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Lampedusa als Ort der Flucht von Afrika nach Europa

Die Massenflucht von Afrika nach Europa am Beispiel Lampedusa (Italien)

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Kulturwissenschaften - Nordafrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen von Flüchtlingsbewegungen

3 Bestandsaufnahme der Flüchtlingsproblematik
3.1 Begriffsklärung
3.2 Entwicklung der Flüchtlingszahlen

4 Brennpunkt Lampedusa

5 Flüchtlingspolitik der EU

6 Lösungsansätze

7 Schluss

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es gibt viele Schauplätze von Bootstragödien mit afrikanischen Flüchtlingen -ob es nun die Meerenge von Gibraltar ist, Seegebiete zwischen der westafrikanischen Küste und den Ka­narischen Inseln oder der Mittelmeerbereich vor Lampedusa. Alles Orte, die in uns Gedan­ken an unbeschwerten Urlaub hervorrufen. Doch es sind auch Orte des Schreckens von ge­kenterten, ertrunkenen oder verdursteten Bootsflüchtlingen aus Afrika, die in der Hoffnung, in Europa eine bessere Zukunft zu finden, ihr Leben den Gewalten des Meeres ausliefern. Jedoch erfährt man meist nur beiläufig in einer kleinen Meldung von diesen Tragödien und größtenteils sind die Menschen in Europa durch die fast schon täglichen und gleichartigen Berichterstattungen bereits abgestumpft und nicht mehr zu erreichen.

Erst Mitte Februar ereignete sich ein erschütterndes Bootsunglück vor Lanzarote. Wenige Meter vor der rettenden Küste kenterte ein Flüchtlingsboot. 21 Menschen starben, darunter waren auch viele Kinder.[1]

Als besonders tragischen Fall soll ein Desaster im Juni 2007 hervorgehoben werden. Da­mals hatte sich ein maltesisches Fischerschiff geweigert, 27 Afrikaner an Bord zu ziehen, deren Boot gekentert war. Während sich Malta und Lybien sich nicht über die Zuständigkeit für die Flüchtlinge einigen konnten, mussten die Afrikaner unter Todesangst der Nässe und Kälte 3 Tage standhalten , bis sie schließlich von einem italienischen Schiff gerettet wur­den.[2] Dieser nahezu unglaubliche Vorfall, zeigt wie bei solchen Streitigkeiten um politische Verpflichtungen die elementaren Regeln der Zivilisation, nämlich Menschenleben zu retten, verloren gehen.

Mitentscheidend für die Ablehnung der Flüchtlinge ist oft der mangelhafte Kenntnisstand über die Ursachen, die die Verzweifelten Menschen zu ihrer lebensgefährlichen Flucht be­wegen. In dieser Arbeit sollen deshalb zunächst die Gründe der Flüchtlingsbewegungen aus­gearbeitet werden. Anschließend soll eine Bestandsaufnahme, die eine Begriffsklärung und Darlegung von Zahlen und Entwicklungen zu den Flüchtlingsströmen beinhaltet, gegeben werden.

Nach diesen allgemeinen Informationen über die Massenflucht von Afrika nach Europa soll besonders die Problematik um die süditalienische Insel Lampedusa dargestellt werden, die in den letzten Jahren aufgrund seiner massiven Flüchtlingszuströme zum Brennpunkt der il­legalen Einwanderung geworden ist. Wegen seiner Nähe zu Tunesien ist Lampedusa für Zehntausende Fliehende aus Afrika der erste Anlaufpunkt. Die Lage im dortigen überfüllten Aufnahmelager hat sich drastisch verschärft.[3] Die jüngsten Vorfälle auf der Insel sollen do­kumentiert werden, zumal Lampedusa beispielhaft die poltischen und humanitären Span­nungsfelder, die die Flüchtlingsproblematik umrahmen, aufzeigt.

Anschließend soll die Flüchtlingspolitik der EU näher beleuchtet und Lösungsansätze vor­gestellt werden.

2 Ursachen von Flüchtlingsbewegungen

Die Ursachen von Flüchtlingsbewegungen sind komplex und gruppen- und schichtsspezi­fisch. Jedoch ist für alle Gruppen ein Ursachenbündel charakteristisch, für das Schubfakto­ren, so genannte Push - Faktoren, grundlegend sind. [4]

Primär differenziert man zwischen „politisch Verfolgten“[5] und „Wirtschaftsflüchtlingen“.[6] Gerade für Afrika ist die politische und wirtschaftliche Instabilität kennzeichnend und for­dert die Entwurzelung der dort geborenen Menschen. Politische Tyrannei und gewaltsame inner-staatliche Konflikte zwingen die Menschen ihre Heimat mit dem Wunsch zu verlas­sen, in anderen, urbanen Lebensräumen ohne Angst leben zu können. Das Leben in den afrikanischen Staaten ist oft geprägt von Bürgerkriegen und Verfolgungen bis hin zum Völ­kermord, sowie politischer Repression durch Unrechtsregime. Ein Grund für die hohen Flüchtlingszahlen aus Afrika liegt mitunter darin, dass Afrika im letzten Jahrzehnt Schau­platz von fast 40 Prozent aller kriegerischen Konflikte der Welt war bzw. weiterhin ist. Da­bei muss man den sudanischen Bürgerkrieg, den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo, die Konflikte in Angola und Somalia und nicht zuletzt den aktuellen Krisenherd zwischen Hutus und Tutsis in Burundi und Ruanda besonders hervorheben.[7]

