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Die Relevanz der visuellen Entwicklung bei der frühkindlichen Entwicklung der Sinnesmodalitäten

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Intrauterine und frühkindliche Entwicklung der Sinnesmodalitäten

3 Bereichsspezifische Wahrnehmungsleistungen von Säuglingen
3.1 Sehschärfe und Kontrast
3.2 Objektwahrnehmung.
3.3 Farbwahrnehmung
3.4 Bewegungs- und Tiefenwahrnehmung

4 Differenzierung und Verbindung der Sinnesmodalitäten

5 Einflussfaktoren der visuellen Entwicklung
5.1 Früherkennung von Entwicklungsstörungen
5.2 Fazit

6 Literatur

1 Einführung

Die Wahrnehmung ist ein elementarer Teil unseres Lebens. Ihr Stellenwert wird vor allem durch die weit verbreitete Vorstellung deutlich, dass „alle menschlichen Erkenntnisse und Einsichten auf sensorischen Erfahrungen beruhen.“ Erkenntnis und Einsicht kommen „also durch Wahrnehmungsprozesse erst zustande“ (Müsseler & Prinz, 2002, S. 16). Derartige Definitionen der Wahrnehmung findet man häufig. So beschreibt eine dem Lexikon der Psychologie (1987) entnommene Definition die Wahrnehmung als eine „psychologische Funktion, die dem Organismus (mittels Sinnesorganen) die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen betreffs Zustand und Veränderungen der Außenwelt ermöglicht.“ Doch wie entwickelt sich unsere Wahrnehmung, vornehmlich die frühkindliche Wahrnehmung? Wie entwickeln sich die verschiedenen Sinnesmodalitäten? Welchen Stellenwert hat die Entwicklung der spezifischen Sinnesmodalitäten und wie wird die frühkindliche Entwicklung beeinflusst? Auf derartige Fragen werde ich in dieser Hausarbeit näher eingehen und dabei vor allem versuchen die Relevanz der visuellen Entwicklung bei der frühkindlichen Entwicklung der Sinnesmodalitäten herauszustellen.

2 Intrauterine und frühkindliche Entwicklung der Sinnesmodalitäten

Einleitend werde ich dabei zunächst die intrauterine Entwicklung, also die Entwicklung des Embryos in der Gebärmutter, sowie die frühkindliche Entwicklung der Sinnesmodalitäten betrachten. Neugeborene verfügen über erstaunliche Fähigkeiten in der Wahrnehmung ihres eigenen Körpers und Umfeldes. Wahrnehmung, Bewegung, Kognition und Handlung bilden schon in den ersten Lebensmonaten eine Einheit. Das Neugeborene nimmt die Umgebung durch Bezug auf seine eigenen Körperbewegungen war. Die Wahrnehmung erfolgt dabei unbewusst (Gibson, 1988, zitiert nach Oerter & Montada, 2008).

Die verschiedenen Wahrnehmungsmodalitäten entwickeln sich dabei intrauterin und extrauterin verschieden und unterschieden sich auch innerhalb der Modalität in bestimmten Aspekten. Unter Sinnesmodalitäten versteht man dabei die verschiedenen Sinnesorgane des Menschen. Festzuhalten ist, dass der Mensch fünf Sinne besitzt, bestehend aus der visuellen (Sehen), der auditiven (Hören), der olfaktorischen (Riechen), der gustatorischen (Schmecken) und der haptischen (Fühlen) Wahrnehmung. Diese fünf Sinne werden in die zwei Kategorien der Nah- und Fernsinne eingeordnet. Der Hör- und Sehsinn gehören dabei zu den Fernsinnen und der Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn zu den Nahsinnen. Zu diesen fünf grundlegenden Sinnen werden in der Wissenschaft aber oft ergänzend Temperatur- und Gleichgewichtssinn, sowie Schmerzempfinden und ein generelles Körperbewusstsein hinzugefügt. Grundlegend kann die Sinneswahrnehmung so beschreiben werden, dass durch die verschiedenen Sinnesorgane einzelne Empfindungen aufgenommen und über Rezeptoren und Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet werden, wo sie anschließend entschlüsselt und zu einem Gesamteindruck zusammengefügt werden.

Da die Entwicklung der Fernsinne von großer Bedeutung und lebenswichtig für das Neugeborene ist, werde ich im Folgenden vor allem auf die intrauterine und extrauterine Entwicklung der auditiven und visuellen Wahrnehmung eingehen: Die auditive Wahrnehmung beim Fötus entwickelt sich sehr schnell - bereits ab der 24 Schwangerschaftswoche ist der Embryo in der Lage Geräusche bzw. Töne wahrzunehmen. Der frühe Aufbau neuronaler Verbindungen bis hin zu den subkortikalen Strukturen ermöglicht es dem Embryo bereits im Mutterleib Höreindrücke wie die mütterliche Stimme zu speichern. Dass diese Höreindrücke differenziert wahrgenommen und erkannt werden, lässt sich durch die Saugreaktion des Neugeborenen schließen: Zwei Tage alte Säuglinge verändern ihre Saugreaktion, wenn sie durch die Änderung von Kopflage oder Saugrhythmus dann die Stimme ihrer Mutter hören können.

