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Schillers Trauerspiel "Die Brüder Moor" im Fokus

Beziehung, Ähnlichkeit und Unterschied der Brüder Karl und Franz Moor

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersicht
2.1 Informationen zum Werk
2.2 Inhalt des Stücks

3. Personen
3.1 Franz von Moor
3.2 Karl von Moor
3.3 Welche Rolle spielt Maximilian Moor?

4. Deutungsversuch

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Räuber“ gehört zum festen Kanon in der Literatur und auch noch heute wird das Schauspiel auf den deutschen Bühnen inszeniert. Das Erstlingswerk, das Friedrich Schiller mit Anfang zwanzig schrieb, begründet seinen späteren dichterischen Erfolg. Durch die literarischen Motive, wie z.B. feindliche Brüder, Vaterautorität1 und das Aufsplitten der aristotelischen Regeln von den „drei Einheiten“2 zum Drama, kann das Werk literaturhistorisch in die Zeit des Sturm und Drang eingeordnet werden. Der Sturm und Drang wird grob auf die Jahre 1770 - 1780 aufgeteilt und gehört somit zur Spätaufklärung. In der gängigen Fachliteratur wird diese Zeit auch als Genieperiode bezeichnet.

Mit den Protagonisten Karl und Franz Moor stellt Schiller nicht nur zwei unterschiedliche Brüder, sondern auch zwei verschiedene Heldentypen auf die Bühne oder in anderer Formulierung zwei große Geister. Beide Brüder streben nach Freiheit, jeder auf seine eigene „gute“ oder „schlechte“ rt. Beide Brüder leiden unter der Vaterautorität. In Karl herrscht das „Herz ohne Kopf“, bei Franz hingegen der „Kopf ohne Herz“3. Der Leser muss erkennen, dass Friedrich Schiller seinen Fokus nicht nur auf Karl Moor gelegt hat, der gegen soziale Ungerechtigkeit rebelliert, sondern in den Räubern auch von Anfang an Franz Moor eine tragende Rolle spielt.

In der folgenden Arbeit wird die Beziehung, die Ähnlichkeit und der Unterschied der Brüder Karl und Franz Moor untersucht. Maßgebend für die Untersuchung wird eine vorangehende Charakterisierung der beiden Figuren darstellen, ebenso ein kurzer Abriss der Werkgeschichte und des Inhalts der Schillerschen Tragödie. Schlussendlich folgt ein Deutungs- und Interpretationsversuch.

Die Beziehungen zwischen den Räubern sollen völlig außer Acht gelassen werden. Als Primärtext dient die erste Fassung von 1781, 2001 im Reclam Verlag erschienen mit Anmerkungen von Christian Grewe. Um später nicht aus dem Textfluss zu kommen, werden die Quellen aus der Primärliteratur in den Text eingefügt.

2. Übersicht

2.1 Informationen zum Werk

Es existieren keine Schriften über die Entstehung von „Die Räuber“, die der Autor selbst verfasst hat. Erst später wurden von Freunden und Bekannten Anmerkungen zur Entwicklung des Stückes gemacht. Wahrscheinlich beginnt der junge Schiller schon als siebzehnjähriger Knabe um 1776 mit der Niederschrift seines Lesedramas. Allerdings musste er zwei Jahre pausieren, da er sich auf seine medizinischen Examen vorbereitet hat. Nach dem heutigen Stand der Forschung wird die Hauptentstehungszeit der Räuber auf die Jahre 1779 und 1780 datiert.4 Schließlich erscheint Schillers erstes Drama 1781 anonym im Selbstverlag mit dem neutralen Hinweis „Schauspiel“5 und wird im Januar 1782 am Mannheimer Nationaltheater als Bühnenfassung und in zensierter Form mit der neuen Bezeichnung „Trauerspiel“ uraufgeführt, obwohl Schiller der Ansicht war das Stück sei nicht bühnentauglich6. Ein Augenzeuge berichtet:

„ Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!“7

Das Stück sprengt den Rahmen der aristotelischen Dramentheorie, denn „ohngefähr zwei Jahre“8 beträgt der Handlungszeitraum der Geschichte, wie es in der Information zum Stück heißt. Die Ausdrucksweise der Protagonisten ist nicht in der üblichen Verssprache, sondern in Prosa gehalten. Auch die Ständeklausel des dramenpoetischen Prinzips bricht Schiller, in dem der Hauptakteur Karl Moor seinen ursprünglichen adligen Stand verlässt und eine Räuberbande gründet.

2.2 Inhalt des Stücks

Franz und Karl Moor sind die zwei unterschiedlichen Söhne des Grafen Maximilian Moor. Karl ist der Lieblingssohn und genießt die Liebe und Anerkennung seines Vaters. Allerdings führt er als Student in Leipzig einen leichtsinnigen Lebensstil und verschuldet sich. Er schreibt dem Vater einen Brief, mit dem er sich für seine Fehler entschuldigen will und um Vergebung bittet. Sein eifersüchtiger Bruder unterschlägt den Brief und verfasst aus eigener Hand ein neues Schriftstück in dem er seinen Bruder als Mörder, Frauenschänder und Verbrecher darstellt. Enttäuscht über das Verhalten seines Erstgeborenen und von Franz überredet, enterbt der alte Moor seinen Sohn. Karl hatte auf eine Versöhnung gehofft und ist enttäuscht über die Reaktion seines Vaters. Daraufhin lässt sich der freiheitsliebende Karl zum Anführer einer von seinen Freunden gegründeten Räuberbande wählen, die aus seiner idealistischen Sicht gerecht handelt. Spielberg, einer der Räuber beneidet Karl um seinen Rang in der Bande. Die Räuber schwören sich Treue bis in den Tod. Franz versucht nicht nur seinen Vater gegen seinen Bruder aufzuhetzen, sondern auch Karls Geliebte Amalia. Diese durchschaut allerdings Franz͚ Intrigen, der seinen Vater endgültig brechen möchte um schnellstmöglich an die Macht zu kommen. Franz schickt einen falschen Boten zu seinem Vater, der die Nachricht von Karls Tod überbringt. Der alte Moor ist von der Nachricht geschockt und fällt in Ohnmacht. Fälschlicherweise wird er für tot gehalten.

Karls Räuberbande hingegen wächst und gedeiht. Während seine Anhänger wahllos morden, versucht Karl den Armen und bedürftigen zu helfen. Bei dem Versuch einen Kameraden zu retten, zünden die Räuber einen ganzen Ort an. Als Karl voller Reue die Bande verlassen will, werden sie von Husaren angegriffen. Ein Pater verspricht ihnen ein bekehrtes Leben, wenn der Hauptmann ausgeliefert wird. Die Räuber stehen jedoch loyal hinter Karl.

Nachdem Franz versucht hat Amalia zu zwingen seine Mätresse zu werden, diese ihn aber mit dem Degen zum Teufel gejagt hat, offenbart ihr Hermann, ein Gehilfe von Franz, dass Karl und der alte Moor noch am Leben sind.

Karl wird von dem neuen Räubermitglied Kosinsky an seine Amalia erinnert. Er beschließt zum Schloss zurückzukehren und die Räuber folgen ihm. Mit falscher Identität betritt er das Schloss und trifft auf Daniel, den gläubigen Hausknecht der ihn vergiften sollte, denn Franz hat seinen Bruder erkannt. Daniel weigert sich aber und führt die Aufgabe seines Herren nicht aus. Als er auf Karl trifft, deckt er die Intrige dessen Bruders auf. Karl möchte aber resigniert aufgeben und sich seinem Schicksal fügen. Vorher trifft er jedoch auf Amalia, die ihn nicht erkennt. Die beiden führen ein Gespräch über ihre fernen Lieben. Karl kann auf Grund seiner Taten in der Räuberbande nicht zu seiner Liebe zurückkehren. Als malia von ihrem „reinen“ Geliebten spricht, flüchtet dieser mit Gewissensbissen zu seiner Räuberbande. Spielberg, der schon immer neidisch auf Karl und seinen Posten war, plant den Mord am Räuberhauptmann, wird jedoch vorher von einem anderen Räuber bezwungen und getötet. Den Hauptmann hingegen quälen Selbstmordgedanken, die er allerdings wieder verwirft. Er erwischt Herrmann bei der Versorgung eines Gefangenen und muss erkennen, dass es sein eigener Vater ist, der dort lebendig im Turm begraben wurde. Karl erkennt die Lügen seines Bruders und schwört Rache.

Bevor die Räuber den hinterhältigen Bruder erreichen, erhängt sich dieser mit einer Hutschnur. Der alte Moor, der seinen Erstgeborenen nicht erkennt, klagt über sein Unglück und die missratenen Söhne bis Karl sich schließlich zu erkennen gibt. Diese neue Schreckensbotschaft verkraftet Maximilian jedoch nicht und stirbt daraufhin an seinem Schock.

Amalia möchte fortan mit ihrem Geliebten zusammenleben. Karl hat den Räubern jedoch ewige Treue geschworen. Amalia bekniet den Räuberhauptmann sie zu töten, denn ohne ihn kann und will sie nicht mehr leben. Als die Räuber Amalia umbringen wollen fügt sich Karl ihrem Wunsch, kommt seinen Kameraden zuvor und bringt seine Geliebte um. Daraufhin liefert er sich freiwillig dem Gesetz aus und spendet indirekt das auf ihn angesetzte Kopfgeld einem armen Arbeiter mit seinen vielen Kindern.

3. Personen

Schiller selbst beschreibt auf dem Programmzettel zur Uraufführung Karl als „erhaben und ehrwürdig, gros und majestätisch im Unglück, und durch Unglück gebessert, rückgeführt zum Fürtrefflichen“, Franz hingegen ist ein „heuchlerischer, heimtückischer Schleicher - entlarvt, und gesprengt in seinen eigenen Minen“ und der alte Moor ist ein „allzu schwacher nachgebender Vater, Verzärtler, und Stifter vom Verderben und Elend seiner Kinder“.9

Im Fokus des Dramas stehen die beiden Brüder Franz und Karl Moor. Sie erscheinen auf den ersten Blick unterschiedlich, beide suchen jedoch ihre eigene Identität. Mit seinem Drang nach Freiheit, verwirklicht sich Karl in einer Räuberbande, die durch die böhmischen Wälder zieht. Franz will hingegen als Zweitgeborener aus seiner untergeordneten Rolle aussteigen und sich von den Familienbanden lösen. Schon Benno WIESE und Peter MICHELSEN erklärten die gestörte Vaterordnung10 in Schillers „Die Räuber“ zum Hauptthema, denn Karl und Franz brechen innerhalb Schillers Tragödie beide mit dem Vater. Der Streit zwischen den beiden Brüdern kommt also nicht von ungefähr und liegt in deren frühster Kindheit begraben.

[...]


1 Scherpe 1979, S.14

2 Aristoteles

3 Wenzel 1993, S.124

4 vgl. Grawe 2009, S.147

5 Ritzer2011, S.257

6 Mann 1974, S.75

7 Grawe 2009 S.171

8 Schiller 2001

9 Grawe 2009, S.177

10 Wiese 1959, S.145

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656400240
ISBN (Buch)
9783656401186
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212176
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Note
2,7

Autor

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