Ein großer Anteil, wenn nicht sogar die Mehrheit der Flüchtlinge verlassen aus wirtschaft­lichen Aspekten ihr Land. Von den 49 am wenigsten entwickeltsten Ländern der Welt (LDC = Least Developed Countries) liegen 35 in Afrika südlich der Sahara. Somit sind vor allem wirtschaftliche Not, ungleiche Einkommensverhältnisse und Arbeitslosigkeit zen­trale Gründe für Flüchtlingsbewegungen.[8]

Die Armut in Afrika, die sich in Hunger, Unter- und Mangelernährung, unzureichender sa­nitärer Versorgung und menschenunwürdigen Lebensverhältnissen zeigt, steht immer wie­der im Fokus der Flüchtlingsproblematik und stellt eine der Hauptursachen dar. Hinzu kommt das immer größer werdende Wohlstandsgefälle und bessere Ausbildungschancen, die viele Afrikaner, die in Armut leben, zur Flucht nach Europa bewegen. [9]

Ein weiterer Faktor ist die relative Überbevölkerung und deren Konsequenzen wie beispiels­weise die Zerstörung von Acker- und Weideland, Wüstenbildung, Dürren und Naturkata­strophen. Daraus treten die sogenannten Umweltflüchtlinge hervor.[10] Darunter sind

jene Personen zu verstehen, die ihre [...] Heimatregion verlassen, weil ihr Leben aufgrund von natürlichen und anthropogenen Umweltschäden sowie aufgrund von ökologischer Überbelastung durch Überbevölkerung erheblich beeinträchtigt oder gefährdet wird.[11]

Der Entschluss zu flüchten wird also in vielen Fällen nicht freiwillig gefasst. Die aufgezeig­ten Gründe und teilweise auch das Drängen der Familien, die auf Geldüberweisungen und eine sichere Existenz hoffen, zwingt die Menschen dazu, sich unter Einsatz ihres Lebens auf eine Odyssee ins Schlaraffenland Europa zu begeben. Genau genommen ist dies eine Odyssee ins Ungewisse, da die Flüchtlinge weder wissen, ob sie das rettende Ufer jemals er­reichen werden, noch was sie bei der Ankunft erwartet.[12]

3 Bestandsaufnahme der Flüchtlingsproblematik

Trotzdem wagen viele diese waghalsige Reise. Genaue Angaben über die Flüchtlingsmassen sind angesichts der Komplexität des Themas nicht möglich. Die Zahl der Asylbewerber in den Staaten der EU bietet jedoch eine Orientierungsmöglichkeit für die Flüchtlingsdaten.[13] Vor einer Betrachtung der Flüchtlingszahlen soll zunächst aber eine Definition der Begriffe Flüchtling und Asylbewerber erfolgen.

3.1 Begriffsklärung

Laut Genfer Konvention von 1951, die für die Rechtsstellung der Flüchtlinge zuständig ist, gilt jemand als Flüchtling, der sich aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung au­ßerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht annehmen will.[14]

Im Jahr 1969 legte die Organisation afrikanischer Einheiten (OAU) andere Vorausset­zungen fest. Demnach sind Menschen, „die wegen eines Krieges oder eines innerstaatlichen Konfliktes geflohen sind“[15] als Flüchtlinge anzusehen. Der 1951 von der UN - Generalver­sammlung gegründete Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR), der weltweit Flüchtlingsarbeit leistet, hat diese erweiterte Definition übernommen.[16]

Wichtig ist, dass man zwischen Flüchtlingen und Asylbewerbern differenziert. Während der Status eines Flüchtlings von einer nationalen Regierung anerkannt wurde, kennzeichnet sich ein Asylbewerber dadurch, dass er um internationalen Schutz bittet, ihn aber noch nicht er­halten hat.[17]

Daraus lässt sich schließen, dass die Zahl der Asylanträge einen Anhaltspunkt für Hochrech­nungen von Flüchtlingszahlen darstellen kann.

[...]


[1] Stürmer, 2009.

[2] Wandler, 2007

[3] Vgl. Kreiner, 2009

[4] Vgl. Sich/Schönleben/Schmto/Wagner, 2004, S. 7f.

[5] Kohnert, 1994, S.68.

[6] ebenda

[7] Vgl. Sich/Schönleben/Schmid/Wagner, 2004, S. 7-9

[8] Vgl. unbekanntes Autorenteam, Welt im Wandel - „Eine Welt“- Eine Verwirrende Welt, 2004

[9] Vgl. Sich/Schönleben/Schmto/Wagner, 2004, S.7

[10] Vgl. ebenda, S.20

[11] ebenda

[12] Vgl. Kohnert, 1994, S.69

[13] Vgl. Sich/Schönleben/Schmid/Wagner, 2004, S.22

[14] ebenda, S.8

[15] ebenda, 2004, S.8.

[16] Vgl. ebenda

[17] Vgl. Amnesty International, Flüchtlingsrecht

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656399117
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212326
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Lampedusa EU Europa Afrika Massenflucht

Autor

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Titel: Lampedusa als Ort der Flucht von Afrika nach Europa