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Friedrich Ludwig Jahn und die Entwicklung des Turnens bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts

Seminararbeit 2003 10 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Gliederung

1 Historischer Abriss

2 Friedrich Ludwig Jahn
2.1 Leben und Wirken
2.2 Jahns politische Auffassung
2.3 Wertung der Ideen Jahns vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart

3 Die Entwicklung der Turnbewegung in Deutschland 1800 – 1850
3.1 Anfänge des Turnens
3.2 Die Turnsperre 1819 / 1820
3.3 Turnvereine im Vormärz und in der bürgerlich-demokratischen Revolution

4 Literaturverzeichnis

1 Historischer Abriss (1800 – 1850)

Die Französische Revolution von 1789 wurde auch in Deutschland mit starkem Interesse verfolgt. So wuchs auch in den unzähligen deutschen Kleinstaaten das Verlangen nach einer Beteiligung an der politischen Macht.

Nachdem Napoleon Bonaparte in den Wirren der Revolutionszeit die Macht an sich reißen konnte, begann er Europa in mehreren Feldzügen in Besitz zu nehmen. 1803 krönte er sich selbst zum Kaiser. In den Jahren 1806/07 gelang es ihm Preußen zu besiegen. Damit war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endgültig zerbrochen. Zuletzt hatte es noch aus einigen mittelgroßen Staaten und etwa 300 Kleinstaaten bestanden. Mit dem Russlandfeldzug 1812 begann Napoleons Untergang. Im Oktober 1813 wurde er in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen (Berger 1988, 167).

1815 sollten die politischen Verhältnisse Europas und Deutschlands im Wiener Kongress neu geordnet werden. Der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich beließ jedoch alles beim Alten. Es wurde ein schwacher Staatenbund gegründet. Dieser bestand aus 35 Fürstentümern und 4 freien Städten. So blieb die Zersplitterung in viele Kleinstaaten erhalten.

Diejenigen, die es wagten, gegen die fürstliche Obrigkeit anzukämpfen, hießen wegen ihrer freiheitlichen Auffassung Liberale. Diese forderten mehr Rechte und Freiheiten für das Volk, sowie eine Verfassung. 1819 kam es zu den Karlsbader Beschlüssen. Damit erfolgte die Zensur des öffentlichen Lebens, besonders der Presse und jede freie politische Aktivität wurde unmöglich gemacht (Berger 1988, 177).

Der französische König versuchte 1830 wieder mit absolutistischen Mitteln zu regieren und befahl die Auflösung des Parlaments. In der Julirevolution wurden die königlichen Truppen geschlagen und der neue König der neuen Verfassung unterworfen. Infolgedessen wurden auch in Deutschland wieder demokratische Forderungen laut. 1832 demonstrierten etwa 30.000 Menschen auf dem Hambacher Fest – es war die größte politische Massenkundgebung bisher in Deutschland - für Freiheit und Demokratie. Die Industrielle Revolution führte zu Missständen, sozialer Not und Elend. Die spontane Erhebung der schlesischen Weber vom 4. Juni bis 6.Juni 1844 gegen die unmenschliche Ausbeutung war ein signifikantes Beispiel dafür. Sie wurde durch preußische Truppen blutig beendet.

In den Jahren 1848/49 kam es in Deutschland zur bürgerlich-demokratischen Revolution. Diese wurde niedergeschlagen. Die Ziele der Revolution, die Vernichtung des adlig-junkerlichen Herrschaftssystem und die Schaffung eines Nationalstaates mit bürgerlichen Freiheiten, scheiterten (Berger 1988, 189).

2 Friedrich Ludwig Jahn

2.1 Leben und Wirken

Friedrich Ludwig Jahn gilt als Begründer der Turnbewegung im 19. Jahrhundert. Er wurde am 11. August 1778 in Lanz, einem Dorf der Mark Brandenburg, als Sohn eines Pfarrers geboren. Ab dem Jahr 1794 besuchte er das Gymnasium zum „Grauen Kloster“ in Berlin.

Ohne Abschluss begann Jahn ein Theologiestudium in Halle, welches er jedoch wieder abbrach. Unter dem falschen Namen „Andreas Christlieb Moritz Fritz“ schrieb er sich 1802/03 an der Universität in Greifswald ein, verließ die Hochschule jedoch auch diesmal ohne Graduierung. Mit Bestürzung erlebte Jahn die Niederlage Preußens 1806 bei Jena und Auerstedt. Er traf die Entscheidung seines Lebens, für die Einheit und Freiheit Deutschlands zu wirken (Neumann 1968, 5-7).

Durch einen Besuch bei GutsMuths in Schnepfenthal 1807 erhielt Jahn Impulse für die Einführung des Turnens in Deutschland. Ab 1809 wurde er Privatlehrer in Berlin und machte dort die Turnerei populär. Von Berlin aus wollte Jahn seine Pläne zur Rettung des deutschen Volkes vor der Fremdherrschaft der Franzosen verwirklichen.

