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Vom sanften Tourismus zur nachhaltigen Tourismusentwicklung - ein Überblick

Seminararbeit 2003 22 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Sanfter Tourismus
2.1 Ökologische Dimension
2.2 Ökonomische Dimension
2.3 Soziale Dimension
2.4 Fazit – Sanfter Tourismus

3. Entwicklung vom sanften zum nachhaltigen Tourismus..

4. Nachhaltiger Tourismus

5. Think globally – act locally

6. Verantwortungsträger der nachhaltigen Tourismusentwicklung
6.1 Nachfrageseite
6.2 Angebotsseite
6.2.1 Reiseveranstalter
6.2.2 Reisebüros
6.2.3 Beherbergungsbetriebe
6.2.4 Gemeinden / Kommunen

7. Tendenzen und Prognosen

8. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Kontrastliste zum „harten“ bzw. „sanften“ Reisen

Abbildung 2: Kriterien für eine Nachhaltige Entwicklung

Abbildung 3: Globalprinzipien der nachhaltigen Entwicklung

Abbildung 4: Handlungsebenen des sanften Tourismus

Abbildung 5: Zielgruppe der umweltbewussten Urlauber

1. Einleitung:

Tourismus ist wie Feuer: Man kann seine Suppe damit kochen, man kann aber auch sein Haus damit abbrennen. (chinesische Weisheit) (vgl. STUDIENKREIS 2002 o. S.) Der Inhalt dieser Weisheit wurde den Industriestaaten und deren Bevölkerungen zu Beginn der 80er Jahre allmählich bewusst. So entstand zur genannten Zeit der Bergriff des sanften Tourismus, auf dessen Entstehung, nach Versuch einer allgemeinen Definition, im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer eingegangen werden soll.

MOSE (1998 S.1) beschreibt die Idee des sanften Tourismus als „Schnittstelle von gesellschaftlicher Alltagspraxis und Notwendigkeit zur kritischen Reflexion“ womit er den Gedanken eines anderen Tourismus, d.h. eine Neuorientierung des Reisens und nicht eine prinzipielle Abkehr vom Tourismus ausdrückt. Doch was beinhaltet der Gedanke eines anderen Tourismus ? Dieser Begriff stellt eine Alternative zu bisherigen Formen des Fremdenverkehr dar. Beim Reisen soll demnach den ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Auswirkungen der Urlaubsgestaltung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Wie der Begriff des „sanften Tourismus“ entstand, seine Entwicklung und der damit verbundene Wertewandel der Bevölkerung sollen im Folgenden thematisiert werden. Die Hausarbeit wird einen Überblick über die Dimensionen geben, die von einer sanften bis hin zu einer nachhaltigen Tourismusentwicklung betroffen sind. Es werden Probleme erläutert, Herausforderungen bearbeitet aber auch resultierende Chancen erwähnt.

Diese kurze Einleitung soll vorerst ausreichen, um im weiteren Verlauf der Arbeit genaueres über die Tourismusentwicklung erfahren zu können.

2. Sanfter Tourismus:

Als Ende der 70er Jahre „Hotelklötze in Ferienorten, Autoschlangen auf den Ferienrouten, ausgedehnte Siedlungen mit Wochenendhäuschen, Seilbahnen in unberührter Hochgebirgslandschaft, Umweltverschmutzung [und] Wassergefährdung“ (vgl. ADAC 1988 in: SCHLOEMER 1999 S. 10) das Reisebild Mittel- bis Südeuropas prägten, brachte der Kritiker des Massentourismus JOST KRIPPENDORF (1975) den Begriff „Landschaftsfresser“ in die beginnende Tourismusdiskussion ein. Nur wenige Jahre später nämlich 1980 setzte der Begriff „sanfter Tourismus“ von ROBERT JUNGK einen Meilenstein in der Begriffswelt des Reisens. (vgl. SCHLOEMER 1988 S. 10)

Sanftes Reisen sollte als Gegensatz zum vorher überwiegend praktizierten „harten“ Reisen verstanden werden. So sollte JUNGK´ s Kontrastliste über Unterschiede der beiden o. g. Reiseformen aufklären, die bestehenden Probleme allgemein bewusst machen und zu einem Umdenken führen. (vgl. SCHLOEMER 1988 S.11)

