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Föderalismus und bewaffnete Konflikte zwischen Staaten

Untersuchung einer Konfliktdatenbank

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen und Eingrenzungen des Untersuchungsgegenstandes
2.1 untersuchte Staaten
2.2 untersuchter Zeitraum
2.3 untersuchter Konflikttyp
2.4 wichtige Definitionen

3. Untersuchung der Hypothese anhand einer Konfliktdatenbank
3.1 Begründung für die Wahl der Datenbank
3.2 Anpassung der Datenbank
3.3 Übertragung der Daten in zwei Vierfeldertabellen
3.4 Berechnung des Chi-Quadrat-Wertes

4. Fazit

5. Feststellung möglicher Ursachen des Untersuchungsergebnisses

6. Reflektion, Vorschläge zur weiterführenden Arbeit

7. Anhang

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema Föderalismus gewinnt weltweit an Bedeutung.

Zwar gibt es nur achtundzwanzig föderale Länder, in ihnen leben aber vierzig Prozent der Weltbevölkerung (Anderson 2008, 13).

Da dem Föderalismus auch eine friedensstiftende Wirkung zugeschrieben wird (Bigdon 2006, 76, Berge/Grasse 2003, 24), steigt zudem das Verlangen nach Föderalismus als Lösungsansatz für die Konflikte instabiler Staaten wie Afghanistan.

So stellte bereits Mahatma Gandhi fest:

„Centralization as a system is inconsistent with a non-violent structure of society. “ (nach Doering 2005, 9).

Damit rückt Föderalismus auch zunehmend in das Blickfeld der Friedens- und Konfliktforschung. Diese möchte unter anderem klären, inwiefern ein föderaler Aufbau eines Staates Krisensituationen verhindern kann. Diskutiert wird dabei, in welchen Fällen solch ein Aufbau Frieden fördern kann und in welcher Form dieser Aufbau am wirkungsvollsten ist

(Schneckener 2002, Linder 1998). Besonders bei extremer ethnischer Heterogenität wie beispielsweise in Nigeria erscheint ein föderaler Aufbau passend, wenn er sich auch nicht immer als unproblematisch erwiesen hat (Heinemann-Grüder 2011, 260).

In der Regel scheint sich die Friedens- und Konfliktforschung dabei auf gewaltsame Konflikte innerhalb von Staaten zu konzentrieren. Zwischenstaatliche gewaltsame Konflikte scheinen im Zusammenhang mit Föderalismus inzwischen nur noch wenig beleuchtet zu werden. Gemäß des Codebooks (UCDP/PRIO Armed Conflict Dataset 2012) und der Internetseite der Universität Uppsala (Universität Uppsala 2012) gibt es insgesamt fünf Konflikttypen, die in diesem Zusammenhang interessant sein könnten:

1. Beim „extrasystemischen“ Typ finden Konflikte zwischen einem Staat und einer nichtstaatlichen Gruppe außerhalb ihres Territoriums statt.
2. Interstaatliche Konflikte finden zwischen den Regierungen der Staaten statt.
3. Innerstaatliche Konflikte ohne Intervention anderer Staaten werden zwischen der Regierung und einer Konfliktpartei, die nicht Teil der Regierung ist, geführt.
4. Innerstaatliche Konflikte mit internationaler Intervention werden ebenfalls zwischen der Regierung und einer Nicht-Regierungspartei ausgetragen, allerdings erhält mindestens eine der Parteien militärische Unterstützung anderer Staaten.
5. Nichtstaatliche Konflikte weisen den Gebrauch von Waffengewalt zwischen organisierten Gruppen, aber ohne Beteiligung der Regierung, auf. Nach der Definition der Universität

Uppsala fällt ein Konflikt in diese Kategorie, wenn es mindestens 25 kampfbedingte Tote in einem Jahr gegeben hat.

Weitgehend unerforscht im Zusammenhang mit Föderalismus scheinen diejenigen Konflikte zu sein, bei denen Staaten als entscheidende Parteien auftreten, also insbesondere der zweite Konflikttyp. Diese könnten jedoch beispielsweise für Friedensmissionen internationaler Zusammenschlüsse interessant sein, da der Aufbau eines föderalen Systems verhindern könnte, dass der betroffene Staat nach Abzug des Personals gegenüber anderen Staaten als Aggressor auftritt. Aufbauend auf diese Problemstellung ergibt sich die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem föderalen Aufbau eines Staates und seiner Konfliktführung mit anderen Staaten?