Um die Hörfähigkeit genauer zu testen erhoben Olsho et al. (1988, zitiert nach Goldstein, 2002) bei sechs Monate alten Säuglingen Hörschwellenkurven, indem die Reaktionsrepertoires der Säuglinge auf Schallsignale getestet wurde. Durch genaue Beobachtung der Verhaltensänderung wurde festgehalten, ob der Säugling den über Kopfhörer dargebotenen Ton gehört hatte oder nicht. Entscheidungskriterien waren dabei Reaktionen wie Augenbewegungen, Gesichtsausdrucksveränderungen, Wenden des Kopfes oder Ähnliches. Anhand der auf diese Weise ermittelten Hörschwellenkurven kann man schließen, dass die Schwelle bei 2000 Hz liegt. Die Hörschwellenkurven von sechs Monate alten Säuglingen ähneln derer Erwachsener, sie liegen nur noch 10 bis 15 dB über denen von Erwachsenen. Innerhalb der ersten zwei Lebensjahre gleichen sich die Hörschwellenkurven noch an und die Ortung der Säuglinge verbessert sich. Die untere Abbildung verdeutlicht die Ergebnisse der Hörschwellenkurven für drei- und sechsmonatige Säuglinge sowie Erwachsene (Goldstein, 2002), wobei Frequenz (in Hz) gegen den Schalldruckpegel (in dB) abgetragen wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Bereichsspezifische Wahrnehmungsleistungen von Säuglingen

Da sich die visuelle Wahrnehmung in einzelnen Teilaspekten sehr unterschiedlich entwickelt und sich schwer unter einem Entwicklungsstrang der Modalität zusammenfassen lässt, werde ich im Folgenden auf die Entwicklung verschiedener Aspekte wie Sehschärfe, Kontrast und die Wahrnehmung von Objekten, Farbe, Tiefe und Bewegung eingehen.

3.1 Sehschärfe und Kontrast

Sehschärfe und Kontrast zählen zu den Voraussetzungen der Fähigkeit des Sehens. Zu Beginn ist die Sehschärfe eines Neugeborenen sehr gering, das Neugeborene sieht nur bei mittlerer Helligkeit und „auf ca. 20-25 cm Entfernung einigermaßen scharf und bevorzugt Muster mit deutlichen Konturen“ (Oerter & Montada 2008). Der Grund für unzureichend ausgeprägte Sehschärfe in den ersten Lebensmonaten sind die noch nicht voll entwickelte Sehrinde und unzureichend entwickelte Zapfen in der Fovea. So enthalten die Zapfen des Neugeborenen weniger Sehpigmente, wodurch Details schlechter erkannt und Licht nicht effektiv genug absorbiert werden kann. Doch zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensmonat entwickeln sich der visuelle Cortex und die Netzhaut differenzierter und innerhalb weniger Monate wächst beim Neugeborenen die Anzahl der Zapfen, die die Fovea bedecken, von 2 Prozent auf 68 Prozent (Goldstein, 2002). Mit ungefähr einem Lebensjahr ist dann die ausgeprägte Sehschärfe eines Erwachsenen erreicht.

3.2 Objektwahrnehmung

Neben den Voraussetzungen zum Sehen spielt die Wahrnehmungsorganisation eine wichtige Rolle. In diesem Bereich wurden vor allem die Fähigkeit der Gesichtserkennung der Mutter und die Figur-Grund-Trennung mehrfach untersucht. So zeigten Bushnell et al. (1989, zitiert nach Goldstein, 2002), dass bereits zwei Tage alte Säuglinge dazu in der Lage sind das Gesicht der Mutter von anderen zu unterscheiden. Nach einem Experiment von Bartrip et al. (2001, zitiert nach Oerter & Montada, 2008) sind sie dazu aber nur in der Lage, wenn die Mutter kein Kopftuch trägt. Erst mit sechs Wochen sind Säuglinge dazu in der Lage Frauen auch mit Kopftüchern, also nur anhand der Gesichtskonstellation zu erkennen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656408116
ISBN (Buch)
9783656408543
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212552
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
relevanz entwicklung sinnesmodalitäten

Autor

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Titel: Die Relevanz der visuellen Entwicklung bei der frühkindlichen Entwicklung der Sinnesmodalitäten