Kontrastliste zum „harten“ bzw. „sanften“ Reisen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Quelle: (In Anlehnung an JUNGK 1980 in: ) SCHLOEMER 1988 S. 11

Besonders ein Umdenken, sowie implizite Verhaltensänderungen der Touristen waren unbedingt notwendig geworden. Die unkontrollierte Tourismusexpansion bis in die 80er Jahre, die sich z.B. in einer kontinuierlichen Steigerung der Reiseintensitätsrate von 1954-1994 von ca. 25 % auf 78 % erklärt, (vgl. BECKER 1996 S. 15) war nicht nur für eine ökologische Belastung im Alpenhochland oder sämtlicher Küstenstreifen im Mittelmeerraum verantwortlich, sondern ebenso für soziale Probleme. Auch die ökonomische Fremdbestimmung durch die großen mächtigen Veranstalter, bereitete nicht nur den oben genannten Ballungszentren weitreichende Schäden. Schluss mit ungehemmter Bauwut, Landschaftszerstörung/Zersiedlung und Verlust kultureller Identität der einheimischen Bevölkerung. Eine neue Tourismusideologie begann sich zu entwickeln. (vgl. SCHLOEMER 1999 S.12)

So ist auch zu erklären, dass im Alpenraum die ersten theoretischen Ansätze zum sanften Tourismus entstanden und sich von hier eine Ausdehnung in andere Länder ergab. (vgl. MOSE 1998 S.2) Zunächst überwiegte der theoretische Ansatz von Problembewältigungen (überwiegend ökologischer Art), doch durch Umsetzung von Modellversuchen konnten Zweifel an der Praktikabilität der Ansätze teilweise ausgeräumt werden.

Die theoretischen Ansätze lassen sich in ein Modell fassen, das die oben angesprochenen folgenden Dimensionen anspricht:

1. ökologische Dimension
2. ökonomische Dimension
3. soziale Dimension

Schon bald gründeten sich Gruppen, wie die Arbeitsgemeinschaft „Tourismus mit Einsicht“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Probleme des Massentourismus in diese Teilbereiche, welche durch das Reisen tangiert werden, einzuordnen. (vgl. MOSE 1998 S. 24)

Um sich ein Bild über die Vielfalt der Probleme zu schaffen, sollen im Folgenden Belastungen der verschiedenen Dimensionen genannt werden.

2.1 Ökologische Dimension:

Allseits bekannt sind die Folgen für Natur und Umwelt, die durch das Reisen entstehen. Da Tourismus/Fremdenverkehr, schon durch seine Definition bedingt, immer einen Transport von Personen d.h. Mobilität impliziert, stellt die größte Belastung für die Umwelt der Verkehr dar. 95 % des gesamten Energiebedarfs einer Urlaubsreise sollen nach MÜLLER (in: BECKER 1999 S.27) nur für Transporte zum und am Urlaubsort aufgewendet werden. An dieser Stelle seien insbesondere die Flugreisen genannt, die durch den enormen Kerosinverbrauch nicht nur endliche Ressourcen aufzehren, sondern ebenfalls durch CO2-Ausstoß die Atmosphäre belasten. Als Beleg sollen folgende Daten LUBERICHS (in: BECKER 1999 S.29 ff) genannt werden: Obwohl nur ~ 10 % der längeren Urlaubsreisen in Zielgebiete außerhalb des europäischen Auslands gehen, werden auf diesen Strecken ~ 50 % des Gesamt-Energieverbrauchs gemessen, der bei diesen Reisen entsteht. 35 % der Reisen, die im Inland verbracht werden, beanspruchen hingegen nur 7 % der Energie, die insgesamt für touristische Transporte verbraucht wird. Auch wenn sich diese Daten auf das Jahr 1994 beziehen, waren die Sorgen , die zu Beginn der 80er kund getan wurden, durchaus berechtigt, insbesondere vor dem Hintergrund der Reiseintensitätsentwicklung zu dieser Zeit.

