte die finanzielle Unterstützung. Es war ein Kompromiss: „Geldhilfe gegen ständische Reichsgerichtsbarkeit“.[14]

Auf beiden Seiten in diesem Konflikt wurden zunächst einmal maximale Forderungen angesprochen, aber nach einer gewissen Zeit rückte man immer mehr davon ab. Denn man suchte nach einem Ausgleich zwischen den beiden unterschiedlichen Meinungen. Dazu waren drei Stufen der Einigung nötig. Zuerst war eine Einigung innerhalb einer Kurie notwendig. Danach mussten sich die drei Kurien untereinander einigen. Und zum Schluss musste der Ausgleich mit dem König oder Kaiser erfolgen. Hierbei handelte es sich um „eine Fülle kleinteiliger Aktionen des Mit- und Gegeneinanders“.[15] Die Stände fürchteten sich davor möglicherweise durch ihr Handeln in großdynastische Sonderinteressen des Königs mit hineingezogen zu werden.

Der Kaiser „wollte keine Truppenkontingente, sondern Geldleistungen“[16], also forderte er eine Eilende Hilfe. Seine Rechnung, wie er an das nötige Geld komme, setzte sich wie folgt zusammen: 100.000 Gulden von allen Reichsständen, davon allein V von den Städten, und 50.000 Gulden vom König selbst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Quittungsliste der Eilenden Hilfe für Kaiser Maximilian I.

Allerdings sollten die vorerst geleisteten Zahlungen der Reichsstände natürlich durch die Erträge des Gemeinen Pfennigs wieder zurückgezahlt werden. Der Reichstag beauftragte Kurfürst Berthold von Henneberg mit der Einsammlung der sogenannten Eilenden Hilfe.[17]

[...]


[1] Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. IV, S.1213f..

[2] Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. VI, S.420-424.

[3] Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. I, S.2029f. .

[4] Vgl. HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S.31.

[5] Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. VII, S.634f.

[6] Vgl. Lexikon des Mittelalters Bd. IV, S.1213f.

[7] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S.232.

[8] Vgl. HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S.231.

[9] REICHSSTEUERREGISTER Nürnberg, S.13.

[10] REICHSSTEUERREGISTER Nürnberg, S.13.

[11] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 33.

[12] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 58.

[13] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 33.

[14] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 330.

[15] Vgl. HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 330.

[16] HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 330.

[17] Vgl. HELM, 1495 - Kaiser, Reich, Reformen, S. 330.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656401629
ISBN (Buch)
9783656402008
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212556
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Schlagworte
erhebung gemeinen pfennigs franken

Autor

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