Eine mögliche Ursache für einen Zusammenhang könnten Mitsprache- und manchmal auch Vetorecht der zweiten Ebene innerhalb föderaler Staaten sein. Diese Rechte teilen die Macht und erschweren so die Durchsetzung von Partikularinteressen.

Zudem wird dem Föderalismus ein höheres Maß an öffentlicher Rechenschaftslegung zugeschrieben (Sturm 2010, 16). Die Initiierung eines Krieges oder gewaltsamer Konflikte könnte damit erheblich erschwert werden. Dies wäre besonders dann der Fall, wenn nur wenige Gliedstaaten sich Vorteile von diesem Konflikt versprechen. Die hohen Kosten, der ungewisse Ausgang und die oft gewünschte internationale Legitimationsbasis eines Konflikts könnten dabei Faktoren sein, die einen Großteil der Bevölkerung oder der Gliedstaaten dazu bewegen, sich gegen eine Konfliktinitiierung zu stellen. Da der Föderalismus „zusätzliche Ebenen der politischen Beteiligung eröffnet“, beispielsweise durch die Wahl von Länderparlamenten (Sturm 2010, 18), könnte er dazu beitragen, die Ablehnung eines gewaltsamen Konfliktes durch die Bevölkerung, besser in politische Handlungen zu übersetzen. Allerdings ist strittig, ob Föderalismus auch allgemein ein höheres Maß an Demokratie mit sich bringt (vgl. Bigdon 2006, 46; Benz 2003).

Auf diese möglichen Gründe für einen Zusammenhang lässt sich folgende Hypothese

aufbauen:

Föderale Staaten führen verhältnismäßig weniger gewaltsame Konflikte mit anderen Staaten als unitarische Staaten.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu klären, ob der Zusammenhang zwischen diesen Konflikten und einem föderalen Staatsaufbau aufgrund der Datenanalyse einer Konfliktdatenbank ausgeschlossen werden kann oder ob diese auf eine Bestätigung der Hypothese hindeutet.

Im Verlauf dieser Arbeit werden zunächst Definitionen der verwendeten Begrifflichkeiten wie „bewaffneter Konflikt“ und eine Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes gegeben (Kapitel 2). Auf dieser Basis soll anschließend mit Hilfe der Datenbank im dritten Kapitel die Grundlage für die Bestätigung oder Verwerfung der Hypothese geschaffen werden. Die Daten sollen dazu in zwei Vierfeldertabellen mit unterschiedlichen Zählweisen der Konflikte übertragen werden. Auf Grundlage der Tabellenwerte soll mit Hilfe des Chi-Quadrat-Tests überprüft werden, ob föderale Staaten verhältnismäßig weniger bewaffnete Konflikte geführt haben als unitarische Staaten. Zeigt sich, dass föderale Staaten im betrachteten Zeitraum deutlich weniger Konflikte ausgetragen haben als unitarische Staaten, könnte die Hypothese anhand der vorliegenden Daten als bestätigt angesehen werden.

Eine Interpretation der Daten soll in Kapitel vier in Form eines Fazits gegeben werden.

Kapitel fünf soll dann Vermutungen über die Gründe der Bestätigung oder Ablehnung der Hypothese durch das Fazit liefern.

Im darauf folgenden Kapitel wird abschließend über die Schwierigkeiten bei der Überprüfung der Hypothese reflektiert. Zusätzlich wird aufgezeigt, welche Vorgehensweise zur weiterführenden Arbeit empfehlenswert wäre.

2. Definitionen und Eingrenzungen des Untersuchungsgegenstandes

2.1 Untersuchte Staaten

Da die Anzahl föderaler Staaten sehr begrenzt ist, langt es im Rahmen dieser Untersuchung nicht aus, nur einzelne Teile der Welt, wie beispielsweise einen Kontinent, in Betracht zu ziehen. Die Überprüfung der Hypothese soll deshalb auf Grundlage möglichst vieler Staaten weltweit durchgeführt werden. Gleich wie bei den Untersuchungen der Universität von Uppsala (Universität Uppsala 2012) werden dazu alle 193 Mitglieder der Vereinten Nationen, sowie einige Nichtmitglieder (Taiwan, Palästina, Kosovo) betrachtet.