Aber nicht nur das Flugzeug, der PKW (zweitgrößter Energieverbraucher), Busse oder Bahn sind für das entstandene Umweltbewusstsein verantwortlich. Besonders die naturverdrängenden Hotelkomplexe in spanischen Mittelmeerorten, Wasser- und Strand-Verunreinigungen in eben den gleichen Destinationen, genau wie überlastete Skiorte der Alpen zeigten die Grenzen des Massentourismus.

Ein besonderes Problem ergibt sich durch die Fremdbestimmung der Orte, von Seiten der Veranstalter. Diese sahen den ökonomischen Profit, den die Urlaubsgebiete bargen. Da keine Identifikation mit den genannten Destinationen statt findet, werden diese ökologisch, ökonomisch und sozial ausgeraubt und ihnen gleichzeitig ihre Überlebensgrundlage, der Tourismus, durch eben den Tourismus zerstört.

2.2 Ökonomische Dimension:

Besonders periphere ländliche Gebiete werden häufig durch ihre schöne Landschaft und das damit verbundene Naturerlebnis geprägt. Daher sehen diese Regionen auf Grund ihrer oft nur schlecht ausgebauten wirtschaftlichen, industriellen Infrastruktur große Potentiale im Tourismus. Doch gerade in einer solchen Situation liegen viele Risiken. So kann es schnell zu einer ganzen Kette von Konflikten führen, wenn ein zu großes Augenmerk auf den Tourismus geworfen wird und dieser sich zu einer Monokultur entwickelt. Der Verzicht auf Investitionen in anderen Industriezweigen zum Beispiel stellt Opportunitätskosten dar. Geld, das in den Tourismus investiert wird, steht anderen Bereichen nicht mehr zur Verfügung. Das impliziert eine Vernachlässigung der Industrie und verstärkt gleichzeitig die Abhängigkeit der Region vom Tourismus. Dieser wiederum ist von weiteren (meist unbeeinflussbaren) Faktoren abhängig. Die Saisonalität ist hier zu nennen. Nur zu wenigen Spitzenzeiten im Jahr kann die Region ein konjunkturelles Wachstum/Hoch verzeichnen. Hinzu kommt die sensible Reaktion der Touristen auf politische Instabilität im bereisten Land. Außerdem unterliegt das Feriengebiet den wechselnden Trends der Reisenden, worauf es nicht schnell genug oder im schlechtesten Fall gar nicht reagieren kann.

Darüber hinaus sollte gesagt sein, dass der Ausbau einer umfassenden Tourismusstruktur nicht unbedingt einen neuen Beschäftigungsgrad mit sich bringt, sondern lediglich eine Umverteilung der Beschäftigungsmöglichkeiten bewirkt.

Als letzte mögliche negative Auswirkung sei erwähnt, dass die Bodenpreise durch den Tourismus steigen, weshalb sich Einheimische oft kein Eigenheim mehr leisten können. Eine Zersiedlung der Gemeinde ist die Folge.

Diese Reihe der Risiken und Auswirkungen wäre noch fortzusetzen was hier jedoch vernachlässigt werden soll. (vgl. BECKER 1996 S. 37ff)

2.3 Soziale Dimension:

Ein markantes soziales Problem ergibt sich aus der Diskrepanz im Lebensstandard zwischen Touristen und der einheimischen Bevölkerung. Gerade jüngere Einheimische versuchen, den Lebensstil der Touristen zu imitieren, obwohl ihnen das auf Grund ihrer beschränkten finanziellen Mittel nicht möglich ist. Besonders groß ist dieses Problem in den ärmeren bereisten Ländern der 3. Welt. (vgl. BECKER 1996 S. 39ff) Dadurch entsteht ein Minderwertigkeitsgefühl auf Seiten der bereisten Bevölkerung, was eine psychische Belastung darstellt. Einheimische empfinden „sich und ihren Lebensraum als ’Konsumgut’ der Fremden.“ (BECKER 1996 S. 40) Es entsteht ein „Gefühl der Fremdbestimmung und der Unterlegenheit“ wie BECKER es beschreibt. Akkulturation bezeichnet man dieses Phänomen der Übernahme von Lebensgewohnheiten der Gäste. Auf diese Weise gerät die lokale Kultur in Gefahr, sodass allzu leicht Feste, Feiern und Gebräuche von auswärtigen Gästen dominiert werden. (vgl. BECKER S. 40). Auch diese Kette sozialer Probleme trägt dazu bei, die örtliche Gemeinschaft aufzulösen.

