Lade Inhalt...

Die Gesamtschule und das Prinzip der Chancengleichheit der modernen Gesamtschule

Seminararbeit 2012 16 Seiten

Soziologie - Wissen und Information

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historie der Gesamtschule im historischen Kontext

3. Der Begriff der Chancengleichheit im Schulsystem

4. Argumente und Standpunkte der Befürworter und Gegner der Gesamtschulen
4.1 Der Standpunkt der Befürwörter des dreigleidrigen Systems
4.2 Der Standpunkt der Gesamtschulbefürworter

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schulformen, wie die Gesamtschule oder ganz aktuell die Oberschule nehmen immer größeren Diskussionsraum ein und sind aus dem politischen Alltag kaum noch wegzudenken, besonders wenn man die politische Lage auf Länderebene betrachtet. Es gibt viele Befürworter sowie Verfechter dieser Schulform unabhängig davon, ob es sich um Politiker handelt oder um Personen, welche sich um die schulische Situation des Landes Gedanken machen. Verfechter sowie Befürworter versuchen ein Schulsystem bzw. eine Schulform zu erschaffen oder zu verteidigen, welche die beste Form darstellt, um die zukünftige Generationen auf geeignetste Weise auszubilden und in die Ökonomie und Wirtschaft des Landes einzugliedern. Bildung ist in unserer heutigen Gesellschaft wichtiger als je zuvor. So wird es als eines der herrschenden Kapitale betrachtet laut Bourdieu. Die Schule ist heutzutage eine Institution, welche neben der rein ökonomisch intendierten Absicht gut ausgebildete Fachkräfte zu schaffen auch eine gesellschaftliche Verantwortung besitzt. So übernimmt sie auch die Sozialisation von Kindern nach einem gesellschaftlichen Normbild teilweise mit, soweit dies im Elternhaus oder in anderen sozialen Bezugssystemen nicht nach den gesellschaftlich akzeptierten Leitbildern geschehen ist. Dort nimmt die Gesamtschule sogar eine besondere Stellung ein, da sie die Sozialisation von Kindern aus verschiedenen Schichten übernehmen soll und dies im Sinne der Einheitlichkeit und Gleichheit, unabhängig der sozialen Herkunft. Doch unabhängig davon, welche Schulform nun die geeignetste ist, ist die Frage interessant, wie es um die Vergangenheit der Diskussion um diese Schulformen steht und wie diese in Deutschland ihren Anfang fand.

Diese Ausarbeitung versucht die Anfänge und den historischen Weg der Diskussion Schulform in Deutschland aufzuzeigen und die wichtigsten Ereignisse auszugliedern sowie im historischen Kontext darzustellen. So wird der Grundstein der Diskussion, welche schon im 19. Jahrhundert begonnen hat, beleuchtet und endet mit der Betrachtung der aktuellen politischen Situation bezüglich dieses Themas. Es ist zu sagen, dass nicht alle Ereignisse und Forderungen, welche bezüglich des Themas im 19. Jahrhundert genannt wurden, in dieser Arbeit beachtet wurden. Dies ist so, da es zwar viel Diskussionen, Meinungen und Ideen über einheitliche Schulformen gab, diese aber nie formal bestätigt wurden und meistens nur Ideen auf dem Papier blieben. Daher sind in dieser Arbeit nur ein paar Vorschläge exemplarisch genannt. Erst ab der Reichsschulkonferenz von 1920 sind Aspekte genauer zu nennen.

Ein weiterer Punkt, welcher versucht wird darzustellen, ist die Frage nach der Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem und die Rolle der Gesamtschule innerhalb diesem. Hilft die

Gesamtschule dabei dieses Grundrecht zu verwirklichen? Vorerst wird versucht, den Begriff der Chancengleichheit in seinen Zügen zu benennen. Zu der Frage, welche Rolle die Gesamtschule bezüglich der Chancengleichheit einnimmt, werden die Ansichten und Meinungen der verschiedenen Lager, welche um das Thema Gesamtschule diskutieren, genannt.

2. Historie der Gesamtschule im historischen Kontext

Das Thema beziehungsweise die Diskussion Gesamtschule existiert bereits seit dem 19. Jahrhundert, wobei die Begriffe für die Schulform Gesamtschule in der Geschichte variierten. So wurde diese zum Beispiel Nationalschule oder Einheitsschule genannt. Dennoch sind die Argumente sowie die Gegenargumente, die während dieser Diskussion angeführt wurden, beinahe unverändert. Dennoch bleibt festzuhalten, dass man in den vorgestellten Systemen nie eine radikale Verschmelzung aller Schulsysteme im Sinn hatte. Es handelte sich vielmehr um die Forderung, dass alle Kinder unabhängig ihres Standes oder sozialen Herkunft gemeinsam lernen durften und dies an denselben Bildungseinrichtungen.

