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Römische und Germanische Mythologie

Die Problematik des Vergleichs

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Germanische Mythologie

III Römische Mythologie

III Die Gleichsetzung der Mythologien und Religionen

IV Die Problematik in der Gleichsetzung

V Zusammenfassung und Schlusswort

Literaturverzeichnis

I Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Vergleichs (und damit einer Gleichsetzung) der römischen mit der germanischen Mythologie. Weniger wird abseits des Vergleichs auf die einzelnen Götter und ihre individuelle Verehrung eingegangen werden, da dies nicht Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist. Beschreibungen der Gottheiten sind in der Literatur bereits zahlreich zu finden. Hier soll daher jeweils eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Gottheiten und ihrer Aspekte ausreichend sein. Im ersten Kapitel wird die germanische Mythologie mit ihren Gottheiten kurz beschrieben, im folgenden zweiten Kapitel die römische. Daraufhin folgt eine gängige Gleichsetzung der Götter, wie sie in der Literatur gefunden wird. Das vierte Kapitel ist das Relevanteste: Hier wird auf die Problematik eingegangen, welche beim Vergleich der Mythologien entsteht und der Frage nachgegangen, warum beide „Religionen“ kaum miteinander verglichen werden können. Der Schlussteil fasst kurz und knapp die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen. Die für diese Arbeit genutzte Literatur kann im angehängten Literaturverzeichnis nachvollzogen werden.

II Germanische Mythologie

Die sogenannten germanischen Völker sind das erste Mal um etwa 500 vor Christus fassbar[1] durch den Fund eines Grabplatzes mit Urnengräbern im Kreis Uelzen in Niedersachsen. Quellen aus welchen sich auf die Religion der Germanen schließen lässt lassen sich nach Simek in drei Unterarten aufteilen, welche alle noch aus heidnischer Zeit stammen: die archäologischen (und seltener literarischen) Belege für hölzerne Götterstatuen und Kultpfähle erstens, die ebenfalls archäologische Quellen für die germanischen Götter in der Römerzeit zweitens, zu welchen auch die wenigen Schriftzeugnisse antiker Schriftsteller gehören, und drittens die literarischen und bildlichen Darstellungen der Wikingerzeit über die Götterwelt der heidnischen Spätzeit.[2] Die Germanen waren polytheistische Stämme, welche sich jedoch durch die Jahrhunderte nicht wesentlich in ihren Gottheiten unterschieden.[3] Als erstes wurden im 3./4. Jahrhundert die Goten zum Christentum bekehrt (zur Form des Arianismus, welchen später auch die Vandalen und Langobarden übernahmen). Die archäologischen Quellen lassen auf eine Verehrung von anthropomorphen Gottheiten an Naturheiligtümern schließen. Tempel fehlten völlig, jedoch traten bereits zur Völkerwanderungszeit mächtige Festhallen auf, welche zweifellos für heilige Zwecke, jedoch nicht einzelgottgebunden, sondern universal genutzt wurden. In jüngerer Zeit zeigen Funde großer Hallenbauten in Skandinavien zur Völkerwanderungszeit einige neue Aspekte der germanischen Religion auf. Für Island jedoch kann mittlerweile eindeutig festgestellt werden, dass keine heidnischen Tempel existierten.[4] In Skandinavien wurden Götter bis in die Wikingerzeit hinein in erster Linie als kollektiv gedacht. Ab dieser Zeit traten kollektive Bezeichnungen bei den Skalden häufiger auf als einzelne Götternamen.[5] Die folgenden Namen der germanischen Hauptgottheiten stammen von antiken Weiheinschriften der romanisierten Germanen sowie spätantiken, völkerwanderungszeitlichen Schriftstellern[6]: Tacitus spricht von Herkules, Merkur, Mars und der Isis als den Hauptgöttern der Germanen, welche als Odin, Thor und Thyr sowie Freya identifiziert werden. Durch das Erwähnen einer Vielzahl von Göttern in Tacitus´ Germania, deren Namen später nie wieder auftauchen, kann erschlossen werden, wie vielgestaltig die germanische Religion sich zeigte. Die bedeutendste Göttin nach Tacitus ist Nerthus, nach Snorris Edda ist dieser jedoch ein männlicher Gott, welcher mit der Seefahrt assoziiert wird. Er steht in Beziehung zu dem Geschwisterpaar Freyr und Freya und wird als deren Vater angesehen.[7] Simek zählt etwa 80 Götternamen auf und unterteilt sie in die frühere Zeit des germanischen Altertums (vor den Wikingern) sowie ab diesem Zeitpunkt. An dieser Stelle nennt er ebenfalls die Matronen, weiblich göttliche Dreiheiten, welche zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert von Kelten und Germanen verehrt wurden.[8] Diese Einzelgottheiten unterteilt er wiederum in Orts- und Regionalgottheiten, Fluss- und Wassergottheiten, Stammesgottheiten, Gottheiten mit gebender Funktion, Gottheiten mit Schutzfunktion, Gottheiten mit persönlicher Schutzfunktion, Gottheiten für andere häusliche Funktionen, Schicksalsgöttinnen und Gottheiten mit Beziehung zu Magie.[9]

Die späteren germanischen Götter teilten sich auf in die älteren Wanen (die Fruchtbarkeits- und Liebesgötter) und die jüngeren Asen. Daneben existierten verehrungswürdige Wesen wie die Riesen, Zwerge und Alben, welche alle der niederen Mythologie angehören. Zu den Hauptgöttern gehören nach Simek[10] Thor, der Donnergott; Odin, der Kriegsgott, Totenführer, Gott der Zauberei und Dichtkunst (erst in der christlichen Zeit der Allvater der Götter);Freyr als mythischer Ahnherr des schwedischen Ynglingengeschlechts; Njördr als durch die laue Quellenlage blass bleibender Gott. Zu diesen vier männlichen Hauptgöttern gesellen sich die sich zu dieser Zeit bereits im Abstieg befindenden Götter Tyr und Ull. Weitere mänliche Götter sind Balder, und natürlich Loki, der Unruhestifter. Eine genauere Beschreibung der Götter erfolgt in Kapitel 3.