Der Vatikanstaat soll aufgrund seiner Größe und seines Aufbaus nicht miteinbezogen werden.

Probleme ergeben sich jedoch, weil einige Staaten nicht mehr existieren (so haben sich zum Beispiel Nord- und Südjemen zusammengeschlossen), sich stark verändert haben oder erst spät gegründet wurden. Eine weitere Liste der Universität Uppsala als Basis der Datenbänke findet sich im Codebook des „UCDP/PRIO Armed Conflict Dataset 2012“ (Universität Uppsala 2012, 16-20). Diese Liste soll hier allerdings nicht als Basis verwendet werden, weil sie nur 178 Staaten und auch ehemalige Staaten wie die DDR führt. Mit Ausnahme der

Sowjetunion (Russlands) werden nicht mehr existierende Staaten somit nicht in die Untersuchung eingebunden.

„Problemfälle“, die später in der angepassten Datenbank auftauchen würden sind Hyderabad, Zypern, Nord- und Südvietnam, sowie Nord- und Südjemen. Hyderabad war ehemals unabhängig, gehört aber mittlerweile zu Indien. Der dazugehörige Konflikt wird deshalb aus der Tabelle gelöscht. Zypern besteht aus einem Südteil (griechisch) und einem Nordteil (türkisch). Letzterer ist aber nur von der Türkei anerkannt, deshalb soll der Staat „Zypern“ unverändert mit seinen Konflikten in der Tabelle bestehen bleiben. Auch der Jemen und Vietnam waren in Nord- und Südstaat geteilt, wurden aber zusammengeführt. Da nur Konflikte der alten Teilstaaten gelistet sind, werden auch diese aus der Tabelle entfernt.

2.2 Untersuchter Zeitraum

Der hier verwendete Untersuchungszeitraum soll sich an den der Datenbank der Universität Uppsala (UCDP/PRIO Armed Conflict Dataset Version 4-2012) anlehnen. Betrachtet werden damit nur Konflikte zwischen 1946 und 2012. Dadurch, dass der Zweite Weltkrieg nicht in den Untersuchungszeitraum fällt, werden verzerrende Einflüsse (z.B. durch die Rolle Deutschlands als Aggressor) vermieden.

2.3 Untersuchter Konflikttyp

Nichtstaatliche Konflikte spielen für die Überprüfung der hier vorliegenden Hypothese keine Rolle und sollen nicht untersucht werden. Die vier anderen Konflikttypen (Definitionen siehe Einleitung), könnten hingegen relevant sein, da sie alle die Beteiligung von Regierungen einschließen. Bei drei Typen tritt allerdings das Problem auf, dass auch Parteien miteinbezogen werden, die nicht Teil der Regierung sind. Diese müssten beim Erstellen der Vierfeldertabellen entfernt werden. Wie in Kapitel 6 noch gezeigt werden wird, wäre das möglich und besonders bei innerstaatlichen Konflikten mit internationaler Beteiligung sinnvoll, der Übersicht und Kürze der Arbeit wegen sollen hier aber nur Konflikte des zweiten Typs (interstaatliche Konflikte) untersucht werden.

2.4 Wichtige Definitionen

Für die Definitionen von Staat und bewaffnetem Konflikt müssen im folgenden Abschnitt wegen der Einheitlichkeit Definitionen verwendet werden, die der Datenbank zu Grunde liegen (Universität Uppsala 2012, UCDP/PRIO Armed Conflict Dataset Version 4-2012):

Ein Staat ist demnach entweder eine international anerkannte Regierung, die über ein bestimmtes Territorium herrscht, oder eine Regierung, die international zwar nicht anerkannt wird, jedoch Anerkennung durch eine andere international anerkannte Regierung genießt, die zuvor dasselbe Gebiet kontrollierte. Ein bewaffneter Konflikt wird definiert durch eine „angefochtene Unvereinbarkeit“, die Regierungen oder Territorien betrifft. Zwischen zwei Parteien, mindestens eine davon die Regierung („state-based conflict“), wird dabei Waffengewalt verwendet, die mindestens zu 25 konfliktbedingten Toten in einem Kalenderjahr führt.

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Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656404415
ISBN (Buch)
9783656406099
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212316
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,7
Schlagworte
föderalismus konflikte staaten

Autor

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Titel: Föderalismus und bewaffnete Konflikte zwischen Staaten