Die Aufzählung sozialer Probleme ist auch hier nicht vollständig, bietet jedoch einen kleinen Einblick in die Problempalette der sozialen Dimension des Reisens.

2.4 Fazit - Sanfter Tourismus

Im Hinblick auf die beschriebenen Dimensionen sollte der sanfte Tourismus zu Beginn der 80er Jahre als „wirtschaftliche Alternative für periphere, strukturschwache Räume“ (BECKER 1996 S. 8) verstanden werden, die insbesondere eine eigenständige Regionalentwicklung fördern sollte. Auch wenn sich viele Veranstalter zunächst mit der ökologische Dimension beschäftigten, indem sie gewisse Mindestmaßnahmen ergriffen, wie die Verbannung von Plastikverpackungen in Hotels (vgl. SCHLOEMER 1999 S.18) oder etwa die Beschäftigung eines Umweltbeauftragten (siehe TUI) , zollte man den ökonomischen und gesellschaftlichen Interessen, gerade die Einheimischen betreffend, immer mehr Aufmerksamkeit. Es entwickelte sich eine Nischenpolitik im alternativen Segment des Fremdenverkehrs, die wirtschaftliche Belange nur am Rande berücksichtigen sollte, dafür aber ökologischen und soziale Interessen umso stärker in Betracht zog. Die Türen für eine Diversifizierung des touristischen Angebots waren geöffnet worden.

Doch standen die Überlegungen des sanften Tourismus noch am Anfang ihrer Entwicklung.

So bringt BECKER (1996 S. 9) abschließend an, dass es den Ansätzen der neuen Politik an zeitlichem Weitblick, einer Berücksichtigung räumlicher Verflechtungen sowie einer vernetzen Sicht der drei Dimensionen fehlte. In wie weit diese Aussage korrekt ist, werden wir an der weiteren Entwicklung des Begriffes verfolgen können.

3. Entwicklung vom sanften zum nachhaltigen Tourismus:

In den folgenden Jahren wurden nicht nur die Urlaubsangebote überwiegend kleiner bis mittelständiger Reiseveranstalter weiterentwickelt, sondern auch die Begriffe, die fortan für die neue Form des Reisens benutzt werden sollten. Wurde zu Beginn der 80er Jahre noch mit einem „sanften“ Tourismusangebot geworben, waren es wenige Jahre später Definitionen wie „umwelt- und sozialverträglicher Tourismus“ nach KRAMER, „intelligenter Tourismus“ wie der ARBEITSKREIS FREIZEIT & TOURISMUS in die Begriffswelt einfließen ließ oder „aufgeklärter Tourismus“ laut KRÜGER u. LODA. Viele Veranstalter schmückten ihre Produkte mit der Bezeichnung „Ökotourismus“, (vgl. MOSE 1998 S.25) auch wenn der Inhalt der Reise nicht immer dem eigentlichen Sinn nachkam. Denn viele Veranstalter sahen eine Nische darin, ihre oft nur wenig nach sanften Kriterien verbesserten (Pauschal-) Reiseangebote mit einem solchen Namen zu vermarkten. Ein umweltfreundlicher Eindruck sollte auf diese Weise bei den Kunden hinterlassen werden. Ein paradoxes Reiseangebot unterbreitete z.B. „NATOURS“ 1997: Der Veranstalter organisierte eine Autowanderung entlang der Deutschen Limesstraße, immerhin mit der Empfehlung, Fahrräder und Wanderstiefel mitzunehmen. (vgl. TOURISTIK MANAGEMENT 1997 in: SCHLOEMER 1999 S. 18) Ganz klar ist bei diesem Angebot der Sinn einer ökologisch ausgerichteten Reiseform verfehlt.

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Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638249010
ISBN (Buch)
9783638819732
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21241
Institution / Hochschule
Universität Trier – Fachbereich VI Geographie / Geowissenschaften
Note
1.3
Schlagworte
Tourismus Tourismusentwicklung Proseminar Fremdenverkehrsgeographie

Autor

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