Schon 1812 wurde von dem preußischen Schulrat Reinhold Bernhard Jachmann, der vorher auch Direktor des Conradiums in Danzig war, die Forderung nach einer Art Gesamtschule laut, wobei er diese mit dem Wort Nationalschule betitelte. Dennoch war das Konzept, welches er verfolgte, der späteren Gesamtschule ähnlich. So sollte jeder Schüler ab dem schulfähigen Alter bis hin zum Erwachsensein diese Schule besuchen, wobei dies wahrscheinlich nur für Jungen galt.1 Die Nationalschule war stufenweise aufgebaut wie sie 1822 von Seiten der Volksschullehrerschaft als Einheitsidee verfasst wurde. So sollte die Nationalschule in die Volksschule, Hauptschule und Bürgerschule aufgeteilt sein. Nach dieser war dann die Berufsbildung oder die Gelehrtenbildung vorgesehen.2 Ein Grund für das Entwickeln des Systems Nationalschule war für Jachmann, dass die gesellschaftlich höher und nieder gestellten Schulen geeint werden, damit es zu einer geringeren sozialen Ungerechtigkeit im Schulsystem käme.3

Der nächste Termin, bei dem das Thema Nationalschule aufgegriffen wurde, war 1848 bei der Frankfurter Nationalversammlung. Das System Nationalschule wurde erneut von seinen Befürwortern gefordert, genauso wie ein deutsches Volkschulgesetz. Dennoch war beides ohne nennbaren Erfolg. Auch nach der Reichsgründung war der Wille nach einem allgemeinen Bildungsorganismus immer noch vorhanden, wie auch das Konzept einer einheitlichen

Elementarschule bis zu dem zehnten Lebensjahr, nach dem Scheitern der Revolution 1848. Generell war die Idee der Einheitsschule die Einheit des Volkes auf die Schule zu übertragen. Deshalb war das Thema auch bis 1918 in dem sozialistischen Parteiprogramm. So enthielt das Vereinigungsprogramm der sozialistischen Arbeiterpartei und des allgemeinen deutschen Arbeitervereins vom 27. Mai 1875 in Gothar diesen Punkt, damit die „allgemeine und gleiche Volkserziehung durch den Staat“ möglich ist.4 Mit der Auffassung von Wichard Lange, einem Hamburger Privatschulrektor, die er am 18 Mai 1869 auf der allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung in Berlin vertrat, dass nämlich eine Einheitsschule in Form der Volksschule richtig sei, wird eine allgemeine Verbesserung der Schulqualität verbunden. Dies lag daran, dass ab diesem Zeitraum Schulgesetze vorhanden waren, welche sich nun auch auf die Volksschule bezogen. Generell bezogen sich die Gesetzte auf Organisatorisches und die Professionalisierung der Lehrkräfte. Auch erhielten nun Mädchen die gleiche Bildung wie Jungen, auch wenn dies eher eine Ausnahme war.5

Die Volksschule entwickelte sich, aber mit großem regionalem Unterschied abhängig von der regionalen Struktur sowie von der Konfession, obwohl es 1814 mit einem Schulgesetz sogar eine Grundlage und Zielsetzung für Schulen im Allgemeinen, also auch für die Volksschule gab. Dennoch blieb das Thema in politischer Hinsicht eher unberührt.6 Erst 1920 waren klare Linien geschaffen. Dennoch sind die Argumente, welche Befürworter und Gegner nannten, schon einige Zeit vor dem 20. Jahrhundert entstanden.

So waren die Gegner der Einheitsschule in der Lage vier Hauptargumente zu nennen:

Als erstes Argument wurde aufgeführt, dass eine solche Schule nicht durchführbar sei. Das zweite Argument bezog sich auf die sozialen Differenzen, welche entstehen, wenn Kinder aller sozialen Schichten zusammen unterrichtet würden. So wäre es undenkbar, dass die Kinder der Wohlhabenden mit Kindern aus sozial schwächeren Schichten auf ein und derselben Schulbank unterrichtet würden, wenn manche Kinder aus Mangel an geeigneter Kleidung nicht angemessen in der Schule erscheinen könnten. Als drittes Argument wurde aufgeführt, dass die Kinder aus ärmeren Verhältnissen nicht in der Lage seien, dieselbe Bildungsfähigkeit zu erbringen wie die Kinder aus den sozial höheren Schichten, so dass diese in ihrem Lernprozessen behindert würden und gleichzeitig jegliches Bemühen für die ärmeren Kinder unnütz sei. Als letztes Argument wurde genannt, dass das Zusammenwirken von solchen unterschiedlichen sozialen Schichten nicht gut sein könne.7

[...]


1 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S 11 f.

2 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S 13

3 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S.12

4 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S. 15 f.

5 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S. 17 f.

6 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S. 19

7 Vgl.: Oelkers, Jürgen: Die Gesamtschule in Deutschland. 1. Aufl. Weinheim und Basel. Beltz Verlag. 2006. S. 23

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656405023
ISBN (Buch)
9783656406310
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212436
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Chancengleichheit Bildungssystem

Autor

Zurück

Titel: Die Gesamtschule und das Prinzip der Chancengleichheit der modernen Gesamtschule