Zwei Jahre später eröffnete er den ersten deutschen Turnplatz auf der Berliner Hasenheide. Dort führte er die Jugend zu Leibesübungen und Spielen ins Freie. Vor allem Jugendliche, Studenten und Intellektuelle schlossen sich seiner Bewegung an. Insbesondere beabsichtigte Jahn die Körper der Jugend zu kräftigen, um sie für den Befreiungskrieg einsatzfähig zu machen. Gehen, Laufen, Springen, Werfen, Tragen waren Grundübungen, daneben empfahl er noch Aktivitäten wie Klettern, Schwimmen, Schießen, Fechten (Krüger 1993, 47-50).

In den Befreiungskriegen war Jahn einer der ersten Freiwilligen in den Lützower Freikorps. Nach 1814 wirkten Jahns nationale Ideen und Gedanken auch auf die studentischen Verbindungen. So gründeten am 12.06.1815 studentische Turner des ehemaligen Lützower Freikorps in Jena die Deutsche Burschenschaft. Infolgedessen ist Jahn auch als Begründer der Deutschen Burschenschaften zu sehen (vgl. Neumann 1968, 8-10). Durch sein Werk „Die Deutsche Turnkunst“ (1816) verbreitete sich der Gedanke des Turnens deutschlandweit. So gab es ein Jahr vor dem Verbot des Turnens im Jahre 1819 etwa 150 Turnanstalten mit 12 000 Turnern. Da Jahn für eine nationale Einigung und eine Verfassung eintrat sowie die Anzahl der Turnanhänger ständig wuchs, wurde das Turnen von der preußischen Regierung bald mit Misstrauen beobachtet. 1819 wurde der Mord des Studenten und Turners Karl Ludwig Sand an dem Dichter August Kotzebue zum Anlass genommen, gegen Jahn und die gesamte Turnerschaft vorzugehen. 1820 wurde aufgrund der Karlsbader Beschlüsse das Turnen verboten. Jahn wurde wegen Hochverrat und Verführung der Jugend angeklagt und für knapp 6 Jahre arretiert. Der Haftzeit folgte trotz Freispruch ein jahrzehntelanger Aufenthalt auf dem Lande unter behördlicher Aufsicht (Bohus 1986, 117). 1840 wurde er durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen rehabilitiert. Zwei Jahre später wurde das Turnen zuerst in Preußen, später deutschlandweit wieder zugelassen. Der neue Aufschwung in der Turnbewegung ging besonders vom Kleinbürgertum aus. In der Zeit des Vormärz spalteten sich die Turner in zwei politische Lager. Besonders im Südwesten Deutschlands waren die radikalen Vertreter des Turnens zu finden. Sie forderten eine demokratische Republik und die alleinige Gesetzgebung durch das Volk. Jahn war als eher liberal anzusehen, er war ein Mann, der sich zwar für die Einheit Deutschlands einsetzte, aber eine konstitutionelle Monarchie anstrebte. So entzweite er sich im Vormärz und in der Revolutionszeit mit einem Teil der Turnerschaft.

1848 wurde Jahn für die Nationalversammlung in Frankfurt in der Paulskirche gewählt. Er blieb Abgeordneter bis zu ihrer Auflösung im Mai 1849.

Am 15. Oktober 1852 starb der Initiator der Turnbewegung in Freyburg, an der Unstrut (Neumann 1968, 11-23).

2.2 Jahns politische Auffassungen

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts rückte in Deutschland verstärkt der Bildungsgedanke des Idealismus in den Vordergrund. Die Entwicklung zum deutschen Volkstum wurde vor allem durch Johann Gottfried Herder geprägt. Die Erziehung des Menschen in harmonischer

Gesamtheit wurde zum Hauptbildungsziel bei Pestalozzi. Dies schloss die Entwicklung körperlicher Leistungsfähigkeit mit ein. Im Besonderen sollte die Entfaltung der einzelnen Persönlichkeit in die Gesamtheit der Volksgemeinschaft eingebunden werden. Der Philosoph Gottfried Fichte setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts für eine Bildungsreform in Deutschland ein, die ein mündiges Bürgertum mit starkem nationalen Gedankengut schaffen sollte. Er forderte die Verstaatlichung des Schulwesens und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht (Bohus 1986, 105-109).

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Details

Seiten
10
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638248891
ISBN (Buch)
9783638919654
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21222
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Sportwissenschaft
Note
Scheinvergabe
Schlagworte
Friedrich Ludwig Jahn Entwicklung Turnens Mitte Jahrhunderts Sportgeschichte

Autor

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Titel: Friedrich Ludwig Jahn und die Entwicklung des Turnens bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts