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Die Bedeutung von Anerkennung für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung im Kindergarten nach Axel Honneths Anerkennungstheorie

Essay 2012 6 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Im folgenden Essay möchte ich die These in den Raum stellen, dass der Kindergarten eine zentrale Institution für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung beim Kind darstellt. Der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth definiert den Begriff positive Selbstbeziehung “(…) als eine Art von nach innen gerichtetes Vertrauen (…), das dem Individuum Sicherheit sowohl in seiner Bedürfnisartikulation als auch in der Anwendung seiner Fähigkeiten schenkt” (Honneth 1994, S. 278). Diese spiegelt sich in der Objektbeziehung wieder und bildet sich laut Honneths Anerkennungstheorie durch drei Formen der Anerkennung aus . Aus seiner Theorie geht hervor, dass Anerkennung in allen Lebensbereichen für den Menschen essentiell ist, egal ob jung oder alt, ob beispielsweise im Bereich der Arbeit, Schule oder Familie. Weiterhin ist für ihn die Vorstellung sehr wichtig, dass das Kind bereits in jungen Jahren in seinen Fähigkeiten und Wesenszügen anerkannt wird, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sich eine gebrochene oder geschädigte Selbstbeziehung entwickeln wird, und es sich dann eine gute Grundlage für das weitere Leben ausbilden kann. Deshalb soll in dieser Arbeit auch der Fokus auf den Kindergarten gerichtet werden, als eine Einrichtung, die die Entwicklung des Kindes generell stark prägt.

Nach Axel Honneth stellt die intersubjektive Anerkennung eine Basis für die Autonomie und das Selbstbewusstsein des Menschen dar. Demnach muss sich das Individuum durch einen Anderen bzw. durch Andere anerkannt fühlen, um sein Selbst entwickeln zu können. Honneths Anerkennungsmodell wird deshalb in Form eines intersubjektivitätstheoretischen Personenkonzepts dargestellt, innerhalb dessen drei Anerkennungsformen für die Ausbildung einer positiven und ungebrochenen Selbstbeziehung notwendig sind: Liebe, Recht und Solidarität.

Die affektive Anerkennungsform Liebe stellt die erste Stufe einer reziproken Anerkennung dar, weil sich die Individuen in einer emotionalen Beziehung als bedürftige Wesen anerkennen. Spricht Honneth von Liebesverhältnissen, so meint er damit Primärbeziehungen, welche „(…) nach dem Muster von erotischen Zweierbeziehungen, Freundschaften und Eltern-Kind-Beziehungen aus starken Gefühlsbindungen zwischen wenigen Personen bestehen“ (Honneth 1992, S. 153). Zwischen Kind und Mutter entsteht in den ersten Lebensmonaten vor allem aufgrund der hilflosen Bedürftigkeit des Kindes eine Art Symbiose. Diese soll sich dadurch auflösen können, indem die Mutter dem Kind das Gefühl gibt, auf dauerhafte Zuwendung und Zuverlässigkeit bauen zu können. Dadurch wird das Kind den Mut finden, sich von ihr zu lösen, und erlangt somit die „Fähigkeit zum Alleinsein“, welche schließlich die Grundlage für die Ausbildung des Selbstvertrauens ist, da dieser Vorgang das Gefühl ermöglicht, sich entspannt auf sich selbst konzentrieren zu können. Inwiefern kann jedoch diese Form von Anerkennung im Kindergarten erfolgen?

Wie bereits erwähnt wurde, spielt die Liebe erstmals in der frühen Kindheit zwischen Mutter und Kind eine bedeutsame Rolle. Im Kindergartenalter ist im Normalfall das Selbstvertrauen bereits gegründet, jedoch ist diese Selbstbeziehungsform in ihrer weiteren Entwicklung und in ihrer Aufrechterhaltung wieder von zuverlässigen und anerkennenden Beziehungen abhängig. Kommt ein Kind in den Kindergarten, so findet ein Loslösungsprozess von der Mutter statt. Das Kind hat sich nun in eine neue Gruppe einzufügen, die aus Gleichaltrigen und Betreuer(n)/-innen besteht. Erstmals werden auch Freundschaften im Leben des Individuums geschlossen und dabei können KindergartenpädagogInnen Unterstützung leisten, indem sie Hilfestellung bei der Entstehung von Freundschaften geben. Ein Beispiel dafür wäre, die Kinder zu ermutigen, auf andere zuzugehen oder sie vor eine gemeinsame Aufgabe zu stellen, die sie gemeinschaftlich lösen müssen. Auch ist es wichtig, den Kindern bei aufkommenden Konflikten in Freundschaften zu helfen und gegebenenfalls Missverständnisse aufzuklären. Durch diese Anerkennung in Freundschaften kann sich die „Fähigkeit zum Alleinsein“ ausbilden, die hier von großer Bedeutung ist, da das Kind sich daran gewöhnen muss, den Alltag erstmals ohne die Mutter zu verbringen. Und dies fällt Kindern am leichtesten, wenn sie sich woanders, also beispielsweise bei ihren Freunden, auch ohne ihre wichtigste Bezugsperson, wohl fühlen.

Was die Betreuungspersonen im Kindergarten jedoch nicht leisten können, ist die Zuverlässigkeit und dauerhafte Liebe der Mutter zu ihrem Kind deutlich zu machen. Diese Aufgabe hat zum Großteil die Mutter selbst zu tragen, weil sie ihrem Kind selbst vermitteln muss, dass sie es trotzdem liebt, auch wenn sie die Betreuung teilweise an andere Menschen abgibt, und somit auch nicht mehr den ganzen Tag anwesend ist. An dieser Stelle kann somit gesagt werden, dass die Anerkennungsform Liebe im Kontext der Familie sicherlich eine wesentlich größere Rolle spielt als im Kindergarten, aber es wirkt sich positiv auf die weitere Entwicklung des Selbstvertrauens aus, wenn diese Form von Anerkennung auch in dieser Institution erfahrbar gemacht wird.

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Details

Seiten
6
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656398912
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212077
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Axel Honneth Anerkennung Kindergarten

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