Es soll an dieser Stelle auf die Uneinheitlichkeit unter den diversen germanischen Stämmen hingewiesen werden; so „nutzten“ die einen Stämme zwei der oben genannten Gottheiten, andere Stämme alle, und wieder andere nutzten leicht veränderte Namen oder Assoziationen. Allein dies macht einen Vergleich problematisch, wie in Kapitel 4 und 5 nachzuvollziehen ist. Auch bei den Germanen kann nicht von einer einheitlichen germanischen Religion gesprochen werden, dafür sind die räumlichen wie auch zeitlichen Unterschiede der Funde, wie auch die kulturellen und sozialen Unterschiede der Stämme untereinander, zu groß.[11] Neben diesen Unterschieden sind jedoch auch zeitliche Kontinuitäten zu finden, bspw. die Verehrung der Götter in Form von Holzpfählen, die Opferung von Keramik oder Holzgefäßen mit organischen Substanzen darin[12] oder die Namen der Hauptgötter Odin und Frigg.[13] Der einzige Aspekt des germanischen Glaubens, welcher bereits lange Zeit gut zugänglich ist, ist der Opferkult. Aus den Funden der Gegenstände, Tiere oder sogar Menschen (rein statistisch eine Ausnahme[14] ) in den Mooren (der Zweck kann nur Interpretationssache sein) kann versucht werden, diese Kulte und damit Teile der Religionsausübung der Germanen nachzuvollziehen. Auch hier zeigt sich wieder die Problematik der Interpretation, denn was gefunden ist sagt längst nichts über den Vorgang oder Zweck des Opferns aus.

III Römische Mythologie

Die frühe primitive Religion der Römer, wie Prestowne sie nennt, war eine Familienangelegenheit, welche dem Familienoberhaupt oblag. Ihre Erscheinungsformen hingen jeweils mit dem Wohlergehen der Familie sowie mit persönlichen materiellen Vorteilen zusammen; die ethischen und moralischen Untertöne sind den Quellen nur selten zu entnehmen.[15] Die römische Mythologie ist ebenfalls eine polytheistische Mythologie. Bis das Christentum in Rom unter Kaiser Konstantin zur Staatsreligion wurde teilten sich diverse Götter das römische Pantheon. Viele Völker brachten ihren Teil mit in die Mythologie ein, so erweiterten beispielsweise die Etrusker die Religion um den Bau von Tempeln (und die Entwicklung der Gottheiten vom „Geist“ zum „Götzen“) wie auch die rituelle Weissagung und Seherkunst durch die Auguren.[16]

Die frühen Römer, dies folgert Perowne aus den Bestattungsformen, glaubten an das Weiterleben der Toten.[17] Ihre Götter unterschieden sich grundlegend von den griechischen Römern, bevor im Zuge der Annäherung römische und griechische Götter gleichgesetzt wurden. Wichtig ist zu erwähnen, dass römische Religion weder statisch noch dogmatisch war. Es existierten keine Gebote, keine Offenbarungen und keine Festlegung des Glaubens. Aus diesem Grund war auch die eklektische Entwicklung dieser Religion möglich.[18]

Die Götter der frühen Römer waren Individuen, wie die Menschen. Asklepios beispielsweise, der Gott der Heilkunst, war zunächst sterblich. Andere, Herakles zum Beispiel, waren halb Mensch und halb Gott.[19] Für die Römer existierte eine Triade von Hauptgöttern: Jupiter, Mars und Quirinus, wobei Jupiter selbst die beherrschende Figur einer weiteren Triade darstellt, zusammen mit den Göttinnen Juno und Minerva. Auf diese zweitere Triade konzentrierte sich das römische Volk in ihrer Götterverehrung, ihr Sitz war das römische Kapitol: „In den großen Tagen Roms, als seine Vorherrschaft von zahllosen anderen Städten anerkannt wurde, war es der größte Ehrgeiz des jeweiligen Stadtbaumeisters, in seiner Stadt ein Kapitol ähnlich dem römischen zu errichten und darin die Statuen dieser drei Gottheiten, mit Jupiter auf einem Thron in der Mitte, aufzustellen.“[20] Später änderte sich die Form der Götter in die olympischen Zwölf: Zwölf Hauptgötter, wohnhaft auf dem Olymp, dem Götterhimmel.

[...]


[1] Rudolf Simek, Der Glaube der Germanen, 2005, S.8.

[2] Rudolf Simek, Götter und Kulte der Germanen, 2004, S.42.

[3] Simek, Glaube, S. 8

[4] Simek, Götter S. 36.

[5] Simek, Glaube, S.59.

[6] Ebd., S. 58.

[7] Ebd.,, S. 60.

[8] Simek, Götter, S. 50.

[9] Simek, Glaube, S. 61 – 66.

[10] Simek, Rudolf, Die Religion der Germanen, 2003, S.130.

[11] Simek, Götter , S.8.

[12] Ebd., S. 26.

[13] Ebd., S. 9.

[14] Ebd., S. 23.

[15] Perowne, Römische Mythologie, 1969, S. 31.

[16] Ebd., S. 48.

[17] Ebd., S. 16.

[18] Ebd., S.17.

[19] Ebd., S.16.

[20] Ebd., S.17.

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656406938
ISBN (Buch)
9783656407386
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212355
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
römische germanische götter problematik vergleichs

Autor

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Titel: Römische und Germanische Mythologie